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Vom Satanskult zum Glauben. oltnrt0020021114dybe000ba 664 Words 14 November 2002 Oltner Tagblatt German (c) 2002 OLTNER TAGBLATT. Sämtliche Rechte zu Artikeln des OLTNER TAGBLATT sind vorbehalten. Weitere Verwendung nur unter Genehmigung der Redaktion. Kontaktaufnahme per Email unter redaktion@oltnertagblatt.ch. |
Olten Philipp Frei und Klaus Kenneth über ihre Abkehr vom Okkultismus Philipp Frei, ehemaliger Anhänger des Satanismus, hat an der Kantonsschule zusammen mit Religionskenner Klaus Kenneth einen Vortrag zum Thema «Evil inside - Satanismus und Okkultismus» gehalten. Mit dem Anlass wollten der Wirtschaftsgymnasiast und der Sekundarlehrer auf die Gefahren dieser Strömungen sowie auf den christlichen Glauben als Alternative hinweisen. |
salome schmid Satansbeschwörungen auf lateinisch oder in unverständlichen Sprachen klingen durch die kleine Halle in der Region Olten. Einige Konzertbesucher sind derart in Trance, dass man nur noch das Weisse ihrer Augen sehen kann. Der harte Black-Metal beschwört eine aggressive Stimmung im Publikum herauf. Etwas Mystisches und gleichzeitig Unheimliches liegt in der Luft, das die Anwesenden in seinen Bann zieht ... Aussteiger auf der Suche Solche Szenen hat der 18-jährige Philipp Frei öfters erlebt. Der Schüler des Oltner Wirtschaftsgymnasiums erzählte kürzlich in der Kantonsschule von der Zeit, als er Satanist war, und wie er den Weg aus der Szene geschafft hat. Ziel des von ihm selber organisierten Anlasses war es, Betroffenen und Angehörigen die Gefahren des Satanismus zu zeigen und das Christentum als Ausstiegsmöglichkeit anzubieten. Philipp Frei wollte immer anders sein als die Masse. Auf seiner verzweifelten Suche nach Freiheit, Anerkennung und dem ultimativen Kick geriet er in die rechte Szene, die ihn schliesslich aber abstiess. Seine Gruppe, die oft von Loyalität und Pflichtgefühl sprach, war innerlich völlig zerstritten. Die Mitglieder gingen mit Schusswaffen und Messern auf ihre Gegner los. Vom Rechtsextremen zum Satanisten Philipp Freis Ausstieg lief gefahrlos ab - ein Wunder. Was der Kantischüler jedoch aus dem Rechtsextremismus mitnahm, waren Aggressionsgefühle und eine grosse Wut im Bauch. Durch das Hören von Black-Metal mit satanistischem Inhalt glaubte sich Philipp in dieser bestätigt. Die Musik gab ihm jeweils ein «angenehmes Gefühl, das allerdings nie länger als einen Monat anhielt». Der damals 16-Jährige besorgte sich fortlaufend neue CDs dieser Musikrichtung und begann, Bücher über den Satanismus zu lesen. «Ich war fasziniert und hatte wieder etwas gefunden, womit ich mich von der Masse abheben und mein Umfeld schockieren konnte», erinnerte sich Philipp. Zu dieser Zeit begann er, satanistische Konzerte zu besuchen. An diesen Anlässen wurden Teufelsanbetungen durchgeführt, denen sich der Dulliker ebenfalls anschloss. «Ich war glücklich, wenn ich anderen Schmerzen zufügen konnte und verletzte mich auch selber», gestand er. Im Glauben Frieden gefunden An einem weiteren satanistischen Konzert traf es den damals 17-Jährigen jedoch jäh wie ein Hammerschlag. Plötzlich habe er gemerkt, in was für einer grauenvollen Welt er sich hineinmanövrierte. Er habe aussteigen und sich umbringen wollen, da er im Leben keinen Sinn mehr gesehen habe. Die Wende kam, als sein Religionslehrer ihm ein Buch über eine ehemalige Satanistin schenkte, die zum christlichen Glauben gefunden hatte. Zudem lud dieser ihn mehrfach in den Jugendgottesdienst «Tankstell» der reformierten Kirche Hägendorf ein. Philipp: «Obwohl ich mit grossen inneren Widerständen dorthin kam, spürte ich an diesem Ort die Liebe und Vergebung Gottes, so wie ich vorher die Aggression und Macht Satans gespürt hatte.»Es war ein harter Kampf, bis er dem Satanismus endgültig den Rücken zukehren konnte. All das Negative in seinem Inneren sei nicht einfach vom einen Tag auf den anderen verschwunden. «Aber meine Familie, Freunde und Gott haben mir geholfen, wieder einen Sinn im Leben zu finden», erklärte Philipp. Der christliche Glaube habe ihm endlich die Freiheit gegeben, welche er sein Leben lang gesucht habe. Zwei Mio. Kilometer auf der Suche Der Freiburger Sekundarlehrer Klaus Kenneth gestaltete den zweiten Teil des Abends. Der 57-Jährige erzählte von den zwölf Jahren, in denen er durch alle Kontinente reiste und sein Glück in allen Weltreligionen suchte. Okkultismus, Esoterik und Drogen sind für ihn keine Fremdwörter. Doch weder transzendentale Meditation noch Astralreisen oder seine Zeit als buddhistischer Mönch konnten dem gebürtigen Tschechen bleibende Erfüllung geben. Nach einer Begegnung mit Mutter Teresa und einer «persönlichen Begegnung mit Gott, so unwahrscheinlich das klingen mag» in der Lausanner Kathedrale findet auch er seinen Frieden im christlichen Glauben. Ein Friede, welcher laut Kenneth seither 22 Jahre angehalten hat. |
Urteil im Mord-Prozess gegen Satanisten-Paar rechtskräftig. adn0000020021108dyb800ace 225 Words 08 November 2002 12:49 GMT ddp-Wirtschaftsdienst German (c) 2002 ddp-Wirtschaftdienst www.ddp.de |
(Ausführlich ddp 0379 vm) Das Urteil im Aufsehen erregenden Mord-Prozess gegen das Satanisten-Ehepaar Daniel und Manuela Ruda aus Witten (Nordrhein-Westfalen) ist rechtskräftig. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe verwarf in einem am Freitag veröffentlichten Beschluss die Revision der Angeklagten. Wegen des grausamen Ritualmordes an einem 33-jährigen Arbeitskollegen hatte das Landgericht Bochum im Januar Daniel Ruda zu 15 und seine Ehefrau zu 13 Jahren Haft verurteilt und die unbefristete Einweisung der Angeklagten in eine psychiatrische Klinik angeordnet. Der Richterspruch ist nach Auffassung des 4. Strafsenats des BGH rechtsfehlerfrei. (Az. 4 StR 312/02). |
Das Paar hatte gestanden, am 6. Juli 2001 den Arbeitskollegen des Angeklagten mit mindestens 66 Messerstichen und Hammerschlägen umgebracht zu haben. Die Tötung des Mannes hatten sie nach Überzeugung des Landgerichts drei Monate lang detailliert geplant. Die Rudas gaben an, «im Auftrage Satans» gehandelt zu haben. Die Schuldfähigkeit der Angeklagten war nach Einschätzung von Gutachtern und der Strafkammer zum Zeitpunkt des Mordes aufgrund einer Persönlichkeitsstörung erheblich vermindert. Das Landgericht hatte deshalb auf eine zeitige statt auf lebenslange Freiheitsstrafe erkannt. Der Satanismus sei dabei nur ein «Symbol» für die Persönlichkeitsstörungen des Paares gewesen. Die Tat sei mit Heimtücke und aus niedrigen Beweggründen begangen worden. Das unterschiedliche Strafmaß hatte das Landgericht damit gerechtfertigt, dass Daniel Ruda bei der Tat die «treibende Kraft» gewesen sei. |
Faszination Selbstzerstörung. taz0000020020809dy8a0006d Von LISA MONK. 533 Words 10 August 2002 taz - die tageszeitung German (c) 2002 taz, die tageszeitung |
Faszination Selbstzerstörung Brutalität für sich sprechen lassen: Nach Erfurt wurde eine seiner Installationen verboten. Nun ist Bjarne Melgaard mit der Ausstellung "Interface to God" in der Kieler Kunsthalle zu sehen |
von LISA MONK Wenn Kunst schockiert, hat sie häufig entweder den Nationalsozialismus oder einen destruktiven Umgang mit dem Körper zum Thema. Bjarne Melgaard nähert sich gesellschaftlichen Phänomenen über deren Subkulturen und verwendet dabei meist das Medium Körper als Träger der individuellen Identität. Damit erreichte er im Mai, dass eine Ausstellung von staatlicher Seite geschlossen wurde. Im westfälischen Herford sollte seine Installation "Black Low" im Museum für Kunst und Ambiente eine Woche nach dem Massaker in Erfurt eröffnet werden. Da die Staatsanwaltschaft Bielefeld die Gefahr von Gewaltverherrlichung sah, verbot sie sie noch vor der Eröffnung. Eine Woche später konnte die Ausstellung dann doch noch der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Kunsthalle zu Kiel zeigt zurzeit eine große Ausstellung des 1967 in Sydney geborenen Norwegers Bjarne Melgaard: mit zusammenhängenden Installationen aus Zeichnungen, Videoprints, Videos und Texten. Interface to God nennt Melgaard seine Untersuchung der quasireligiösen Gedanken-und Bilderwelt der Black-Metal-Szene aus Norwegen. Diese vor allem männlichen Anhänger des Satanismus haben das Messer selbst in die Hand genommen, um die Schnittstelle zu Gott gründlich zu durchtrennen und sich stattdessen selbst zu Herren über Leben und Tod gemacht, indem sie sich und andere verletzen. Melgaard arbeitet mit der Band Thorns zusammen, deren Musik in der Ausstellung dröhnt und von denen der Ausstellungstitel sowie derart nihilistische Sätze stammen, wie "Hope is a serum that never heals". Auf dem Fußboden stehen in großen Buchstaben weitere Texte, die um Todessehnsucht kreisen. Melgaard behängte die Wände mit riesigen PVC-Folien, auf denen in Rot und Schwarz Undefinierbares wabert, Feuer lodert oder Blut verschmiert ist. Im Hintergrund schweben Röntgenaufnahmen von Tieren. Die Wandteppiche vermitteln eine psychedelisch verwirrte Atmosphäre, die in der größten Installation ihre Ursache offenbart. Melgaard inszenierte das chaotische Lager von Drogenexzessen: auf Matratzen sind Tabletten, Messer, Rasierklingen, Spritzbestecke, Koks und destruktive Literatur verteilt. Die Figuren, die sich in diesen ekstatischen Welten der Selbstzerstörung suhlen, stehen in Bronze gegossen als überdimensionierte Gartenzwerge nebenan. Vier langhaarige Männer mit nacktem Oberkörper und Jeans sind identisch identitätslos, alle haben anstelle eines Penisses eine Spritze als Glücksbringer. Wie original die Texte und Rituale wirklich sind, bleibt offen. Sicher ist, dass die Black-Metal-Szene in Norwegen aktiv ist und sich schon vor zehn Jahren vom norwegischen Wohlfahrtsstaat separierte, um ihm ihre Philosophie des Antichristlichen, des Satanistischen entgegenzusetzen, dem sie vielfach in Drogenexzessen frönen. Anfang der 90er Jahre gab es innerhalb der Szene Morde und Selbstmorde, und Mitglieder der Subkultur rühmten sich damit, einige der berühmten Stabkirchen abgebrannt zu haben. Auch eine Nähe zu faschistischer Ideologie wird vielen Anhängern nachgesagt. Melgaard dringt in diese mysteriöse Welt ein, er ist in ihr und außerhalb zugleich. Seine Kunst bezieht keine klare Position zwischen Faszination und Ablehnung, doch die Brutalität seiner Protagonisten spricht für sich. Sie provoziert nicht zur Nachahmung, wie in Herford befürchtet, sondern nur zu kopfschüttelndem Staunen über die Verzweiflung, die hinter diesem Lebens-und Selbsthass steckt. Di-So 10.30-18 Uhr, Mi bis 20 Uhr, Kunsthalle zu Kiel, Düsternbrooker Weg 1, Tel.: 0431/880 57 56; bis 18. August. |
Wenn der Leibhaftige zum Freund wird. frarun0020020806dy87000s2 Von Benjamin Negraßus und Frank Mattern. 526 Words 07 August 2002 Frankfurter Rundschau German (c) Copyright Frankfurter Rundschau 2002 www.fr-aktuell.de |
D 3-24HS |
Okkultismus ist für Jugendliche häufig ist erste Sprosse auf der "Karriereleiter" zum Satanisten Die Personifikation alles Bösen (Satan, Teufel, Luzifer, ist in vielen Köpfen präsent. Laut einer Befragung der Zeitschrift PM glauben 35 Prozent aller Deutschen an den leibhaftigen Teufel. Einer Universitätsstudie zufolge gaben immerhin ein Prozent der befragten Gymnasiasten zu, bereits an Schwarzen Messen teilgenommen zu haben. Und viele räumten zugleich ein, sie hätten Erfahrungen im Bereich des Okkultismus gesammelt: Gläser rücken, Karten legen und Pendeln. Bedauerlicherweise war der Okkultismus häufig auch die erste Sprosse vieler Jugendlicher auf der "Karriereleiter" zum Satanisten. Nach und nach beginnen junge Menschen auf diesem Trip ihren Lebensstil zu ändern. Optisch macht sich die Wandlung hauptsächlich durch die Dominanz der Farbe Schwarz in Kleidung und Kosmetik und durch das Tragen okkulter und satanistischer Symbole bemerkbar. Auch innerlich beginnen sie sich gravierend zu verändern. Sie werden verschlossener und beginnen sich von Familie und Freunden immer stärker abzukapseln, um sich mehr und mehr mit dem Satanismus zu befassen. Sie suchen sich Gleichgesinnte, die sie oft in der Gothicszene finden. Nächster Schritt ist der Eintritt in eine satanistische Organisation. Dort beginnen sie durch Rituale (wie Trinken von Tier-und Menschenblut sowie Selbstverstümmelung) ihre persönlichen Schmerz-und Ekelgrenze zu überwinden, um an Schwarzen Messen teilnehmen zu dürfen. Satanisten werden immer skrupelloser. Sie sind teilweise so besessen vom Glauben an den Teufel, dass sie schließlich in einer Art Scheinwelt leben, in welcher der Teufel Kontakt zu ihnen aufnimmt und ihnen Befehle erteilt. Und die führen sie erbarmungslos aus, auch wenn es sich um einen abscheulichen Ritualmord handelt, wie ihn das jüngst durch die Medien bekannt gewordene Satanistenpärchen Manuela und Daniel begangen hat. Auch sie waren sich wie die meisten Satanisten keiner Schuld bewusst, da sie ja nur "im Auftrag Satans" gehandelt hätten. Wieso können in unserer Gesellschaft, in der alles und jeder überwacht wird, Jugendliche so abrutschen ? Offensichtlich gibt es immer mehr Eltern, die zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind, um sich ausreichend ihren Kinder widmen zu können. Auch der Reiz des Magischen, sowie die Verführungsgewalt böser Mächte wecken großes Interesse bei einigen Jugendlichen. Viele Sekten - auch der Satanismus - nutzen gerade das Internet, um neue Anhänger zu werben, aber auch um miteinander zu kommunizieren. Die reißerischen Seitenlayouts sollen zum Lesen anregen. Deshalb sollte unserer Meinung nach das Internet viel mehr durch Gesetze kontrolliert werden,um Gefahren, die über das Netz entstehen können, einzuschränken. Wir denken, der Satanismus wird künftig vor allem deswegen ein immer größeres Problem werden, weil viele junge Menschen einfach anders sein und auffallen wollen. Einmal im Rampenlicht stehen - und sei es sogar als Mörder - in diesem Wunsch kommen übertriebene Geltungssucht und ein wahnhaft gesteigerter Narzissmus zum Ausdruck. Unter dem Satanismus verstehen wir heute eine antichristliche, antidemokratische und destruktive Bewegung, die auch sexualmagische Elemente enthält. Die Satanisten protestieren mit Wort und Tat gegen alle gängigen Werte der Gesellschaft. Ihr oberstes Gebot: "Tue, was du willst !" In den Satansgruppen wird der Teufelskult gepflegt. Dazu gehören auch Handlungen, die christlichen Bräuchen und Symbolen genau entgegen gesetzt sind, etwa die Schwarze Messen. Darin wird Satan als das personifizierte Böse verehrt. |
Katalog der Melgaard-Ausstellung "Black low" auf dem Index Der Katalog der Ausstellung "Black ... gnlzgr0020020805dy830000a Von DPA. 222 Words 03 August 2002 General Anzeiger German (c) 2002 General-Anzeiger, Bonn |
Katalog der Melgaard-Ausstellung "Black low" auf dem Index Der Katalog der Ausstellung "Black Low" des norwegischen Aktionskünstlers Bjarne Melgaard (34) in der Herforder MARTa Galerie ist auf den Index jugendgefährdeter Schriften gesetzt worden. Dies habe die Bundesprüfstelle in Bonn entschieden, teilte Ausstellungs-Kuratorin Ann Demeester am Freitag mit. Danach dürfe der Katalog nicht im Buchhandel ausgelegt oder an Jugendliche nicht verkauft werden. |
Die Grundsatzkommission der Bundesprüfstelle sieht in dem Katalog den Angaben zufolge eine "Aneinanderreihung einer Vielzahl von Gewaltdarstellungen, die an die Leichengalerien im Internet erinnern". Jugendliche könnten durch die Lektüre des Katalogs beeinträchtigt werden, sagte die Vorsitzende der Prüfstelle, Elke Monssen-Engberding, zur Begründung der Entscheidung. Dem Jugendschutz sei Vorrang vor der Kunstfreiheit einzuräumen. Die Prüfstelle war auf Grund eines vom Herforder Landrat Hans-Georg Kluge (CDU) unterzeichneten Antrags des Kreisjugendamtes tätig geworden. Der norwegische Künstler setzt für seine Installationen bevorzugt Gewaltabbildungen ein, die er aus dem Internet herunterlädt. Seine Darstellungen thematisieren Selbstmord, Satanismus und Gewalt. Durch die Indizierung sieht die Galerie die Ausstellung nicht gefährdet: Jugendliche dürften sie ohnehin nur in Begleitung ihrer Eltern besuchen, hieß es. Die am 1. Juni eröffnete Schau ist noch bis zum 18. August zu sehen. Nach Auskunft der Kuratorin hat sie bislang rund 2000 Besucher angelockt. dpa. |
2145 BR. Süddeutsche Zeitung Medien Höllenleben. sddz000020020801dy81000cs 59 Words 01 August 2002 Süddeutsche Zeitung 16 German (c) 2002 Süddeutsche Zeitung |
Süddeutsche Zeitung Medien Höllenleben Als Kind erlebte Nicki Missbrauch, Folter und Satanismus - und verkraftete all das nicht. Sie wurde zur multiplen Persönlichkeit, spaltete ihr Ich in fiktive Kinder, Männer und Frauen. Ein aufwühlendes Porträt einer Frau, die sich dem Grauen stellt: Sie geht auf Spurensuche und besucht die Tatorte ihrer Kindheit. |
Foto: BR. |
Satanismus-Verdacht nicht bestätigt. stugtr0020020726dy7q000k8 148 Words 26 July 2002 Stuttgarter Zeitung 18 German (c) 2002, Stuttgarter Zeitung Ansprechpartner: 0049-711-7205-782 |
TRAUNSTEIN (dpa). Der Verdacht auf mehrere Fälle von schwerem sexuellen Missbrauch und der Ermordung von Kindern in Bayern im Rahmen satanistischer Rituale hat sich nicht bestätigt. Ein entsprechen des Ermittlungsverfahren gegen vier Beschuldigte aus den Landkreisen Altötting und Rottal-Inn sei eingestellt worden, teilte die Staatsanwaltschaft in Traunstein am Donnerstag mit. |
Im Zuge der Ermittlungen waren im Februar dieses Jahres mehr als 20 Wohnungen in Ober-und Niederbayern durchsucht worden. Die Auswertung des sichergestellten Materials ergab keine Hinweise, dass die Beschuldigten mit Satanismus zu tun gehabt oder Straftaten begangen haben könnten, hieß es. Ausgangspunkt seien die zunächst als glaubhaft eingestuften Aussagen zweier Zeuginnen gewesen, wonach die Ermordung mehrerer Kinder und Jugendlicher bei satanistischen Ritualen von 1965 bis 1980 als Verkehrsunfälle oder Selbstmorde getarnt worden sei. Eine Auswertung unter anderem von alten Krankenhausakten hat laut Staatsanwaltschaft aber ergeben, dass die angegebenen Todesursachen zutreffend gewesen seien. |
Düstere Pseudoreligion. stugtr0020020716dy7g000h5 369 Words 16 July 2002 Stuttgarter Zeitung 27 German (c) 2002, Stuttgarter Zeitung Ansprechpartner: 0049-711-7205-782 |
Eine ZDF-Dokumentation über die Gefahren des Satanismus In Sondershausen wurde 1993 der Schüler Sandro Beyer von drei Klassenkameraden ermordet. Das machte damals nicht nur in den lokalen Medien Schlagzeilen, denn die Täter gehörten einem bizarren Satanskult an, dessen groteske Rituale man bisher eigentlich nur aus Amerika kannte. Auch jetzt, nach so vielen Jahren, ist die Kleinstadt in Thüringen nicht zur Ruhe gekommen, noch immer wi rd Sandros Grab geschändet. Einer der Täter konnte sich in die USA absetzen und geisterte bis zu seiner Verhaftung als "Jünger Satans" durchs Internet. |
Anfang dieses Jahres erzeugte dann der Mordprozess gegen das Ehepaar Ruda aus Witten Aufregung. Auf den so genannten schwarzen Homepages bekundeten im Internet erschreckend viele Jugendliche Sympathie für die beiden verurteilten Anhänger des Satanismus: "Sie setzen sich für ihren Glauben ein. Was ist daran so schlimm? Sie haben einen Menschen umgebrach t. Na und? Ich grüße alle satanischen Brüder und Schwestern, die im Geiste mit den beiden vereint sind. Heil Satan!" In seiner Dokumentation "Im Dunstkreis der Hölle" versucht Jochen Bank den Gründen der zunehmenden Attraktivität des Satanismus bei jungen Menschen nachzuspüren und Licht in diese düstere Pseudoreligion zu bringen. Dabei legt er Wert darauf, nicht alle Anhänger der "schwarzen Szene" über einen Kamm zu scheren. Man müsse vielmehr genau unterscheiden zwischen den harmlosen Gothics und G rufties, die ihre Vorliebe für schwarze Kleidung, harte Musik und heidnische Symbole als eine noch hinnehmbare Form des jugendlichen Protests ausleben, und jenen gewaltbereiten Anhängern des Satanismus, die sich über die Gesetze hinwegsetzen. Um an ihre geistige Nahrung zu kommen, sind sie übrigens keineswegs auf obskure Internetangebote oder illegale Vertriebswege angewiesen. In Büchern wie der "Satanischen Bibel" vom Meister der Szene, Anton Szandor LaVey, die sogar von der Internetbuchhandlung Amazo n - ausgerechnet in der Rubrik "Ratgeber" - angeboten werden, findet man alles von schwarzen Messen bis hin zur rituellen Tötung von Tieren. Im Anschluss an die Sendung werden um 23.15 Uhr die Sektenbeauftragte der SPD-Fraktion, Renate Rennebach, und Ingo Weidenkaff von der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder-und Jugendschutz über die Ursachen des Kults diskutieren. Dieses Gespräch verspricht interessant zu werden, da beide Experten deutlich unterschiedliche Auffassungen über die Gefahren vertreten, die vom Satanismus ausgehen. Dienstag 22.45 ZDF Von Holger Gumprecht. |
Luterbach - Sie wissen nicht, was sie tun . bernrz0020020713dy7d0008u Von u Martin Kaiser und Bild robert grogg. 841 Words 13 July 2002 Berner Zeitung German (c) 2002 Berner Zeitung |
In der Nacht auf Donnerstag sind auf dem Luterbacher Friedhof fünf Gräber mit satanistischen Motiven versprayt worden. Vandalismus, vermuten die Betroffenen. Und ein Schrei nach Aufmerksamkeit. Wenn Gräber geschändet werden, wie in der Nacht auf Donnerstag in Luterbach, dann sprechen die Fachleute nicht einfach gleich von Satanismus, sondern meist nur von Vandalismus. Wenn Grabsteine umgeworfen, Gräber beschädigt und Grabsteine versprayt werden, deutet dies auf ein aggressives und gewalttätiges Vorgehen hin. Dass es auf Friedhöfen geschieht, kann mehrere Gründe haben: Ein Friedhof ist in der Nacht still, die Gefahr, dass man erwischt wird, ist also klein. Der Friedhof hat aber auch eine eigene, ganz spezielle Stimmung. Und Gräber zu zerstören ist, sagen Psychologen, ein effizientes Mittel, um die Gefühle von anderen Menschen zu verletzen. |
Satanische Treffen aber, das sagen die Psychologen auch, haben nicht zum Ziel, andere, fremde Menschen zu verletzen. Satanische Treffen laufen stiller ab, und es geht dann in erster Linie um eine Kontaktaufnahme, um die Kontaktaufnahme mit Satan eben. «Suchen Aufmerksamkeit» Auf dem Luterbacher Friedhof sind drei Grabsteine mit Sechsen, zwei andere mit verkehrten Kreuzen besprayt worden. Das ist im Dorf auf ein breites und verständliches Unverständnis gestossen. «Die Motive sind allerdings zu wenig deutlich, um sie Satanisten zuzuschreiben», sagt Rolf Weber, der reformierte Pfarrer. «Ich denke vielmehr, die Täter haben sich kurz nicht mehr gespürt und dann irgendeinen "Seich" gemacht. Vielleicht haben sie das mal in einem Film gesehen oder so.» Der Pfarrer vermutet zudem junge Menschen hinter der Tat, «die Jugendlichen suchen heute Grenzen, Grenzen, die ihnen die Gesellschaft nicht mehr mitgibt». Die Jugendlichen suchen auch nach Aufmerksamkeit, sagt Rolf Weber, «mit einer verwerflichen Tat werden sie plötzlich zum Thema. So gesehen haben sie hier erreicht, was sie wollten.» Die Symbolik der beiden verkehrten Kreuzen deutet für den Pfarrer auch nicht zwingend auf einen satanistischen Hintergrund hin, «die Tat kann auch politisch motiviert gewesen sein», sagt er. «Ein verkehrtes Kreuz kann auch bedeuten, dass man die Grundwerte der menschlichen Gesellschaft auf den Kopf stellen will.» Entsetzen hier und da Kurt Hediger, CVP-Gemeinderat mit dem Ressort Friedhof, ist von der Tat entsetzt, genauso entsetzt wie die Angehörigen, mit denen er seither geredet hat. «Etwas in der Art ist bei uns aber noch nie vorgekommen», sagt er. Die Hemmschwelle, sogar auf dem Friedhof zu wüten, sei heute bei gewissen Leuten aber offenbar sehr niedrig. Hediger spricht von «einem dummen Streich», die Tat mit Satanismus in Verbindung zu bringen, «wäre aber verfrüht.» Der Gemeinderat hat Anzeige gegen unbekannt gemacht. Die Kantonspolizei ermittelt, bisher ohne Erfolg. Polizeisprecher Urs Eggenschwiler sagt, dass ihm Vergleichbares nicht bekannt ist. Ausser vielleicht dem Vorfall in Kriegstetten vor drei Jahren. Damals hatten Jugendliche auf dem Friedhof 20 Grabsteine umgeworfen. u Satanistische Motive auf dem Luterbacher Friedhof: Die Täter sind noch nicht ermittelt. Die Tat war ein Schrei nach Aufmerksamkeit, vermuten die Betroffenen. Athleten auf Solothurns Strassen Morgen kommen die Gigathleten in den Kanton und werden am Nachmittag auch in unserer Gegend erwartet. Morgen, steht der Kanton Solothurn ganz im Zeichen des «Swisspower Gigathlon Expo.02». Rund zehntausend Athleten und ein Begleittross von mehreren hundert Fahrzeugen werden auf dem Streckenabschnitt von Basel nach Biel am Jurasüdfuss vorbeikommen. Die Kantonspolizei rechnet mit Verkehrsbehinderungen. Kanton Solothurn Die 7. Etappe des Swisspower Gigathlon startet morgen früh am Vierwaldstättersee und führt via Basel mit dem Montainbike vorbei an Gempen, Hochwald und Seewen. Über den Passwang via Mümliswil, Balsthal und Klus wird die Wechselzone auf dem Bourquin-Areal in Oensingen erreicht. Die Teams werden dort etwa um 12.45 Uhr erwartet. die Singles um 14.30 Uhr. Dies sind lediglich Richtwerte. Auf Inlineskates geht es von dort weiter nach Holzhäusern und Wangen an der Aare, südlich der Aare via Deitingen und Luterbach zur nächsten Wechselzone auf dem Sulzer-Areal in Zuchwil. Man rechnet damit, dass die Spitze der Teams dort ungefähr um 13.30 Uhr eintrifft. Die Singles werden rund zwei Stunden später erwartet. Mit Verkehrsbehinderungen muss auf den genannten Strecken zirka zwischen Mittag und 21 Uhr gerechnet werden. Die Verkehrsteilnehmer werden gebeten, die Signalisationen sowie die Anweisungen des Streckendienstes und der Polizei zu beachten. Eine Woche unterwegs Vergangenen Sonntag startete die Sportveranstaltung in Yverdon, morgen ist der Zieleinlauf in Biel. Dazwischen haben die Athleten auf 1477 Kilometer die Schweiz umrundet und dabei 21 000 Höhenmeter bewältigt. Bis ins Ziel werden sie insgesamt 25 km geschwommen und 181 km gelaufen sein, Sie haben 303 km auf dem Mountainbike, 795 km auf dem Rennvelo und 173 km auf Inlineskates oder im Rollstuhl zurückgelegt. kps Zuchwil: 13.30 Die letzte Etappe führt die Gigathleten und Gigathletinnen von Zuchwil nach Biel. In der Wechselzone auf dem Sulzer-Areal in Zuchwil soll die Spitze etwa um 13.30 Uhr eintreffen, die Einzelteilnehmer rund zwei Stunden später. Von dort gehts über die Velobrücke in die Stadt, sie rennen weiter nördlich der Aare entlang, am Landhausquai vorbei und ins Obachquartier. Ausserhalb der Stadt verläuft die Rennstrecke der Bielstrasse entlang, bis sie beim Grenchner Flughafen südlich in die Witi abzweigt, ins Bernische. st. |
Satanisten haben mehr Zulauf von Jugendlichen - Vernetzung mit Neonazis. berlrz0020020621dy6l000bc Von Kerstin Krupp. 164 Words 21 June 2002 Berliner Zeitung 6 German (c) 2002 Berliner Zeitung |
BERLIN, 20. Juni. Die Zahl jugendlicher Satanisten wächst nach Ansicht von Experten. Wenn man nur davon ausgehe, dass sich an jeder altersmäßig in Frage kommenden deutschen Schule ein Schüler mit Satanismus befasse, ergebe dies eine Zahl von 18 600, sagte der evangelische Sektenbeauftragte Ingolf Christiansen aus Göttingen auf einer Podiumsdiskussion in Berlin. Lege man die Ergebnisse einer Studie der Uni Jena von 1994 zugrunde, in der sich ein Prozent der Schüler als Satanisten bezeichneten, liege die Zahl mit 60 000 Anhängern noch höher. "Das heißt nicht, dass es tatsächlich so viele Satanisten gibt", sagte Christiansen. Aber es zeige das hohe Rekrutierungspotential. Zunehmend vermischten sich zudem Anhänger satanistischer Gruppen mit Neonazis. So versuche die "Allgermanische Heidnische Front", die anti-christliche und rechtsextreme Szene zu vernetzen", sagte der Politologe Rainer Fromm. |
Solche Gruppen sähen die multikulturelle Gesellschaft und das Christentum als Bedrohung der arischen Rasse. Sie riefen unverblümt zu Mord und Friedhofsschändung auf. (kek.). |
ddp-Terminübersicht für Mittwoch, 19. Juni 2002 / eins. adn0000020020618dy6i00bq9 286 Words 18 June 2002 12:51 GMT ddp-Wirtschaftsdienst German (c) 2002 ddp-Wirtschaftdienst www.ddp.de |
+++++ POLITIK +++++ Berlin |
08.30 -- Kabinett / Kanzleramt 09.00 -- Forts./Abschl. Internationale Konferenz «Equal Pay» / Hotel Maritim pro Arte, Friedrichstr. 151 11.00 -- Veranstaltung Konrad-Adenauer-Stiftung zu Arbeitspapier «Wer oder was ist ATTAC» / Berliner Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung, Tiergartenstr. 35 11.00 - PK Dt. Institut für Altersvorsorge zu aktuellem DIA-Rentenbarometer Juni 2002 - die Rentenbestimmung in Deutschland / Presseclub, Schiffbauerdamm 40 11.00 - PK Botschaft des Königreichs Saudi-Arabien zu «Palestina und die palästinensische Frage aus islamischer Sicht» / Presseclub, Schiffbauerdamm 40 11.30 -- PK Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU zu Initiativenvorstellung «http://www.mittelstand-fuer-stoiber.de/» und Mittelstandsfinanzierung in Deutschland / Bundespressekonferenz, Schiffbauerdamm 40 12.00 -- PK BK Schröder und BM Eichel zu Haushalt 2003 / Bundespressekonferenz, Schiffbauerdamm 40 13.00 -- Bund/Länder-Planungsausschuss für die Gemeinschaftsaufgabe«Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes» / mit BM Künast 19.00 -- Diskussionsveranstaltung SPD zu «Satanismus und Rechtsextremismus - Brüder in Wort und Tat?» / Reichstag Augsburg 14.00 -- PK Grüne-Bundesvors. Roth und Beauftragte der Bundesregierung für Ausländerfragen, Beck, zur Eröffnung des neuen Beratungs-und Integrationszenrums für Flüchtlinge / Schießgrabenstr. 14 Faßberg 12.45 - BM Scharping und Verteidigungsminister der Niederlande, Frank de Grave, besuchen das I. Deutsch-Niederländische Korps / Fliegerhorst Faßberg 13.45 - Beginn des Appells / anschließend PK mit beiden Verteidigungsministern / Besuch der Waffenschau Gelnhausen 16.30 - Betriebsrätekonferenz der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) / mit BK Schröder / Stadthalle, Jahnstr.2 Hamburg 09.00 - Fortsetzung Prozess gegen Friedrich Engel / Strafjustizgebäude, Saal 237, Sievekingplatz 3 Mannheim 10.00 - Verkehrspolitisches Forum der FDP / u.a. mit verkehrpolit. Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Friedrich, und umweltpolitischer Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Homburger, / Hotel Wartburg, Saal «Toulon», F4, 4-11 (folgt zwei) |
Berliner Ausstellung geht dem «Hexenwahn» auf den Grund. adn0000020020502dy5200gzd 309 Words 02 May 2002 11:30 GMT ddp-Wirtschaftsdienst German (c) 2002 ddp-Wirtschaftdienst www.ddp.de |
(Bild geplant) Mit einer multimedial inszenierten Ausstellung geht das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin dem «Hexenwahn» auf den Grund. Dabei werde das Phänomen der Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung als ein «bis in die Gegenwart aktuelles Thema behandelt», sagte DHM-Generaldirektor Hans Ottomeyer am Donnerstag vor der Eröffnung in Berlin. «Hexenwahn - Ängste der Neuzeit» wird ab Freitag bis 6. August im Kronprinzenpalais Unter den Linden gezeigt. |
Die Schau ist in Zusammenarbeit mit dem Musee d'Histoire de la Ville de Luxembourg entstanden, wo sie in etwas anderer Form im Jahr 2000 gezeigt wurde. Große europäische Museen haben Leihgaben beigesteuert. Zu den rund 350 gezeigten Objekten zählen neben historischen Sachzeugnissen wie Foltergeräte und einem Hexenhemd auch Kunstwerke, Filme und literarische Texte, die sich mit dem Thema beschäftigen. Die Schau ist als sinnliches Erlebnis inszeniert: Beim Rundgang durch die zumeist mit dunkler Gaze ausgekleideten Ausstellungsabschnitte wird der Besucher von einer Klanginstallation (Peter Kiefer) begleitet. Die Präsentation wolle zugleich mit noch immer weit verbreiteten Klischees aufräumen, betonte Ottomeyer. So sei die Hexenverfolgung nicht ein Phänomen des «finsteren Mittelalters», sondern erlebte ihre Hochzeit vom 16. bis 18. Jahrhundert. Bis heute spielten Satanismus, Wahrsagerei und Hexenglaube eine Rolle. Die Ausstellung versuche, Lebensumstände und Mentalitäten aufzuzeigen, die die Hexenverfolgung erst möglich machten. Ferner gehe die jüngste Forschung nicht mehr von den ursprünglich angenommenen neun Millionen Opfern aus. 40 000 bis 60 000 Menschen seien in Europa der Hexenverfolgung zum Opfer gefallen. Außerdem gehe es nicht ausschließlich um die Stigmatisierung von Frauen, vielmehr «war jede vierte Hexe ein Mann», sagte der DHM-Chef. Zu der Ausstellung ist ein Katalog (22 Euro) erschienen. Begleitend werden Führungen - auch für Kinder und Schüler - angeboten. Öffnungszeiten täglich außer Mittwoch von 10.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag bis 22.00 Uhr. Der Eintritt ist frei. (Informationen unter http://www.dhm.de/) (folgt Feature) |
Richtigstellung der Bundesstelle für Sektenfragen zu "Satanismus". aupag00020020502dy520066w 321 Words 02 May 2002 11:52 GMT Austria Presse Agentur-OTS German OTS - "ORIGINAL TEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS" |
Wien (OTS) - Im Rahmen eines Jour-fixe-Abends des OÖ-Presseclubs am 29. 04. 2002 nahm neben Dr. Rüdiger Hauth, Beauftragter für Sekten-und Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche von Westfalen/Deutschland, Dr. German Müller, Leiter der Bundesstelle für Sektenfragen, zum Thema "Satanismus" Stellung. Leider musste die Bundesstelle feststellen, dass aus der umfassenden Darstellung ein kleiner Teil herausgegriffen und missverständlich formuliert wurde. Das Ergebnis waren beispielsweise Presseberichte unter dem Titel "Schon Volksschüler auf dem "Satanismus-Trip". Die Bundesstelle legt Wert auf die Feststellung, dass diese Formulierung von Dr. Müller nicht gewählt wurde und auch inhaltlich nicht zutrifft. |
Tatsächlich stellte Dr. Müller fest, dass Volksschüler im Umgang mit Computern mitunter vertrauter seien als deren Eltern und manche Computer-Spiele durchaus einschlägige Symbolik beinhalten. Daraus ergebe sich ein hoher Bekanntheitsgrad von Symbolen, die in Zusammenhang mit Satanismus zu finden sind. Zusätzlich ermögliche das Internet den raschen und einfachen Zugriff auf Texte und Inhalte, der früher in dieser Form nicht möglich war. Dadurch könne Interesse an Themen dieser Art geweckt werden. Ergänzend wird angemerkt, dass die Ausführungen zum Thema Computerspiele, Internet und Satanismus natürlich nicht in Zusammenhang mit Volksschulkindern sondern mit einer entsprechend höheren Altersgruppe zu sehen sind. Die Bundesstelle distanziert sich hiermit von den in der Medienberichterstattung gewählten Schlagzeilen. Die Bundesstelle für Sektenfragen ist eine Anstalt öffentlichen Rechts, die per Bundesgesetz im Jahr 1998 eingerichtet wurde. Sie dokumentiert und informiert über Gefährdungen, die von so genannten Sekten und deren Aktivitäten ausgehen können. Die Bundesstelle steht als österreichweite Dokumentations-und Informationsstelle zum Thema "so genannte Sekten" zur Verfügung und ist in ständiger Verbindung mit den Informations-und Beratungsstellen zu Sekten-und Weltanschauungsfragen in Österreich. Rückfragehinweis: Dr. German Müller Bundesstelle für Sektenfragen Wollzeile 12/2/19 A-1010 Wien Telefon: 01/ 513 04 60 Telefax: 01/ 513 04 60-30 mailto:bundesstelle@sektenfragen.at *** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS *** OTS157 2002-05-02/13:52. |
Berliner Ausstellung geht dem «Hexenwahn» auf den Grund. adn0000020020502dy52007ka 309 Words 02 May 2002 10:47 GMT ddp-Wirtschaftsdienst German (c) 2002 ddp-Wirtschaftdienst www.ddp.de |
(Bild geplant) Mit einer multimedial inszenierten Ausstellung geht das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin dem «Hexenwahn» auf den Grund. Dabei werde das Phänomen der Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung als ein «bis in die Gegenwart aktuelles Thema behandelt», sagte DHM-Generaldirektor Hans Ottomeyer am Donnerstag vor der Eröffnung in Berlin. «Hexenwahn - Ängste der Neuzeit» wird ab Freitag bis 6. August im Kronprinzenpalais Unter den Linden gezeigt. |
Die Schau ist in Zusammenarbeit mit dem Musee d'Histoire de la Ville de Luxembourg entstanden, wo sie in etwas anderer Form im Jahr 2000 gezeigt wurde. Große europäische Museen haben Leihgaben beigesteuert. Zu den rund 350 gezeigten Objekten zählen neben historischen Sachzeugnissen wie Foltergeräte und einem Hexenhemd auch Kunstwerke, Filme und literarische Texte, die sich mit dem Thema beschäftigen. Die Schau ist als sinnliches Erlebnis inszeniert: Beim Rundgang durch die zumeist mit dunkler Gaze ausgekleideten Ausstellungsabschnitte wird der Besucher von einer Klanginstallation (Peter Kiefer) begleitet. Die Präsentation wolle zugleich mit noch immer weit verbreiteten Klischees aufräumen, betonte Ottomeyer. So sei die Hexenverfolgung nicht ein Phänomen des «finsteren Mittelalters», sondern erlebte ihre Hochzeit vom 16. bis 18. Jahrhundert. Bis heute spielten Satanismus, Wahrsagerei und Hexenglaube eine Rolle. Die Ausstellung versuche, Lebensumstände und Mentalitäten aufzuzeigen, die die Hexenverfolgung erst möglich machten. Ferner gehe die jüngste Forschung nicht mehr von den ursprünglich angenommenen neun Millionen Opfern aus. 40 000 bis 60 000 Menschen seien in Europa der Hexenverfolgung zum Opfer gefallen. Außerdem gehe es nicht ausschließlich um die Stigmatisierung von Frauen, vielmehr «war jede vierte Hexe ein Mann», sagte der DHM-Chef. Zu der Ausstellung ist ein Katalog (22 Euro) erschienen. Begleitend werden Führungen - auch für Kinder und Schüler - angeboten. Öffnungszeiten täglich außer Mittwoch von 10.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag bis 22.00 Uhr. Der Eintritt ist frei. (Informationen unter http://www.dhm.de/) (folgt Feature) |
Kontaktschwelle zum Satanismus sinkt. dstan00020020501dy52000bt 358 Words 02 May 2002 Der Standard German (c) 2002, Der Standard. http://www.derstandard.co.at/ |
Experten sind aber uneins über reale Gefahren der Teufelsjünger für die Gesellschaft Michael Möseneder |
Linz - Wie gefährlich ist Satanismus? Die Antworten gingen bei einem Expertentreffen in Linz auseinander. Der Leiter der österreichischen Bundesstelle für Sektenfragen, German Müller, sieht reale Gefahren für die Umwelt, ein deutscher Fachmann nicht. Rüdiger Hauth, Sektenbeauftragter der evangelischen Kirche in Nordrhein-Westfalen, war vor einigen Wochen Gutachter im so genannten Satanisten-Prozess in Bochum. Wie berichtet, hatte ein junges Pärchen einen Bekannten ermordet, im Auftrag des Teufels, wie sie betonten. "Tatsächlich hatte das aber nichts mit Satanismus zu tun, sie verwendeten Versatzstücke aus der Szene", so Hauth. Vergleichbar sei das mit Teenagern, die sich Pentagramme tätowieren lassen oder auf dem Kopf stehende Kreuze als Anhänger tragen. "In diesen Fällen gibt es meist keinen ideologischen Überbau, es geht um den Kick, etwas Tabuisiertes zu machen." Problematischer sei es mit dem "geschlossenen Bereich", in dem ein geschlossenes Weltbild zelebriert wird. Mitglieder seien meist sozial höher stehend, Lehrer, Freiberufler und Polizisten, deren Ideologie auf Büchern, etwa jenen von Aleister Crowley, beruht. In diesen Zirkeln sieht Hauth eine Gefahr, allerdings vor allem für die Mitglieder selbst. Besonders Ausstiegswillige stünden unter enormem psychischem Druck. Hauth schätzt die geschlossene Szene in Deutschland vorsichtig auf bis zu 5000 Mitglieder. Noch schwieriger sei die Zahl der Menschen abzuschätzen, die zumindest Symbole oder Teile der Ideologie verwenden: Hochrechnungen gehen von bis zu 60.000 aus. German Müller kann keine Zahlen für Österreich nennen. Anfragen bezüglich Satanismus seien in den vergangenen Jahren aber an der Spitze der Liste zu finden. Meist kommen sie von besorgten Eltern, in fünf Fällen ging es um Ausstiegswillige. Müller sieht im Gegensatz zu Hauth in den geschlossenen Zirkeln aber auch eine Gefahr für die Umwelt. Etwa, wenn die Mitglieder Kinder haben, die unter teils erschreckenden Umständen aufwachsen. Oder Rituale im Rahmen der "Ausbildung", die neben psychischen auch schwerwiegende physische Folgen haben können. Die Möglichkeit von Menschenopfern will Müller im Gegensatz zu Hauth nicht ausschließen. Problematisch ist für Müller jedoch, dass immer Jüngere mit satanistischen Symbolen vertraut werden. Schon Sieben-bis Achtjährige können einschläge Zeichen identifizieren: Neben Filmen senken auch PC-Spiele die Kontaktschwelle, glaubt Müller. |
Besuchstage an der Sekundarschule Niederuzwil mit vielfältigem Programm. stgtag0020020501dy51001ps Von philipp stutz. 215 Words 01 May 2002 St. Galler Tagblatt German Copyright (c) 2002 St Galler Tagblatt. Besuchen Sie die Website http://www.tagblattmedien.ch/ |
Besuchstage an der Sekundarschule Niederuzwil mit vielfältigem Programm Faszinierendes aus Perlen und Glas herstellen, sich über Okkultismus und Satanismus informieren, ein Atomkraftwerk besichtigen - das alles bieten die Elternkurse an Uzwils Sekundarschule in dieser Woche. |
niederuzwil. An Unterrichtsblöcken am Abend besteht für Eltern Gelegenheit, Lektionen ihrer Kinder als Zuschauerin oder Zuschauer zu besuchen. «So erhalten Eltern Einblick in den Unterricht, und Kontakte können geknüpft werden», sagt Michael Forster, Schulleiter an der Niederuz-wiler Sek. Die Klassen 1c und 2a ermöglichen so ihren Eltern den Schulbesuch ausserhalb der Arbeitszeit. Zudem erhalten die Eltern die Möglichkeit, Abendkurse zu besuchen und so nicht nur als Zuschauer dabei zu sein, sondern sich mit Lerninhalten und - methoden auseinander zu setzen. 289 Anmeldungen sind eingegangen, was dokumentiert, dass dieses Angebot auf grosses Interesse stösst. Das verwundert nicht bei der vielfältigen Auswahl: Schularzt und Berufsberater, der Leiter des Jugendtreffs und der Schulratspräsident informieren. Im musischen Bereich kann man beispielsweise in einem Percussions-Workshop südamerikanische Rhythmen auf verschiedenen Instrumenten spielen. Und schliesslich geht es für Schüler auch darum, ein neues Logo für zu kreieren. Dieses wird dann an der Jubiläumsfeier 50 Jahre Sekundarschule Niederuzwil enthüllt. Im Zeichen dieses Jubläums konnten Schüler Anfang dieser Woche ein Bürli zum Preis wie vor 50 Jahren erstehen. |
"profil" - Vorwürfe gegen steirischen Sektenberater. aupag00020020421dy4l0005t 257 Words 21 April 2002 06:02 GMT Austria Presse Agentur-OTS German OTS - "ORIGINAL TEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS" |
Der vom Land Steiermark geförderte Sekten-und Satanismusspezialist Schweidlenka publizierte unter anderem in neo-satanistischen Magazinen - Schützenhöfer verspricht Aufklärung Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, sieht sich der Sekten-, Esoterik-und Satanismusexperte des Landes Steiermark, Roman Schweidlenka, 49, heftigen Vorwürfen ausgesetzt. Schweidlenka hat vor, aber auch noch während seiner Tätigkeit als vom Land geförderter Experte in esoterischen und sogar deklariert neo-satanistischen Magazinen publiziert. So verfasste er unter anderem Beiträge für das Magazin "Abrahadabra, das Magazin des neuen Äons", für "Die andere Realität", für "hag und hexe, das Magazin für Schamanismus, Magie und Naturreligion" und für "esotera". |
Schweidlenka, dessen Institut "Eso-Informationsdienst" nach "profil" vorliegenden Informationen vom Land Steiermark jährlich etwa 35.000 Euro erhält und zu Zeiten, als der jetzige Wirtschaftsminister Martin Bartenstein noch Familienminister war, vom Familienministerium auch Bundesförderung bezog, verteidigt seine publizistische Tätigkeit gegenüber "profil". Schweidlenka zu seinen keineswegs satanismus-kritischen Texten für "Abrahadabra": "Ich wusste nichts vom neo-satanistischen Hintergrund des Magazins. Ich habe mir das erst später angeschaut." Nach eigenen Angaben hat Schweidlenka mittlerweile jede publizistische Tätigkeit für die genannten Magazine eingestellt. Dennoch will der für Schweidlenkas Förderungen zuständige Landesrat Hermann Schützenhöfer (ÖVP) die publizistische Tätigkeit des Sektenexperten unter die Lupe nehmen. Aus dem Büro Schützenhöfer hieß es zum Fall Schweidlenka: "Wenn es Vorwürfe gibt, sind sie ernst zu nehmen. Wir werden Schweidlenkas Tätigkeit sicher prüfen." Rückfragehinweis: "profil"-Redaktion Tel.: (01) 534 70 DW 2501 und 2502 *** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS *** OTS005 2002-04-21/08:00. |
Schülerinnen foltern 14-jähriges Mädchen. stugtr0020020322dy3m000nu 125 Words 22 March 2002 Stuttgarter Zeitung 20 German (c) 2002, Stuttgarter Zeitung Ansprechpartner: 0049-711-7205-782 |
BESANÇON (dpa). Stundenlang haben zwei Schülerinnen eine 14-jährige Schulkameradin im ostfranzösischen Besançon brutal gefoltert und mit einem Messer misshandelt. Zuvor hatten sie das Mädchen bewusstlos geschlagen. "Der unheilvolle kulturelle Einfluss" von Satanismus und Horrorfilmen könnte zu den ba rbarischen Akten der 13 und 14 Jahre alten Mädchen beigetragen haben, berichtete dazu die Staatsanwaltschaft von Besançon am Donnerstag. Sie ordnete eine psychiatrische Untersuchung der Täterinnen an. Das jüngere Mädchen hat zugegeben, im Alter von elf Jahren "zusammen mit Skinheads auf Friedhöfen an satanischen Riten mitgewirkt zu haben", erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Ältere habe den Horror-Film "Scream" gesehen. Der Fall hat in Frankreich helle Empörung ausgelöst und die erregte Diskussion um eine zunehmende Gewaltbereitschaft von Jugendlichen noch vertieft. |
Das Gesetz der anderen. taz0000020020317dy3g00001 Von FRANK SCHÄFER. 719 Words 16 March 2002 taz - die tageszeitung German (c) 2002 taz, die tageszeitung |
Das Gesetz der anderen "Kranke Hirne": Der neue Jerry Cotton ist reaktionärer, böswillig vereinfachter Agitprop gegen die Gothic-, Dark-Wave-und Black-Metal-Szene |
"Das Blatt, das ich in Händen hielt, war voller germanischer Runen. Auch das Hakenkreuz fand ich. In einem anderen blieb mein Blick an einem düsteren Foto hängen. Nackte Männer und Frauen schlachteten einen Ziegenbock. Es sah irgendwie nicht nach einer Grillparty aus." Jerry Cotton und sein Partner Phil Decker ermitteln diesmal in der Gothic-, Dark-Wave-und Black-Metal-Szene. Von Anfang an lassen sie keinen Zweifel daran, dass sie in einen richtigen "Scheißhaufen" getreten sind. Und damit ist nicht nur The Duke of Hellfire gemeint, die Band um den luziferischen Frontman Alister Raven, der mit seiner Höllenhorde einen Journalisten bei lebendigem Leibe verbrennen lässt. Die Begründung: Er war ihrer verbrecherischen Freimaurerei, ihrem konspirativen Kampf gegen die Kirche, gegen Schwarze und Schwule, gegen die "freiheitliche Gesellschaftsordnung", mithin gegen alles, was der bürgerlichen Gesellschaft heilig ist, auf die Schliche gekommen. Nein, sie schmeißen alle in einen Sack und möchte am liebsten einen großen Knüppel nehmen, weil für Differenzierungen in der Kolportage eben kein Platz ist. Und erst ganz zum Schluss, nachdem der Ghostwriter über 200 Seiten lang Stimmung gemacht hat gegen diese Musik mit ihren "Liebeserklärungen an Gewalt und Rassismus", gegen die "Machwerke aus dem okkulten und rechtsradikalen Milieu" und die "kranken Hirne", die sie erdenken, folgt doch noch so etwas wie ein Unterscheidungsversuch. Und zwar im Plädoyer des Staatsanwalts Dr. Harper, der dafür sorgt, dass Raven zu 250 (!) Jahren Haft verurteilt wird: "Es geht hier nicht darum, eine Musikrichtung und ihre Anhänger pauschal zu verurteilen, Ladies and Gentlemen. Viele dieser Black-Metal-Musiker und viele ihrer Fans betrachten Dämonen, Hölle und Teufel und all ihre obskuren Symbole als faszinierendes Geheimnis, und es ist so eine Art Spaß für sie, sich damit zu beschäftigen. Eine fragwürdige Faszination, Ladies and Gentlemen, ein fragwürdiger Spaß. Aber darüber hat dieses Gericht kein Urteil zu fällen." Eben! Und immerhin! Denn hier wird zwar nichts zurückgenommen von der zuvor gut fest geklopften Suggestion, Rechtsradikalismus resp. Nazismus und Black Metal seien sozusagen Synonyme, was so ja nichts weiter ist als eine böswillige Vereinfachung und letztlich Denunziation; aber immerhin erkennt Dr. Harper beinahe schon gegen den Willen seines Autors, dass man auch spielen kann mit den Symbolen des Satanismus, dass man sie eben auch wegen ihres konnotativen Zeichenwerts, ihrer Suggestivkraft, ihrer Coolness aufruft, dass man also gewissermaßen einen ästhetischen Umgang mit ihnen pflegt. Und in der Tat, darum geht es - oder kann es doch zumindest auch gehen! Um artifizielle Camouflage, um provokativen Mummenschanz, allein zum Zwecke der Distinktion! Das ist trivial, aber Cotton und Decker ahnen nicht einmal etwas davon. Und das hat auch seinen Grund. Denn augenscheinlich soll diese Szene diskreditiert werden und der politische Liberalismus, der so einen stinkenden Sumpf nicht sofort trockenlegt, gleich mit. Kurzum, hier haben wir Agitprop von der reaktionären Sorte, und man ahnt längst, dass der durchschnittliche Jerry-Cotton-Leser mindestens CDU wählt. Hübsch anspielungsreich attackiert unser schriftstellernder Dunkelmann denn auch gleich noch die antiautoritäre Tradition, wenn er auf dem Eingang zum Allerheiligsten des Dukes die Maxime "Tu, was du willst - das sei das ganze Gesetz!" pinselt und also Rabelais "Gargantua und Pantagruel" zitiert, jenes "Fay ce que vouldras", das einzige Gesetz in der Abtei Thélèm, dem Anarcho-Arkadien schlechthin. Und ganz folgerichtig steht bzw. fällt die Moral in diesem Buch mit der Konstitution der bürgerlichen Familie. Ein toleranter, allein erziehender Vater, der auch noch gelegentlich kifft und sich sexuelle Freizügigkeit leistet, liefert notwendig das Gefälle, das die beiden minderjährigen Protagonisten, seine Tochter Mary und deren Freundin Vivian, in die kriminelle Szene abrutschen lässt. Vivian hingegen lebt zwar in Verhältnissen, die manche geordnet nennen, hat einen Streber-Bruder, eine sorgende Mutter, aber auch hier ist der Vater das Problem. Als Chef eines Autohauses - ein Autoverkäufer also, das Spießerstereotyp! - hat er viel zu wenig Zeit, sich um die Sorgen seiner heranwachsenden Tochter zu kümmern. Die Mutter versucht sicher ihr Bestes, aber ein Vater ist nun mal ein Vater! Wenn Ernst Bloch Recht hat und sich in der Kolportage allemal deutlicher kurrente utopische Vorstellungen offenbaren, dann kann es einem hier durchaus kalt den Rücken hinunterlaufen! FRANK SCHÄFER Jerry Cotton: "Black Metal - Sound des Todes". Bastei-Lübbe 2001, 221 Seiten, 3,95 Euro. |
Die Katzen des Satan - Death Metal mit grunzenden Frauen - Kittie spielten im SO 36. berlrz0020020225dy2p00006 Von Jens Balzer. 445 Words 25 February 2002 Berliner Zeitung 12 German (c) 2002 Berliner Zeitung |
In unserer kleinen Reihe über Positionen und Perspektiven des satanistischen Pop kommen wir heute zur Frauenfrage. Können Frauen überhaupt einen bedeutsamen Beitrag zur musikalischen Teufelsanbetung erbringen? Beim Fachpublikum ist dies traditionellerweise umstritten. Frauen, heißt es meist, seien schon dank ihrer natürlichen Stimmdisposition als Satanistinnen nicht brauchbar. Für das viehische Gegrunze des Black und Death Metal brauche man mindestens einen Bariton. |
Wie haltlos dieses machistische Vorurteil ist, davon konnte man sich am Freitagabend im SO 36 überzeugen, beim Konzert der kanadischen Band Kittie. Wie eine klassische Rriot-grrl-Band, besingen Kittie die zeitlosen Themen der Emanzipation: sexuelle Ausbeutung, männliche Ignoranz, den weiblichen Wunsch nach gewaltsamer Selbstbefreiung. Letzteren illustrieren sie aber gänzlich rriot-grrl-untypischerweise mit Zeichen des Black und Death Metal: mit Flammenschrift, keltischen Runen, gereckten Satansfäusten und nicht zuletzt mit dem ausdrucksstärksten und wandlungsfähigsten Geschrei, das man im Genre seit langem gehört hat. Morgen Landers, die 19-jährige Sängerin der Band, beherrscht ihr Fach in der gesamten Breite - vom untertourigen Knurren eines lauernden Hundes bis zum gurgelnden Zombiegegrunze - ebenso selbstverständlich wie den ätherischen Schöne-Leichen-Gesang des Goth. Mal singt sie in weiten Bögen entrückt über Black-Sabbath-artiges Prog-Rock-Gegniedel; mal grunzt sie im Gleichtakt abgehackter Metal-Riffs wie ein norwegischer Kirchenanzünder. So versöhnt sie zugleich, was es im Satanismus an traditionellen Widersprüchen gibt: Angst vor dem Körper und dessen animalische Beschwörung; Schwindsucht und Brutalität; depressive Unterwerfung unter das Schicksal und Willen zur Macht. Auf den beiden Studioalben, die die Band bisher veröffentlicht hat - "Spit" aus dem Jahr 2000 und "Oracle" aus dem letzten November -, sind Gegrunz und Gejammer, Death Metal und Goth, typischerweise übereinander gedubbt, Landers singt hier gewissermaßen im Duett mit sich selbst. Im Konzert konzentriert sie sich hingegen auf ein tief aus dem Bauch herausgekehltes Gebrüll. Den charakteristischen Wechsel der Lagen hat sie dabei ins Grunzen selber verlegt. Dieses klingt gelegentlich nun, als würde es schlichtweg zu schnell abgespielt - ein Geräusch, wie man es aus einem menschlichen Rachen nur selten zu hören bekommt. Den Hang zur Überproduktion, der auf "Oracle" gelegentlich nervt, hat die Band live völlig zurückgenommen zu Gunsten eines gerade herausgerockten, ausgesprochen moschfreundlichen Metal. Ehemals ein Quartett, präsentieren sich Kittie gegenwärtig nur noch als Trio. Eine der Gitarristinnen hat man zwischenzeitig an eine obskure satanistische Sekte verloren. Für die Tour wurde sie durch einen männlichen Gastmusiker ersetzt, der dank seines kastenförmigen Kinnbarts aussah wie Opa Schlumpf. Neben den drei lederbekleideten Glam-Diven war der Mann eine interessante optische Ergänzung - mehr aber auch nicht. Oder wie Kittie es auf "Spit" formuliert haben: "You think dick is the answer. But it's not." |
DISKUSSION ÜBER SEKTEN IM FAMILIENAUSSCHUSS. aupag00020020221dy2l00bqe 1078 Words 21 February 2002 14:52 GMT Austria Presse Agentur-OTS German OTS - "ORIGINAL TEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS" |
Abgeordnete für Beibehaltung der Sektenstelle im Innenministerium Wien (PK) - Die Abgeordneten des Familienausschusses befassten sich im Rahmen der heutigen Ausschusssitzung intensiv mit dem Thema Sekten. Grundlage dafür bildete der dritte Tätigkeitsbericht der Bundesstelle für Sektenfragen, der kürzlich von Sozialminister Haupt dem Nationalrat vorgelegt wurde. Die Abgeordneten bewerteten dabei die Arbeit der Bundesstelle als ausgesprochen positiv, sprachen sich aber für eine weitere Intensivierung der Tätigkeit auf diesem Gebiet aus. Insbesondere Vertreter der SPÖ und der Grünen traten zudem für eine Beibehaltung der Sektenstelle in der Bundespolizeidirektion ein, ein Wunsch, der auch von Sozialminister Haupt unterstützt wurde. Er werde unter Hinweis auf die Diskussion im Ausschuss an Innenminister Strasser hinsichtlich einer Beibehaltung dieser Dienststelle herantreten, unterstrich er. |
Eingeleitet wurden die Beratungen im Ausschuss durch einen kurzen Bericht des Geschäftsführers der Bundesstelle für Sektenfragen, German Müller. Ihm zufolge gibt es keinen Hinweis, dass die Konflikte, die in Zusammenhang mit Sekten und sektenähnlichen Organisationen auftreten, im Rückgang sind. Vielmehr deute die stetig steigende Kontaktaufnahme mit der Bundesstelle für Sektenfragen auf das Gegenteil hin. So werde die Stelle im Durchschnitt gesehen beinahe täglich mit einer Anfrage über eine bisher unbekannte Gruppe konfrontiert. Müller hielt darüber hinaus fest, dass sich die Beratungstätigkeit der Bundesstelle im Berichtszeitraum gegenüber dem Vorjahr beinahe verdoppelt habe, in vielen Fällen der Kontaktaufnahme reichten Informationen allein nämlich nicht aus. Bei den Beratungsgesprächen falle dabei auf, dass die Zuwendung zu einer Sekte häufig nur ein Symptom eines generellen Problems sei. Die Betroffenen suchten nach Zuwendung, Geborgenheit oder intellektueller Verbesserung, genau hier setzten viele Sekten an. Als einen der Schwerpunkte der Arbeit der Sektenstelle im heurigen Jahr nannte Müller die Durchführung von Multiplikatorenschulungen, um Personen aus den verschiedensten Bereichen für das Thema zu sensibilisieren. Darüber hinaus erachtet er den Aufbau eines Helfernetzwerkes für besonders wichtig. In diesem Sinn ist die Bundesstelle für Sektenfragen mit anderen professionellen Stellen wie der Jugendwohlfahrt, den Pflegschaftsgerichten, aber etwa auch mit Elternvereinen in Schulen im ständigen Kontakt. Sehr bedauern würde es Müller, wie er sagte, wenn aufgrund der Neustrukturierung im Innenministerium die Sektenstelle abgeschafft würde, da die Zusammenarbeit mit speziellen Ansprechpartnern in den Bundesländern gut funktioniert habe. Der Geschäftsführer der Bundesstelle ging schließlich noch kurz auf das Phänomen Satanismus ein und meinte, Jugendliche würden damit in erster Linie eine Protesthaltung gegen Eltern, Schule oder andere Autoritäten ausdrücken. In vielen Fällen verberge sich dahinter auch ein Hilferuf, weil die Betroffenen der Ansicht seien, keinen Platz zu haben. Für gefährlicher als Jugend-Satanismus hält Müller das punktuell auftretende Problem des Erwachsenen-Satanismus. Im Rahmen der Diskussion wurde von mehreren Abgeordneten die befürchtete Auflassung der Sektenstelle im Innenministerium angesprochen. So betonte Abgeordneter Karl Öllinger (G), es sei wichtig, dass es bei der Exekutive kompetente Ansprechpartner gebe, die bei notwendigen Ermittlungen genau wüssten, um was es gehe. Es wäre sehr bedauerlich, wenn im Rahmen der Polizeireform diese Stelle nicht mehr weiterarbeiten könnte, sagte er und ersuchte Sozialminister Haupt, diesbezüglich mit Innenminister Strasser Kontakt aufzunehmen. Skeptisch zeigte sich der Abgeordnete, inwieweit die Behörden gegen Entwicklungen wie Suizid im Internet wirkungsvoll auftreten können. Zahlreiche Detailfragen richteten Abgeordnete der SPÖ an den Sektenexperten, wobei sich etwa Ludmilla Parfuss und Gerhard Reheis dafür interessierten, ob die Personal-und Mittelausstattung der Bundesstelle ausreichend sei. Abgeordnete Gabriele Binder gab zu bedenken, dass die "Mäntelchen der Sekten" sehr unterschiedlich seien, Abgeordnete Gabriele Heinisch-Hosek sprach sich für "Projekte statt Broschüren" aus. Ihrer Ansicht nach geht es in erster Linie darum, Kinder "stark" zu machen und damit gegen die Einflussnahme durch Sekten zu immunisieren, wobei sie insbesondere auf das Problem von in Sektenfamilien hineingeborene Kinder hinwies. Seitens der ÖVP bemerkte Abgeordnete Ridi Steibl, dass die zunehmende Berichterstattung in den Medien über die Drogenproblematik die Problematik der Sektenfrage zurückdränge. Ihr Fraktionskollege Gerhart Bruckmann machte geltend, dass die Grenze zwischen positiv zu bewertenden Gemeinschaften und sektenähnlichen Kommunen fließend sei. Abgeordneter Wilhelm Weinmeier (F) ortet mögliche Nährböden für Sekten und sektenähnliche Aktivitäten im Bereich der Gesellschaft, aber auch im Bereich der Medien, die durch ihre Berichterstattung über Einzelfälle seiner Auffassung nach indirekt Werbung für Satanismus machten. Abgeordneter Sigisbert Dolinschek (F) regte die Durchführung eine Kampagne an, die Jugendliche motiviere, von Sekten und sektenähnlichen Strömungen Abstand zu nehmen. German Müller stimmte den Abgeordneten zu, dass die Kernarbeit in der Prävention eine kritische Auseinandersetzung mit den Kindern sei. Verbote würden ihm zufolge wenig helfen, da gerade sie Anreize für die Jugendlichen darstellen könnten. Beim Umgang mit Kindern, die in Sekten hineingeboren werden, empfehle es sich den Erfahrungen der Praxis zufolge, auf die Kinder zuzugehen und damit zu vermitteln, dass die "normale Welt" lebenswert und nicht böse sei. Was die finanzielle und personelle Ausstattung der Bundesstelle betrifft, verwies Müller darauf, dass im Jahr 2001 ein erhöhtes Budget genehmigt wurde. Das erlaube der Sektenstelle, die Beratungstätigkeit weiter auszubauen. Sozialminister Herbert Haupt wies darauf hin, dass es zu einer Aufstockung der finanziellen Mittel für die Bundesstelle für Sektenfragen gekommen ist. So seien im Jahr 2001 370.151 EUR zur Verfügung gestanden, heuer seien es 436.037 EUR. Damit habe eine zusätzliche Mitarbeiterin angestellt werden können. Hinsichtlich der Stelle für Sektenfragen in der Bundespolizeidirektion sicherte Haupt dem Ausschuss zu, nochmals an Innenminister Strasser heranzutreten und sich für eine Beibehaltung dieser Dienststelle einzusetzen. Bedauern äußerte der Minister, dass sich die Jugendorganisationen wenig mit dem Thema Sekten beschäftigten. Der dritte Tätigkeitsbericht der Bundesstelle für Sektenfragen wurde vom Familienausschuss einstimmig zur Kenntnis genommen. Aus ihm geht hervor, dass sich im Jahr 2000 1.807 Personen mit ihren Anliegen an die Bundesstelle für Sektenfragen wandten, wobei das Informations-und Beratungsangebot vor allem von einschlägigen Fachstellen, Privatpersonen und staatlichen Stellen in Anspruch genommen wurde. In 55 Fällen kam die Kontaktaufnahme von Gruppierungen mit Verdacht auf sektenähnliche Strukturen selbst. Die Anfragen an die Sektenstelle bezogen sich auf 231 verschiedene Gruppierungen, wobei die meisten von ihnen Scientology, Satanismus, Okkultismus und Esoterik betrafen. Allgemein wird im Bericht darauf verwiesen, dass der Arbeitsumfang der Bundesstelle für Sektenfragen ständig steigt und sich die Stelle als zentrale und kompetente Anlaufstelle in sämtlichen Fragen zu so genannten Sekten, Psychogruppen und Esoterik etabliert hat. Mit der heutigen Beratung gilt der Sekten-Bericht als "enderledigt", er wird somit nicht mehr im Plenum des Nationalrats diskutiert. Zu Beginn der Sitzung des Familienausschusses war Abgeordneter Gerhart Bruckner zu einem der Schriftführer des Ausschusses gewählt worden. (Fortsetzung) Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640 e-Mail: pk@parlament.gv.at, Internet: http://www.parlament.gv.at *** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS *** OTS233 2002-02-21/15:52. |
Ein "FM4-Reality Check"-Special zum Thema Satanismus. aupag00020020214dy2e009kl 241 Words 14 February 2002 11:34 GMT Austria Presse Agentur-OTS German OTS - "ORIGINAL TEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS" |
Samstag, 16.2.2002, 12.00 Uhr, FM4 Wien (OTS) - Satanismus oder brutaler Mord? Daniel und Manuela Ruda aus Deutschland sind erst unlängst zu eine langjährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil sie einen Bekannten brutal umgebracht haben. Als Grund dafür nennen sie ihren Ärger darüber, weil der Bekannte Beatles-Fan war. Daniel und Manuela Ruda bezeichnen sich als Teufelsanbeter, der Ritualmord löste großes Medieninteresse aus. "FM4-Reality Check" widmet sich in dieser Ausgabe den Formen des Satanismus. |
Während des Gerichtsprozesse von Daniel und Manuela Ruda wurde immer wieder ein Experte für Satanismus zitiert: Ingolf Christiansen, Beauftragter für Weltanschauungsfragen von der Evangelischen Kirche Göttingen. Er erzählt in "FM4-Reality Check" über satanische Rituale und wie deutsche Satanisten mit anderen Organisationen weltweit miteinander vernetzt sind. Der amerikanische Sektenbeauftragte Joseph Szimhart erzählt von seinem Projekt, Satanisten beim Ausstieg aus der Szene zu helfen. Die größte satanische Glaubensgemeinschaft ist derzeit die "Kirche Satans" (Church of Satan), die 1966 von Anton Szandor LaVey gegründet wurde und mittlerweile weltweit zwischen 20.000 (offizielle Zahl) und 3 Millionen (geschätzte Dunkelziffer) aktiven Mitgliedern umfasst. Das österreichische Oberhaupt der "Church of Satan" ist bei "FM4-Reality Check" zu Gast und erzählt über die Glaubensgemeinschaft, die Rituale und meint, dass der Fall Ruda mit dem Satanismus nichts zu tun hat. Rückfragehinweis: ORF Radio Öffentlichkeitsarbeit FM4 Tel.: 01/501 01/16446 *** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS *** OTS141 2002-02-14/12:34. |
"Satanskult bei Jugendlichen" - AUDIO (web). aupag00020020206dy25000h6 483 Words 05 February 2002 14:21 GMT Austria Presse Agentur-OTS German OTS - "ORIGINAL TEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS" |
Hamburg (ors) - - Querverweis: O-Töne werden über ors versandt und sind abrufbar unter: http://www.presseportal.de/galerie.htx?type=ors |
Die Angst vor dem Satanismus geht um in Deutschland - spätestens seit dem makabren Prozess um ein Satanisten-Pärchen, das einen gemeinsamen Freund mit 66 Messerstichen ermordete. Die Satans-Anbeter ziehen besonders Jugendliche in ihren Bann. Die Frauenzeitschrift Journal für die Frau hat untersucht, wie Satanisten Jugendliche als Nachwuchs rekrutieren. Redakteurin Daniela Hensel schildert einen typischen Einstieg in die Satanisten-Karriere: 0-Ton: (ors05231) Hensel 20 sec. "Meist beginnt der Kontakt mit der schwarzen Macht ganz harmlos, mit Karten legen, Pendeln, Gläser rücken - als Gesellschafts-Spiel oder als Party-Gag. Wer von solchen Ritualen fasziniert ist und in den Kreis aufgenommen werden will, muss Eignungs-Tests bestehen, also zum Beispiel in Leichenhallen eindringen, auf dem Friedhof übernachten oder Gräber schänden. Und während der schwarzen Messen werden dann auch Blutopfer dargebracht und Satan angerufen." Was kann Jugendlichen passieren, die dem Satanismus verfallen? 0-Ton: (ors05232) Hensel 23 sec. "Sie verlieren schnell den Bezug zur Realität. Sie isolieren sich von ihrem bisherigen sozialen Leben und geraten schnell in so eine Abhängigkeit, die von den Anführern oft auch schamlos ausgenutzt wird, zum Beispiel für kriminelle Delikte. Und aus Angst vor Strafen vertrauen sich Jugendliche niemandem an, haben Angst, die Gruppe zu verlassen, weil ihnen auch gedroht wird. Sie fühlen sich dann verfolgt und kontrolliert, sogar schwere Psychosen und Suizid können dann die Folge sein." Daniela Hensel appelliert an Eltern, selbst aktiv zu werden, wenn sie den Verdacht haben, dass ihr Kind von satanistischen Praktiken fasziniert sein könnte. 0-Ton: (ors05233) Hensel 16 sec. "Eltern sollten die Gefahr ernst nehmen und Anzeichen nicht als Spielerei abtun. Sie können sich bei Beratungs-Stellen informieren und dann versuchen, mit den Kindern zu reden, gemeinsam nach Ursachen und Lösungen zu suchen. Verweigern sich die Kinder, dann helfen Beratungs-Stellen da aber auch gerne weiter und sprechen selber auch mit den Jugendlichen." Das aktuelle Journal für die Frau hat die wichtigsten Adressen für Eltern und Angehörige zusammen gestellt. Außerdem enthält es Hinweise, mit denen Eltern überprüfen können, ob ihre Kinder vielleicht schon Berührung mit Satanisten hatten. *** ACHTUNG REDAKTIONEN: Die Originaltöne werden per Satellit verschickt und können auf Wunsch kostenfrei per MusicTaxi überspielt werden. Wenden Sie sich dafür bitte mit dem Stichwort "ors" an unseren Partner Radio Dienst Syndication+Network GmbH+Co.KG, Kundenhotline: 089/4999 4999. Im Internet sind sie als Download (Ors0523, 48 kHz) verfügbar unter http://www.presseportal.de. Die O-Töne sind honorarfrei zur Verwendung. Wir bitten jedoch um einen Hinweis, wie Sie den Beitrag eingesetzt haben an RadioMaster@newsaktuell.de. ors Originaltext: ASV /Journal für die Frau Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de Rückfragehinweis: Journal für die Frau, Daniela Hensel Tel: 040 / 347-22717 *** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS *** OTS162 2002-02-05/15:22. |
Satanismus breitet sich unter Jugendlichen stark aus. adn0000020020205dy2500bz8 204 Words 05 February 2002 16:21 GMT ddp-Wirtschaftsdienst German (c) 2002 ddp-Wirtschaftdienst www.ddp.de |
Das Interesse an Satansritualen und Okkultismus nimmt besonders unter Jugendlichen stark zu. Bundesweit sei die Zahl der Menschen, die sich für den Teufelskult interessieren, in den vergangenen Jahren von 1000 auf vermutlich 3000 bis 7000 gestiegen, sagte der Sektenbeauftragte der Katholischen Kirche in Mecklenburg-Vorpommern, Michael Sobannia, am Dienstag in Schwerin. Gesonderte Zahlen für den Nordosten lägen nicht vor. Allerdings handele es sich im Land um kein Massenphänomen. |
Besorgnis erregend ist nach Ansicht von Sobannia besonders das gestiegene Interesse junger Menschen am Satanismus. In Mecklenburg-Vorpommern seien Fälle bekannt, in denen Jugendliche sich augrund von satanistischen Praktiken vom Teufel verfolgt fühlten und für ein halbes Jahr in psychiatrische Behandlung mussten. Umfragen unter deutschen Schülern hätten ergeben, dass 66 Prozent der Jugendlichen satanistische Rituale kennen. Ein Prozent habe sogar angegeben, sich an Praktiken wie Tischrücken und Geisterbeschwörungen beteiligt zu haben. Nach Angaben des Sektenexperten ist das Interesse an Okkultismus häufig mit dem Wunsch der Jugendlichen gepaart, im Mittelpunkt zu stehen und gegen die ältere Generation aufzubegehren. Er riet Eltern zu erhöhter Sensibilität. Sie sollten beispielsweise stutzig werden, wenn ihre Kinder Totenköpfe sammeln oder Schmuck mit satanistischen Symbolen tragen. Schnittwunden und Verletzungen könnten die Folge von satanistischen Kulthandlungen sein. |
15 Jahre für Satanisten. tanz000020020202dy2100084 Von HUGO STAMM. 432 Words 01 February 2002 Tages Anzeiger German (c) 2002 Tages Anzeiger Homepage Address: http://www.tages-anzeiger.ch |
Das deutsche Satanistenpaar wird verwahrt. Es hat einen Kollegen bei einem Ritualmord auf brutale Weise umgebracht. Zürich. - Beim Aufsehen erregenden Prozess gegen die Satanisten Daniel (26) und Manuela Ruda (23) in Bochum (TA vom vergangenen Freitag) ging der Richter in der Schwurgerichtskammer über die Anträge der Anklage hinaus. Er verurteilte am Donnerstag Daniel Ruda zu 15 Jahren Gefängnis wegen Mordes, seine Satansbraut zu 13 Jahren. Da die Rudas vor Gericht weder Einsicht noch Reue zeigten und vom Richter weiterhin als gefährlich eingestuft werden, wird das Satanistenpaar für unbefristete Zeit in eine geschlossene psychiatrische Anstalt eingewiesen. Es bestehe die Gefahr weiterer Bluttaten, sagte der Richter. |
Antwort auf das Urteil: Lachen Das Satanistenpaar nahm das Urteil gelassen auf. Daniel Ruda grinste hämisch, Manuela lachte hemmungslos und kaute demonstrativ auf ihrem Kaugummi herum. Sie fühlen sich nicht verantwortlich gegenüber einem irdischen Gericht, da sie den Mordauftrag von Satan erhalten haben wollen. Das Paar ist auch nach der Verurteilung nur von einem Wunsch beseelt, nämlich gemeinsam in den Tod zu gehen, um Satan ihre bereits geweihten Seelen definitiv übergeben zu können. Die Rudas hatten den Prozess als Kulisse benutzt, um Satan vor laufenden Fernsehkameras zu huldigen und als ihren Gott zu preisen. Manuela war als Satansbraut gestylt und hatte ein umgekehrtes Kreuz auf den einseitig rasierten Kopf gemalt. Daniel huldigte dem Teufel vor Gericht mit dämonischen Faxen und Gebärden. Der Richter weigerte sich allerdings bei der Urteilsverkündung, den Mord als Kulthandlung zu werten. Es sei nichts als ein gemeines Verbrechen gewesen. Trotzdem attestierte er den Rudas bedingte Schuldfähigkeit. "Mit der Inszenierung ist jetzt Schluss", sagte der genervte Richter nach der Urteilsverkündung. "Jetzt kommt für lange Zeit der graue Alltag der Psychiatrie." Vor den Medien präzisierte er, dass die Verwahrung bis zur Beseitigung der Persönlichkeitsstörung daure, allenfalls lebenslänglich. "Vielleicht wechseln sie von der Psychiatrie direkt ins Altenheim", sagte er. Revision angekündigt Der Verteidiger hatte zwar selbst eine Verwahrung vorgeschlagen, doch für ihn ist das Strafmass zu hoch. Für ihn habe der Satanismus bei der Tat sehr wohl eine Rolle gespielt, die Rudas seien deshalb nur bedingt zurechnungsfähig gewesen. Er kündigte sofort Berufung gegen das Urteil an. Die Rudas hatten vor einem halben Jahr einen 33-jährigen Bekannten zu sich nach Hause eingeladen und ritualmässig mit 66 Machetenhieben, Hammerschlägen und Messerstichen getötet. "Setze den Herzstich", soll der Dämon Manuela befohlen haben. Die Leiche war derart verstümmelt, dass die Gerichtsmediziner die Identifizierung mit einer DNA-Analyse vornehmen mussten. Neben dem Sarg, der der Satansbraut als Bett diente, lag eine Todesliste mit 15 Namen und dem Satz: "Freut euch, ihr seid die Nächsten." |
Eine Schule mit Zirkusartisten und Hexen. tanz000020020202dy210005m Von RALF KAMINSKI. 706 Words 01 February 2002 Tages Anzeiger German (c) 2002 Tages Anzeiger Homepage Address: http://www.tages-anzeiger.ch |
An der Winterthurer Kantonsschule Büelrain haben Schüler und Eltern für zwei Tage das Zepter übernommen. Das Motto: "SMS - Schule Mal Speziell". Der Duft von Räucherstäbchen liegt in der Luft. Sechs Mädchen sitzen in einem Klassenzimmer und halten dünne Ketten in der Hand, an deren Ende ein Ring oder ein Stein hängt. Instruiert von der 17-jährigen Andrea Sigg, versuchen sie zu pendeln. "Findet heraus, welche Pendelbewegung für euch "ja" bedeutet", fordert Andrea die anderen auf. "Es dauert vielleicht ein bisschen, bis es reagiert." Bei Melanie (17) fängt das Pendel tatsächlich an, eine Kreisbewegung zu machen. Laura (18) ist skeptisch: "Du hast vielleicht einfach eine weniger ruhige Hand als ich." Doch Andrea ist überzeugt, dass das Pendeln funktioniert. "Ich bins gewohnt, dass die Leute skeptisch auf meinen Glauben reagieren", sagt sie. Andrea nennt sich selbst eine Hexe, und ihr Kurs heisst "Wicca - eine alte Religion wird neu entdeckt". |
Kein Bund mit dem Teufel Die Mädchen - alles Schülerinnen der Kantonsschule Büelrain - diskutieren über Wasseradern, Wünschelruten, magische Rituale und Glauben. Andrea stellt klar, dass die üblichen Vorstellungen von Hexen reiner Humbug seien. Weder gebe es einen Bund mit dem Teufel noch Menschenopfer. Wicca sei im Gegenteil eine lebensbejahende Philosophie, die sich bemühe, Harmonie unter den Menschen zu schaffen. Sie hat ihre Religion vor einem knappen Jahr entdeckt, die Eltern wissen Bescheid und akzeptieren es. Doch sie habe erst gezögert, einen Kurs zu dem Thema anzubieten. "Aber ich hoffte, auf diese Weise jemanden zu treffen, der sich auch dafür interessiert." Der Wicca-Kurs ist einer von rund 40, die gestern Donnerstag und heute Freitag für die 600 Schülerinnen und Schüler der Kanti Büelrain stattfinden. Entstanden ist die Idee an einer internen Lehrerfortbildung im letzten Frühling. "Damals wurde uns bewusst, wie viele Talente unserer Schüler wir weder kennen noch nutzen", sagt Rektor Cornel Jacquemart. Um dieses Potenzial sichtbar werden zu lassen, entschied die Schulleitung, die letzten beiden Tage vor den Sportferien für ein Spezialprogramm zu reservieren: "SMS - Schule Mal Speziell". Sie forderte Schüler und Eltern auf, Kurse zu irgendwelchen Themen anzubieten. Im Angebot dominieren Sport, Computer und Esoterik: Neben Wicca gibts auch eine Einführung in die Kunst des Handlesens, die Bilderwelt des Tarot und ins Zaubern. Kontrapunkt setzt die Veranstaltung "Die Geister, die ich rief", in der über Sekten und Okkultismus gesprochen wird. Die beiden Mittelschulseelsorger Jürg Seeger und Franziska Ziegler sitzen zusammen mit zehn Mädchen im reformierten Kirchgemeindehaus in Oberwinterthur und diskutieren über Sektenanfälligkeit, östliche und westliche Religionen sowie Satanismus und Hexerei. Für einige sind das Hirngespinste, andere würden Hexerei gerne mal ausprobieren. Auffällig ist, dass auch hier nur junge Mädchen am Kurs teilnehmen. Er sei nicht sonderlich überrascht gewesen, sich in einer reinen Frauenrunde wiederzufinden, sagt Kursleiter Seeger: "Frauen gehen aktiver auf soche Themen zu und trauen sich mehr." Sein Ziel für die zwei Tage ist Aufklärung. Aber es wird auch experimentiert - mit Pendeln und Gläserrücken. "So was ist allerdings eher ernüchternd", sagt Franziska Ziegler, "weil es meist nicht funktioniert." Tricks mit dem Diabolo Wesentlich weltlicher geht es derweil in der Turnhalle der Kanti Büelrain zu und her - und tatsächlich sind dort auch männliche Jugendliche dabei. Der Kurs heisst "Coole Tricks, heiss geliebt", und dabei geht es um Diabolo, ein uraltes Spiel aus China. Kursleiter Tom Meili (17) wirbelt das Diabolo mit dem Seil in die Luft, dreht sich um die eigene Achse und fängt es elegant wieder auf. Tom ist denn auch kein gewöhnlicher Büelrain-Schüler, er ist Kochlehrling und war einige Jahre beim Zirkus. Angefangen hat alles mit dem Zirkus Knopf, der regelmässige Projekte mit Schulklassen durchführt. Er habe sich 1998 beworben und sei zu seiner eigenen Überraschung genommen worden. "Damals hatte ich noch keine Ahnung von Diabolo." Aber er habe auf seinen diversen Tourneen immer wieder neue Tricks dazugelernt. Und nun sei er von einem Kollegen aus der Kanti Büelrain gefragt worden, ob er nicht einen Kurs leiten wolle. Nur einer der sechs Kursteilnehmer hat schon etwas mehr Erfahrungen mit dem Diabolo. "Ich habe im letzten Sommer damit angefangen", sagt Ken (19). Er hat Tom bereits einige Tricks abschauen können. Die zwei Mädchen Rebekka und Carole (beide 19) wollten ursprünglich einen Salsa-Kurs belegen, doch der war schon voll. Aber Diabolo finden sie nun auch "ganz lässig". |
SATANISMUS. gnlzgr0020020201dy21000gx Von AP. 151 Words 01 February 2002 General Anzeiger German (c) 2002 General-Anzeiger, Bonn |
Der Satanismus ist keine fest gefügte Weltanschauung, sondern setzt sich aus alt-ägyptischen Mythologien, Wicca-Kulten, Voodoo-Praktiken bis hin zum dualistischen Weltbild der antiken und mittelalterlichen Gnostik zusammen. Den neuzeitlichen Satanismus kennzeichnet aber ein Grundsatz: "Es gibt keinen Gott, außer dem Menschen." Im Vordergrund steht daher paradoxerweise nicht die Figur des Satans, sondern die Selbstvergottung des Menschen, der als Maß aller Dinge gesehen wird. Allen Formen des Satanismus gemeinsam ist die Entwertung ethischer Prinzipien bis hin zur Verklärung des Bösen. Die Erkenntnis der eigenen Göttlichkeit soll mit Hilfe von Ritualsystemen erlangt werden, die das orgiastische Ausleben des menschlichen Urtriebs der Sexualität zum Inhalt haben. Von entscheidender Bedeutung für den Satanismus der Moderne war Aleister Crowley (1875-1947). Der Amerikaner hielt sich für die Reinkarnation des Bösen schlechthin und scharte zahlreiche Anhänger um sich. |
Die sexualfeindliche Erziehung seiner puritanischen Mutter schuf die Grundlage für seine perversen Opferrituale. ap. |
Nun folgt "das graue Einerlei der Psychiatrie". gnlzgr0020020201dy210006d Von DPA. 598 Words 01 February 2002 General Anzeiger German (c) 2002 General-Anzeiger, Bonn |
JUSTIZ Landgericht Bochum verurteilt Satanisten-Ehepaar wegen gemeinschaftlichen Mordes zu langen Haftstrafen und Unterbringung auf unbestimmte Zeit in geschlossener Anstalt |
"Sie sind gestörte Persönlichkeiten, das ist sicherlich kein glückliches Leben. Wer möchte schon in Ihrer Haut stecken?" Mit diesen Worten leitete ges~tern im Satanisten-Prozess im Bochumer Landgericht der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer, Arnjo Kerstingtombroke, die gut einstündige Urteilsbegründung ein. Und ergänzte: "Sie sind von Minderwertigkeitskomplexen durchsetzt." Der 26 Jahre alten Daniel Ruda und dessen drei Jahre jüngere Ehefrau Manuela wurden wegen gemeinschaftlichen Mordes zu 15 beziehungsweise 13 Jahren Haft verurteilt und zudem ihre Einweisung auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie angeordnet. Nach Überzeugung des Gerichts haben sich die beiden Satansjünger eines "schrecklichen Verbrechens" schuldig gemacht, als sie am 6. Juli vergangenen Jahres in ihrer Wohnung in Witten den 33-jährigen Frank H. umbrachten. Sie töteten "im Auftrag Satans" ihr ahnungsloses Opfer planmäßig mit 66 Hammerschlägen, Machetenhieben und und Messerstichen (die Ziffer "6" ist die magische Zahl der Satanisten). Dann flüchtete das Ehepaar, wurde aber fünf Tage später in der Nähe von Jena festgenommen. In der Wohnung fand die Polizei okkulte Symbole und Gegenstände wie etwa Totenschädel, Grab~laternen, auf dem Kopf stehende Kreuze und einen schwarzen Sarg. Dennoch ging es bei der Bluttat nach den Worten von Kerstingtombroke "nicht um Satanismus, sondern um ein Verbrechen von zwei schwer gestörten Menschen". Der Satanismus sei nur "ein Popanz" gewesen, den die beiden Angeklagten vor sich hergeschoben hätten. Dennoch attestierte das Gericht den Angeklagten erheblich verminderte Schuldfähigkeit. Die sei so erheblich gewesen, dass eine übliche lebenslange Haftstrafe nicht in Frage gekommen sei. Eine kürzere zeitliche Freiheitsstrafe sei jedoch ebenso wenig denkbar gewesen, sagte der Vorsitzende Richter. Da Daniel Ruda die treibende Kraft für die Bluttat gewesen sei, verurteile das Gericht ihn zu der höheren Haftstrafe als seine Frau. In Richtung des exzentrisch gekleideten Paares auf der Anklagebank sagte Kerstingtombroke: "Mit der Inszenierung ist jetzt Schluss. Jetzt kommt das graue Einerlei der Psychiatrie - für lange Zeit." Das Paar, das sich seit Prozessbeginn immer wieder vor Kameras und Fotografen in "teuflische Posen" geworfen hatte, nahm den Richterspruch äußerlich unbewegt entgegen. Ihre Anwälte kündigten noch im Gerichtssaal Revision gegen das Urteil an, das ihrer Ansicht nach "zu hart" ausgefallen sei. Der Anwalt der Nebenkläger, der die Eltern des Opfers vertritt, sagte hingegen zum Urteil: "Kein Urteil gibt den Eltern ihren Sohn wieder." Nach den Worten von Kerstingtombroke war der 33-Jährige nicht zufällig Opfer des Ehepaares geworden. Der ehemalige Arbeitskollege von Daniel Ruda sei vielmehr als aufgeschlossener und lebensbejahender Mensch genau das Gegenteil des Paares gewesen. Der geplante und vorbereitete Mord sei "aus Wut des Gestörten auf das Gesunde" begangen worden, erklärte der Richter im vollbesetzten Verhandlungssaal. Zugleich kritisierte Kerstingtombroke Teile der Medien, die "genau diese Inszenierung gewollt hatten", die im Prozess stattgefunden habe. Tatsächlich habe die Bluttat von Witten aber "nichts Mystisches oder Kultisches", sondern sei "ein gemeines, verabscheuungswürdiges Verbrechen". Wenn das Urteil rechtskräftig wird, werden Daniel und Manuela Ruda von vornherein in geschlossenen psychiatrischen Anstalten untergebracht und nicht im Strafvollzug. Ihre Anwälte meinten, für sie gäbe es nur dann eine Chance auf positive Therapie, wenn sie getrennt untergebracht werden. Daniel Ruda hatte in einem in der Untersuchungshaft gegebenen Interview erklärt, er habe keine Angst vor der psychiatrischen Klinik oder dem Gefängnis. Satan werde ihm schon helfen. Auch Manuela Ruda hatte in ihrem Schlusswort im Verfahren erklärt, sie rufe Satan um Beistand an. Ein Prozessbeobachter im Gerichtssaal meinte hingegen nach dem Urteilsspruch: "Ich bin sicher, dass die Jahre in der Psychiatrie für die zwei Satanisten die reine Hölle werden." ap/dpa. |
"Mit der Inszenierung ist jetzt Schluss". stugtr0020020201dy21000oe 461 Words 01 February 2002 Stuttgarter Zeitung 20 German (c) 2002, Stuttgarter Zeitung Ansprechpartner: 0049-711-7205-782 |
Hohe Haftstrafe für Satanisten Das Satanisten-Ehep aar Manuela und Daniel Ruda ist wegen des brutalen Mordes an einem 33-jährigen Bekannten zu unbefristetem Aufenthalt in der Psychiatrie verurteilt worden. Das Bochumer Landgericht verhängte zudem Haftstrafen von 15 und 13 Jahren. |
Von Andreas Rehnolt (AP), Bochum "Sie sind gestörte Persönlichkeiten, das ist sicherlich kein glückliches Leben. Wer möchte schon in ihrer Haut stecken?" Mit diesen Worten leitete am Donnerstag im Bochumer Satanistenprozess der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer, Arnjo Kerstingtombroke, seine gut einstündige Urteilsbegründung vor dem Landgericht ein. Zuvor hatte er den 26 Jahre alten Daniel Ruda und dessen drei Jahre jüngere Ehefrau Manuela wegen gemeinschaftlichen Mordes zu 15 beziehungsweise 13 Jahren Haft verurteilt und ihre Einweisung auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie angeordnet. Nach Überzeugung des Gerichts haben sich die beiden Anhänger des Satanismus eines "schrecklichen Verbrechens" schuldig gemacht, als sie am 6. Juli vergangenen Ja hres in ihrer Wohnung in Witten den 33-jährigen Frank H. umbrachten. Sie töteten angeblich "im Auftrag Satans" ihr ahnungsloses Opfer planmäßig mit 66 Hammerschlägen und Messerstichen. Dann flüchtete das Ehepaar und wurde erst fünf Tage später in der Nähe von Jena festgenommen. In der Wohnung der beiden fanden sich okkulte Symbole und Gegenstände wie Totenschädel, Grablaternen, auf dem Kopf stehende Kreuze und ein schwarzer Sarg. Dennoch ging es bei der Bluttat nach den Worten von Kerstingtombroke "ni cht um Satanismus, sondern um ein Verbrechen von zwei schwer gestörten Menschen". Der Satanismus sei nur "ein Popanz" gewesen, den die beiden Angeklagten vor sich hergeschoben hätten. Trotzdem attestierte das Gericht den Angeklagten erheblich verminderte Schuldfähigkeit. Die sei so erheblich gewesen, das eine lebenslange Haftstrafe nicht in Frage gekommen sei. Eine kürzere zeitliche Freiheitsstrafe sei jedoch ebenso wenig denkbar gewesen, sagte der Vorsitzende Richter. Da Daniel Ruda die treibende Kra ft für die Bluttat gewesen sei, verurteile das Gericht ihn zu der höheren Gefängnisstrafe. In Richtung des exzentrisch gekleideten Paares auf der Anklagebank sagte Kerstingtombroke: "Mit der Inszenierung ist jetzt Schluss. Jetzt kommt das graue Einerlei der Psychiatrie für lange Zeit." Das geständige Paar, das sich seit Prozessbeginn immer wieder vor Kameras und Fotografen in "teuflische Posen" geworfen hatte, nahm den Richterspruch zumindest äußerlich unbewegt entgegen. Ihre Anwälte kündigten noch i m Gerichtssaal Revision gegen das Urteil an, das ihrer Ansicht nach "zu hart" ausgefallen sei. Der Anwalt der Nebenkläger, der die Eltern des Opfers vertritt, sagte nach dem Richterspruch: "Kein Urteil gibt den Eltern ihren Sohn wieder." Nach den Worten von Kerstingtombroke war der 33-Jährige nicht zufällig Opfer des Ehepaares geworden. Der ehemalige Arbeitskollege von Daniel Ruda sei vielmehr als aufgeschlossener und lebensbejahender Mensch genau das Gegenteil des Paares gewesen. Der geplante und vo rbereitete Mord sei "aus Wut des Gestörten auf das Gesunde" begangenen worden, erklärte er. |
Satanisten müssen in die Psychiatrie. stugtr0020020201dy21000mq 193 Words 01 February 2002 Stuttgarter Zeitung 1 German (c) 2002, Stuttgarter Zeitung Ansprechpartner: 0049-711-7205-782 |
BOCHUM (AP/dpa). Das wegen Mordes angeklagte Satanistenpaar aus Witten kommt für unbefristete Zeit in eine geschlossene Anstalt. Das Landgericht Bochum hat die beiden jungen Leute in die Psychiatrie eingewiesen und zudem lange Haftstrafen verhängt. |
Die Richter verurteilten Daniel Ruda (26) wegen Mordes zu 15 Jahren G efängnis, seine Ehefrau Manuela (23) erhielt 13 Jahre Haft. Die Satanisten nahmen das Urteil völlig unbewegt entgegen, sie zeigten keinerlei Reue. Das Paar hatte nach eigenem Geständnis im Juli 2001 einen Bekannten mit 66 Messerstichen und Hammerschlägen brutal ermordet. Im Prozess behaupteten Ruda und seine Frau, Satan habe ihnen die Bluttat befohlen. Für den Ehemann erkannten die Richter keine Milderungsgründe und verhängten wegen Mordes im Zustand verminderter Schuldfähigkeit die Höchststrafe. Da seine F rau den Mord nicht selbst veranlasst habe, kam sie mit einer geringeren Freiheitsstrafe davon. Das Satanistenpaar habe sein völlig argloses Opfer heimtückisch und aus niederen Beweggründen getötet, stellte das Gericht fest. "Es ging nicht um Satanismus, sondern um ein Verbrechen von zwei gestörten Menschen", sagte der Richter, als er das Urteil begründete. "Der Satanismus war ein Popanz, den sie vor sich herschoben." Mit der Inszenierung ist SchlussSeite 20. |
Ohne ein Zeichen von Reue. berlrz0020020201dy21000np Von Frank Nordhausen. 715 Words 01 February 2002 Berliner Zeitung German (c) 2002 Berliner Zeitung |
Im Bochumer Satanisten-Prozess sind die Angeklagten zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. BOCHUM, 31. Januar. Zum Schluss küssten sich die Angeklagten im Blitzlichtgewitter. Bevor sie dann den Gerichtssaal verließen, drehte sich Manuela Ruda noch einmal zum Publikum und zeigte den "Teufelsgruß" - als wäre sie ein Popstar. Mit diesem makabren Bild endete am gestrigen Donnerstag der Prozess um die "Satansmörder von Witten" vor dem Landgericht Bochum. "In 200 Jahren wird man nicht kapieren, um was es hier eigentlich geht", sagte Manuela Ruda während der Urteilsverkündung zu ihrem Verteidiger. |
Weder sie noch ihr mitangeklagter Ehemann Daniel zeigten ein Zeichen von Reue. Im Gegenteil. Während der Vorsitzende Richter Arnjo Kerstingtombroke die Begründung des Urteilsspruchs der Schwurgerichtskammer vortrug, schauten beide gelangweilt in den Saal oder feixten wie bei einer Schulstunde. Das Gericht verurteilte Daniel und Manuela Ruda wegen gemeinschaftlichen Mordes zu hohen Freiheitsstrafen von 15 und 13 Jahren und ging damit noch über das Strafmaß hinaus, das die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Richter Kerstingtombroke ordnete außerdem an, dass die 26 und 23 Jahre alten Angeklagten für unbestimmte Zeit in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden. Er schloss sich in seiner Urteilsbegründung der Auffassung der psychiatrischen Gutachter an, wonach die Eheleute nur bedingt schuldfähig waren, als sie am 6. Juli 2001 in Manuela Rudas Wittener Wohnung ihren 33-jährigen Bekannten Frank H. mit 66 Messerstichen und Hammerschlägen regelrecht massakrierten - angeblich auf "Befehl des Satans". Unterschwellige Wut Bevor Kerstingtombroke die Entscheidung verlas, ging er auf die "nicht alltäglichen" Prozessumstände ein - er meinte das Medienspektakel, das es den Angeklagten immer wieder ermöglichte, sich als finstere Satanisten in Szene zu setzen. In der Sache erklärte der Vorsitzende Richter, die Angeklagten hätten ein schreckliches Verbrechen begangen, als sie Frank H. heimtückisch ermordeten - einen Menschen, der sich gerade dadurch auszeichnete, dass er "friedlich und freundlich" gewesen sei und die lebensfrohe Musik der Beatles liebte statt die "Ekel erregenden, stumpfen Rhythmen von Zombie-Gedröhn", wie es die Angeklagten hörten. In vielerlei Hinsicht sei das Opfer in seiner Persönlichkeit das Gegenteil der Täter gewesen. Deshalb hätten sie eine unterschwellige Wut auf ihn entwickelt. Anders als die Verteidiger der Angeklagten ließ der Richter deren selbst gebastelten Satanismus nicht als Tatmotiv gelten. "Es ging nicht um Satanismus, sondern um ein schweres, gemeines Verbrechen, das nichts Mystisches an sich hat", sagte er. Als sich Manuela und Daniel Ruda vor zwei Jahren kennen lernten, hätten sich zwei verwandte Seelen getroffen, zwei ähnlich gelagerte Persönlichkeiten, die beide seit ihrer Pubertät unter Minderwertigkeitsgefühlen und einer schweren narzisstischen Störung litten - einer krankhaften Übersteigerung ihres Selbstgefühls. Gemeinsam hätten sie sich in ein freudloses Leben und den Hass auf Menschen hineingesteigert. "Eine Spirale kam in Gang, die auf ein gewalttätiges Ende zusteuerte, und je länger sich die Spirale drehte, desto schwieriger wurde es auszusteigen." Schließlich hätten sich Manuela und Daniel Ruda verabredet, Frank H. umzubringen - mit einem Hammerschlag, nicht durch einen "satanischen" Ritualmord. Kerstingtombroke sagte, zwar hätten die Angeklagten Wahnvorstellungen, aber diese rechtfertigten keinen Freispruch. "Sie leiden nicht unter einer Psychose oder Geisteskrankheit"; sie seien daher nicht schuldunfähig. Doch sei ihre Schuldfähigkeit durch das selbst gezimmerte Wahngebilde "entscheidend eingeschränkt"; damit könnten sie nicht zur Höchststrafe - lebenslangem Freiheitsentzug - verurteilt werden. Zuletzt wandte sich der Vorsitzende Richter an Manuela und Daniel Ruda. "Die Schwere ihrer Tat ist erheblich", sagte er. Doch auch sie beide seien "Menschen und keine Monster" und hätten Anspruch auf ein menschenwürdige Behandlung und ein gerechtes Verfahren. Positiv wertete das Gericht die umfassenden Geständnisse der Eheleute. Manuela Ruda erhielt schließlich eine niedrigere Strafe. Wohl führte sie die Messerstiche aus, die letztlich zum Tod des Opfers führten. Die "treibende Kraft", Frank H. zu ermorden, sei aber Daniel Ruda gewesen. "Beide leiden unter einer schweren Persönlichkeitsstörung", sagte der Vorsitzende Richter zum Schluss der Urteilsbegründung. "Wenn man nicht steuernd eingreift, wären sie weiter gefährlich." Daher folge er dem Gutachten des Psychiatrie-Professors Norbert Leygraf aus Essen, der die unbegrenzte Einweisung in eine geschlossene Einrichtung empfohlen hatte. "Jetzt ist Schluss mit der Inszenierung." Wenn das Urteil sie berührte, so zeigten es die Angeklagten nicht. Daniel Ruda schaute finster, und seine Frau kaute Kaugummi. Ihre Verteidiger kündigten an, gegen das Urteil Revision einzulegen. Am Ende gewitterten noch einmal die Blitzlichter. Dann führten Gerichtsdiener die Angeklagten aus dem Saal. "Jetzt wartet das Grauen der Psychiatrie auf sie", hat der Richter gesagt. Vielleicht für immer. |
«Dresdner Neueste Nachrichten». adn0000020020131dy1v00g1v 113 Words 31 January 2002 17:12 GMT ddp-Wirtschaftsdienst German (c) 2002 ddp-Wirtschaftdienst www.ddp.de |
«...Urteil gesprochen, die Normalität wieder hergestellt? Nicht ganz. Der Prozess gibt Nicht ganz. Der Prozess gibt Grund zur Sorge, wohin fanatischer Geisterglaube führen kann. Satanskult ist eine Kampfansage an menschliche Werte. Doch besonders der Jugend-Satanismus ist oft ein Hilfeschrei Fehlgeleiteter, die mit unserer Art zu leben nicht zurecht kommen. Wer Zukunftshoffnung verliert, landet oft in der Isolation. Oder in schwarzen Messen, wo Menschenhass und Weltverneinung gepredigt wird. 'Tue, was du willst, sei das Gesetz', schärfte der amerikanische Satanisten-Begründer Aleister Crowley seinen Anhängern ein. In Bochum galt gestern allein das Strafgesetzbuch. Nicht dem Teufel, sondern Menschen ist die brutale Tat nachgewiesen worden. Das harte Urteil war das einzig richtige.» |
FOKUS 1 - Langjährige Haftstrafen im Satanisten-Prozess. fdg0000020020131dy1v00asy 458 Words 31 January 2002 16:51 GMT Reuters - Nachrichten auf Deutsch German (c) 2002 Reuters Limited |
Bochum, 31. Jan (Reuters) - Im Mordprozess gegen ein Ehepaar aus der Satanisten-Szene hat das Bochumer Landgericht die beiden Angeklagten zu langjährigen Haftstrafen verurteilt und ihre sofortige Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet. Das Paar habe ein gemeines und verabscheuungswürdiges Verbrechen begangen, sagte der Vorsitzende Richter Arnjo Kerstingtombroke am Donnerstag bei der Urteilsverkündung. Wegen gemeinschaftlichen Mordes wurde Daniel R. zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, seine Frau Manuela zu 13 Jahren. Ihre Rechtsanwälte kündigten Revision an. Das Paar hatte zugegeben, einen Freund des Mannes im Juli 2001 mit 66 Messerstichen und Hammerschlägen getötet zu haben. Beide hatten ausgesagt, auf Befehl des Teufels gehandelt zu haben. Satan habe von ihnen verlangt, ihm eine Seele zu besorgen. Das Urteil nahmen beide Angeklagten ohne äußerliche Regung entgegen. |
Das Gericht warf den Angeklagten Heimtücke und niedrige Beweggründe vor. Auf Grund der von Gutachtern festgestellten schweren Persönlichkeitsstörung werde jedoch von einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe abgesehen. Die Angeklagten seien in ihrer Schuldfähigkeit erheblich eingeschränkt, hieß es in der Urteilsbegründung. Beide sollen wegen der schweren narzisstischen Störung sofort in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt behandelt werden. "Solange diese besteht, bleiben Sie da", sagte Kerstingtombroke. "Das kann möglicherweise lebenslänglich sein." Bei beiden Angeklagten liegt das Strafmaß über der Forderung der Staatsanwaltschaft. Für den 26-jährigen R. hatte der Staatsanwalt eine Haftstrafe von 14 Jahren und für dessen 23-jährige Frau von zwölf Jahren gefordert. Wegen einer schweren Persönlichkeitsstörung sah der Staatsanwalt jedoch nur eine bedingte Schuldfähigkeit gegeben und daher die Unterbringung in einer Klinik erforderlich. Die Verteidigung hatte wegen Schuldunfähigkeit Freispruch und ebenfalls die Unterbringung der Angeklagten in der Psychiatrie gefordert. Das mildere Urteil für die Frau begründete der Richter Kerstingtombroke damit, dass nicht sie die treibende Kraft gewesen sei. "Die Initiative hat Ihr Mann ergriffen." In dem drei Wochen dauernden Prozess hatten Gutachter dem Paar schwere Persönlichkeitsstörungen bescheinigt und die Unterbringung in der Psychiatrie empfohlen. Den Gutachtern zufolge besteht die Gefahr, dass das Ehepaar erneut vergleichbare Straftaten begehen könnte. Die beiden Angeklagten hatten während des gesamten Prozesses keine Reue gezeigt und sich mit Gesten wie dem Teufelsgruß zu ihrem Satanismus bekannt und in Szene gesetzt. Manuela R. war zur Urteilsverkündung erneut mit Sonnenbrille und wie ihr Mann dunkel gekleidet erschienen. Nach dem Abschluss der Hauptverhandlung stürmten Kamerateams und Fotografen den Saal, um Aufnahmen der beiden Angeklagten zu machen. Ein Justizangestellter sagte, einen vergleichbaren Medienandrang habe er bislang noch nie erlebt. In Deutschland leben einer Studie zufolge 3000 bis 7000 praktizierende Satanisten. In der Szene sei eine zunehmende Brutalisierung zu beobachten. Auch gebe es inhaltliche Übereinstimmungen zwischen Satanisten und "neofaschistischen Vorstellungen", heißt es in einer Studie der Hamburger Innenbehörde. Nach Angaben eines Sektenexperten schafft die Satanisten-Szene eine Gegenwelt, in der ethische Normen, bürgerliche Gesetze oder göttliche Gebote aufgehoben sind. jpv/sag/tin. |
«Schluss mit der Inszenierung» - Lange Haftstrafen und Einweisung in die Psychiatrie für ... adn0000020020131dy1v00cch 499 Words 31 January 2002 15:37 GMT ddp-Wirtschaftsdienst German (c) 2002 ddp-Wirtschaftdienst www.ddp.de |
«Schluss mit der Inszenierung» - Lange Haftstrafen und Einweisung in die Psychiatrie für Wittener Satanisten-Ehepaar Ruda - Von ddp-Korrespondent Michael Bosse. (Nachrichtenfeature) |
(Mit Bildern) Den grausamen Ritualmord an einem Arbeitskollegen muss das Wittener Satanisten-Ehepaar Ruda mit langen Haftstrafen und einer unbefristeten Einweisung in die geschlossene Psychiatrie büßen. Das Landgericht Bochum verurteilte Daniel Ruda (26) am Donnerstag zu 15 und seine Ehefrau Manuela (23) zu 13 Jahren Haft und befand sie des gemeinschaftlichen Mordes an für schuldig. Zugleich verfügte die Schwurgerichtskammer die Einweisung der Angeklagten in eine psychiatrische Klinik, weil sie weiter für die Allgemeinheit gefährlich seien. Die selbst ernannten Satanisten nahmen den Urteilsspruch ohne sichtbare Regung zur Kenntnis, das letzte Blitzlichtgewitter ließen sie kommentarlos über sich ergehen. Der Vorsitzende Richter Arnjo Kerstingtombroke bemühte sich in seiner Urteilsbegründung um sachliche Argumente: «Hier stehen keine Monstren, sondern Menschen vor Gericht.» Bei der «widerwärtigen Tat» - der Ermordung eines 33-jährigen Arbeitskollegen mit mindestens 66 Messerstichen und Hammerschlägen - sei es nicht wichtig, ob sie im Namen Satans erfolgt sei. Es gehe allein um die Gründe: Und die seien bei beiden Verurteilten in «narzisstischen Persönlichkeitsstörungen» und Minderwertigkeitsgefühlen zu finden. Daniel und Manuela Ruda hätten nie gelernt, mit Frustrationen fertig zu werden, betonte der erfahrene Richter. Deshalb hätten sie sich «absolut gesetzt und andere Menschen verachtet». Der Satanismus selbst sei nur eine Weltanschauung, das Symptom dieser «schweren seelischen Abartigkeit». Das Paar habe sich in seinen Störungen ergänzt und gegenseitig bis zum Mord hochgestachelt: Zielgerichtet hätten die Eheleute den freundlichen und offenen 33-jährigen Arbeitskollegen ausgesucht, weil er das «Gegenteil der Angeklagten» gewesen sei: «Die Wut der Gestörten auf das Gesunde war das Motiv», betonte Kerstingtombroke. Dabei sei der Mord vom 6. Juli vergangenen Jahres mit besonderer Heimtücke und aus «niedrigen Beweggründen» geplant und umgesetzt worden. Bei der Tat selbst sei das Paar «vermindert schuldfähig» gewesen. Daniel Ruda habe mit einem Hammer auf das Opfer geschlagen, seine Frau auf seinen Befehl mit einem Messer mehrmals zugestochen und das Opfer dabei tödlich verletzt. Kerstingtombroke hob auch hervor, das Gericht dürfe dem «Ruf der Straße» nicht folgen. Die bei den Rudas festgestellten Persönlichkeitsstörungen seien einer Krankheit «gleichwertig» und müssten behandelt werden. Ihre Zukunft sei nicht schön - jetzt erwarte sie das «graue Einerlei» der Psychiatrie. «Mit der Inszenierung ist jetzt Schluss!», betonte der Vorsitzende. Die Angeklagten seien von den Medien zu theatralischen Auftritten ermuntert worden. Nach der Urteilsverkündigung meldeten sich Stimmen aus dem Publikum zu Wort, die sich eine härtere Bestrafung der Satanisten gewünscht hätten: «Wir fordern lebenslänglich», deklamierte der Sprecher einer Dortmunder Jugendgruppe gegen Rechtsextremismus mediengerecht in die Mikrofone. Die Jugendlichen waren mit Blumen erschienen, die sie den Eltern des Opfers übergeben wollten. Diese wollten sich aber zum Urteil nicht äußern. Die Anwälte des Paares kündigten Revision an: «Die Begründung des Urteils hat uns nicht überzeugt», sagte der Verteidiger von Manuela Ruda, Siegmund Benecken. Das Gericht sei noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinausgegangen und habe zudem die satanistische Überzeugung des Paars nicht ausreichend berücksichtigt. |
Wittener Satanisten-Ehepaar verurteilt - Psychiatrie und lange Haft. adn0000020020131dy1v00aca 237 Words 31 January 2002 14:20 GMT ddp-Wirtschaftsdienst German (c) 2002 ddp-Wirtschaftdienst www.ddp.de |
(Übersicht) (Mit Bildern) |
Den grausamen Ritualmord an einem Arbeitskollegen muss das Wittener Satanisten-Ehepaar Ruda mit langen Haftstrafen und einer unbefristeten Einweisung in die geschlossene Psychiatrie büßen. Das Landgericht Bochum verurteilte am Donnerstag Daniel Ruda zu 15 und seine Ehefrau zu 13 Jahren Haft wegen gemeinschaftlichen Mordes. Zugleich verfügte die Schwurgerichtskammer die Einweisung der Angeklagten in eine psychiatrische Klinik, weil sie weiter für die Allgemeinheit gefährlich seien. Das unterschiedliche Strafmaß sei gerechtfertigt, weil Daniel Ruda bei der Tat die «treibende Kraft» gewesen sei, sagte der Vorsitzende Richter Arnjo Kerstingtombroke in seiner Urteilsbegründung. Für seine Tat habe das Paar bewusst den freundlichen und offenen 33-jährigen Arbeitskollegen ausgesucht, weil er das «Gegenteil der Angeklagten» gewesen sei. «Die Wut der Gestörten auf das Gesunde war das Motiv», sagte Kerstingtombroke. Der Richter betonte zugleich: «Die Verurteilten sind aber keine Monster, sondern Menschen». Dies dürfe trotz ihres «widerwärtigen» Verbrechens nicht vergessen werden. Mit mindestens 66 Messerstichen und Hammerschlägen hatte das Paar am 6. Juli vergangenen Jahres den Bekannten umgebracht. Dabei handelten die Rudas nach eigenem Geständnis «im Auftrage Satans». Die Angeklagten waren nach Einschätzung von Gutachtern und Strafkammer zum Zeitpunkt des Mordes nur vermindert schuldfähig. Die Tat sei mit Heimtücke und aus niedrigen Beweggründen begangen worden. Der Satanismus sei dabei nur ein «Symbol» für die Persönlichkeitsstörungen des Paares gewesen. In einer Spirale der Gewalt hätte sich das Paar bis zu dem Mord hochgeschaukelt. |
Was ist der Satanskult? adn0000020020131dy1v0086h 185 Words 31 January 2002 12:20 GMT ddp-Wirtschaftsdienst German (c) 2002 ddp-Wirtschaftdienst www.ddp.de |
(ddp-Infokasten) Satan ist die klassische Teufelsbezeichnung. Sie kommt aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie Widersacher, Ankläger oder Versucher. Es gibt es auch zahlreiche andere Namen wie Luzifer, Behemot, Beelzebub oder Antichrist. |
Menschen, die sich dem Satanismus verschrieben haben, gehen von der übermäßigen Kraft und Gewalt eines Satans aus. Oft praktizieren sie «schwarze Magie» oder feiern «schwarze Messen». Diese können als pervertierte Form der römisch-katholischen Messfeier angesehen werden. Die Religionswissenschaftler unterscheiden zwei satanistische Hauptrichtungen: den traditionellen und den modernen Satanismus. Beim traditionellen verehren die Anhänger das theologische Satansbild der Kirchen. Der Satan ist hiernach der Widersacher Gottes - die dunkle Macht, sagt Joachim Keden, Beauftragter für Weltanschauungs-und Sektenfragen der Evangelischen Kirche im Rheinland. Der moderne Satanismus, auch Crowley-Neo-Satanismus, habe keinen Platz mehr für einen christlichen Gott. Der Satan wird zum Inbegriff der Lebensenergie, zur «magischen Power». Sein Anhänger strebt selbst an, zum Gott zu werden. Als Begründer des modernen Satanismus gilt der Magier Aleister Crowley (1875-1947). Er erfand und erprobte eine Vielzahl Rituale, die er mit okkulten und sexuellen Praktiken verknüpfte. (Internet: http://www.relinfo.ch/) |
Der Triumphzug der Rudas. sddz000020020131dy1v002gz 1075 Words 31 January 2002 Süddeutsche Zeitung 39 German (c) 2002 Süddeutsche Zeitung |
NRW-Report Satanismus: Folgen eines Prozesses Wie das angeklagte Ehepaar aus Witten die Szene der Teufelsjünger in Bewegung brachte - und harmlose Grufties in Verruf |
Von G. Kleinhubbert, S. Katenkamp und K. Pinetzki Bochum/Dortmund - Am Abend ist das "Webmania" ein virtuelles Schlachtfeld. Jugendliche schauen gebannt auf die Computer-Monitore, hauen auf die Tasten und lassen Spielfiguren um ihr Leben laufen. Der Raum ist erfüllt vom Knattern der Maschinengewehre und den spitzen Schreien der PC-Gegner. Nur bei Magnus, Angela, Edwin und Elena geht es ruhiger zu. Dabei führen sie den härtesten Kampf in diesem Dortmunder Internet-Café - ihre Feinde sind nämlich real und existieren auch noch, wenn sie den Computer ausstellen und nach Hause gehen. Die vier Jugendlichen gehören zur Dortmunder Gruppe "Weiße Rose" und bekämpfen Satanisten. Im unendlichen Angebot des Internet suchen sie nach Seiten, auf denen fanatische Teufelsjünger ihre Hass-Botschaften verbreiten. Sie dingen in Internetseiten ein, verändern Linklisten und hinterlassen zwischen den düsteren Zeilen ihre Botschaften von Liebe und Freundschaft. Zurzeit haben die Mitglieder der "Weißen Rose" besonders viel zu tun. Ursache ist ein grausamer Ritualmord an einem 33-jährigen Wittener. Er wurde im Juli vergangenen Jahres begangenen und zog einen Aufsehen erregenden Prozess nach sich. Heute geht dieser Prozess in Bochum zu Ende und wird den Eheleuten Daniel und Manuela Ruda lange Haftstrafen bescheren. Was bleibt, ist eine bittere Gewissheit: Die Satanisten-Szene hat von den Rudas profitiert und ist vermutlich deutlich im Aufwind. "Der Fall hat die Gruppe aufgewühlt", sagt Magnus, "die Anhänger fühlen sich ermutigt und wagen sich vor." Innerhalb kurzer Zeit habe sich die Zahl der deutschen Teufels-Seiten im Internet wohl verdoppelt: Jetzt sei es einfacher als zuvor, einschlägige Musik zu tauschen und sich mit Satansbibeln einzudecken, die den geistigen Nährboden für die dunklen Sehnsüchte bilden. Es geht dort um Tieropfer und Blut-Orgien, um Freitod und Kirchenschändungen. All das also, was auch die Rudas so fasziniert hatte. Das Problem verschärft sich Kriminalstatistiken geben kaum Auskunft über die Gefahr des Satanismus. Experten gehen aber davon aus, dass es bundesweit etwa 5000 bis 7000 Teufelsjünger gibt. Einige Beobachter glauben, dass sich das Problem kontinuierlich verschärft. Andrew Schäfer, Sektenbeauftragter der evangelischen Landeskirche, hält den Satanismus zwar immer noch für ein Randproblem: "Wo er auftritt, ist er aber brandgefährlich." Durch den Ritualmord habe sich vermutlich einiges bewegt in der Szene, vermutet Schäfer. Einige Jugendliche fühlten sich von den Rudas angezogen, imitierten ihre Kleidung und spürten wohl einen gewissen Kitzel. Deswegen sei es gerade jetzt wichtig, dass Eltern und Jugendliche genau hinschauen. Nicht jeder, der aussieht wie ein Satanist, sei gefährlich. Meist handele es sich bei der entsprechenden Kleidung nur eine "pubertäre Protesthaltung". Der Übergang von der eher harmlosen Gruftie-und Gothic-zur Satanisten-Szene sei allerdings "fließend". Einer der Orte, wo Satanisten zumindest aus optischen Erwägungen ihren Nachwuchs rekrutieren könnten, ist die Bochumer Diskothek "Zeche". Dort findet einmal im Monat der "Dark Dimension-Abend" statt. Dann läuft Industrial oder Electro Body Music (EBM), Gothic oder Darkwave, und dann sieht, wer die Tanzfläche von oben betrachtet und das Bild verschwimmen lässt, eine schwarze, träge Masse, die sich seltsam monoton bewegt. Arme gleiten auf und ab, während die Beine dieselbe Schrittfolge immer und immer wiederholen. Die Gäste tragen Lederhosen und wallende Umhänge, schwarzes Haar und große Tattoos. "Ich bin anders als die anderen", sagt Katja, die zu den Stammgästen zählt und an diesem Abend ein enges Lackkleid mit weit aufgezogenem Reißverschluss trägt. "Mit den Rudas will ich aber nichts zu tun haben. Die bringen unsere ganze Gothic-Szene in Verruf." Ihr gehe es nur um Musik und die düstere Optik. Tina geht es ähnlich: "Ich will mit solchen Leuten nichts zu tun haben", sagt sie. Die Essenerin ist 40 Jahre alt und sitzt im normalen Lebe an der Störungsstelle einer Telefonbaugesellschaft. Sie trägt ein gewagtes Kleid, das im Dekolleté ein großes Loch hat, und trinkt Kaffee. Für ihre Aufmachung hat sie anderthalb Stunden gebraucht: schwarze lange Fingernägel, lange glänzende Handschuhe, ein silbernes Kreuz um den Hals und ein mit Kajal gemaltes Fantasie-Zeichen zwischen den Augen. "Du hast bei den Grufties Leute, die sich für Vampire halten", sagt sie, "andere, die auf SM stehen, und wieder welche, die glauben, sie seien die Gehilfen Satans." "See you in hell" "Zeche"-Geschäftsführer Andy Lünsmann will eigentlich keine Presse mehr im Haus. "Das meiste, was über uns erzählt und berichtet wird, ist eh falsch", sagt er. Seit ein Privatsender einen Beitrag über die Szene in der Bochumer Konkurrenz-Disko "Matrix" drehte, kursierten T-Shirts mit dem Aufdruck "Spiegel-TV - see you in hell" unter den Gothic-Jüngern. Auch Lünsmanns Mitbewerber Dirk Reese, der die Diskothek "Zwischenfall" führt, ärgert sich über falsche Berichterstattung. Gerade jetzt, wo der Prozess laufe, gelte seinem Laden wieder große Aufmerksamkeit. "Die glauben alle, die könnte bei uns die neuen Rudas aufspüren", sagt er. Doch das sei zu spät. "Die Rudas waren keine Stammgäste, aber sie waren hier." Ganz genau erinnere sich an das Mörderpaar. Von ihren satanistischen Neigungen habe er natürlich nichts geahnt, sagt der Disko-Chef. Reese gehört seit 20 Jahren zur Gothic-Szene und gibt zu, auch einmal bei rituellen Tier-Opferungen dabei gewesen zu sein. " Aber das war nur aus reiner Neugier", sagt er. Die Neugier auf derartige Kult-Handlungen scheint offenbar immer größer zu werden: Die Zahl der Kirchen-und Friedhofschändungen sei in den vergangenen Jahren zumindest im Rheinland gestiegen, berichtet Sektenbeauftragter Schäfer. "Die Zahl der Menschen, die das toll finden, nimmt zu." Die Mitglieder der "Weißen Rose", die im Internet gegen die Teufels-Anbeter kämpfen, merken das bei jedem Einsatz. Was sich zurzeit ereigne, könne nur mit dem "Satansmord von Sondershausen" verglichen werden, der sich 1993 ereignet hatte. Damals war der 15-jährige Sandro Bayer von drei Mitschülern getötet worden, die sich als Satanisten bezeichneten. "Auch damals hat die Szene einen großen Schub bekommen", erinnert sich Magnus. Das, was die Jugendlichen auf die Internet-Seiten der Satanisten treibe, sei meist die Suche nach dunkler Musik, glaubt Magnus. Die Band "Wumpscut" werde dabei besonders häufig nachgefragt. Ihr Sänger heißt Rudy Ratzinger und gibt sich im Internet als bekennender Fan der Rudas. Dort bietet er für 50Euro ein "Ruda Package" an: Dieses PR-Paket enthält genau die Poster und Fanartikel, die in der Wittener Wohnung von Manuela Ruda hingen. Rudy Ratzinger, genervt vom Medienrummel, hält das nur für "bitterböse Ironie". Er meine es auch nicht so, wenn er schreibe, dass er mit dem Erlös der Pakete die Rudas freikaufen und ihre Heiligsprechung erwirken werde. |
SATANISMUS IST POP. berlrz0020020126dy1q000h6 Von Frank Nordhausen. 2097 Words 26 January 2002 Berliner Zeitung German (c) 2002 Berliner Zeitung |
Es klingt wie aus einer fremden Welt, was Manuela Ruda vor Gericht zu erzählen hat. Von jenem Vampirclub in London, der nur von Mitternacht bis zur Morgendämmerung geöffnet war. Von den "untoten" Gästen, deren "genetische Veränderung" sie an ihrer Empfindlichkeit für Licht erkannte. Von den Vampiren im Ruhrgebiet, mit denen sie Blutrituale auf Friedhöfen zelebrierte. Wie dann allmählich ihre Verbindung zu "Satan" wuchs, bis sie in einer der bizarrsten Bluttaten der deutschen Kriminalgeschichte gipfelte: dem "Satansmord von Witten" im Juli des vergangenen Jahres - angeblich auf Befehl des Teufels. |
Seit Manuela und Daniel Ruda in Bochum der Prozess gemacht wird, erhält die Republik Einblicke in das Denken und Leben von Satanisten, wie es so authentisch nur selten zu hören ist. Bis zu 10 000 radikale Anhänger des Teufelskultes leben in Deutschland, schätzt der protestantische Satanismus-Experte Ingolf Christiansen aus Göttingen, Autor mehrerer Bücher zum Thema. "Das sind die Hardcore-Satanisten, die theoretisch auch über Tieropfer hinausgehen." Er schränkt zwar ein, die genaue Zahl der Okkultisten kenne in Wahrheit niemand. Okkult heißt ja geheim. Aber das macht die Sache nur umso interessanter. Schwarze Kleidung, Sado-Maso-Posen, Särge, Satan. Der Wittener Mordfall hat eine Schattenseite jener Jugendkultur beleuchtet, der Manuela und Daniel Ruda angehören - der "schwarzen Szene". So bezeichnen sich Grufties und Gothics, Black-und Death-Metaller, junge Leute, die sich durch ihr schwarzes Styling und düstere Musik von anderen abheben. Für die meisten ist es ein Freizeitspaß am Wochenende. Einige aber interessieren sich außer für die Musik auch für magisch-okkulte Traditionen und den Satanismus. Auch der 17-jährige Gymnasiast Michael aus Dortmund gehört zur Szene. Mit seinen Schulfreunden, einem Jungen und vier Mädchen, ist er nach Bochum gekommen, um den Prozess zu beobachten. Michael bekennt sich, was selten ist, offen als Satanist. Was das bedeutet? Er lächelt. "Die satanische Bibel lesen, Rituale feiern, auf dem Friedhof rumhängen." Was man eben so macht. Aber die Rudas, die seien zu weit gegangen, finden er und seine Freunde. Ganz klar. "Unschuldige Menschen zerstückeln ist Scheiße, aber Satanismus muss nicht falsch sein", sagt Michael. "Auch in der Bibel steht, dass Tiere geopfert werden." Er sagt das lakonisch. Die anderen nicken. Kurz nach der Tat zeigte "Spiegel TV" tanzende Grufties in Manuela Rudas Bochumer Stammdisco "Matrix" und kommentierte die Bilder mit den Worten: "Bleibt zu hoffen, dass Luzifer nicht weitere Aufträge erteilt. Gehör würde er mit tödlicher Sicherheit finden." Daraufhin ging ein Aufschrei durch die schwarze Szene. Auf ihrem September-Titel druckte die Gothic-Zeitschrift "Zillo" die Konterfeis von 36 Jugendlichen mit der Schlagzeile: "Wir sind keine Mörder". Der Chefredakteur distanzierte sich von dem Mord und warnte: "Hier soll eine ganze Jugendkultur kriminalisiert werden." Nur die wenigsten Grufties seien überzeugte Satanisten. Und der "Matrix"-DJ, ein verwegener Bursche mit Ringen durch Nase und Ohr, erklärte: "Die Szene zeichnet sich durch extreme Friedlichkeit aus. Es ist ein Lifestyle wie jeder andere." Fast wie jeder andere. Vor dem Bochumer Gerichtssaal steht die 19-jährige Ines aus Düsseldorf, ein Gothic Girl, die ihre rot gefärbten Haare zum schwarzen Kleid und ein Kettchen mit umgedrehtem Kreuz trägt. Auf die Frage, ob die Rudas für sie Idole seien, antwortet sie: "Na klar. Ich wäre froh, wenn es mehr so 'ne Leute geben würde, die sich gegen die Trendsetter auflehnen." Es ist ja auch gar nicht mehr so leicht aufzufallen. Reichte vor 15 Jahren noch ein Schlitz in den Jeans, um Erwachsene zu schockieren, so müssen es heute schon implantierte "Fangzähne" sein, wie sie Manuela Ruda trug. Ines jedenfalls besucht den "Satans"-Prozess, um dort "das Feeling aufzunehmen". Als ob sie in ein Pop-Konzert ginge. Und Manuela und Daniel Ruda sind Pop. Im Nachhinein wirkt auch die Vorgeschichte ihrer Tat wie eine Inszenierung für die Medien. Ihre Wohnung in Witten hatten sie ausstaffiert mit Insignien des populären Satanismus wie umgedrehten Kreuzen, der SS-Rune und der Zahl 666, die gemäß der Bibel für "das große Tier", den Teufel steht. Manuela Ruda schnitt ihrem toten Opfer sogar noch ein Pentagramm als Teufelszeichen in den Bauch. An ihrer Wohnungstür stand: "Verwertungsanstalt Bunkertor 7 Dachau", und ans Fenster hatte sie geschrieben: "When Satan lives" (Wenn Satan lebt) - Chiffren, die jeder Szenegänger sofort wiedererkennt. "When Satan lives" ist der Titel einer CD der amerikanischen Black-Metal-Band Deicide, und "Bunkertor 7" heißt ein Lied des bayrischen Blut-und-Horror-Elektronikers Wumpscut alias Rudy Ratzinger (der sich für die Werbung durch das Mörderpaar unlängst mit einem Song namens "Ruda" revanchierte). Wumpscut singt Lieder, die sich so anhören: "Tot, tot, tot, ich mache dich tot/ tot, tot, tot, von Blut alles rot." Extreme Ausnahmen auf dem Musikmarkt? Indizierte Gewaltverherrlichung? "Keinesfalls. Beide Bands sind längst Mainstream, nichts Besonderes", winkt Wolf-Rüdiger Mühlmann aus Hamburg ab, ein junger Produzent von harten Metal-Bands. Satanismus ist ein fester Bestandteil der Jugend-und Popkultur geworden. Und seine Dynamik bezieht er aus der Musik. Alles begann Anfang der 70er-Jahre. Als Stammvater der Satansrocker gilt der exaltierte John "Ozzy" Osbourne mit seiner Kult-Band Black Sabbath, der damals in brüllender Lautstärke "Mein Name ist Luzifer, nimm meine Hand!" kreischte. Osbourne, der die Beschwörung des Teufels als provokantes Spiel auffasste, wurde von christlichen Fundamentalisten verbissen als "Antichrist" bekämpft, was seinen rebellischen Ruf und den Plattenverkauf stark beförderte. "Satanism sells", Satanismus verkauft sich gut, erkannten clevere Nachfolger, die zehn Jahre später mit einer schnellen, rüden Spielart des Heavy Metal Gewalt verherrlichten, das Christentum schmähten und den Satan priesen. Der "Black Metal" war geboren, benannt nach der zweiten Platte der britischen Gruppe Venom (Gift) von 1982. Auf ihren Plattencovern feierten Venom und andere Bands wie Judas Priest oder Iron Maiden ein Festival der Totenschädel, Zombies und Folterbänke. Ihre Texte handelten von Triebmord, Vampirismus oder Friedhofsritualen. "Bring den einzigen Sohn des Priesters um, schau zu, wie das Baby stirbt, trinke das reine Blut", jaulten etwa die Macho-Rocker der Metal-Band Slayer (Totschläger). Zwar ging es den allermeisten Musikern damals wie heute weniger um "echte" Blutorgien und Teufelsrituale als um die Provokation als Imagefaktor. Doch jede Provokation erschöpft sich irgendwann, was dann die pop-satanische Radikalisierungsspirale in Gang bringt. Anfang der 90er-Jahre traten plötzlich Black-Metal-Bands aus Skandinavien auf den Plan mit dem Motto: "Die alten Bands haben nur darüber gesungen - wir tun es!" Sie gründeten satanistische Zirkel und hetzten gegen die Christen, die das "Nordland" mit ihrer Nächstenliebe schwach und lahm gemacht hätten. Varg Vikernes, der Chef der Osloer Band Burzum, beschloss damals, die "Mission Luzifers" in die Tat umzusetzen: Feuer für die Christenheit. Er rief dazu auf, Kirchen anzuzünden; seine Fans brannten daraufhin rund zwanzig Gotteshäuser nieder. Vikernes stieg weltweit zur Kultfigur der Black-Metal-Szene auf, als er 1993 einen Rivalen brutal ermordete. Vor Gericht gab er außerdem zu, vier Kirchen angezündet zu haben. Sein Kommentar: "Nicht jene, die Kirchen niederbrennen, sind die Verbrecher, sondern jene, die die Kirchen errichten." Er wurde zu 21 Jahren Haft verurteilt. Die "Norweger" sind ein Sonderfall. Die weitaus meisten Satansrocker erklären nach wie vor, ihre Hasstiraden seien nichts als eine Show. "Die machen das augenzwinkernd. Sie werden nur manchmal falsch verstanden", sagt der Musikproduzent Wolf-Rüdiger Mühlmann. "Aber die jungen Leute nehmen das ernst!", entgegnet Sektenexperte Ingolf Christiansen. Weil der Satanismus die christlichen Werte umdreht, erscheint er einigen Jugendlichen als eine extrem wirksame Form der Rebellion. Als ein ultimativer Kick. Eine Möglichkeit, sich gefährlich und mysteriös aufzuführen. Als eine neue, "krasse" Religion. Das rief auch die Polizisten einer Sonderkommission auf den Plan, die 1996 im südlichen Brandenburg eine Gruppe Grab-und Kirchenschänder verfolgten. Im November des Jahres nahmen sie auf dem Friedhof der Kleinstadt Finsterwalde um Mitternacht zwei Mädchen und drei Jungen zwischen 16 und 18 Jahren fest, die mit einem Rucksack voll menschlicher Knochen unterwegs waren. Die Jugendlichen hatten einen satanistischen Zirkel gegründet und schwarze Messen gefeiert. Der Polizei erzählten sie, sie hätten nur "ihre Gefühle ausleben" wollen. Bundesweit haben solche "Gefühlsausbrüche" seit Anfang der 90er-Jahre stark zugenommen. Priester wurden bedroht, Grabkreuze beschmiert und umgestürzt, tote Hühner an Kruzifixe gebunden, auch einige Kirchen angezündet. "Solche Taten sind inzwischen gang und gäbe", erklärt der protestantische Sektenbeauftragte Thomas Gandow aus Berlin. Er hat nach fundamentalistischen Christen und Scientology am meisten mit dem Satanismus zu tun. Er sagt: "Musik und Medien kommt eine zentrale Rolle zu. Wenn die Bravo über schwarze Messen berichtet, spielen die Kids das umgehend nach." Die Jugendlichen praktizieren, was Fachleute als "modernen Privatsatanismus" bezeichnen. Sie basteln sich ihren eigenen Kult. Detaillierte Anweisungen für Blutopfer, "Ekeltraining" und schwarze Messen finden sie vor allem bei dem 1947 gestorbenen "Magier" Aleister Crowley aus England. Crowley gilt als geistiger Ahnherr der modernen Satansjünger. Der wütende Gegner des Christentums betete den Teufel aber nicht als Person an, sondern betrachtete ihn als Symbol für das rücksichtslose Ego: "Es gibt keinen Gott außer dem Menschen." Und kein Gesetz außer dem, das der Einzelne sich selber schafft: "Tretet nieder die Jämmerlichen und die Schwachen, dies ist das Gesetz der Starken." Diese Macht-Ideologie gibt Schwachen die Chance, sich stark zu fühlen, denn die Rituale sollen sie mit den "Mächten des Bösen" verbinden. "Magische Power" tankt dabei vor allem, wer viel Blut konsumiert - wie es Manuela und Daniel Ruda taten. Die Praktiken von Jugendlichen wie den beiden Wittenern haben die Experten lange Zeit als "Mickymaus-Satanismus" missachtet, weil sie nur Traditionsvereine wie den "Ordo Templi Orientis" oder die "Fraternitas Saturni" für gefährlich hielten, in denen meist Familienväter am Wochenende zu schwarzen Messen schreiten. "Jetzt aber ist Satanismus unter Jugendlichen eine Tatsache", sagt Experte Christiansen. "Ob es uns passt oder nicht." Doch aktuelle wissenschaftliche Studien über die Szene gibt es nicht. Als Treffpunkte der jungen Okkultisten, meist Gymnasiasten, fungieren die einschlägigen "schwarzen" Discos, die Accessoire-und Tattoo-Läden wie der "666"-Shop in Essen oder das "Near Dark" in Dortmund. Der Markt für okkultes Zubehör wie Pentagramm-Anhänger, Plastik-Totenköpfe, Ritualmesser oder schwarze Roben wächst ständig. Informationen werden über das Internet und über Fan-Magazine wie "Legacy" oder "Gothic" ausgetauscht, Bekanntschaften über die Kleinanzeigen geknüpft: "Pechschwarzer Vampir sucht Prinzessin der Finsternis..." Wer sich im Internet bei einer Satanisten-Adresse einklinkt, landet auch schnell bei harter Pornografie, Sado-Maso-Sex und Mord-Seiten, auf denen echte Tötungen zu sehen sind. Als neueste Entwicklung beobachtet der Satanismus-Experte Christiansen eine zunehmende "Versektung" der Szene. So empfehlen einige Gothic-und Metal-Musiker ihren Fans inzwischen den Eintritt bei der kalifornischen "Church of Satan" des 1997 verstorbenen Exzentrikers Anton Szandor LaVey, eines erklärten Crowley-Jüngers. Und die Fans folgen. Die "Church" spielt in der schwarzen Szene in Deutschland inzwischen eine Rolle wie die NPD bei den Rechtsradikalen. Auch die 17-jährige Anja aus Recklinghausen, die vor dem Landgericht Bochum auf den Einlass zum Prozess wartet, fiebert schon ihrer Aufnahme entgegen. "Wenn ich 18 bin, trete ich bei der Church ein", sagt sie. Anja hat bereits LaVeys weiß auf schwarz gedruckte "Satanische Bibel" und seine "Satanischen Rituale" verschlungen. Seit die beiden Bücher 1999 auf Deutsch auf den Markt kamen, sind sie die Renner in der Szene. Auch Manuela und Daniel Ruda bezogen ihr Wissen über den Teufel vor allem von Anton Szandor LaVey. "Die ständige Beschäftigung mit diesem Gedankengut hat die Hemmschwelle vor einer Tötung deutlich herabgesetzt." Dieser Satz, der auch auf die Wittener Mörder passen würde, stammt aus einem anderen "Satansmord"-Prozess. 1993 hatten drei Jugendliche, die sich "Kinder des Satans" nannten, im thüringischen Sondershausen einen Mitschüler getötet. Hendrik Möbus, einer der Täter, ist in der schwarzen Szene inzwischen zur Kultfigur aufgestiegen. "Für mich ist der Nationalsozialismus die vollkommenste Synthese aus satanischem luziferischem Willen zur Macht, verbunden mit arisch-germanischem Heidentum", verkündet Möbus, der seit letztem Jahr wegen rechtsradikaler Propaganda wieder im Gefängnis sitzt. Er ist zum Protagonisten einer neuen, gewalttätigen Szene geworden, die Satanismus und Rechtsextremismus verschmilzt und unter dem Label "NS Black Metal" firmiert. Er wurde zum Idol der Härtesten der Harten. Auch Manuela und Daniel Ruda wollten stark sein. Sie bewunderten Hendrik Möbus, Varg Vikernes und den amerikanischen "Satansmörder" Charles Manson. Manuela reiste nach Norwegen, um sich dort abgebrannte Kirchen anzuschauen. Direkt nach dem Mord fuhren beide nach Sondershausen, um das Grab des ermordeten Jungen zu schänden. "Daniel fühlte sich wie Gott", sagt ein früherer Kumpel vor Gericht. "Und er wollte immer so berühmt werden wie Charles Manson." Es ist nicht leicht gewesen, berühmt zu werden. "Ich hätte nicht gedacht, dass es so lange dauert, jemanden umzubringen", hat Manuela Ruda im Verhör angegeben. Aber jetzt stehen sie und ihr Ehemann im Scheinwerferlicht. Wie Hendrik Möbus. Nur anders. Manuela und Daniel Ruda haben die Radikalisierung der Satansszene wieder ein Stück weitergedreht. Vor der Tür des Gerichtssaals in Bochum wartet ein junges Mädchen, ganz in Schwarz. Warum ist sie gekommen? "Rudas sind Kult", sagt sie. |
Teufelsanbeter haben schwere Persönlichkeitsstörung. stugtr0020020125dy1p000hc 578 Words 25 January 2002 Stuttgarter Zeitung 20 German (c) 2002, Stuttgarter Zeitung Ansprechpartner: 0049-711-7205-782 |
Im Satanistenprozess stellen Gutachter eine schlechte Prognose für die Angeklagten - "Jede r allein nicht fähig zu der Tat" Beide Angeklagten im Bochumer Satanistenprozess leiden unter einer schweren narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Sie sind nur vermindert schuldfähig. Weil neue Taten drohen, müssen sie in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Das sagen die Gutachter. |
Von Stefan Geiger, Bochum Die Erkenntnis, dass Manuela und Daniel Ruda vermindert schuldfähig sind, leiten die Gutachter nicht aus deren satanistischen Überzeugungen ab und auch nicht aus dem damit begrün deten "schrecklich absurd erscheinenden Tatmotiv". Entscheidend sei vielmehr eine bereits länger bestehende schwere Persönlichkeitsstörung. Dies erläuterte Professor Norbert Leygraf, der die Angeklagten zusammen mit zwei Kollegen seines Instituts untersucht hatte. Die lange bestehenden Störungen hätten sich dramatisiert, nachdem sich die beiden Angeklagten kennen gelernt und geheiratet hatten. Beide litten im Kern unter denselben Störungen; sie hätten sich jedoch in anderen Persönlichkeitsbereichen verhän gnisvoll ergänzt. Jeder allein wäre zu der Tat vermutlich nicht fähig gewesen. Dem Ehepaar Ruda wird vorgeworfen, im vergangenen Jahr einen Bekannten umgebracht zu haben. Sie behaupten, der Befehl dafür sei "von Satan gekommen". Niemand, so Leygraf, sei so gut, wie er gerne sein möchte. Narzisstische Menschen aber könnten die Unterschiede zwischen einem übersteigerten Idealbild und der eigenen Wirklichkeit weder wahrnehmen noch ertragen. Wegen ihres instabilen Selbstwertgefühls hätten sie eine große in nere Leere, die sie nach außen hin durch Pseudoselbstsicherheit, Arroganz und Furcht einflößendes Verhalten zu verbergen suchten. Bei Manuela und Daniel Ruda sei jedoch darüber hinaus ihre "pathologische Paarbeziehung" entscheidend für die Tat gewesen. In Wahrheit habe es sich dabei um keine "innere Beziehung" gehandelt; dazu seien beide Angeklagten wegen ihrer narzisstischen Störungen gar nicht in der Lage. "Die Partner dienten nur dem Zweck." In der Beziehung seien beide aggressiver und "abgedre hter" geworden. Sie seien deshalb von ihren bisherigen Bekannten immer stärker ausgegrenzt worden. Dies wiederum habe ihr Gefühl der Besonderheit verstärkt und ihre Kritikfähigkeit vermindert. Die Partnerschaft sei rasch "am Ende einer Sackgasse" gewesen und habe auf einen "großen Knall zugesteuert". Die sich dramatisierende Entwicklung gipfelte in dem Ziel, "für Satan einen Menschen zu töten". Darüber "konnte man nicht endlos reden". Es habe für beide am Ende gegolten, "das Gesicht zu wahren". S o sei es zur Tat gekommen. Die Gutachter stellten beiden Angeklagten eine schlechte Prognose. Bei Daniel Ruda sei langfristig von einer "hohen Gefahr" auszugehen, dass er vergleichbare Taten erneut begehe. Bei Manuela Ruda sei dieses Risiko nicht ganz so groß, da sie etwas flexibler und nicht ganz so gewaltbereit sei. Aber auch bei ihr sei die Gefahr noch groß. Leygraf schätzte die Zeit, die beide in einer psychiatrischen Klinik verbringen müssten, bevor eine Behandlung Erfolg habe, auf mehr als zehn J ahre - wenn überhaupt ein Erfolg zu erzielen sei. Beide müssten nämlich zunächst zu der Erkenntnis kommen: "Ich habe wirklich eine so schreckliche Tat ohne Grund begangen." Dies sei "furchtbar schwer". Vorbedingung sei, dass die Behandlung beider unter strenger räumlicher Trennung stattfinde. Die satanistischen Überzeugungen von Manuela Ruda verglichen die Gutachter mit einem "sehr naiven Christentum unter umgekehrten Vorzeichen". Die Ritualpraktiken des Satanismus hätten es der jungen Frau erlaubt, mit ihrer Wut und ihren Aggressionen umzugehen und eine Konfrontation mit der Wirklichkeit zu vermeiden. Manuela Ruda leide neben der beherrschenden narzisstischen Störung auch unter hysterischen Persönlichkeitsstörungen, die ihr "theatralisches Auftreten erklärten". Leygraf verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass Frau Ruda, die angeblich kein Licht vertrage und nur nachts leben könne, am Tattag bei Helligkeit noch in die Stadt gegangen ist, um einen Lippenstift zu kaufen. |
Religionspsychologe - Satanismus-Gefahr wird überbewertet. adn0000020020124dy1o00a15 334 Words 24 January 2002 12:56 GMT ddp-Wirtschaftsdienst German (c) 2002 ddp-Wirtschaftdienst www.ddp.de |
(ddp-Interview) Die Gefahr neuer religiöser Bewegungen, von Okkultismus sowie Satanismus wird nach Einschätzung des Religionspsychologen Sebastian Murken eindeutig überbewertet. Murken sagte am Donnerstag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp, bei einer Bevölkerungszahl von über 80 Millionen gebe es nur sehr wenige Menschen, die im engeren Sinne einer so genannten Sekte angehörten. Der Fall des in Bochum vor Gericht stehenden Satanistenpaares sei eine extrem seltene Einzeltat. |
Von einer Bewegung könne beim Satanismus allein wegen der Dimension der Anhängerzahl nicht gesprochen werden. Allerdings begünstige das Internet die Verbreitung satanistischer Inhalte, die man im Auge behalten sollte, empfahl Murken. Religiös verbrämte Straftaten müssten konsequent verfolgt werden. Im Unterschied zu den USA gebe es in Deutschland allerdings keine «Kultur des religiösen Pluralismus», kritisierte der Religionspsychologe. Die «massenhysterischen Reaktionen» auf die Werbekampagne «Kraft zum Leben» zeigten exemplarisch, dass in der deutschen Öffentlichkeit sehr rasch ein Gefühl einer allgemeinen Gefährdung und der Unterwanderung zu erzeugen sei. Die Medien hätten nach diesem Muster wie in einem «pawlowschen Reflex» geantwortet. Glaube und Religiosität können nach Einschätzung von Murken sehr wohl für ein positives Gefühl der Geborgenheit und Akzeptanz bei Menschen sorgen. Es wäre aber verfehlt, den Beitritt in eine neue religiöse Bewegung allein mit einem Defizitausgleich zu begründen. Murken führte Untersuchungen an, wonach eine gewisse psychische Labilität dem Eintritt vorausgeht und die Mitgliedschaft zu Stabilisierung beiträgt. Das Motiv kann aber genauso gut in einer Sinnsuche oder anderen Bedürfnissen liegen. Eine gewisse Attraktivität bei Jugendlichen rufen exotische Ansichten, Glaubenssätze und Lebensformen schon allein deshalb hervor, weil sich junge Menschen abgrenzen wollten. «Als Jugendlicher aufzufallen fällt im Jahr 2002 sehr viel schwerer als noch in den 60er oder 80er Jahren», erläuterte Murken. Von der Gesellschaft werde das Abnorme in einem rasanten Tempo aufgenommen und assimiliert. Notwendigerweise fielen die Versuche der Abgrenzung immer extremer aus. (Murken leitet die Arbeitsgruppe Religionspsychologie am Forschungszentrum für Psychobiologie und Psychosomatik (FPP) der Universität Trier. Ziel ist es, religiöse Gegenwartsphänomene wissenschaftlich zu erforschen. Dazu gehört die Bedeutung von Religiosität für Gesundheit und Krankheit.) |
5 000 Satanisten in Deutschland. gnlzgr0020020122dy1m000hj Von AP. 198 Words 22 January 2002 General Anzeiger German (c) 2002 General-Anzeiger, Bonn |
SEKTE Mitglieder stammen auch "aus der Elite unseres Landes" |
In Deutschland leben nach Schätzungen von Experten 3 000 bis 5 000 radikale Anhänger des Satanskultes. Dabei handelt es sich um so genannte Hardcore-Satanisten, so Ingolf Christiansen, Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover. "Das sind diejenigen, die zumindest theoretisch auch rituelle Tötungen in Betracht ziehen." Zusammen mit anderen Fachleuten stellte er eine neue Aufklärungsbroschüre über Satanismus und Okkultismus vor. Der Satanismus ist in jüngster Zeit durch einen Prozess in Bochum in die Öffentlichkeit gerückt: Dort muss sich ein junges Ehepaar wegen eines Ritualmordes verantworten. Genaue Zahlen über die Anhängerschaft existieren nach Angaben von Christiansen nicht, weil die Mitglieder ihre Treffen streng geheim halten. Mitglieder seien nicht nur Jugendliche. "Es gibt ebenso viele Erwachsene, die sich dem Satanskult verschrieben haben und zum Teil der Elite unseres Landes angehören." Der Religionswissenschaftler Hartmut Zinser rät besorgten Eltern, auf Persönlichkeitsveränderungen zu achten. Die Broschüre "Okkultismus und Satanismus" ist mit einer Auflage von 4 000 Exemplaren erschienen und richtet sich an Eltern und Lehrer. Sie ist bei der Behörde für Inneres der Stadt Hamburg erhältlich oder im Internet abzurufen. ap http://www.arbeitsgruppe-scientology.de/. |
Das Kinderbuch als Sündenfall(e)? neuzz00020020122dy1m0001y Von Seifert, H. 627 Words 22 January 2002 Neue Zürcher Zeitung German Besuchen Sie die Website der führenden Schweizer Internationalen Tageszeitung unter http://www.nzz.ch |
Harry Potter wird an der Heiligen Schrift gemessen Gerade hatten wir uns an den unbehaglichen Gedanken gewöhnt, dass der nette junge Mann von nebenan durchaus ein gefährlicher «Schläfer» sein könnte, der seine Todfeindschaft gegenüber der westlichen Zivilisation hinter gutbürgerlicher Fassade verbirgt, da werden wir erneut alarmiert: Ausgerechnet ein Kinderbuch, so sollen wir glauben, unterwandert aufs Subversivste das europäisch-nordamerikanische Abendland und droht eine ganze Generation in die Abgründe des Okkultismus, des Neuheidentums, des Hexenkults und des Satanismus zu treiben. Der amerikanische Autor Richard Abanes hat Joanne K. Rowlings Harry-Potter-Bände neben die Bibel gelegt und dabei die erstaunliche Feststellung treffen müssen: «Harry Potter ist alles andere als perfekt. Die Moral und die sittlichen Prinzipien in Rowlings' Fantasy-Geschichten sind bestenfalls unklar und schlimmstenfalls unbiblisch.» |
Abanes hat Hunderte von Seiten mit seinem Bibel-Scanner geprüft und kann jetzt auflisten, was Harry in den bisher erschienenen vier Bänden alles verbrochen hat: Er ist ungehorsam gegenüber seinen Lehrern und Vormündern, ohne dafür bestraft zu werden. Er lügt sogar, wenn es ihm zweckmässig erscheint, und kommt auch damit durch. Darüber hinaus treibt er all die Zaubersachen, die das Alte und das Neue Testament als heidnisch verdammen. Und schliesslich ist das ganze Personal der Serie moralisch höchst unzuverlässig: Die Guten sind nicht immer gut, und die Bösen sind nicht immer böse. Es herrschen ein moralischer Relativismus und eine Konfusion der Werte und Vorbilder, die, so Abanes, schlimmste Folgen in Kinderköpfen hinterlassen könnten. Richard Abanes hat den Verdacht, dass dies auch gewollt sei. Akribisch weist der Okkultismus-Experte nach, dass die britische Bestsellerautorin die Zauberwelt ihrer Romane sorgfältig recherchiert hat. Die geschilderten Praktiken in Hogwarts entsprechen den Bräuchen in zeitgenössischen Zirkeln diverser okkultistischer Kulte und Pseudoreligionen. Aus Interviews mit Joanne K. Rowling filtert er Passagen heraus, aus denen sich ein Glaube an das Wirken übernatürlicher Kräfte in unserer Welt erkennen lässt. Wohin das alles führen kann, zeigt er am detailfreudig geschilderten Lebensweg eines amerikanischen Satanisten, der mit harmlosen Fantasy-Spielen begann, dann mehrfach mordete und am Ende mit der Giftspritze hingerichtet wurde, Gott sei Dank als bekehrter Christ. Über weite Strecken liest sich dieses Buch, das «die Gefahr hinter der Magie» aufdecken will, wie ein besonders geschickter Marketing-Trick von Verlag und Filmverleih der Potter-Serie. Es wäre doch zu schön, wenn man dem Potter-Rummel auch noch die Aura vom freiheitlichen Abwehrkampf gegen Zensurversuche christlich-fundamentalistischer Dunkelmänner verleihen könnte, die nicht einmal begreifen, dass Literatur anders funktioniert als fromme Traktate und moralische Erbauungsschriften. Aber so berechtigt der Spott über den untauglichen Tunnelblick Richard Abanes' auch ist, so kann die Fairness seine Fleissarbeit nicht ganz dem Gelächter aufgeklärter Zeitgenossen preisgeben. Denn Abanes plädiert nicht für Verbot und Zensur der «gefährlichen» Bücher, sondern für ein Gespräch der Eltern mit ihren Kindern über diese Lektüre, und das ist bei diesem Stoff in der Tat keine schlechte Idee. Darüber hinaus enthält sein Buch an verschiedenen Stellen Beschreibungen eines ganz und gar blödsinnigen Kultes um Harry Potter, die allein als Aufzeichnungen aus dem Tollhaus des Zeitgeistes schätzenswert sind. Wenn ein englischer Pfarrer seine Kirche ein Wochenende lang in eine Zauberschule verwandelt und selbst im entsprechenden Kostüm dumpfen Hokuspokus im Gotteshaus treibt, dann gibt das mindestens zu denken. Und was in methodisch-didaktischen Handreichungen zum Umgang mit Harry-Potter-Büchern in der Schule empfohlen wird, hat eine Stufe nachgerade gruseligen Unfugs erreicht. Wenn Richard Abanes mit dem entschiedenen Willen zu maximaler empirischer Evidenz sich solchen Transformationen von Literatur in Medien-und Marketing-Hype zugewandt hätte, hätte er ein spannendes Buch schreiben können. So aber ist es nur ein Lehrbuch für die Messdienerausbildung geworden. Heribert Seifert Richard Abanes: Harry Potter and the Bible. The Menace behind the Magic. Penfold Book & Bible House Ltd., Oxon 2001. 275 S., 14.55. |
Das Böse ist immer und überall. taz0000020020121dy1m001eo Von Annette Kohlmüller. 404 Words 22 January 2002 taz - die tageszeitung German (c) 2002 taz, die tageszeitung |
Das Böse ist immer und überall Neue Broschüre zu Okkultismus und Satanskult veröffentlicht Von Annette Kohlmüller |
Schwarze Messen, Gläserrü-cken, Runenzeichen - das Thema Okkultismus ist durch den Prozess des "Bochumer Satanspärchens" (Bild) wieder im Blick der Öffentlichkeit. "In Deutschland leben etwa 6000 Hardcore-Satanisten, die auch Gewalt in Kauf nehmen", sagt Ingolf Christiansen von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover. Der Satanismus-Experte hat gemeinsam mit Hartmut Zinser, Professor für Religi-onsgeschichte der Freien Universität Berlin, die Broschüre "Okkultismus und Satanismus" herausgegeben. Damit sollen vor allem Eltern und Lehrer informiert werden. Etwa 30 bis 50 Prozent aller SchülerInnen hätten bereits Erfahrungen mit entsprechendem Gedankengut gemacht. Doch auch Erwachsene zeigten reges Interesse am Übersinnlichen. "Gefährlich werden magische Rituale, wenn man sie einsetzt, um die Verantwortung für eigenes Handeln abzugeben", sagt Zinser. Die Wahl der Freundin oder einen Vertragsabschluss könne man nicht auspendeln, so der Wissenschaftler. Pastor Jörn Möller von der Arbeitsstelle Sekten-und Weltanschauungsfragen der Nordelbischen Kirche betont, man müsse zwischen Jugendlichen, die einfach wissen wollen, was die Zukunft bringt, und Erwachsenen, die esoterische Angebote religiös oder therapeutisch nutzen, unterscheiden. Harter Satanismus habe mit beiden Bereichen wenig gemeinsam. Er betreffe fast ausschließlich Menschen "mit sehr problematischem sozialem Hintergrund", die Zu-und Abneigung nur mit Gewalt ausdrücken könnten. Möller und seine KollegInnen sind - bis auf die Arbeitsgruppe Scientology (AGS) der Innenbehörde - die einzigen Ansprechpartner in Hamburg, wenn Menschen Beratung zu Okkultismus suchen. Jährlich beantwortet er etwa 2000 bis 2500 Anrufe. "Das können wir gerade noch verkraften", meint der Pastor. Die AGS hingegen scheint noch wenig über das okkulte Geschehen der Stadt informiert zu sein: So erfuhr AGS-Leiterin Ursula Caberta anscheinend erst gestern von der allseits bekannten Veranstaltungsreihe "Hexenwelten" im Völkerkundemuseum. Dass dort, in städtisch subventioniertem Raum, schamanistische Rituale und Tarot-Abende statt finden, fand sie schlichtweg "empörend". Thorsten Pück, Pressesprecher des Museums, wundert sich dagegen über die verspätete Kritik, läuft das Programm doch bereits seit Mai vergangenen Jahres. "Uns ist bewusst, dass sich das Thema Hexerei wissenschaftlich kaum objektiv behandeln lässt", sagt Pück. Die LeiterInnen der Workshops seien jedoch sorgfältig ausgewählte Fachleuten, die die Mystik von Ritualen und keine individuelle Wahrsagerei vermitteln sollten. Zusätzlich biete das Museum eine Sprechstunde an. "Wenn jemand glaubt, er ist verhext, dann verweisen wir an eine Beratungsstelle oder einen Psychologen", sagt Pück. Die Broschüre ist kostenlos erhältlich: Behörde für Inneres, AGS, Eiffestraße 644b, 20532 Hamburg, Tel: 42839-2678. http://www.arbeitsgruppe-scientology.de/. |
Macht über Leben und Tod. focus00020020123dy1l0005o 258 Words 21 January 2002 Focus German Not available for redistribution (c) 2002 FOCUS |
FOCUS: In Bochum steht ein junges Ehepaar vor Gericht, das einen Freund getötet hat - im Auftrag Satans, wie beide beteuern. Ist ein derartiges Verbrechen typisch für Satanisten? Christiansen: Theoretisch ist ein Ritualmord durchaus typisch, in dieser extremen Ausformung jedoch nicht. Die Satanisten berufen sich auf die Lehren von Aleister Crowley, der Blut als Sitz des Lebens und als wichtigen Transporteur von Energien begriff. In der magischen Praxis glaubt man, durch den Konsum von Blut übertrage sich die Energie. |
FOCUS: Durch die Aussage der Angeklagten erfährt die Öffentlichkeit Details: Manuela R. hat sich die Eckzähne ziehen und Reißzähne implantieren lassen, auf Gräbern geschlafen, sie scheut das Sonnenlicht. Sind dies Attribute satanistischer Lebensführung? Christiansen: Nein. Das ist eigene Spinnerei. Vampirismus spielt für Satanisten keine entscheidende Rolle. Diese Mischung wird von ein paar verrückten Außenseitern zelebriert. Manches scheint mir bei den Angeklagten Attitüde zu sein. FOCUS: Was glauben Satanisten? Christiansen: Satanismus ist in seiner Philosophie und Ritualpraxis vielfältig. Alle glauben jedoch, dass sie gegen den normativen ethischen Konsens der Gesellschaft verstoßen müssen, um sich auszuleben. Das ist Satanismus, gemäß der Crowley-Aussage Tu, was du willst, soll sein dein ganzes Gesetz. FOCUS: Wie groß ist die Szene? Christiansen: Ich schätze die Zahl der Satanisten in Deutschland auf 3000 bis 7000, Tendenz steigend. FOCUS: Was macht die Faszination aus? Christiansen: Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht Gott oder Satan. Es geht darum, über Rituale zu Gott zu werden und Macht über Leben und Tod auszuüben. Das scheint vielen attraktiv. Für andere ist natürlich auch die Provokation interessant. |
Sympathy for the devil. taz0000020020121dy1l00002 Von HARALD FRICKE. 882 Words 21 January 2002 taz - die tageszeitung German (c) 2002 taz, die tageszeitung |
Sympathy for the devil Gothic Spukhaus statt White Cube: Für seine Ausstellung im Kunsthaus Bregenz hat der schottische Künstler Douglas Gordon ein romantisches Schauermärchen in Szene gesetzt. Langsame Videobilder schieben schreckensstarre Körper ineinander |
von HARALD FRICKE Martin Walser steht im Raum, schaut sich um und sieht nichts. Jedenfalls keine Kunst, nur eine alte Druckerpresse. Das könnte den Schriftsteller vielleicht noch freuen, von Kollege zu Kollege. Doch der Künstler, dessen handgeschriebene Aufzeichnungen diese Maschine Seite für Seite zusammenpresst, ist nicht zur Eröffnung gekommen. Man sagt, wegen einer kaputten Bandscheibe. Nun liegt Douglas Gordon im Krankenhaus und wartet aufs Messer. "Das kommt davon, wenn man sich mit dem Teufel einlässt", hatte er noch am Abend zuvor gescherzt, als das linke Bein schon halb taub war. Trotzdem ist Gordon im Kunsthaus Bregenz so präsent wie selten zuvor in einer seiner Ausstellungen. Erst sollte es eine Mischung werden aus älteren Videos und Installationen. Dann hat er sich im späten Herbst das Gebäude noch einmal angeschaut und umdisponiert. Drei neue Arbeiten, für jedes Stockwerk eine, zur Jahreswende hergestellt als Audio-, Video-und Schriftexperiment. Für einen solchen Schnellschuss braucht es nicht nur Selbstbewusstsein, sondern gehörigen Mut - auch von Seiten der Institution, die jetzt dem Publikum erklären muss, dass die Heidelberger "KORD"-Druckmaschine aus dem Jahr 1968, an der im ersten Stock täglich von 14 bis 18 Uhr Buchseiten produziert werden, Teil eines Work in Progress ist. Dabei gibt es das Buch, das in Bregenz nach der handschriftlichen Vorlage von Gordon entsteht, doch längst schon. Es heißt "Confessions of a justified sinner", der Schotte James Hogg, ein dichtender Schäfer, hat es geschrieben, 1824 ist der Roman in einem Londoner Verlag erschienen. Später wurde der "gerechte Sünder", der sich bei Hogg durch alle Schichten der Gesellschaft mordet, zur Bibel für die Surrealisten. André Gide schwärmte in seinem Vorwort der amerikanischen Ausgabe 1959 vor allem von den detaillierten Darstellungen bei Hogg: "Seine Art, das Grauen hart und nüchtern von allen Seiten her zu behandeln, ist völlig einmalig." Das Grauen wird von Robert Wringhim verkörpert, der als Sohn eines Pfarrers die Bekanntschaft mit dem Teufel macht. Der Dämon erscheint ihm als einziger wahrer Freund in einer tief religiösen Umgebung, die nur Schuld und Verzicht kennt. Robert blüht auf, verliert aber die Kontrolle über seine Taten. Schon findet man die ersten Leichen, als selbst Roberts Mutter umgebracht wird, flüchtet er zu einem Bauern und entschließt sich zum Selbstmord, weil er auch im Exil noch vom Teufel aufgespürt wird. Die Geschichte ist ein romantisches Schauermärchen und sehr kompliziert. Nie weiß man genau, ob wirklich Robert tötet oder nicht doch der Teufel, der leicht seine Gestalt annehmen kann. Einmal begegnen sie sich auf einer Anhöhe im Nebel, wobei sich ihre Schatten ineinander schieben und Robert keinen Unterschied erkennen kann. Für Gide ist deshalb alle Hoggsche Teufelei ein Zeichen dafür, was passiert, wenn sich die dunkle Seite unserer Psyche auslebt. Für Douglas Gordon ist Robert Wringhim das perfekte Alter Ego: der Künstler als Besessener, der seine Obsessionen bändigt, indem er sie darstellt. Man mag dabei an die Rollenspiele von Marilyn Manson denken, der sich in seinem Rockstardasein zum Antichrist stilisiert. In Bregenz nimmt man solche Eskapaden ernst: Während der Ausstellung gibt es einen Workshop über Satanismus. Daran dürfte auch Gordon seinen Spaß haben, unbedingt. Aber auch sonst hat der 1997er-Turnerpreisträger aus Glasgow dem Kunsthaus Bregenz einige Mühe gemacht. Das von Peter Zumthor mit geschliffenem Glas verkleidete Gebäude, das wie ein Zuckerwürfel über den Bodensee strahlt, wurde von innen komplett schwarz verhängt. Statt der gewünschten Transparenz dominiert das Museum jetzt eine Ansammlung aus Dunkelkammern: kein White Cube, sondern Gothic Spukhaus, in dem der zweite Stock mit Schwarzlichtröhren und Trennwänden in ein begehbares Pentagramm umgebaut wurde. Dazu liest der österreichische Schriftsteller Michael Köhlmeier den Hogg-Text in deutscher Übersetzung vor, sieben Stunden lang. Zwischen Satzfetzen, die wie Geisterstimmen durch die Architektur hallen, irrt man im Setting umher und fühlt sich der Figur des Robert ähnlich, von dem es heißt, er würde sich manchmal selbst bei seinem Treiben fasziniert zuschauen, ohne zu verstehen, was da vor sich geht. Nur die vielen Toten sind ihm unangenehm. Im dritten Stock hat Gordon das Zusammentreffen von Robert und dem Teufel, von Künstler und Wahn oder Ich und Es zu einem einstündigen Video verdichtet. Wieder erzeugt die Situation einiges Unbehagen: Auf der quer durch den Raum gespannten Leinwand sieht man die Kamera aus zwei Perspektiven gleichzeitig um einen erschreckt starr stehenden Schauspieler kreisen. Gordon nutzt die Verschiebung, die sich aus dem Blickwechsel ergibt, montiert die Körper übereinander, lässt sie driften oder wie in einem Kuss verschmelzen. Die Überlagerung dünnt das Volumen der Körper aus, löst die Figur in Schemen auf: Das gefilmte Bild mutiert zur geisterhaften Erscheinung. Dass ein solcher digitaler Zaubertrick Gefahr läuft, in der zähen Langsamkeit zur selbstverliebten Stilübung abzugleiten, ist auch Gordon wohl bekannt. Doch die Trägheit der Bewegungen ist genau auf den Larger-than-Life-Effekt eingemessen - auf einem Fernsehmonitor würde man vermutlich schnell vorspulen. So aber bleiben die reduzierten Images in der gleichen Spannung wie in der Geschichte von Hoggs. Für Gide war es ohnehin die Verkörperung der nach außen projizierten Entwicklung "unserer eigenen Wünsche". Diesen Zustand hat Gordon in Szene gesetzt. Vom Alter zum allgemeinen Ego ist es bei ihm nur ein kurzer Weg. Bis 19. 4., Kunsthaus Bregenz. |
Zwischen Allmachtsfantasien und Blutdurst. frarun0020020120dy1l000gq Von Reimar Paulö (Göttingen/epd). 461 Words 21 January 2002 Frankfurter Rundschau German (c) Copyright Frankfurter Rundschau 2002 www.fr-aktuell.de |
R 3-24HM Sektenexperte hält den Satanismus für "hoch kriminell" / Zerrbild der Konkurrenzgesellschaft |
Ganz langsam schiebt sich die Hand mit dem Messer ins Bild und auf den Hals des Mannes zu. Dann der plötzliche Schnitt, das Opfer zuckt, sein Blut quillt aus der Schlagader. In der nächsten Einstellung liegen der abgeschnittene Kopf und eine abgetrennte Hand auf dem Bett. "Das ist alles echt und für jedermann zugänglich", sagt Ingolf Christiansen (52). In nur wenigen Augenblicken hat sich der Göttinger Sektenexperte von der Homepage einer Satanisten-Organisation zu den so genannten "Snuff-Videos" mit realen Morden, zu Folter-und Kinderpornografie-Seiten durchgeklickt. Christiansen, der sich als evangelischer Beauftragter für Weltanschauungsfragen seit Jahren mit dem Satanismus beschäftigt und mehrere Bücher zum Thema geschrieben hat, hält die Bewegung nicht nur wegen ihrer Internet-Maschenschaften für "hoch kriminell". Spektakuläre Ritualmorde sind bislang zwar relativ selten. Dennoch erregen Fälle wie der grausame Mord im westfälischen Witten, über den gegenwärtig vor einem Bochumer Gericht verhandelt wird, die Gemüter. Viele der schätzungsweise drei-bis siebentausend Satanisten in Deutschland nehmen Tötungen "zumindest gedanklich in Kauf", so Christiansen. Tier-und Menschenopfer sind nach seinen Erfahrungen fester Bestandteil des Satanismus. Blut wird dabei als wichtigster Energieträger angesehen. Wer es trinke, tanke Kraft, "und das gilt umso mehr, wenn das Blut beim Todeskampf gewonnen wird". Moralische oder rechtliche Skrupel kennen Satanisten offenbar nicht, "für sie ist der Mensch der einzige Gott und damit der einzige Richter über Leben und Tod", weiß der Sektenexperte. Viele selbst ernannte Vordenker der satanistischen Bewegung berufen sich auf den Engländer Aleister Crowley (1875 -1947), der sich für die Reinkarnation des Bösen hielt und das Ausleben der Lust in extremster Form propagierte. Nach dieser kruden Ideologie soll der Mensch seine Allmacht ohne Rücksicht auf andere Menschen oder Normen ausüben. Dabei ist vor allem das Christentum im Weg. Satanisten, sagt Christiansen, rufen in ihren Publikationen deshalb häufig dazu auf, Kirchen anzuzünden oder Friedhöfe zu verwüsten. Sie kommen aktuellen Untersuchungen zufolge aus allen Alters-und Bevölkerungsgruppen, der Anteil der Frauen soll zuletzt stark gestiegen sein. Neben traditionellen Organisationen wie der in den USA beheimateten "Church of Satan" oder dem in der Lüneburger Heide ansässigen "Thelema-Orden" agieren in der Szene auch zahlreiche kleinere Gruppen. Einige hätten enge Verbindungen zu Neonazi-Vereinigungen und "Black Metal"-Musikern, sagt Christiansen. Gemeinsame Merkmale der Satanistenorganisationen sind feste Ritual-und Hierarchiesysteme sowie eine in der Regel lebenslange Zugehörigkeit. Die so genannte "Arkandisziplin" verpflichte die Mitglieder zur strikten Geheimhaltung der Bräuche und Strukturen gegenüber Außenstehenden, so Christiansen. "Martialische Strafandrohungen" verhindern, dass Abtrünnige die Gruppe verraten oder verlassen. Das Phänomen Satanismus widerspiegelt nach Ansicht des Sektenexperten in überzeichneter Form den "Sozialdarwinismus in Gesellschaft und Wirtschaft, wo nur noch Profitmaximierung zählt und jeder den anderen übers Ohr hauen will". |
"Ich gehöre nicht in eine menschliche Hülle". frarun0020020117dy1h0009p Von Ingrid Müller-Münch (Bochum). 723 Words 17 January 2002 Frankfurter Rundschau German (c) Copyright Frankfurter Rundschau 2002 www.fr-aktuell.de |
R 4-30HM Satanisten-Paar will Befehl zu brutalem Mord vom Teufel selbst erhalten haben und daher nicht verantwortlich sein |
Als Handlanger Satans will ein Pärchen aus dem westfälischen Witten einen Kumpel ermordet haben. Vor dem Bochumer Landgericht gestanden sie am Mittwoch ihre Tat, zeigten jedoch keinerlei Reue. "Es war kein Mord. Wir sind keine Mörder." Die 23-jährige angeklagte Manuela R. leiert diese Worte mit ausgesprochenem Desinteresse herunter. Man merkt ihr an, wie sehr sie den Rest der Welt verachtet, wie sehr sie alles anwidert. Dies jedenfalls hat sie am Abend vor der Mittwochsverhandlung ihren Verteidiger wissen lassen und darum gebeten, man möge doch den Bochumer Schwurgerichtssaal anlässlich ihrer Aussage verdunkeln. Sie sei es nunmal nicht mehr gewohnt, bei Licht zu leben, schlafe tagsüber, wache nachts. Die Strafkammer, die über sie und ihren ebenfalls wegen Mordes angeklagten Mann zu richten hat, zeigte sich weltlich unzugänglich und wies dies Begehren zurück. Nur eine - gerichtlich genehmigte - Sonnenbrille schützte nun noch die Angeklagte vor dem Tageslicht, in dem sie am Mittwoch ihr Geständnis ablegte. Das entpuppte sich als ebenso grotesk und gespenstisch wie das gesamte Styling, in dem sich die Angeklagte den Fernsehkameras präsentierte: pechschwarzes, teils ausrasiertes Haar, leichenblasse Haut, zollstockgerade gezogene Balken über den Augen, die freien Oberarme tätowiert, die Mundwinkel voller Verachtung herabgezogen. In diesem Outfit sagte sie nun auf, wie sie sich als junge Schulabbrecherin von allem "angepisst" fühlte. Wie sie an Demos teilnahm, deren Thema "Anarchie" war, "Hauptsache grotesk". Damals schon hat sie das Gefühl gehabt: "Ich gehöre nicht in eine menschliche Hülle." Sie ging nach Schottland, arbeitete später in London in einem schwarzen Vampirclub, "in dem sich sowohl Vampire als auch Menschen aufgehalten haben". Nachts stromerte sie durch die Gegend, "ganz normal, in alten Ruinen und Wäldern, mit Vampiren, haben Blut getrunken". Ihre Beißzähne ließ sie sich ziehen und regelrechte scharfkantige Reißzähne einsetzen. Mit Gleichgesinnten biss man sich untereinander, Blut floss, das getrunken wurde. Den mitangeklagten 26 Jahre alten Ehemann Daniel R. lernte sie durch folgende Anzeige kennen: "Pechschwarzer Vampir sucht Prinzessin der Finsternis, die alles und jeden verachtet und mit dem Leben abgeschlossen hat." Damit nahm das Verhängnis seinen Lauf. Zwei verlorene Seelen fanden zueinander und inszenierten eine Katastrophe. Daniel R. war schon lange auf der Suche nach dem zweiten Teil seiner Seele. Wie ein Blitzschlag traf es ihn, als er Manuela zum ersten Mal sah. Wortlos wussten beide, dass ihr Hang zum Obskuren, zum Satanismus sie verband. Daniel R. fühlte sich, so ließ er seinen Anwalt am Mittwoch erklären, schon lange als "Todesbote Satans". Und auch sie hatte ihre Seele längst dem Teufel verschrieben. Von ihm nun wollen sie den Befehl zum "Abschlachten" von Menschen, zur "Opfergabe" erhalten haben. Ihre Wahl fiel auf den Einzigen, der noch Kontakt zu ihnen hatte: Daniels Arbeitskollegen, Frank H., 33 Jahre alt. "Frank war so lustig", ließ Daniel R. seinen Anwalt in seinem Namen sagen. "Ich dachte, warum Satan nicht einen neuen Hofnarren schenken." Also luden sie den ahnungslosen Kollegen in die gemeinsame Wohnung ein und schlachteten ihn regelrecht ab. Mit 66 Stich-und Schlagverletzungen wurde das Opfer später aufgefunden. "Es war nicht bös gemeint, wir haben ihn beide gut leiden können", versicherte Manuela dem Gericht, während ihr Mann zu dem Mord anmerkte: Das Opfer sei "schließlich nur von seinem unwerten Leben befreit und von seiner Schmach erlöst worden". Obwohl er eigentlich nichts sagen wollte an diesem zweiten Verhandlungstag, weil sich ein Pfarrer im Gerichtssaal befand, ließ sich Daniel R. dann doch zu einem kurzen Zwischenruf hinreißen: "Wenn ich mit dem Auto einen Menschen überfahre und der Mensch stirbt dabei, dann wird auch nicht das Auto angeklagt." Womit er seine Rolle als Handlanger Satans, der für die auf Befehl ausgeführte Tat doch nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann, zu beschreiben versuchte. Wie im Rausch habe er gehandelt und könne sich an die Tat selbst nicht mehr erinnern. Er zweifele, hieß es in dem von seinem Anwalt verlesenen Geständnis, "ob ein irdisches Gericht überhaupt nachvollziehen kann, was passiert ist. Das geht nur, wenn man Draht nach unten hätte." Wie gut der Draht der Bochumer Strafkammer nach unten, in Satans Gefilde, ist und ob dies tatsächlich zur Wahrheitsfindung notwendig sein wird, werden die kommenden Verhandlungstage zeigen. Die psychiatrischen Sachverständigen jedenfalls neigen dazu, dem Gericht die Unterbringung beider in der Psychiatrie zu empfehlen. |
"Es war doch nur ein Mensch" - Ein Ehepaar tötet einen Mann mit Messerstichen und Hammerschlägen. berlrz0020020111dy1b000bv Von Frank Nordhausen. 1458 Words 11 January 2002 Berliner Zeitung German (c) 2002 Berliner Zeitung |
"auf Befehl Satans". Jetzt steht das Paar vor Gericht. BOCHUM, 10. Januar. Ganz ruhig sitzen sie dort mit ihren Verteidigern auf der Anklagebank im großen Saal des Landgerichts Bochum: Manuela und Daniel Ruda, 23 und 26 Jahre alt, ein Ehepaar, das ganz besondere Schlagzeilen machte. "Die Satansmörder von Witten". Sie gelten als gefährlich. Als äußerst gefährlich, weil sie am 6. Juli vergangenen Jahres Daniel Rudas Arbeitskollegen Frank H. mit 66 Messerstichen und Hammerschlägen töteten. Und sie gelten als wahnsinnig, weil sie sagen, "auf Befehl des Satans" gehandelt zu haben. Der Staatsanwalt in Bochum spricht von einem heimtückischen Mord aus niederen Beweggründen. Das Motiv für die Tat sei der Glaube der Beschuldigten an "Satan" gewesen. Der Ankläger sagt, dass beide an einer schweren Persönlichkeitsstörung leiden und daher vermindert schuldfähig seien. |
Ein Symbol des Teufels Verstehen Manuela und Daniel Ruda, was der Staatsanwalt über sie sagt? Gleichmütig hören sie zu; einmal blinzelt Manuela ihrem Ehemann zu, und er lächelt. Manuela Ruda trägt eine schwarze Hose, schwarzes Top, das Gesicht bleich geschminkt, auf der rasierten rechten Hälfte ihres Kopfes ein aufgemaltes umgedrehtes Kreuz. Ein Symbol des Teufels. Daniel Ruda, den die Justiz gezwungen hat, ein weißes Hemd zu tragen, hat sich bei seinem Anwalt Hans Reinhardt aus Marl darüber beschwert. Er wollte auch in Schwarz erscheinen. "Beide glauben noch immer fest an den Satan", sagt Reinhardt in Bochum. Dreißig Kilometer entfernt, in Recklinghausen, leben die Eltern des Ermordeten. Doris und Hermann H. sind nicht nach Bochum zum Prozess gekommen. Sie sagen, sie wollen sich "dem Presserummel" nicht aussetzen. Sie sind einfache Leute, Monteur und Verkäuferin. "Wenn wir unsere Tochter und die Enkel nicht hätten, wäre unser Leben völlig zerstört", sagt der Mann. Frank H. war 33 Jahre alt, als er starb. Auf dem Wohnzimmertisch der Eltern steht sein Foto, davor eine Kerze. "Er war zu gutgläubig", sagt die Mutter. Frank H. war ein argloser Mensch. So sieht es auch der Chef der Autoteile-Firma in Datteln, in der Frank H. und Daniel Ruda als Kollegen arbeiteten. "Daniel und Michaela Ruda hätten sich nie treffen dürfen, das war purer Sprengstoff", sagt Rechtsanwalt Reinhardt. Das Unheil begann im Frühsommer 2000 mit einer Kleinanzeige in der Zeitschrift "Metal Hammer": "Pechschwarzer Vampir sucht Prinzessin der Finsternis, die Alles und Jeden hasst", inserierte Daniel Ruda. Manuela, damals Verkäuferin in einer Wittener Bäckerei, unterschreibt ihre Antwort mit "Allegra": "Ich hasse die Menschheit und verabscheue das Licht." Als die beiden sich kurz darauf erstmals in Manuelas Wohnung begegnen, fühlt sich Daniel "vom Blitz getroffen". So hat er es den Vernehmern geschildert. Daniel Ruda ist ein Arbeiterkind. In der Grundschule fällt er durch gute Noten auf, aber auch, weil er immer der Chef in der Klasse sein will. Im Gymnasium bekommt ihm das schlecht, die Mitschüler mögen ihn nicht. Er ist isoliert. Seine Wut entlädt sich in Raufereien, Streit, Verweigerung. Er muss die siebte Klasse wiederholen, obwohl er überdurchschnittlich intelligent ist. Er wird krank. Er träumt davon, wie er Menschen die Köpfe abbeißt und sich mit ihrem Blut beschmiert. Damals will er auch seine erste "Erscheinung" gehabt haben. Ein Unhold namens Samiel habe ihn mit 14 Jahren aufgefordert, "den zweiten Teil" seiner Seele zu suchen. Schließlich verlässt Daniel das Gymnasium. Er schafft einen guten Abschluss an der Realschule und lernt Automobilkaufmann. Er wird ein guter Verkäufer. Doch nicht nur das. Er führt zwei Jahre lang eine Skinhead-Truppe und wird wegen rechtsradikaler Propaganda zu einer Geldstrafe verurteilt. Irgendwann hat er das Saufen und Schlagen aber satt. "Idiotentruppe" nennt er die Rechten nun. Sehnsucht nach Schlagzeilen Ruda entdeckt den Satanismus. Als er in einem Buch auf den Satans-Namen "Samiel" stößt, ist er elektrisiert. Er glaubt nun, Luzifer selbst sei ihm damals erschienen, als er 14 war. Er liest satanistische Schriften, betet den Teufel an und opfert ihm sein Blut, indem er sich mit einem Messer in die Arme schneidet. Seit 1999 besucht Daniel Ruda die Treffpunkte der "schwarzen Szene" im Ruhrgebiet. Manchmal trifft er sich mit jüngeren Mädchen, die er mit seinen Sprüchen von Blut und Töten und von Amokläufen beeindruckt. Ein 16 Jahre altes Mädchen schreibt später im Internet, vor allem habe sich Daniel danach gesehnt, "einmal als Mörder in den Schlagzeilen zu stehen". Daniels Eltern versuchen, ihren Sohn, der noch bei ihnen wohnt, auf einen anderen Weg zu bringen. "Junge, stell doch die Teufelsmusik ab", sagt die Mutter. "Pack die Totenköpfe weg." Vergeblich. Kritik kann Daniel nicht vertragen. Er verliert sich in seinen blutigen Fantasien. Er vereinsamt. Als er dann Manuela begegnet, glaubt er, endlich den zweiten Teil seiner Seele gefunden zu haben. Denn "Allegra" ist wie er. Sie teilt seinen Hang zum Bösen und Morbiden. Auch sie hält alle anderen Menschen für "Gesocks, Pack, Untermenschen". Daniel ist für Manuela der erste Mann, der ihr wirklich gefällt. Mit 13 Jahren hat die Tochter eines Eisenbahners und einer Hausfrau aus Witten beschlossen, nicht mehr lieb zu sein. Sie wird Punk, schmeißt das Gymnasium nach der zehnten Klasse, kommt in die Gothic-Metal-Szene. Zum pechschwarzen Haar trägt sie giftgrüne Kontaktlinsen, Lippenpiercings und Tattoos. Sie sieht sich als eine "Prinzessin der Nacht". Manuela gibt sich unnahbar, findet aber gerade deshalb in der Szene Bewunderer. Für Fotoaufnahmen führt sie männliche Sklaven am Halsband auf Friedhöfen herum, posiert mit Peitsche und Machete. "Sie war extrem exhibitionistisch", sagt ein Fotograf. Manchmal gabelt sie in Kneipen irgendwelche Männer auf, geht mit ihnen ins Bett und macht sich am nächsten Tag einen Spaß daraus, deren Frau anzurufen. Wie Daniel verfällt Manuela dem Satanismus. Sie trinkt Blut, lässt sich Vampirzähne fertigen und landet kurzzeitig in der Psychiatrie. Manuela und Daniel klammern sich aneinander. Sie verwunden sich gegenseitig, einer leckt das Blut des anderen ab, sie fotografieren sich in Ketten, mit Messern und Gaspistolen. "Es entstand eine verhängnisvolle Dynamik, das Spiel immer weiter zu treiben", sagt Daniel Rudas Verteidiger Reinhardt. Daniel vibriert vor Aggression. Er rempelt in Discos Tänzer von der Tanzfläche, pöbelt Leute auf der Straße an. Manuela spürt die Gefahr. Monate vor dem Mord lässt sie sich krankschreiben und beginnt eine Psychotherapie. Doch sie erzählt der Therapeutin nicht, was sie wirklich bewegt: Dass alles auf einen Punkt zusteuert, an dem es kein Zurück mehr gibt. Im Frühling 2001 ist es so weit. Da will Daniel von Satan Befehle mit der Teufelszahl 666 bekommen haben, um sich zu opfern: Er solle am 6.6. Manuela heiraten und am 6.7. "eine Seele beschaffen". Manuela stimmt zu. "Wir holen ein paar Leute ran, holen Waffen raus, schlachten die ab, bringen uns dann um, das war's." So schildert Daniel Ruda im Nachhinein ihren Plan. Ruda kündigt bei der Autoteile-Firma, wo er bis zuletzt höflich und korrekt auftritt. Seinen Kollegen erzählt er, er wolle mit seiner Frau nach Transsylvanien auswandern. Zur "Abschiedsfeier" laden sie die einzigen Menschen ein, die überhaupt noch mit ihnen reden: Daniels Arbeitskollegen Frank H. und einen Freund aus der Gothic-Szene. Arglos steigt Frank H. am Nachmittag des 6. Juli 2001 in Herten zu Daniel Ruda in dessen Opel Vectra, lässt sich zu Manuelas Wohnung in der Wittener Innenstadt fahren. Betritt die schwarze Wohnung mit dem Sarg und den Totenkopfattrappen. Ist er naiv? Neugierig? Sie plaudern, trinken ein Bier. Um halb acht holt Daniel aus dem Schlafraum einen Zimmermannshammer, tritt hinter das Opfer, schlägt ihm den Hammer auf den Kopf. Frank H. ist nicht sofort tot, er steht auf, taumelt. Da schlägt Daniel noch einmal zu und ruft: "Setze einen Herzstich." Manuela nimmt ein Messer, sticht zu, immer wieder. Nach der Tat flüchten die beiden nach Sondershausen in Thüringen, wo 1993 drei jugendliche Satanisten einen Mitschüler ermordeten. In Sondershausen finden sie zwar den Friedhof, aber nicht das Grab des Schülers, das sie schänden wollten. Ihr Versuch, sich gemeinsam die Arme aufzuschneiden, scheitert. Schließlich werden sie nahe Jena erkannt, festgenommen und nach Bochum gebracht. Den wartenden Journalisten ruft Daniel Ruda zu: "Warum denn so viel Aufwand? Es war doch nur ein Mensch!" Im Gerichtssaal wirkt Daniel Ruda selbstbewusst. Arrogant. Manchmal lächelt er unvermittelt. Der große, durchtrainierte Mann gilt als Gefahr für andere und für sich selbst, deshalb ist er im Bochumer Hochsicherheitstrakt untergebracht: Einzelhaft, Glaswand, Videokamera. Die Eheleute haben Geständnisse abgelegt, aber Reue zeigen sie nicht. Im Gefängnis schreiben sie sich Briefe, in denen von Tod und Blut die Rede ist. Manuela Ruda will in der kommenden Woche ein umfassendes Geständnis auch vor Gericht ablegen. Sie fühle sich deprimiert, sagt ihr Verteidiger Sigmund Beneken nach dem ersten Prozesstag. Sie erzähle, Satan habe sie im Stich gelassen. "Sie ist vollkommen im Wahn gefangen", sagt Beneken. Die Anwälte haben ihren Mandanten gesagt, was das Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen Norbert Leygraf für sie empfiehlt: die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt. Bei "ungünstiger Sozialprognose" heißt das: Für immer. |
Links unten. sddz000020020111dy1b001ej 33 Words 11 January 2002 Süddeutsche Zeitung 12 German (c) 2002 Süddeutsche Zeitung |
Panorama @Internet-Tipps zu den Panorama-Themen: |
http://www.relinfo.ch/index/start.html- zum Thema Satanismus und Okkultismus. http://www.globalmafia.f2s.com/- Informationen über die internationale Welt des organisierten Verbrechens. |
Prozessauftakt gegen Satanismus-Ehepaar ging schnell zu Ende - Angeklagte grüßten mit obszönen ... adn0000020020110dy1a00g1v 452 Words 10 January 2002 15:19 GMT ddp-Wirtschaftsdienst German (c) 2002 ddp-Wirtschaftdienst www.ddp.de |
Prozessauftakt gegen Satanismus-Ehepaar ging schnell zu Ende - Angeklagte grüßten mit obszönen und satanischen Gesten - Von ddp-Korrespondent Michael Bosse. (Nachrichtenfeature) |
(mit Bildern) Der erste Verhandlungstag im Bochumer Mordprozess gegen das Satanismus-Ehepaar Manuela und Daniel Ruda am Donnerstag dauerte nur zehn Minuten. Nach der Verlesung der Anklageschrift gegen das Wittener Paar, das nach eigenem Geständnis einen Bekannten «auf Befehl des Teufels» ermordet hat, vertagte der Vorsitzende Richter Arnjo Kerstingtombroke die Verhandlung auf kommenden Mittwoch. Das angeklagte Ehepaar verfolgte den Prozessauftakt weitgehend ruhig und wollte sich zu der Tat vorerst nicht äußern. Nach Angaben ihrer Anwältin wird die 23-jährige Manuela Ruda am nächsten Prozesstag ein umfassendes Geständnis ablegen. Aus ihrem Ärger über die rund 40 Fotografen-und Fernsehteams machten die Rudas keinen Hehl. Nachdem sie auf der Anklagebank Platz genommen hatten, zeigten sie mehrmals den erhobenen Mittelfinger. Der 26-jährige Daniel Ruda streckte zudem Zeige-und kleinen Finger aus und entbot so den Gruß des «Gehörnten». Ehefrau Manuela war ganz in schwarz gekleidet und hatte sich ein umgedrehtes Kreuz - das Symbol für den Teufel - auf die kurzrasierte rechte Kopfseite geschminkt. Ihr Mann trug einen weißen Pullover mit schwarzer Hose, wirkte gefasst und lächelte verächtlich in die Kameras. «Wie ihr seht - ich trage keinen Maske!», sagte er. Der von Staatsanwalt Dieter Justinsky verlesenen Anklage hörten die beiden ungerührt zu. Nach den Worten des Ermittlers plante das Duo den Mord «aus niedrigen Beweggründen und Heimtücke». Sie hätten das 33-jährige spätere Opfer, einen Arbeitskollegen von Daniel Ruda, am 6. Juli vergangenen Jahres zu einer angeblichen Feier in ihre Wittener Wohnung gezielt eingeladen, um ihn in einem satanistischen Ritual umzubringen. Mit über einer Vielzahl Messerstichen und Hammerschlägen gegen Kopf und Brust töteten sie den Mann, sagte der Ankläger. Dabei hätten sie im Zustand verminderter Schuldfähigkeit gehandelt. Sechs Tage nach dem Mord wurde das Paar im thüringischen Jena gefasst. Nach Ansicht des Staatsanwalts waren sich die Angeklagten bewusst, welch «verachtenswerte Tat» sie begingen: Sie litten unter «übersteigerter Selbstliebe» und seien dermaßen von ihrer teuflischen Mission überzeugt, dass weitere Verbrechen nicht auszuschließen seien. Mahr als 100 Besucher verfolgten den Prozessauftakt. Eine ebenfalls ganz in schwarz gekleidete 15-Jährige aus Solingen wollte zum Ende der Verhandlung kurz mit der noch auf der Anklagebank sitzenden Manuela Ruda sprechen. Justizwachtmeister konnten dies verhindern. Sieben Verhandlungstage sind für den Prozess vorgesehen, das Urteil soll gegen Ende Januar verkündet werden. In den kommenden Sitzungen wird unter anderem das persönliche Umfeld des Paares beleuchtet. Zudem sollen ein Sektenexperte und ein psychiatrischer Gutachter aussagen. Richter Kerstingtombroke wies am Rande der Verhandlung darauf hin, dass neben einer lebenslangen Freiheitsstrafe auch zu prüfen sei, ob die beiden in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. |
Prozessauftakt gegen Satanismus-Ehepaar nach zehn Minuten beendet. adn0000020020110dy1a00ecp 173 Words 10 January 2002 14:16 GMT ddp-Wirtschaftsdienst German (c) 2002 ddp-Wirtschaftdienst www.ddp.de |
(Übersicht) (mit Bildern) |
Der erste Prozesstag gegen das Satanisten-Ehepaar Manuela und Daniel Ruda ist am Donnerstag bereits nach rund zehn Minuten wieder beendet worden. Nach der Verlesung der Anklageschrift gegen das Wittener Paar, das am 6. Juli vergangenen Jahres nach eigenem Geständnis einen Bekannten «auf Befehl des Teufels» ermordet hat, vertagte der Vorsitzende Richter Arnjo Kerstingtombroke die Verhandlung im Landgericht Bochum auf kommenden Mittwoch. Das Ehepaar, das den Prozessauftakt weitgehend ruhig verfolgte, wollte sich zu der Tat vorerst nicht äußern. Nach Angaben ihrer Anwältin wird die 23-jährige Manuela Ruda am nächsten Verhandlungstag ein umfassendes Geständnis ablegen. Ihr drei Jahre älterer Ehemann will zum Tatvorwurf zunächst nichts sagen. Die ganz in schwarz gekleidete Manuela Ruda zeigte vor Prozessbeginn den Kamerateams den erhobenen Mittelfinger. Laut Anklage tötete das Duo in seiner Wittener Wohnung das Opfer während eines satanistischen Rituals mit zahlreichen Messerstichen und Hammerschlägen. Anschließend floh das Paar und wurde sechs Tage später im thüringischen Jena gefasst. Das Urteil soll am 28. Januar gesprochen werden. |
Was ist der Satanskult? adn0000020020110dy1a00ci3 185 Words 10 January 2002 13:23 GMT ddp-Wirtschaftsdienst German (c) 2002 ddp-Wirtschaftdienst www.ddp.de |
(ddp-Infokasten) Satan ist die klassische Teufelsbezeichnung. Sie kommt aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie Widersacher, Ankläger oder Versucher. Es gibt es auch zahlreiche andere Namen wie Luzifer, Behemot, Beelzebub oder Antichrist. |
Menschen, die sich dem Satanismus verschrieben haben, gehen von der übermäßigen Kraft und Gewalt eines Satans aus. Oft praktizieren sie «schwarze Magie» oder feiern «schwarze Messen». Diese können als pervertierte Form der römisch-katholischen Messfeier angesehen werden. Die Religionswissenschaftler unterscheiden zwei satanistische Hauptrichtungen: den traditionellen und den modernen Satanismus. Beim traditionellen verehren die Anhänger das theologische Satansbild der Kirchen. Der Satan ist hiernach der Widersacher Gottes - die dunkle Macht, sagt Joachim Keden, Beauftragter für Weltanschauungs-und Sektenfragen der Evangelischen Kirche im Rheinland. Der moderne Satanismus, auch Crowley-Neo-Satanismus, hat keinen Platz mehr für einen christlichen Gott. Der Satan wird zum Inbegriff der Lebensenergie, zur «magischen Power». Sein Anhänger strebt selbst an, zum Gott zu werden. Als Begründer des modernen Satanismus gilt der Magier Aleister Crowley (1875-1947). Er erfand und erprobte eine Vielzahl Rituale, die er mit okkulten und sexuellen Praktiken verknüpfte. (Internet: http://www.relinfo.ch/) |
Harry Potter auf den Scheiterhaufen. berlrz0020020103dy12002h5 Von Arno Widmann. 245 Words 02 January 2002 Berliner Zeitung German (c) 2002 Berliner Zeitung |
Nein, muss er natürlich nicht. Jack Brock, Pastor der Christ Community Church in Alamogordo (Fette Pappel), in New Mexico, in den USA, sieht das ganz anders. Er ließ mehrere Bände der Harry-Potter-Serie auf einem vor seiner Kirche errichteten Scheiterhaufen verbrennen. Er warf dem jungen Mann Verbreitung von Hexerei und Satanismus vor. Damit die Sache auch richtig in Schwung kam, hatte der Pastor seine Aktion vorher durch einen Leserbrief bekannt gemacht. Ergebnis: Achthundert Gegendemonstranten in dem 36 000 Einwohner starken Alamogordo. Die örtliche Polizei stellte die Verbrennung daraufhin unter ihren Schutz und achtete darauf, dass niemand von der einen auf die andere Straßenseite hinüberging. Es kam - so berichten die örtlichen Medien - zu keinen größeren Zwischenfällen. |
Pastor Jack Brock, ein Herr im Lodenmantel, mit grau meliertem Haar, an seiner Seite die blonde Gattin Sharon, ist kein bärtiger Islamist, aber er warf Harry Potter und weil er gerade dabei war auch noch den "Herrn der Ringe", William Shakespeares gesammelte Werke und dazu noch "Cosmopolitan" und "Young Miss" ins Feuer. Fanatische Feindschaft gegen die westliche Demokratie ist keine islamische Erfindung, sondern älteste westliche Tradition und vielleicht sollten wir uns in unserer Empörung gegen den fundamentalistischen Pastor doch erst einmal an der Gelassenheit des Gegendemonstranten Mike Kizer aus Alamogordo ein Beispiel nehmen. Er erklärte: "Sie machen, was sie für richtig halten und wir, was wir für richtig halten." Damit macht man den Jack Brocks aller Fanatismen das Leben schwer genug.-. |
Die Gedanken sind frei verfügbar. cash000020011221dxcl0000m 971 Words 21 December 2001 CASH German Copyright 2001, CASH, die Wirtschaftszeitung der Schweiz. Jede Woche Information im Klartext zu BUSINESS, ECONOMICS, CASUAL, INVEST. Alle Rechte vorbehalten. Mehr Infos unter www.cash.ch |
e-Society Der «amerikanische Taliban» John Philip Walker wird von den US-Medien öffentlich seziert. Das Material dazu lieferte der frühere Wohlstandsknabe gleich selbst: Es sind die Datenspuren, die er als Pubertierender im Web hinterliess. |
Eigentlich ist John Philip Walker Lindh ein Glücksfall. Trotz seiner Mähne, trotz des Vollbarts starren aus seinem dürren, doch makellos glatthäutigen Gesicht zwei braune Augen mit hinreichenden Dackelqualitäten: Ein erschreckter Junge glotzte da in den letzten Tagen von den Titelseiten so ziemlich jeden amerikanischen Mediums. «Newsweek» war Walker jetzt eine Titelgeschichte wert. Andere vertiefen die Einblicke in sein Leben. Die Grundfrage, die Amerika beschäftigt, ist dabei stets dieselbe: Wie hat es zum Sündenfall dieses Wohlstandskindes kommen können? Wieso konvertierte dieser einst wohlgenährte, behütete amerikanische Junge aus liberalem Elternhaus zu den totalitären Taliban? Oder, im Klartext: Wie sieht sie aus, die fünfte Kolonne? Vor Jahren noch hätte es unermüdlichen Baggerns und Bettelns und Bestechens und Überrumpelns und Einbrechens von Seiten einer Presse, der man tatsächlich die Tür nicht öffnen sollte, bedurft, um schnellstmöglich zum Psychogramm eines durchgeknallten Wohlstandskindes zu kommen. Heute sieht das anders aus: Jedermann vermag sich viel effizienter und brutaler in das verquere Seelenleben Walkers zu wühlen, und es wirkt gar nicht mehr anstössig. Denn Walker war nicht nur Wohlstandskind und später Glaubenskrieger, sondern er war auch ein «Bürger» des World Wide Web und damit öffentlich. Walkers Datenspuren, zum Teil nach fünf Jahren noch sichtbar, eröffnen zwei einmalige Chancen: · einen scheinbar tiefen Einblick ins verquere Seelenleben eines 14-Jährigen zu nehmen, der sich wünscht, ein schwarzer Gangsta-Rapper zu sein, bevor er dann mit reifen 16 Jahren zum Islam konvertiert; · ein für allemal die Lektion zu lernen, in welchem Masse wir alle öffentlich geworden sind. Denn Surfer «veröffentlichen» sich auch. Mit den richtigen Techniken lassen sich Datenspuren noch nach Jahren finden, und wenn der Surfer selbst auch publizistisch tätig war, ist dies sowieso kein Problem. «E-Mails from a Traitor» titelte der «Weekly Standard» und präsentierte im Web auf rund 30 Ausdruckseiten, was die Rechercheure im «Deja»-Dienst von Google ausgegraben hatten: Da diskutierte Walker in Rap-Newsgroups die Probleme von Welt und Musik. Zitat: «Es ist nicht die Schwärze unserer Haut, die dazu führt, dass die Weissen uns hassen. Es ist ihr Rassismus, der den Hass verursacht.» Walkers pubertäre Webchats wurden Teil seines Lebenslaufs Yeah, nicht schlecht für einen 14-jährigen, ungewöhnlich blassen Schwarzen auf der Suche nach dem Sinn im Leben. Kolumnisten werden aus solchen Zeilen nun ein tief liegendes Identitätsproblem herbeisäuseln, geflissentlich ignorierend, dass ihre kleine Schwester zwischen 10 und 13 Jahren nur noch mit Pferden redete und sie selbst die Hälfte ihrer wachen Stunden mit 14 als Spiderman mit dem Kopf nach unten an Häuserwänden hingen. Virtuell, zumindest. Doch der komprimierte wie kompromittierende Blödsinn, den Walker da - im Irrglauben, Newsgroup-Diskussionen stellten eine Art semiprivaten Raum dar - über Jahre abliess, ist nun zum Teil seines Curriculum Vitae geworden. Wenn die feststehende öffentliche Meinung, dass jeder Wohlstandsamerikaner, der zum Fundamentalmuslim geworden ist, von Haus aus hirnamputiert sein müsse, nicht gereicht hätte, Walker öffentlich zum Irren zu stempeln - das Protokoll seiner Pubertät dürfte da reichen. Das ist alles nicht relevant. Wir waren alle einmal Spinner, das gehört zum Erwachsenwerden: sich auch in fremden Rollen zu erproben. Und wir alle kannten diese eine Person in unserem Freundeskreis, der es nicht gelang, den Bodenkontakt wiederzufinden. Eigentlich liebe, fantasiebegabte Menschen, die trotzdem zum Trinker wurden, die Nadel nahmen, in kriminelle Kreise gerieten oder irgendwann daran verzweifelten, Versager zu sein. Walker fand Halt in einer strengen Religiosität, die - aus Sicht seines kulturellen Umfeldes - etwas mit Realitätsverlust zu tun hat. Dass das gleiche Umfeld es gar nicht so für unnormal hält, wenn jemand nach einem Verbot der Evolutionslehre ruft, Harry Potter wegen «Satanismus» aus Bibliotheken verbannen will und daran glaubt, als Amerikaner einen göttlichen Auftrag zu haben, die Welt zu ordnen, fällt dabei kaum mehr jemandem auf. Walkers «Sündenfall» wird also kaum erklären, wie die fünfte Kolonne beschaffen ist. Der «Weekly Standard» legt zum Glück nach und erklärt seinen Lesern, dass die Minderheit der Muslime in Amerika in Wahrheit nur ein Viertel so gross sei, wie offiziell behauptet wird. All diese Nachbeben des 11. September zeigen nur, wie heftig die Erschütterung war, die der Massenmord von New York verursachte. Walker ist ein Einzelfall, wie es ihn immer gibt, nicht mehr. Neu ist an all dem nur, dass es nun ein Medium gibt, in dem der Betroffene selbst über Jahre die Dokumente für seine öffentliche Sektion hinterlegte. Irgendjemand steuerte noch die Bilder für das «Walker Family Photo Album» bei, das «Newsweek» über MSNBC veröffentlicht: «Schnappschüsse aus dem Leben des amerikanischen Taliban-Kämpfers». Vor 150 Jahren hätte man ihn an die Kette legen und über die Jahrmärkte führen können. Heute muss sicher jeder fragen, was für Spuren er hinterlässt All das hat sich der Wirrkopf Walker selbst eingebrockt, keine Frage. Jetzt ist er eine kleine Sensation. In ein, zwei Jahren ist er vergessen. Die Geschichte, wie John Walker öffentlich seziert wurde, ist dann nur noch aus einem Grund relevant: weil in ein, zwei Jahren der Unternehmer, bei dem Sie sich beworben haben, sich abends im Bett zu Gemüte führen wird, was Sie bei alt.fan.heavymetal, in der esoterischen Newsgroup zu westeuropäischen Hexenbräuchen oder in der Diskussion über Otto Schilys Sicherheitspaket so vom Stapel gelassen haben. Was all das zum Zeitpunkt seiner Entstehung harmlose Geplapper dann bedeuten wird, ist offensichtlich eine Frage des Verwertungszusammenhangs. In den Vereinigten Staaten ist es übrigens seit Jahren ein lukratives Geschäft, «Personality Profiles» von Bewerbern oder Konkurrenten zu erstellen. Völlig krisensicher. * © Spiegel online Am 3. Dezember wurde der Kalifornier John Philip Walker Lindh in Afghanistan verhaftet. Jetzt versuchen die USA zu verstehen, weshalb sich der 20-Jährige den Taliban-Kämpfern angeschlossen hat - mit Hilfe der Gedanken, die dieser als Teenager in Newsgroups und Chatrooms im Internet hinterliess. Fotos: Key online. |
BUNDESSTELLE FÜR SEKTENFRAGEN BERICHTET ÜBER TÄTIGKEIT IM JAHR 2000. aupag00020011218dxci002xo 449 Words 18 December 2001 09:40 GMT Austria Presse Agentur-OTS German OTS - "ORIGINAL TEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS" |
Arbeitsumfang weiter gestiegen Wien (PK) - 1.807 Personen wandten sich im Jahr 2000 mit ihren Anliegen an die Bundesstelle für Sektenfragen. Das Informations-und Beratungsangebot wurde dabei vor allem von einschlägigen Fachstellen, Privatpersonen und staatlichen Stellen, aber auch von Firmen und privaten Institutionen sowie für Bildungszwecke in Anspruch genommen. In 55 Fällen kam die Kontaktaufnahme von Gruppierungen mit Verdacht auf sektenähnliche Strukturen selbst. Das geht aus dem dritten Tätigkeitsbericht der Bundesstelle für Sektenfragen hervor, den Sozialminister Herbert Haupt dem Parlament kürzlich vorgelegt hat (III-130 d.B.). |
Allgemein wird im Bericht darauf verwiesen, dass der Arbeitsumfang der Bundesstelle für Sektenfragen ständig steigt. So ist bei der Anzahl der Fachkontakte gegenüber 1999 ein Zuwachs von 20 Prozent zu verzeichnen, die Anzahl der persönlichen Beratungsgespräche hat sich im Jahr 2000 sogar beinahe verdoppelt. Generell hat sich die Stelle als zentrale und kompetente Anlaufstelle in sämtlichen Fragen zu so genannten Sekten, Psychogruppen und Esoterik etabliert und ihre Themenführerschaft erfolgreich ausgebaut, heißt es im Bericht. Insgesamt hat es im Jahr 2000 3.953 fachspezifische Kontaktaufnahmen mit der Bundesstelle gegeben, wobei der Arbeitsschwerpunkt dem Bericht zufolge bei der Informations-und Beratungstätigkeit lag. Darüber hinaus wurden aber auch Informationsveranstaltungen für ExpertInnen, MultiplikatorInnen und die Öffentlichkeit durchgeführt, Arbeitstreffen mit anderen Fachstellen veranstaltet und die Vernetzung mit in-und ausländischen Fachstellen weiter ausgebaut. Zudem wurde der Aufbau einer Fachbibliothek vorangetrieben. Die Anfragen an die Sektenstelle bezogen sich auf 231 verschiedene Gruppierungen, wobei die meisten von ihnen Scientology, Satanismus, Okkultismus und Esoterik betrafen. Die zahlreichen durchgeführten Beratungen bestätigen dabei die Annahme, dass sich Menschen häufig deshalb einer so genannten Sekte anschließen, weil dort ein für sie offener Bedarf, z.B. nach Gemeinschaft und Bestätigung, gestillt wird, erklären die AutorInnen des Berichts. In diesem Sinn könne die Zugehörigkeit zu einer "Sekte" als Symptom gesehen werden, das auf eine tiefer liegende Problematik hinweise. Das treffe etwa auch auf das Phänomen "Jugendsatanismus" zu, hinter dem sich häufig nicht nur eine Protesthaltung, sondern auch der Ruf nach Hilfe verberge. Prinzipiell festgehalten wird im Bericht, dass den Bereichen Sicherheit und Datenschutz aufgrund der hohen Brisanz des Themas und des sensiblen Datenmaterials ein hoher Stellenwert beigemessen wird. Eingerichtet wurde die Bundesstelle für Sektenfragen im Jahr 1998, sie steht nicht zuletzt den Bundesländern als Ansprechpartnerin, Informationsdrehscheibe und Koordinationsstelle zur Verfügung. Erreichbar ist die Bundesstelle unter der Telefonnummer 01/513 04 60 bzw. unter der e-mail-Adresse ailto:bundesstelle@sektenfragen.a. (Schluss) Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640 e-Mail: pk@parlament.gv.at, Internet: http://www.parlament.gv.at *** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS *** OTS059 2001-12-18/10:40. |
Eine multiple Persönlichkeit sucht ihr Leben. taz0000020011211dxcc00069 Von Wilfried Hippen. 617 Words 12 December 2001 taz - die tageszeitung German (c) 2001 taz, die tageszeitung |
Eine multiple Persönlichkeit sucht ihr Leben Die Bremer Filmemacherin Liz Wieskerstrauch begleitete die Spurensuche einer Frau, die als Kind sexuell missbraucht wurde. "Höllenqualen" kommt heute im Ersten und Donnerstag ins Kino 46 |
Meist spricht sie als Nicki zu uns, manchmal als Burghardt, einmal mit der kindlichen Stimme einer Achtjährigen und dann mit dem Hüsteln und Sprachfehler eines verängstigten Mannes. Am liebsten würde man das als Hysterie und Schauspielerei abtun, denn was diese vielen in einem Körper wohnenden Persönlichkeiten da erzählen, oft regelrecht vor der Kamera nacherleben, ist so schrecklich, dass man es nicht glauben möchte. Eine Welt voller Schmerz, Angst, Missbrauch und Tod tut sich vor uns auf. Die Filmdokumentation "Höllenleben - eine multiple Persönlichkeit auf Spurensuche" der Bremer Autorin Liz Wieskerstrauch ist leider sehr überzeugend. Sie hatte mit "Menschen hautnah: Die Seele brennt" schon früher eine Dokumentation über multiple Persönlichkeiten gedreht. Diese wurde immerhin von der konservativen Ärztevereinigung "Hardmannsbund" mit dessen Fernsehpreis ausgezeichnet - das ist wohl ein eindeutiges Indiz dafür, dass die multiple Persönlichkeit inzwischen als Krankheitsbild anerkannt ist. Kinder unter drei Jahren, die noch keine starke eigene Persönlichkeit ausgebildet haben und ein extremes Trauma erleben, spalten sich in mehrere Individuen auf, die den Schmerz und die Todesangst unter sich aufteilen, um sie so überhaupt bewältigen zu können. Im welchem Maß Nickis Schilderungen "eins zu eins" zutreffen, kann diskutiert werden. Aber dass sie als als kleines Kind über lange Zeiträume hin missbraucht und gequält wurde, ist belegt: Ihr Stiefvater wurde deswegen verurteilt. Und: Sie hat eine Vielzahl von körperlichen Beschwerden, die alle auf schlimmste Brutalität in der Kindheit hindeuten. Nach einer mehr als 10-jährigen Therapie entschied sich Nicki, nach den Spuren ihrer Vergangenheit zu suchen, also in der Außenwelt die entsprechenden Orte und möglichst auch Täter zu finden, die die Höllenwelt ihrer Erinnerungen ausmachen. Dabei begleitete sie das Kamerateam von Liz Wieskerstrauch, und dokumentierte so jeweils die Momente, in denen jeweils eine Persöhnlichkeit im Körper von Nicki einen Ort wiedererkannte, darauf oft mit "Erinnerungsschmerzen" reagierte, in einer Burg sogar nach einem "Saal mit Säulen" suchte und diesen dann schließlich auch fand. Zu jedem dabei gefundenen Indiz wird jeweils recherchiert. Spezialisten, wie ein praktischer Arzt, eine Psychotherapeutin, ein Journalist, der viel über den Satanismus geschrieben hat, kommen zu Wort und so wird Nickis Geschichte im Laufe des Films immer glaubwürdiger. Dass sie extrem leidet, und dazu gezwungen war, ein herzerreißend erbärmliches Leben zu führen, wird schnell klar. Aber letzte Klarheit darüber, ob sie wirklich von ihren Eltern einer satanistischen Sekte zugeführt wurde, die sie jahrelang missbrauchten, quälten, gar schwängerten und dann zwangen, das Neugeborene zu töten, gibt der Film nicht. Unumstößliche Beweise fehlen - der Stiefvater lebt zwar noch, wird aber nie gezeigt und sein Name wird jeweils mit einem Rauscher unkenntlich gemacht. In der letzten Szene des Films erstattet Nicki Anzeige gegen ihre Peiniger, und die Polizei hofft auf Hinweise nach der Fernsehaustrahlung. Liz Wieskerstrauch hat erst gar nicht versucht, eine objektive Perspektive für ihren Film zu finden - DokumentarfilmerInnen hätten sicher Gründe, "Höllenleben" nicht in ihr Genre zu rechnen. Die Kamera folgt Nicki auf ihrer Spurensuche, oft sieht man die Filmemacherin direkt im Gespräch mit der jeweils aus ihr sprechenden Persönlichkeit. Und weil der Film so eindeutig auf Nickis Seite steht, gibt es keine falschen Töne: "Höllenleben" ist filmisch betont sachlich und kunstlos gehalten, wirkt so nie spekulativ, sondern bringt uns diese Frau und ihr Leid schmerzlich nahe. Wilfried Hippen Weil das Thema so umstritten ist, gibt es eine bisher einmalige Nähe von Fernsehaustrahlung und Kinovorführung: Heute (23 Uhr) läuft "Höllenleben" in der ARD, morgen um 20.30 Uhr wird er noch einmal im Kino 46 in Anwesenheit von Nicki und der Filmemacherin gezeigt. Eine Diskussion ist geplant. |
Facts Kontakt. facts00020011207dxc60000b 1613 Words 06 December 2001 FACTS 15 German (c) 2001 FACTS, TA-Media AG Homepage Address: http://www.facts.ch |
Schrauben locker FACTS vom 22. November, |
«Frust public» Die Liste der Sorgen ist lang. Dabei sind die wirklich gravierenden Pannen noch gar nicht aufgeführt: Computer-Ausfälle, die ganze Regionen lahm legen, wie kürzlich in Basel, oder der Ausfall von Hunderten von Billettautomaten. Aber ein technikgeiles Topmanagement will jetzt auch noch die Fahrkarten abschaffen und an deren Stelle ein neues «Wunderwerk» der Elektronik einsetzen: Easy Ride. Easy Ride habe die Testphase erfolgreich abgeschlossen, liest man in PR-Artikeln: 99 Prozent erfolgreiche Registrierung der Kundenfahrten. Bei jährlich 300 Millionen Passagieren heisst das, dass gegen drei Millionen Fehler auftreten. Die hat der Gast dann vielleicht in irgendeiner Form auf der Rechnung. Die SBB verlochen Geld in eine Technik, die für viele kleinere öV-Unternehmen viel zu teuer ist und dem Kunden nicht das bringt, was er am meisten wünscht, nämlich Zugbegleiter. Nicht nur am Fahrmaterial sind Schrauben locker. Benny Riz, Baden Da wird dem Leser weisgemacht, dass es um die Qualität der SBB schlecht bestellt sei, wenn auf die Sauberkeit in den Wagen, die Graffiti und andere Verschmutzungen hingewiesen wird. So als ob die Benützer unserer SBB nicht die Hauptschuldigen wären. Die heutige Generation, die Gratiszeitungen willkommen hiess, heutige Eltern, die für das Verhalten Jugendlicher das Vorbild geben. Anton Arnosti-Rüegg, Allschwil Es ist bedenklich, was für Zustände wir haben in Bezug auf unsere SBB. Anstatt Leute mit jahrelanger Erfahrung an die Spitze zu berufen, kommen solche an die Posten, die keine Ahnung von einer Lok, geschweige denn von einem Bahnbetrieb haben. Herr Weibel wie auch Herr Nordmann sollen ihre Plätze sofort räumen und Leuten Platz machen, die Erfahrung von unten bis oben im Betrieb der SBB haben. Gottfried Tobler, Stäfa Wenn die SBB sagen, sie wollen eine der führenden Bahnen Europas werden, so kann ich dazu nur sagen, dass sie das schon sind. Im Vergleich zu der DB oder den ÖBB sind die SBB überlegen. Der einheitliche Fahrplan, nur kurze Verspätungen - da haben es ausländische Bahnen schwer. Wer sagt, die SBB-Züge seien dreckig, sollte die FS-Züge anschauen. Dort fehlen in einigen Wagons alle Abfalleimer. Überfüllte Züge gibt es in jeder Grossstadt. Man soll sich nur mal Tokios Bahnhof anschauen. Dominik Loser, Gossau SG Was die Herren Lalive d'Epinay und Weibel in Sachen SBB vorweisen, grenzt ans Wunderbare. Geplante Auslandbeteiligungen ausgerechnet im gebeutelten England, ebensolche mit Italien sind Zeugnis für den Einfallsreichtum des Führungsduos. Die Züge schmutzig, das Fahrpersonal am Anschlag, im Gegensatz zu den Führungsetagen. Alles erinnert ans grosse Vorbild DB. Quo vadis, SBB? Jakob Altherr, Davos Platz Als gehbehinderte Passagierin kann ich den SBB nur mein allergrösstes Lob aussprechen. Das Personal ist einfach wunderbar und sehr, sehr hilfreich und dazu auch noch sehr freundlich. Diesen Service der SBB suchen Sie mal ausserhalb unserer Grenzen. Es sind garantiert nicht die SBB und deren Personal, die die Klos unbenützbar machen, die Zigaretten auf dem Boden austreten und die Passagiere mies behandeln. Es sollte einfach sein, sich ausserhalb des eigenen Heims entsprechend zu benehmen und anderes Eigentum zu achten und so zu behandeln, als wäre es das eigene. Magdalena Haas, Genf Meinungsfreiheit FACTS vom 22. November, «Blochers Fundi-Frauen» Da werden sechs SVP-Frauen als Massstab für sämtliche anderen, auch engagierten SVP-Frauen genommen. Jene, die eine andere Meinung als die erwähnten SVP-Nationalrätinnen und andere wichtige Exponentinnen vertreten, werden nicht ernst genommen und schon gar nicht toleriert. Wer der Uno beitreten will, soll dies kundtun dürfen, das ist richtig, wer aber dagegen ist, muss diese Meinung ebenfalls äussern können. Wenn Lisbeth Fehr die fanatisch-fundamentalistischen SVP-Frauen so vehement kritisiert, ist das ihre ganz persönliche Sache, aber sie braucht sich über harsche Reaktionen nicht zu wundern. Jede Gruppierung, auch innerhalb der SVP, kann sich den für sie richtigen Komitees anschliessen, das gehört zu unserer gelebten Meinungsfreiheit, wie ich sie verstehe. Therese Bachofen, Rothrist Prinzipien FACTS vom 22. November, «Um Gottes willen» Ist es nötig, einen kettenrauchenden, alkoholsüchtigen, in Schwulenbars rumhängenden Menschen so als Helden darzustellen? Wer in einer Firma arbeitet, sollte sich mit deren Geschäftsprinzipien identifizieren können. Muss das nicht erst recht für einen Priester gelten? Penetrant wird Toleranz proklamiert. Wer sich für Werte wie gesunde Familie, Ehe, Treue und Gott einsetzt, wird in die Fundi-Ecke abgedrängt. Pierre Leu, Gränichen Kritische Analyse FACTS vom 15. November, «Satanische Vorlesung» An der Theologischen Fakultät wird «Theologie Studierende» nicht «Satanismus» gelehrt, und es wird Satanisten auch keine «Plattform» gewährt, um Propaganda für ihre fragwürdigen Ansichten zu machen. Im Vordergrund der Veranstaltung steht die Reflexion der religiösen Gegenwartsphänomene im heutigen gesellschaftlichen Kontext. Dass der Umgang mit den Themen nach wissenschaftlichen Methoden erfolgt, versteht sich von selbst. Religionswissenschaftliche Forschung und Lehre hat in Zürich einen Schwerpunkt im Bereich der Gegenwartsreligionen. Diese nicht nur über Texte, sondern in der Begegnung mit Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen religiösen Bewegungen kennen zu lernen, ist eine Selbstverständlichkeit in einem praxisorientierten Ausbildungsgang. Ebenso selbstverständlich ist es, dass das an einer Universität in kritischer Analyse und Diskussion geschieht. Wer der Faszination der schillernden Phänomene nicht erliegen will, muss lernen, sich kritisch mit ihnen auseinander zu setzen. Ingolf Dalferth, Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Zürich Ein Satanist referierte an der Theologischen Fakultät der Uni Zürich über Okkultismus. Was ich nicht verstehe: Warum legen angehende Theologen die Bibel historisch-kritisch aus und glauben nicht mehr an die dort beschriebenen Wunder Gottes? Und interessieren sich für das Dunkle? Warum sind wir vom Fürsten der Finsternis fasziniert, nicht aber vom Friedensfürsten Jesus Christus? Ich hoffe, dass Georg Schmid zumindest auch evangelischen Christen eine Plattform bietet, in deren Rahmen sie von ihrem Erleben der guten Kraft Gottes berichten können. Franziska Schwob, Winterthur Mehr Sicherheit FACTS vom 8. November, «Wir sind den Deutschen voraus» Der Preis für mehr Sicherheit ist oft auch mehr Polizeistaat - was wieder mehr Druck in Form von Gewalt hervorruft. Eine grössere Hilfe für mehr Sicherheit in unserem und fremden Ländern wäre es, wenn das eklatante Manko von integren, nicht selbstsüchtigen, humanen und global multikulturell, ökologisch und ökonomisch kausal denkenden Topshots aus Politik und Wirtschaft behoben würde. Hier sind wir Menschen äusserst primitiv und am Anfang der Evolution. Meine Damen und Herren in Politik und auf den Chefetagen der Wirtschaft: Viele Menschen möchten endlich wieder Achtung vor ihrem Handeln haben. Das ist die Lösung von Problemen und eine echte qualitative Steigerung von mehr anhaltender Sicherheit. René Käser, Rheinfelden Warum schüren Sie eigentlich unseren Neid auf die Deutschen? Warum sehen wir nie eine Überschrift: Wir sind den Griechen voraus oder den Portugiesen oder den Usbeken? Weil Sie und wir da keinen Minderwertigkeitskomplex haben - wohl sogar das Gegenteil. Peter Eberschweiler, Uzwil Demotivieren FACTS vom 22. November, «Frust public» «Nach wie vor erlebe ich als SBB-Zugchef die Bahn sehr positiv. Überrascht hat mich die Aussage von Benedikt Weibel, wonach die SBB im Regionalverkehr noch wenig Erfahrung haben. Hat da jemand die letzten hundert Jahre geschlafen? Gleichzeitig vertrödeln Heerscharen von «guten» Kaderleuten ihre Zeit damit, weniger gut bezahlte Mitarbeiter zu qualifizieren und (meistens) zu demotivieren.» Emil Helfenstein, Zürich Die SBB haben gemäss Benedikt Weibel «im Regionalverkehr noch wenig Erfahrung». Selten anzutreffen FACTS vom 22. November, «Das Swiss Press Photo 2001» «Seit bald zwölf Jahren lebe ich in Berlin. Die Geschichte über den Fotografen, der dieses eindrückliche Bild während des unfassbaren Attentats in Zug gemacht hat, hat mich berührt. Sein Bild geht emotional unter die Haut und ist fotografisch perfekt komponiert. Am meisten beeindruckt hat mich aber, dass der Fotograf aus dem von ihm dokumentierten Leid keinen Gewinn machen möchte, das Geld seiner finanziell gebeutelten Zeitung spendet. Das zeugt von einer Haltung, die selten anzutreffen ist in unserer von Eitelkeit und Profitstreben dominierten Szene.» Vera Rüttimann, Berlin Preisgekröntes Bild von Christof Borner: Minuten nach dem Attentat im Zuger Parlament am 27. September. Auf Tragik FACTS vom 8. November, «Der Geist ist weg» «Weil das WEF für ein Jahr nach New York geht, sehen gewisse Bündner Herren ihre Felle davonschwimmen. Es ist tragisch genug, in Drittweltländern Tausende an Hunger, Krankheit und Krieg sterben zu wissen, und Davos macht auf Tragik. Eigentlich müssten wir uns schämen.» Heinz Wehrli, Gränichen Der Davoser Landammann Erwin Roffler will das WEF zurück. Präzisierung Nebenbetriebe FACTS vom 22. November, «Kämpfer in schwacher Position» «Es brauchte seine Zeit, bis ich Bern überzeugen konnte», wird Hans-Jacob Heitz in der FACTS-Ausgabe vom 22. November zitiert. Dieser Satz bezieht sich nur auf Mittel für Flugnebenbetriebe und nicht auf das Zwei-Milliarden-Engagement des Bunds für die neue Schweizer Airline. Rückblende «Metropol» vom 30. November zu «Flug in den Tod». Captain Hans Lutz flog die Crossair-Maschine auch beim verhängnisvollen Anflug auf Piste 28 selber. Dies war in der gestrigen Ausgabe von FACTS zu lesen. Das Nachrichtenmagazin beruft sich dabei auf Informationen aus dem Büro für Flugunfalluntersuchung. Das Rätselraten hat damit ein Ende. Bislang war unklar, ob Hans Lutz, 57, oder Kopilot Stefan Löhrer, 25, die Unglücksmaschine flog. Die «Südostschweiz» vom 29. November zu «Neukunden überrollen Kleinkassen». Die Krankenkasse Surselva aus Ilanz wird gegenwärtig von Anfragen Versicherter aus der ganzen Schweiz überflutet. Dies, weil sie so günstig ist, wie das Nachrichtenmagazin FACTS in seiner neusten Ausgabe schreibt. Jetzt möchte die Krankenkasse die Notbremse ziehen und bereits auf den 1. Mai kommenden Jahres ihre Prämien in den drei Kantonen Zürich, Bern und Basel-Stadt massiv erhöhen. «Der Bund» vom 26. November zu «Nein-Sager lieber totgeschwiegen». Eine Umfrage, die das EDA unter Verschluss halten wollte, zeigt eine bröckelnde Ja-Mehrheit. Die für die Befürworter nicht erfreulichen Resultate legte man mit dem Vermerk «nicht zur Veröffentlichung bestimmt» in die Schublade. Das Magazin FACTS publizierte Ergebnisse unter dem Titel «Was das Departement nicht veröffentlichen wollte». Die Nicht-Kommunikationspolitik des EDA machte es möglich, dass die Zahlen just auf das Wochenende serviert wurden, an dem die SVP ihre Nein-Parole zelebrierte. |
Facts Kontakt. facts00020011130dxbt0005n 1534 Words 29 November 2001 FACTS 15 German (c) 2001 FACTS, TA-Media AG Homepage Address: http://www.facts.ch |
Verantwortlich FACTS vom 15. November, «Wie Gott in Frankreich» |
Nun ist der Nationalrat und ehemalige Präsident der Grünen also nach Frankreich gezogen. Mit seinem Einsatz für alles, was im Endeffekt zu vermehrter Einwanderung führt, ist er mit verantwortlich geworden, dass die Schweiz be-zogen auf die bewohnbare Fläche zu einem der dichtbesiedeltsten Länder der Erde geworden ist. Es ist deshalb eng geworden in unserem Land; Bauwillige, Verkehrsplaner, Naturschützer, Bauern kämpfen um jedes Stück Land. Aber man kann von einem Politiker ja nicht unbedingt erwarten, dass er an alles denkt und auch die Risiken und Nebenwirkungen seines Tuns im Auge behält. Bis es einem selbst trifft und man merkt, dass mehr und deshalb billigeres Land auch für einen Bauern eine gute Sache ist. Peter Arn, Biel Dämonisch Facts vom 15. November, «Satanische Vorlesung» Es entspricht nicht der Wahrheit, wenn Georg Schmid vom Deckmantel Satanismus spricht. Die Macht des Satans existiert tatsächlich und wird oft verharmlost. Menschen verschreiben sich ihm, wie auch der Artikel berichtet. Viele wissen nicht, was sie dabei tun, sei es auch «nur» aus Rebellion und Frustration. Sie begeben sich in eine Gefangenschaft, und Satan wird sie nicht mehr frei-willig loslassen. Da nützt das Erkennen und Studieren dämonischer Schatten nichts, wie Schmid die moderne Form von Exorzismus beschreibt. Damit begründet er auch die Veranstaltungsserie der Theologischen Fakultät an der Uni Zürich mit dem Thema Okkultismus. Es gibt nur einen Namen, der diese Macht besiegt und überwunden hat, nämlich Jesus Christus. Ohne ihn gibt es keinen Ausweg mehr, und wen er frei macht, der ist wirklich frei (Joh 8, 36). Sarah Mayer, Bettingen Wachstum FACTS vom 15. November, «Die New Crossair ist auf Filz gebaut» Grössenwahn und Megahub, das Gedankengut der gescheiterten Swissair und der Flughafenlobby, lebt weiter. Deren Exponenten, Alt-Swissair VR-Präsident Gut und der Zürcher Regierungsrat Jeker, waren schnell zur Stelle, als der Bundesrat als langjähriger verlängerter Arm des Interessenkartells aus Kloten Ausschau hielt nach einem Steuerungsgremium, das der eigenständigen, aber unter Moritz Suter erfolgreichen Crossair die 26/26-Lösung aufzwingen sollte. Ungeachtet des geänderten Umfelds sollen sich das Wachstum des Flughafens gemäss der Betriebskonzession aus Bern und das neue Betriebsreglement weiterhin an 420 000 Flugbewegungen orientieren. 70 Prozent mehr als dem Stimmvolk zur 5. Ausbauetappe vorausgesagt wurde. J.-P. Schiltknecht, Zollikerberg Selbst verschuldet FACTS vom 22. November, «Frust public» Die viel diskutierte Misere in den Bistro-Wagen ist von den Konsumenten selbst verschuldet. Bei fast jeder grösseren Bahnfahrt achte ich darauf, dass es einen Speisewagen im Zug hat. Ich reserviere dort meinen Platz und geniesse eine vorzügliche warme Mahlzeit oder ein hervorragendes Frühstück und werde mit Top-Service verwöhnt zu absolut marktgerechten Preisen. Nur muss ich immer wieder feststellen, dass sich im Speisewagen Gäste aufhalten, die an einem Tisch Zeitung lesen und gerade mal einen Kaffee und ein Gipfeli konsumieren. Dies mag in einem Strassencafé normal, ja alltäglich sein, doch bei Speisewagen mit horrenden Betriebskosten funktioniert das nicht. Es ist wichtig, den SBB Schwächen aufzuzeigen. Ich bin sicher, die SBB werden diese kleinen Probleme in den Griff bekommen. Am Personal wird es bestimmt nicht liegen. Andreas Cadosch, Zürich Was die SBB am Gotthard leisten, verdient ein grosses Lob. Verladerampen sind buchstäblich aus dem Boden gestampft worden. Täglich mehrere Verbindungen mit einer rollenden Landstrasse (Rola) von Nord nach Süd und umgekehrt zu einem für Camionneure günstigen Preis. Die grossen finanziellen Investitionen, die durch die SBB noch gemacht werden (Umbau von Bahnwagen, erhöhter Personalaufwand), sind nicht zu unterschätzen. Und all dies nur, damit der Schwerverkehr in der Schweiz nicht ganz zusammenbricht. Ich hoffe, dass auch das Bundesamt für Verkehr dies schätzt und die Bahnen ent-sprechend finanziell abgegolten werden. Geben wir den SBB die Chance, modern zu werden. Der Wechsel vom «Beamtenbetrieb» zu einem modernen Dienstleister konnte noch nie in einem Tag gemeistert werden. Rom wurde ja auch nicht in einem Tag erbaut. Viel Glück, SBB! M. Borner, Olten Der Artikel listet nur negative Fakten auf und ist überrissen. Selbstverständlich kommen überall Fehler vor, wo gearbeitet wird. Gerade bei den SBB gibt es in jüngster Zeit aber auch die positive Seite. Nach dem Inferno im Gotthardstrassentunnel war die Bahn innerhalb von Stunden bereit mit dem Autozug von Göschenen nach Airolo. Zudem wurde in beispielhafter Arbeit sehr rasch der Verlad von Lastwagen ab Brunnen bis Lugano ermöglicht. Die Bevölkerung im Alpengebiet weiss solche Tatsachen sehr zu schätzen. Ich gratuliere deshalb Benedikt Weibel und seinen Leuten zu der grossen Leistung. Nur mit Kritik allein ist dem öffentlichen Verkehr nicht geholfen. Ambros Gisler, Schattdorf Bravo FACTS vom 15. November, «Wallung» Steuergeheimnis, okay. Aber, Frau Regierungsrätin Zölch, wer um Himmels willen soll solche Steuererleichterungs-Löcher stopfen? Ein Bravo für den Mut von Frau Therese Frösch, sich auf so dünnes Eis zu wagen. PS: Diese Steuererleichterungs-Millionen könnte die Swissair auch gut gebrauchen. Stephan Kovacs, Willisau Frontalunterricht FACTS vom 15. November, «Auf Karriere trimmen» Im FACTS-Bericht werden als Ursachen des zunehmenden Nachhilfebedarfs bei Schülerinnen und Schülern vor allem gestiegene Anforderungen oder gar brutal «Faulheit» der Kinder angegeben. Verantwortlich für die Misere sind aber sehr oft die «modernen» Unterrichtsformen wie Wochenplan-, Werkstatt-oder Projektunterricht sowie «Freiarbeit», bei denen die Lehrkraft häufig nur noch als «Moderator» auftritt und der Klasse die Initiative überlässt, was gerade schwächere Kinder meist überfordert. Gewisse Anzeichen deuten deshalb klar darauf hin, dass der Frontalunterricht wieder entscheidend an Stellenwert zulegen wird. Hans-Peter Köhli, Zürich Die eigenen Stärken voll ausschöpfen ist weit wirksamer als teures Büffeln. Unsere langjährige Erfahrung in der Berufsberatung zeigt, dass sich mit teilweise auch unkonventionellen Mitteln enge Bildungsstrukturen sprengen lassen. Erfolg kommt durchwegs aus den eigenen Stärken, selten den Schwächen. Ulrike Stedtnitz, Psychologin, Zürich Ewige Leier Facts vom 22. November, «Kämpfer in schwacher Position» Es würde mich schon wundernehmen, ob ein sich beklagender Kleinaktionär die Funktionsweise der Börse versteht. Es existiert das Risiko von Verlusten, ob die durch Unfähigkeit im Management, durch die Wirtschaftslage oder was auch immer verursacht werden. Falls die Papiere Gewinne verbuchen, regt sich ja auch niemand darüber auf. Auf die ewig gleiche Leier, dass grosse Spekulanten ihre Gewinne auf Kosten der kleinen Leute machen, kann man eigentlich nur antworten: falsch. Spekulanten erzielen ihre Gewinne exklusiv und ausschliesslich von den dümmeren Spekulanten. Achim Bänziger, Winterthur Übertroffen FACTS vom 22. November, «Zugedröhnt an die Expo» Mir geht es nicht ums Übertreffen, doch in zwei Punkten übertreffen wir Basler bereits die Bieler. Wir haben nämlich über 90 Hanfläden bei 180 000 Einwohnern. Auch Grenzgänger sind bei uns glücklich, dass es in unseren Hanf-läden bereits Psilocybe-Cubensis-Pilzli gibt. Diese Ausweitung des Angebots kommt mir vor wie bei den Mobiltelefonen. Weil es immer mehr Benützer gibt, braucht es immer mehr Antennen. Doch wo bleiben die behördlichen Kontrollen? Gesetze und Bewilligungspraxis sollten doch wohl der Gesundheit und nicht den geschaffenen Bedürfnissen angepasst werden. Erhard Schenker, Riehen Uralt FACTS vom 22. November, «Frust public» Ich fahre täglich mit der S3 von Frenkendorf-Füllinsdorf nach Muttenz. Der Zug hat es bis jetzt noch nie geschafft, weniger als fünf Minuten Verspätung zu haben. Und der Zustand der Regionalzüge ist katastrophal: Sie sind uralt, komplett ver-dreckt, und die Toiletten sind praktisch unbenützbar. Da frage ich mich, wofür ich da bezahlen muss. Daniel Schäublin, Basel Bahnverkehr: Anfällig für Verspätungen. Gottes Segen FACTS vom 22. November, «Ein schwuler Priester packt aus» Mir ist wieder mal elend geworden beim Lesen der üblen Folgen, welche die Verneinung seiner Selbst nach sich zieht. Süchte, langsamer innerer Selbstmord. Gut, dass sich Pfarrer Wirth entschloss, seinen «Schäfchen» in der beredten Predigt nicht nur zu predigen, sondern «Vorbild» zu sein, anzufangen zu leben. Ich wünsche ihm und seinen oft geplagten Kollegen inneren Frieden und die Freiheit, leben zu lernen, wie es für Kinder Gottes würdig ist. In Eigenverantwortung und Freude, im Zu-sich-stehen-Können und sich als Schwule selbst lieben zu lernen. Gottes Segen für euch und uns alle. Und alles Gute für Ihren weiteren Lebensweg. Maria Bruderer, Balgach Sich als homosexuell geoutet: Pfarrer Othmar Wirth. Mass FACTS vom 15. November, «Büffeln, pauken, drillen» Ich bin kein Gegner von Stützunterricht für schwächere oder lernfaule Schüler. Aber er sollte mit Mass betrieben werden und die Kinder in Anbetracht einer zukünftigen Karriere psychisch nicht zu stark und unverhältnismässig belasten, was im Endeffekt nicht selten zu Schäden führen kann. Esther Wüthrich, Laax Nachhilfeunterricht: Kinder nicht zu stark belasten. Rückblende Der «Tages-Anzeiger» vom 23. November zu «Nein-Sager lieber totschweigen». Ausgehend von einem FACTS-Artikel kritisierte Vizekanzler Casanova beiläufig das Aussenministerium EDA, das die Resultate von fünf GfS-Befragungen ursprünglich unter Verschluss behalten wollte. Die «WochenZeitung» vom 15. November zu «Killermunition». Die Kantone sollen auf die generelle Aufrüstung ihrer Polizeien mit Deformationsmunition verzichten, empfahl am Freitag die Konferenz der Polizeidirektoren. (...) Die Kommandanten treffen normalerweise Beschlüsse über Ausstattungsfragen alleine, und sie hätten wohl auch dieses Mal klammheimlich entschieden. Dass ihnen das Eisen zu heiss wurde und sie die Entscheidung nach oben - sprich: an die Polizeidirektoren - abdelegierten, ist das Resultat kritischer Medienberichte (allen voran FACTS, Chapeau!) und politischer Vorstösse. Der «Zürcher Oberländer» vom 23. November zu «Frust public». Die SBB spüren die Schliessung des Gotthard-Strassentunnels. Laut SBB-Chef Benedikt Weibel sind die Personenzüge auf der Nord-Süd-Achse seither um zehn bis zwanzig Prozent besser ausgelastet. Auch das Swissair-Grounding habe sich bemerkbar gemacht, sagte Weibel in einem Interview mit FACTS. |
Die Zukunft ist Gebiss. sddz000020011127dxbr000n6 973 Words 27 November 2001 Süddeutsche Zeitung German (c) 2001 Süddeutsche Zeitung |
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München - Jegliche Veröffentlichung exklusiv über http://www.diz-muenchen.de/ Im rumänischen Siebenbürgen soll der Fürst der Finsternis einen eigenen Freizeitpark bekommen - aber davor gruselt es den Schässburgern |
Es ist noch nicht lange her, da ging Dracula allen Rumänen auf die Nerven. Sprach man die Bewohner des armen Karpatenlandes in Südosteuropa auf den Vampir an, den der Schriftsteller Bram Stoker in seinem gleichnamigen Roman in ihrer Provinz Transsilvanien angesiedelt hat, gab es wegwerfende Antworten: Der Blutsauger habe rein gar nichts mit Rumänien zu tun. Jetzt aber droht die Wende um 180 Grad: Die wendekommunistisch-sozialistische Regierung in Bukarest hat mit dem Untoten Ungutes vor: Ein Dracula-Vergnügungspark soll gebaut werden, und zwar dicht an der beschaulich mittelalterlichen Stadt Schässburg in Siebenbürgen, dem lieblich hügeligen Landstrich in Rumänien, der auch Transsilvanien genannt wird. Beide Kammern des Parlaments in Bukarest haben dem regionalen Entwicklungsplan zugestimmt. Kaum jemand hat bisher aufbegehrt dagegen, dass der Park in ein Naturschutzgebiet hineingebaut werden soll und dass die verwinkelten Gassen Schässburgs dadurch von hunderttausenden Touristen und kitschigen Plastik-Vampir-Devotionalien überschwemmt werden sollen. Schässburg, offiziell Sighisoara, hat den kompaktesten mittelalterlichen Stadtkern Rumäniens. Vor zwei Jahren wurden die Altstadt auf dem Burgberg von der Unesco zum Teil des Weltkulturerbes erklärt. Nur unter den nach Deutschland ausgewanderten Siebenbürger Sachsen, die früher in Schässburg gelebt haben, bahnt sich eine Protestaktion in Form einer Unterschriftensammlung an. Ihr Verband, die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen, hat sich aber noch nicht einmal zu einer Stellungnahme durchgerungen, obwohl die Pläne schon seit Monaten bekannt sind. Keinen Ton sagte bisher auch das Deutsche Forum, die politische Vertretung der Deutschen in Rumänien. Vor Ort hatten nur die evangelischen Pfarrer der Sachsen Einwände. Ungeschickterweise allerdings gegen die angebliche Gefahr des Vampirismus und Satanismus - als ob dies das größte Problem wäre.Ungestört präsentierte folglich Tourismusminister Dan Matei Agathon seinen Schand-Plan kürzlich in einer triumphalen Show in Schässburg, die an politische Propaganda-Spektakel aus der längst vergangen geglaubten Ära Ceausescu erinnern ließ. Die Geistlichen der rumänisch-orthodoxen Kirche, die zunächst auch vor dem gottlosen Satanismus gewarnt hatten, besannen sich auf ihre traditionelle Staats-und Regierungstreue und sprachen für den Vampirpark ein Segensgebet. 3600 Schässburger sollen sich auf einer Unterschriftenliste für den Park ausgesprochen haben. Zwar erklärte sich der Minister offen für Diskussionen und kündigte - post festum - eine Meinungsumfrage vor Ort an. Aber im Prinzip blieb die Drohung stehen: "Wir wollen dem Grafen Arbeit geben und dies werden wir in unserem Vergnügungspark bis zum Überdruss tun." Bis zum Überdruss hat Minister Agathon wiederholt, dass der Park immerhin 3000 neue Arbeitsplätze in die Region bringen werde. Von den 30 000 Einwohnern sind offiziell sechs Prozent arbeitslos, inoffiziell 30 bis 40Prozent. Die erwarteten Einnahmen von jährlich 27Millionen US-Dollar sollen zu 51Prozent der Stadt zugute kommen, für die dringend notwendige Renovierung der einsturzgefährdeten Altstadt. Günstig sei auch, dass in 50 und 100 Kilometer Entfernung je ein Flughafen vorhanden sei. Die Baukosten von etwa 31,5 Millionen US-Dollar will der Minister durch Kredite und Obligationen beschaffen. Für die Planung wurde das deutsche Unternehmen Western-Stadt Pullman City gewonnen. Bauplatz ist die so genannte Kahle Breite, ein Hochplateau in zwei Kilometer Luftlinie von der Burg. Auf 60Hektar sollen sich eine "Horror-Burg", ein Golfplatz, und ein Lunapark entfalten. Vom Vampir versprechen sich die Planer jährlich eine Million Besucher - ein Albtraum für die Kleinstadt, in der schon die derzeit 300 Touristen pro Tag in der Hochsaison Aufmerksamkeit erregen. Sorgen bereitet zudem das ökologische Gleichgewicht auf der Kahlen Breite. Dort stehen 582 mehrere hundert Jahre alte Eichen, derzeit lauschiges Ausflugsziel für Liebespaare. Wer dort bauen will, müsse das feuchte Erdreich trockenlegen, meint der aus Schäßburg stammende Münchner Bauingenieur Hermann Letz. Dies würde das Leben der Eichen verkürzen. Der Bezug Schässburgs zum Dracula-Vorbild, dem rumänischen Fürsten Vlad Tepes aus dem 15.Jahrhundert, ist äußerst vage. Fest steht nur, dass der Vater von Tepes, Fürst Vlad, in Schässburg vier Jahre im Exil zugebracht hat. Er trug den Beinamen Draculea, weil er einem Drachenorden angehörte, der sich dem Kampf gegen das Osmanische Reich verschrieben hatte. Wo genau Vlad Draculea gewohnt hatte, ist unbekannt. Das Restaurant "Dracula-Haus" wird den Touristen als seine Herberge dargestellt, obwohl es 200 Jahre nach seinem Tod von den Nachfahren der im 12.Jahrhundert eingewanderten Sachsen als Heim für mitellosen Frauen gebaut wurde. "Schässburg ist ein Schmuckstück. Wir brauchen gemäßigten Kulturtourismus. Wozu haben wir die Identifizierung mit Dracula nötig? Das ist doch eine historische Lüge", ereifert sich der Schässburger Bildhauer Helmut Fabini. Wozu Dracula? Anders als andere Länder hat Rumänien keine Identität auf der Ebene gefälliger Klischees. Denkt man an Ungarn, fallen einem Csardas, Gulasch und Tokayer ein, zu Österreich Lippizaner, Knödel und Walzer, ja sogar zum entlegenen Lappland immerhin noch ein Rentier. Rumänien hat außer Dracula kein Etikett. Allenfalls politisch Gebildete assoziieren das Land mit dem 1989 gestürzten kommunistischen Diktator Nicolae Ceausescu, der das Thema Dracula für tabu erklärte, um Parallelen zu seiner blutsaugerischen Politik auszuschalten. Jetzt also soll das Romangespenst all das wieder wettmachen, was das Land in den letzten 20Jahren in der Fremdenverkehrspolitik versäumt hat. Holprige Straßen, trostlose Hotels und zum Teil deprimierend verschmutzte Landschaft haben die Auslandstouristen vertrieben. Unterdessen fliegen die Träume des Schässburger Rathauschefs Danesan ins Märchenhafte. Befürchtungen, dass mit dem Dracula-Park die Konsumgüterpreise in seiner Stadt hochschnellen würden, hält er entgegen: "In Monte Carlo ist dies auch passiert und trotzdem geht es allen glänzend". Kathrin Lauer INFORMATIONEN Rumänisches Touristenamt, Budapester Straße 20a, 10787 Berlin, Telefon 030/2419041, Fax 24725020 oder Intertouring, Baseler Platz 3, 60329 Frankfurt, Telefon 069/295278, Fax 252983, e-mail: info@intertouring.de Also hier stelle ich mir eine riesige Anlage vor, sagen wir so sechzig Hektar. Dazu müsste man einen Golfplatz bauen, einen Lunapark und Blockhütten, damit alle schön übernachten können, und ich sauge denen dann das Geld aus den Taschen. Foto: SZ-Archiv. |
Das Herz in der Hose. dstan00020011122dxbn001jy 663 Words 23 November 2001 Der Standard German (c) 2001, Der Standard. http://www.derstandard.co.at/ |
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- Ozzy Osbourne, der frühere Sänger der britischen Heavy Metal-Legende Black Sabbath, bietet auch solo Unterhaltung für die ganze Familie. Zwischen Beelzebub, Robbie Williams und Mutter Beimer: Der Mann hat große Klasse "Unser Außenstellen-Mitarbeiter hat heute in Las Vegas mit Satan gesprochen. Dieser möchte zur Frage, ob es sich bei Ozzy Osbourne tatsächlich um den Anti-Christ handle, folgende Stellungnahme abgeben:,He is not my boy, but I love him like a son!'" Das Video zur Single Gets Me Through von Ozzy Osbourne, ausgekoppelt aus dem Album Down To Earth, hat schon etwas. Nicht nur, dass die im Alter rein äußerlich immer mehr an die schwedische Tragödin Liv Ullmann erinnernde männliche Diva des von ihm mitgeprägten Heavy Metal aus der Gründerzeit sozusagen den Bierbauch mit großer schwarzer Abend-, nein, Nachtrobe verhüllt und gestisch den sterbenden Schwan mimt. Ozzy irrt in Gets Me Through auch durch kindisch mit Theaterblut getränkte Zimmerfluchten und reißt mordgierig die kajal-umrandeten Augen auf, als gelte es, Madonna und ihr berühmtes Frozen-Video von der Salzwüste in Utah in den Gastgarten vom Wiener Stelzenbrater Schweizerhaus zu verlegen: "Ich hätte meine Schweinshaxe bitte gern englisch!" Auch textlich wird hier mit berüchtigt greinender Stimme beste Qualität in einem Genre geboten, das von seinen Anhängern im Gegensatz zu den ausführenden Künstlern mindestens doppelt so ernst genommen wird, als es nötig wäre: "I'm not the kind of person you think I am, I'm not the antichrist or the iron man, I have a vision that I just can't control, I feel I've lost my spirit and sold my soul. Got no control ..." Bitte, das hat doch nichts mit dumpfem Okkultismus zu tun. Das ist postpubertärer schlechter Geschmack, der zudem hochkomisch ist! Der bald 53-jährige Ozzy Osbourne gibt auf seinem geschätzten 13. Soloalbum nicht nur zu wenig eleganten, von der Herkunft her eindeutig aus dem Bluesrock kommenden Gitarrenriffs des nach persönlichen "Problemen" wieder zu Ozzy zurückgekehrten Zakk Wylde wieder den Robbie Williams (oder die Mutter Beimer) des harten Mannes. Immerhin kann man hier schon seit dem selbstbetitelten Banddebüt Black Sabbath aus 1970 und nachfolgenden Arbeiten wie Paranoid, Masters Of Reality, Sabbath Bloody Sabbath oder Sabotage, allesamt stilprägende Klassiker des Metal, trotz aller sinistren und der "Welt südlich des Himmels" zugewandter Posen vor allem seit seinem musikalischen Alleingang ab 1980 eine gewisse Neigung bei Ozzy Osbourne nicht übersehen: Der Mann sieht sich weniger als Hohepriester für junge Menschen, die ihre Eltern ein wenig mit gotteslästerlichem Treiben ärgern wollen. Er sieht sich vor allem als humoriger Entertainer. Dazu gehören dann auch Ausrutscher wie jener berühmte, als Ozzy im Drogennebel einst während eines Konzerts einer lebenden Fledermaus den Kopf abbiss, weil er diese für ein Gummispielzeug hielt. Wahr oder falsch, egal. Auf die gute Geschichte kommt es an. Wahr ist jedenfalls eines: 1992 gastierte Ozzy Osbourne auf March Or Die, dem Album der befreundeten britischen Band Motörhead mit der augenzwinkernden Ballade I Ain't No Nice Guy After All. Ein wenig Kintopp-Satanismus für die Eltern - und dann auch noch die jugendliche Stammkundschaft erschrecken: Bei weichgespülten Jammerlappen-Balladen gefriert noch dem härtesten Metal-Fan das Herz in der Hose. Diesbezüglich leistet sich Ozzy nach seiner großen Vergangenheit bei Black Sabbath und legendären, im Alleingang veröffentlichten Arbeiten wie Blizzard Of Ozz, Diary Of A Madman, Tribute oder Ten Commandments trotz aller nicht nur selbstauferlegter künstlerischer Limitationen, wie einer ungefähr nur eine Viertel Oktave umfassenden Stimme oder gewisser Kapazitätsgrenzen im Tempobereich, heute neben dem üblichen Hau-drauf-und-Schluss gleich mehrere balladeske Genickwatschen gegen alle Mopedrocker dieser Welt: Dreamer, You Know oder Running Out of Time. Hier sülzt eine im Gewerbe hochgradig verbotene Orgel - und Ozzy Osbourne gibt - man kann es kaum fassen - den Brian Wilson für Kuttenträger. Die Beach Boys entdecken Allerseelen. Dagegen nehmen sich Schüler des Metal-Übervaters wie Marilyn Manson wie Chorknaben aus. Am härtesten ist es, weich zu sein. Auch in der Birne.Christian Schachinger Ozzy Osbourne - Down To Earth (Sony). |
Alarm! Harry ante portas! sddz000020011121dxbl002ml 348 Words 21 November 2001 Süddeutsche Zeitung 15 German (c) 2001 Süddeutsche Zeitung |
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München - Jegliche Veröffentlichung exklusiv über http://www.diz-muenchen.de/ Das ist eine alte Geschichte, mit dem Klartext und den Gleichnissen, und es sind vielfältige, überaus komplexe Beziehungen, die zwischen den beiden bestehen. "Warum redest du zu ihnen durch Gleichnisse?" haben schon die Jünger den Herrn gefragt, und in dessen Antwort wurde auf die Vorhersage von Jesaja Bezug genommen: "Mit den Ohren werdet ihr hören, und werdet es nicht verstehen; und mit sehenden Augen werdet ihr sehen, und werdet es nicht vernehmen." |
An die Stelle der Gleichnisse ist seit langem das Kino getreten, und für den Klartext sorgen nicht mehr die Propheten, sondern umtriebige Volksvertreter, zum Beispiel CSU-Bundestagsabgeordnete. Einer von ihnen, Benno Zierer, hat das Sehen und Verstehen erneut zum Thema gemacht. Keine Potter-Premiere bei uns, fordert er: "Für 6-Jährige ist so viel Okkultismus gefährlich. Sie sind religiös nicht gefestigt und glauben alles, was sie sehen. " Last minute's rescue heißt ein solches Unternehmen in der Filmdramaturgie - ohne Benno Zierer und sein "Apage, Potter" würde doch tatsächlich am Donnerstag der Zauberlehrling auf tausend deutschen Leinwänden in Erscheinung treten. Mit dem Okkultismus-Vorwurf - man beachte das S auf Harrys Stirn - machen im übrigen seit Jahren Amerikas Fundamental-Christen mobil gegen die Potter-Bücher, und sie zitieren dabei gern die obige Passage, Matthäus 13. Durch den Potter-Hokuspokus, heißt es, werden die Kids okkultistisch aufgegeilt und im Satanismus unterwiesen, und sie verlieren völlig die Fähigkeit, das Böse zu erkennen am Tag der Apokalypse. Ein Apocalypse now könnte Benno Zierers Aktion für uns bedeuten. Am besten, meint er, "wäre es den Film nicht zu zeigen, bis wir wissen, welche Auswirkungen er in anderen Ländern hat". Dem Mann stecken die Erfahrungen mit BSE und MKS in den Knochen, und Visionen spuken ihm im Hinterkopf herum, in denen Männer in grünen Schutzanzügen das gefährliche Pottermaterial in den Vorführkabinen entsorgen! Es klingt absurd, aber wir sehen durchaus und hören, was Zierer wohl nicht gemeint, aber gesagt hat. Im Klartext also: das Kino ist und bleibt unser liebstes Zersetzungs-und Infektionsmedium. göt. |
Okkultismus - Satanische Vorlesung. facts00020011119dxbf00064 Von Stephanie Riedi. 1087 Words 15 November 2001 FACTS 46 German (c) 2001 FACTS, TA-Media AG Homepage Address: http://www.facts.ch |
Veranstaltung - Okkultisten verzeichnen einen immer grösseren Zulauf. Die Theologische Fakultät in Zürich gibt ihnen eine Plattform. Der Flirt mit dem Finsteren geschieht am helllichten Tag an der Theologischen Fakultät der Universität Zürich. Fra Satorius ist Gast des Hauses. Schwarz gewandet tritt der Prior des «Schwartzen Ordens von Lucifer» vor rund 60 Studenten: Willkommen im Namen des Teufels. |
Satorius ist Satanist. Vergangenen Donnerstag referierte der ehemalige Katholik aus Luzern über den Fürsten der Finsternis. Satorius eröffnete damit eine Seminarreihe, die der Religionswissenschaftler und Sektenkenner Georg Schmid organisiert hat. Thema: Okkultismus. Die ungewöhnliche Veranstaltungsserie birgt Zündstoff. Man bietet Exponenten von umstrittenen Organisationen eine Plattform. Die Uni Zürich weiss im Voraus nicht genau, was ihren Theologie-Studenten geboten wird. Für Schmid hingegen sind die Seminare mit Gastreferenten wie Satanisten, Hexen, helvetischen Kelten und Okkultisten eine Form der Aufklärung. «Das Dunkle, Geheimnisvolle, Verborgene fasziniert mehr denn je», sagt er. Es gelte abzuwägen, inwiefern etwas begreiflich sei und wo die dunklen Kräfte in den Wahnsinn führen. «Das Erkennen und Studieren dämonischer Schatten ist die moderne Form von Exorzismus», begründet Schmid sein Projekt. Grabschändungen, schwarze Magie, aggressive Black-Death-Metal-Musik und der massenweise Auftritt von Okkultisten jeder Couleur im Internet sind Auswüchse einer Bewegung, die, sagt Schmid, «dramatische Ausmasse» angenommen hat. Sektenexperten meinen, dass rund 80 Prozent der Jugendlichen über okkulte Praktiken informiert seien. Hunderte, vielleicht Tausende huldigen Luzifer in der Schweiz. Die Zahl der Satanisten weltweit soll über zehn Millionen betragen. Schmid hat die Crème de la Crème der okkulten Szene eingeladen. Einer, der sich in der Schattenwelt der Psyche auskennt und kurz vor Weihnachten gemeinsam mit der Hexe Lussia an der Theologischen Fakultät in Zürich gastieren wird, ist Carl-Friedrich Frey alias Akron. Als Autor geriet der selbst ernannte Magier und Leiter des Templum Baphomae in Sankt Gallen vor drei Jahren in die Schlagzeilen. Man warf ihm vor, einen fanatischen Satanisten durch das Buch «Baphomet», illustriert mit Bildern von H. R. Giger, zum Mord an der 55-jährigen Magda Böhler in Balgach inspiriert zu haben. Eine Anschuldigung, die selbst vom Sektenexperten Hugo Stamm als «absurd» bezeichnet wurde. Dennoch sitzt der Schreck dem Mittfünfziger Akron heute noch in den Knochen. «Ich bin kein Satanist», sagt Akron spontan. Obschon er in der gleichen Lehrreihe auftritt, will er nicht mit dem «zwar sensiblen, aber devoten und fundamentalistischen» Satorius in Zusammenhang gebracht werden. Auf den ersten Blick haftet Satorius mit dem massiven Silberschmuck, der den Bockskopf im umgekehrten Pentagramm zeigt - das Zeichen des Satanismus - nichts Diabolisches an. Seit 20 Jahren befasst er sich mit Okkultismus, gehörte der Church of Satan an, bis er in der Walpurgisnacht 1999 den «Schwartzen Orden von Lucifer» gründete, der heute rund 50 Mitglieder zählt. Von Schmid wegen seiner Medienpräsenz als «Uriello» bezeichnet, bekräftigt Satorius in der Öffentlichkeit gerne, den edlen, gediegenen Luziferdienst vor «perversen Drecksatanisten» schützen zu wollen. Sexualmagie und Blutopfer gibts bei den «Schwartzen» nicht. Der moderne Satanismus ist heterogen. In der Softversion tangiert er die Grufti-und Gothic-Szene. Beim harten Kern, der den Pakt mit dem Teufel schliesst, sind oft Rebellion und Frustration das Motiv. «Solche Cliquen wollen keiner grösseren Organisation angehören», sagt Schmid. Was gegen die Moral verstosse und Angst erzeuge, fasziniere. Etwa Katzen kreuzigen oder Friedhöfe verwüsten. Satorius' Wegbereiter waren die Satanisten Aleister Crowley und Anton Szandor La Vey, der in Roman Polanskis Film «Rosmary's Baby» von 1968 den Teufel mimte und in San Francisco die Church of Satan gründete. Heute nennt Satorius als geistigen Mentor Karl Maria Wiligut, Neugermane, Runenexperte, Freund Himmlers, SS-Gruppenführer. «Luzifer, gewähre mir den Aufstieg zur menschlichen Bestie», ruft Satorius in einem Video, das in Tele Züri zu sehen war und das er nun den Theologie-Studenten präsentiert. Der Kurzfilm zeigt ein Ritual, das nächtens auf einer Ruine bei Luzern stattfand: Satorius ist umringt von Jüngern, die als Ritter bekleidet sind. Die einen tragen Fackeln, die anderen Schwerter, und einer hält die Schweizer Fahne hoch. Die Beschwörung dauert acht Minuten. Danach ist klar: Die «Schwartzen» verbreiten jetzt braunes Gedankengut. Im Seminarraum wird es nach der Videovorführung unruhig. «Ihr bedient euch der Nazi-Symbolik», wirft der Satanismus-Kenner und - Kritiker Peter Robert Koenig ein. Ein Mitstreiter doppelt nach, warum denn keine Behinderten in den Orden aufgenommen würden. «Wir sind rechtskonservativ», kontert Satorius, mittlerweile nicht mehr scheu, sondern schrill. In der Schweiz gebe es zu viele Linke und Humanisten. «Behinderte haben keinen Platz in unserem Orden. In der freien Natur würden sie auch nicht überleben.» Der «Schwartze Orden von Lucifer» bediene sich des religiösen Zirkus, um den Rassismus, Antisemitismus und das Neonazi-Gedankengut zu kaschieren, sagt Koenig. «Sie projizieren bloss ihre Aggressionen.» Peter Robert Koenig ist Autor zahlreicher Sachbücher, die sich mit dem «Ordo Templi Orientis» (OTO) befassen, dem Crowley bis zu seinem Tod 1947 vorstand und von dem es auch Ableger in der Schweiz gibt, die jedoch heute als harmlos gelten. «Im appenzellischen Stein treffen sich Sinnsuchende, die Schriften von Crowley und Freimaurern lesen, um herauszufinden, wer sie wirklich sind», sagt Koenig. Als weltweit bester Experte der Materie wird er in Schmids Lehrreihe am 6. Dezember an der Theologischen Fakultät über OTO referieren. «Ich finde es bedenklich», sagt er über Satorius' Auftritt, «dass den Neonazis ein akademisches Podium geboten wird, ohne sie in einen Zusammenhang zu stellen.» Schmid reagiert auf den Vorwurf gelassen. «Satorius hat zwar einen Rechtsdrall», dessen Religion erachte er aber als pantheistisch, ganzheitlich. Der Deckmantel Satanismus gebe Satorius die Möglichkeit, mit seinen Aggressionen umzugehen. Je kruder eine Bewegung sei, desto tiefer müssten wir uns damit auseinander setzen. «Extremisten führen sich letztlich selbst ad absurdum.» «Luzifer, gewähre mir den Aufstieg zur menschlichen Bestie.» Satorius, Satanist «Ich finde es bedenklich, dass Neonazis ein Podium geboten wird.» Peter Robert Koenig, Satanismus-Kritiker Schwarze Seele: Der Satanist Satorius verbreitet braunes Gedankengut. Religionsfreiheit Exorzismus durch Bildung? In der Schweiz herrscht Religionsfreiheit. Solange Satanisten die Gesetze einhalten, dürfen sie dem Bösen huldigen. Die Anziehungskraft, die Satanismus seit den Achtzigerjahren ausübt, nimmt mitunter dramatische Formen an. Joachim Müller, katholischer Pfarrer und Leiter der Arbeitsstelle «Neue religiöse Bewegungen» der Schweizer Bischofskonferenz, stellt fest, «dass es eine deutliche Zunahme einer Szene gibt, die sich im kriminellen Bereich bewegt». Es besteht Handlungsbedarf. In den Schulen und Medien müsste Aufklärungsarbeit geleistet werden. Das ist bis heute nicht der Fall. Eine Broschüre der Evangelischen Informationsstelle stellt lediglich fest: «Eine Soapopera um einen Totengräber wird es nie geben, aber im Unterricht, insbesondere im kirchlichen, kann der Umgang mit Sterben, Tod und Friedhof eingeübt werden.» Sekteninformationen im Netz http://www.relinfo.ch/http://www.kath.ch/infosekten Magier: Akron und Hexe Lussia distanzieren sich vom Satanismus. |
BUNDESSTELLE FÜR SEKTENFRAGEN LEGT ERSTEN JAHRESBERICHT VOR. aupag00020011112dxbc007aa 376 Words 12 November 2001 10:39 GMT Austria Presse Agentur-OTS German OTS - "ORIGINAL TEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS" |
1999 betrafen die meisten Anfragen Scientology Wien (PK) - Auf der Tagesordnung des Familienausschusses am Dienstag, 13. November, steht u.a. der erste von der Bundesstelle für Sektenfragen (bereits im Vorjahr) vorgelegte Jahresbericht (III-77 d.B.). Die 1998 per Gesetz als Anstalt öffentlichen Rechts eingerichtete und von Bundesminister Martin Bartenstein öffentlich präsentierte Stelle nahm im Herbst 1998 ihre Tätigkeit auf; der vorliegende Bericht bezieht sich auf das Jahr 1999. |
Naturgemäß standen in den ersten Monaten Dinge im Zentrum, die mit dem Aufbau der Stelle zusammen hängen. Der Bericht nennt bauliche Adaptierungen, Möbelkauf, Personalrekrutierung (Ende 1999 waren sechs Personen mit insgesamt 160 Wochenstunden in der Einrichtung tätig), Anschaffung bzw. Anmietung von Faxgeräten, Kopierern, PC etc. "Von Beginn an war eine intensive theoretische und praktische Schulung der MitarbeiterInnen erforderlich", heißt es in dem Bericht. "Letztere erfolgte nach dem System 'training on the job'." Im Team der Stelle sind die Fächer Psychologie, Psychotherapie, Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Evangelische Fachtheologie, katholische Religionspädagogik, Erwachsenenbildung, Bildungsmanagement und Organisationsmanagement vertreten. Im Berichtsjahr (1999) wurden bei der Stelle 3.332 Kontakte mit fachspezifischen Anfragen verzeichnet. Knapp drei Viertel der Kontakte erfolgten über Telefon, gut 16 % brieflich bzw. über Fax oder e-Mail, gut 10 % persönlich. Am häufigsten wurde die Bundesstelle von einschlägigen Fachstellen kontaktiert. "Es scheint, als habe sich die Bundesstelle in der Fachwelt etablieren und als fachlich fundierte Ansprechpartnerin profilieren können", heißt es dazu im Bericht. Zu 224 unterschiedlichen Gruppierungen wurden 819 Einzelanfragen registriert. Deutlich an der Spitze lag dabei im Jahr 1999 Scientology mit 147 Anfragen. 22 Anfragen gab es zu "Amway", einem "klassischen Vertreter von Multi-Level-Marketing-Systemen", ebenso viele im Zusammenhang mit Satanismus. Von der Nachfrageseite her gab es besonderes Interesse bei SchülerInnen, StudentInnen, LehrerInnen, große Nachfrage gab es aber auch bei Medien. Auch hier stellt der Bericht fest: "Es scheint, als wäre die Bundesstelle als kompetente und seriöse Informationsquelle wahrgenommen worden." Der Information diente auch die Herausgabe der Broschüre "Sekten - Wissen schützt!" Sechs Falldokumentationen runden den Bericht ab. (Schluss) Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640 e-Mail: pk@parlament.gv.at, Internet: http://www.parlament.gv.at *** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS *** OTS093 2001-11-12/11:35. |
Grabschänder erneut in Haft. tanz000020010903dx91000cl 332 Words 01 September 2001 Tages Anzeiger German (c) 2001 Tages Anzeiger Homepage Address: http://www.tages-anzeiger.ch |
Die Luzerner Polizei hat mehrere Vandalen-akte auf Kirchen und Gräber in der Innerschweiz geklärt. Luzern. - Ende Juli sorgten sechs junge Grabschänder in Luzern für Aufruhr, als sie auf dem Friedhof Friedental über 80 Gräber verwüsteten und mit Totenasche ein Pentagramm auf den Boden zeichneten. Nun sind zwei der damaligen Täter, ein 21-jähriger Schweizer und eine 24-jährige Schweizerin, erneut in Haft. Die beiden haben, zusammen mit anderen jungen Schweizern im Alter zwischen 19 und 22 Jahren weitere Vandalenakte auf kirchliche Einrichtungen verübt, wie die Luzerner Kantonspolizei am Freitag mitteilte. |
Insgesamt konnten den Frevlern vier Sachbeschädigungen im Zeitraum zwischen Herbst 1999 und Sommer 2000 zugeordnet werden: In Schongau LU wurden fünf Kreuze von Grabsteinen gerissen und vier weitere Gräber beschädigt. Bei der Kirche in Lungern OW zündeten die Täter das Hauptportal der Kirche an und stiessen drei Grabsteine um. Im luzernischen Schwarzenbach wurde im Sommer 2000 ein Wegkreuz beschädigt und in Alberswil LU bei der Kapelle St. Blasius ein Christuskorpus von einem Kreuz gerissen und auf die Treppe geworfen. Im Anschluss an diese Tat wurde der Altar angezündet. Der 21-jährige Mann, der sich auch an den Schändungen in Friedental beteiligte, war bei allen Vandalenakten dabei. Der Schaden beläuft sich auf gegen eine Viertelmillion Franken, wie Polizeisprecher Franz Baumeler am Freitag auf Anfrage präzisierte. Kein Satanismus Die zur Black-Metal-Szene gehörenden Täter wollten mit ihren Schändungen ein Zeichen setzen, dass es nicht nur das Christentum gebe. Zudem ahmten sie in Skandinavien begangene Taten nach. Sie standen nach eigenen Angaben jeweils unter Alkoholeinfluss. Hinweise, dass die Täter einer satanistischen Gruppe angehörten, gibt es laut Baumeler nicht. Auch Rechtsradikalismus wird als Motiv ausgeschlossen, auch wenn die Kapelle St. Blasius in der Nacht auf Hitlers Geburtstag in Brand gesteckt worden war. Welche Strafe die Täter zu gewärtigen haben, ist noch unbekannt. Sicher müssen sie mit einer Busse, allenfalls gar mit Gefängnis rechnen. Bei einem grossen Schaden oder im Wiederholungsfall sind sogar Zuchthausstrafen bis fünf Jahre möglich. (SDA/AP/ras.). |
Mike hatte Pläne. berlrz0020010831dx8v000bp Von Wolfgang Kohrt. 1506 Words 31 August 2001 Berliner Zeitung German (c) 2001 Berliner Zeitung |
Drei Jugendliche springen von einer Brücke in den Tod. Und nicht nur ihre Freunde suchen nach Erklärungen. REICHENBACH, im August. Die Frau kam im geblümten Kleid und lächelte. Sie sah aus wie eine freundliche Rentnerin. Ihr Mann trug ein Hawaii-Hemd, kurze Jeans und weiße Socken in den Sandalen. Sie waren nur kurz herübergekommen zur Göltzschtalbrücke. Sie wollten schauen, ob es nicht was zu sehen gibt. So sah es aus. |
Die Frau und der Mann blickten nach oben und dann zu dem Platz, an dem die Blumen lagen. An dieser Stelle waren in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag die drei Jugendlichen Michael M., vierzehn, Mike K., siebzehn, und René B., achtzehn, aus 78 Meter Höhe aufgeschlagen. Sie hatten sich aneinander gefesselt und von der Brücke im Vogtland gestürzt. Nein, sagte der Mann der Frau, die lächelte, seinen Namen wolle er nicht nennen. Der täte hier nichts zur Sache. Er hob den Kopf und prüfte noch einmal die Höhe. "Sollen sie springen", sagt er laut in die Runde, "die hätten das sowieso immer wieder versucht." Auch er hatte die Schlagzeile in einer Zeitung aus der Gegend gelesen: "Sie opferten sich Satan." "Wenn die wirklich Satanisten oder so was waren, dann sollen die springen. Solche Leute brauchen wir hier nicht." Seine Frau lächelte. "Ja", sagte sie freundlich, "lasst sie springen." Ihr Mann überlegte. Konnte man das wirklich so sagen? "Klar", schob er hinterher, "es kann vielleicht auch andere Hintergründe geben. Aber Satanisten?!" "Komm', wir gehen nach Hause Kaffee trinken", sagte die Frau zu ihrem Mann und lächelte. Dann gingen sie davon. "Er war nur HipHoper" Drei Meter weiter standen die Jugendlichen aus Reichenbach, vielleicht zwanzig. Viele Jungs in sackartigen HipHoper-Jeans, viele Mädchen in überlangen Schlaghosen, deren Saum im Dreck schleifte. Die Mädchen weinten an der Brücke und umarmten sich. Die Jungs gingen mit herunterfallenden Blicken umher. Drei ihrer Freunde hatten sich umgebracht. Reichenbacher Schüler kamen mit neuen Blumen oder ordneten die, die schon seit Sonntag unter der Brücke lagen. Manchmal fuhren Jungs und Mädchen mit ein paar Autos weg, später kamen sie wieder. "Ich versteh' das nicht, Micha war der Liebling der Schule", sagte ein großes, schlankes Mädchen, "dem ging's gut, er und Mike waren HipHoper, nur René ging in Schwarz, der hat sich ja vorher noch die Haare abgeschnitten und schwarz gefärbt. Micha hat das nicht freiwillig getan, aber der hing so eng mit René zusammen, und wenn nur der hier gelegen hätte, wäre Micha auch noch allein hinterhergesprungen." Das Mädchen sprach wie in Trance. Ging von einer Gruppe zur anderen. Weinte an der Schulter einer Freundin. Nach einer Weile erzählte sie das Gleiche. "Dem Micha ging's gut, der hatte nur Einsen und Zweien in der Schule, er war nur HipHoper." Es war Nachmittag. Noch einmal hielt ein Touristenbus. An der Göltzschtalbrücke war mehr Betrieb als sonst in einem Monat. Eine Mutter hatte ihre beiden Kinder gebracht, damit sie mit ihren Freunden trauern konnten. Sie wartete ein wenig abseits, um sie anschließend wieder mit nach Hause zu nehmen. Jeder wusste, dass sich am Montag noch ein Jugendlicher von der Brücke stürzen wollte. Ein Kamerateam versuchte, Bilder von den trauernden Schülern zu drehen. Ein etwa vierzehnjähriges Mädchen hob Steine auf und warf sie nach den Journalisten. Dieter Kießling stand am Rathaus. Das Fernsehen warf seine Kameras an, und er sollte erklären, was nicht zu erklären war. Er sah korpulent aus und hatte das Resthaar von einer Seite des Kopfes auf die andere gekämmt. Die Ärmel seines karierten Jacketts reichten fast bis an die Fingerspitzen. Kießling hatte die letzten Tage gedacht, dass er es hätte besser treffen können. Am 1. August 2001 war er zum Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Reichenbach gewählt worden. Danach hatte er dreieinhalb Wochen Zeit, die Normalität zu verwalten. Am 26. Tag aber konnte er seinen Terminkalender in die Tonne schmeißen, weil am Sonntag alles anders geworden war. Die Sekretärin hatte gefragt, ob man beim Bürgermeister angemeldet sei. Aber der Bürgermeister war schon aus seinem Zimmer gekommen und hatte gesagt, kommen sie nachher wieder, jetzt ist noch die Kriminalpolizei da. Dieter Kießling sprach dann ruhig. Draußen ging ein Regen nieder. Reichenbach sei eine Stadt wie jede andere, sagte er. Fünfzehn Prozent Arbeitslosigkeit. Die Leute zögen weg. "Aber nicht zu viele. Nicht mehr als anderswo." Sie hätten eine Diskothek in Reichenbach, zwei städtische Jugendklubs, von Satan sei in der Stadt nichts bekannt, nicht einmal von Drogen an den Schulen. "Gerade die Jugendbeauftragte setzte sich sehr engagiert für die Belange der Jugend ein." Dann schwieg der Mann in dem großen Jackett. Vielleicht dachte er wieder an das Image. Er hatte seit Sonntag an das Image der Stadt gedacht. Das Beispiel Sebnitz hatte ihm vor Augen gestanden. "Ich würde vor der Meinung warnen, in Reichenbach gäbe es mehr solche Sekten als anderswo." Er meinte, dass es eigentlich gar keine gibt. Die Polizei hatte einen satanistischen Hintergrund bei den drei Jugendlichen nicht ausgeschlossen. "Ich wehre mich dagegen", sagte der Bürgermeister, "weil es überhaupt keine Anzeichen dafür gibt." Die Weinhold-Schule war verschlossen, obwohl in den Klassen unterrichtet wurde. Michael M. war hier zur Schule gegangen, und in früheren Jahren auch die beiden anderen. Nach dem Klingelton öffnete der Hausmeister die Tür einen Spalt. Die Sekretärin des Direktors ging im Hintergrund vorbei und sagte, dass Herr Förster nicht zu sprechen sei. "Sie müssen sich", sagte sie, "an das Schulamt in Zwickau wenden." Der Schulrat in Zwickau hatte dann später gemeint, dass er dem Direktor Gespräche mit der Presse nicht verboten hätte. Herr Förster wollte nicht. Möglicherweise konnte er auch nicht. Es ging um einen seiner Schüler, Michael M. aus der neunten Klasse. Wahrscheinlich brauchte er keine Journalisten für die Frage, ob es vorher keine Anzeichen gegeben hatte. Wenn jemand Türen abschließt, könnte es sein, dass er sich schützen will. Der Hausmeister war freundlich. Er hätte es lieber gesehen, wenn der Direktor erschienen wäre. So sagte er noch ein paar Sätze, in der einen Spalt breit geöffneten Tür. "Ich kenne doch die Schüler, die wollen cool sein und sonst gar nichts. Die Lehrer kommen an die Jugendlichen gar nicht mehr heran, und das wissen sie auch genau. Jetzt gibt es drei Tote und vielleicht ein schlechtes Gewissen hier in der Schule." So meinte der Hausmeister. Er glaubte nicht, dass die Lehrer das Unglück hätten verhindern können, nur offener sollte man damit umgehen. Der Schulrat in Zwickau hatte gefragt, was das für ein Bild gäbe, wenn der Direktor Förster sich verbarrikadiert. Einen Tag nach dem Selbstmord veröffentlichte die örtliche "Freie Presse" die ersten Ergebnisse einer Untersuchung. Die Frage hatte gelautet: "Wie gut lebt es sich im Vogtland?" Reichenbach war auf den vierten Platz von 42 Kommunen gekommen, zwei Punkte unter der Höchstpunktzahl. Es war kein glückliches Zusammentreffen. Der Bundesgrenzschutz bewachte die Göltzschtalbrücke rund um die Uhr. Zwei Tage lang saß ein etwa achtzehn Jahre alter Jugendlicher neben der Unglücksstelle auf einer Bank und schwieg. Ein Mann von der "Partei bibeltreuer Christen" stand an der Brücke, mit einem Plakat auf dem Rücken. "Pfründe, auch Abgründe", hatte er notiert. Und: "Wirtschaftliche Absicherung der Kinder und Jugendlichen?!" Eine Mutter zeigte ein Foto von ihrem Sohn und Michael M. herum. Sie waren in eine Klasse gegangen. Auf dem "Assi" an der Karl-Liebknecht-Straße herrschte Ballruhe. Der zwanzigjährige Christoph* hatte das Spiel gegen die Glatzen abgesagt. Für Fußballtraining war es auch nicht die richtige Zeit. "Die würden alle vor Frust doch nur aufs Tor ballern." Der "Assi" ist ein heruntergekommener kleiner Sportplatz mit Wippen und Schaukeln für die Kinder und Jugendlichen des Stadtviertels. Hier spielten auch Michael, Mike und René. Ihre Freunde standen an den Abenden in Gruppen herum und diskutierten. Sie stocherten mit den Fußspitzen im Sand. Einer spuckte immer. Niemand hatte eine Erklärung, weil es niemals Anzeichen gegeben hatte. "Bei Micha und Mike kann ich mir das überhaupt nicht erklären", sagte Martin*, "die waren doch nicht dumm." "Aber René ist immer in Schwarz rumgerannt und hat Zeitschriften über Satanismus gesammelt", sagte Jenny*. Sie war mal mit Mike zusammen. "Die waren am Samstag noch bis abends hier auf dem Platz", sagte Alex*. Er ist dreizehn und nennt seine Freunde "Kollegen". Geld verdienen, Familie gründen Jeder wusste etwas, aber manchmal wusste jeder auch etwas besser. René sei an dem Abend schwarz angezogen gewesen. Alle seien schwarz angezogen gewesen. Die Polizei hätte vier Abschiedsbriefe in der gleichen Handschrift gefunden. Alex sagte, er hätte der Vierte sein sollen, weil die drei am Samstagabend eine Stunde vor seiner Tür gewartet hätten. Niemand glaubte, dass Michael und Mike freiwillig gesprungen sind. Michael war überall beliebt und hatte gute Zensuren. An der Brücke hatte ein Mädchen gesagt, dass er seit Sonnabendnachmittag eine Freundin gehabt habe. Mike war im Berufsvorbereitungsjahr. Er hatte wegen eines Einbruchs im Lebensmittelmarkt vor Gericht gestanden. Aber das lag hinter ihm. Seine Mutter hatte den Freunden auf dem "Assi" erzählt, dass er sich in letzter Zeit auf alles gefreut habe. Er wollte eine Lehre machen, dann drei Jahre beim Bund Geld verdienen und eine Familie gründen. Mike hatte Pläne. Sie waren groß, aber die Göltzschtalbrücke war höher. *Namen geändert. |
An das Böse glauben - Jugendliche im Banne des Satanismus. diep000020010830dx8u0005v Von BERNHARD BAUMGARTNER. 630 Words 30 August 2001 Die Presse German (c) Die Presse 2001 www.diepresse.at. |
Österreichische Sektenbeauftragte warnen: "Der Satanismus ist im Kommen." Was als pubertäre Mutprobe beginnt, kann gefährlich enden. |
Unglaublich, wie finster Wien doch sein kann. Trotz der Straßenbeleuchtung. 21.30 Uhr war als Treffpunkt ausgemacht. Vor dem "Tor eins" des Zentralfriedhofs in Wien-Simmering. Ein passender Ort, denn eine Aussteigerin will über ihre Erfahrungen reden. Erfahrungen von damals, als sie noch an Satan geglaubt hat. Celina (Name der Redaktion bekannt) ist pünktlich. Sie trägt pechschwarze Kleidung. Schwarz gefärbte Haare, Piercings. Mit 16 ist sie hineingeraten in die Szene, erzählt sie. "Eigentlich geht es um Macht. Macht über andere, Macht über sich selbst", sagt sie. Macht, die er ihr verleihen kann. Zumindest hat sie das früher geglaubt. Glaubt man den Sektenexperten, ist Celina kein Einzelfall: der Satanismus ist im Kommen. "Der Trend hat sich in den vergangenen Jahren explosionsartig verstärkt", meint Andreas Girzikovsky von der Sektenstelle der Diözese Linz. "Mein Vorgänger hat in 25 Jahren nur eine Anfrage wegen Teufelsanbetern gehabt. Ich habe jetzt mehrere pro Woche." Zwei Prozent der Jugendlichen, so belegt eine deutsche Studie, haben schon einmal Kontakt mit Satanismus gehabt. 80 Prozent davon sind männlich. Auch bei der niederösterreichischen Landesstelle für Sektenfragen kann man sich vor Anfragen kaum retten. "Das ist modern", resümiert Bettina Pröglhöf. 30 Prozent der Jugendlichen haben in ihrem Leben schon "okkulte Erfahrungen" gemacht, vom Tischerlrücken bis zur schwarzen Messe. "Vor allem besorgte Eltern rufen an, wenn sie bei ihren Kindern eigenartige Symbole oder Kleidung bemerken." "Dreimal die Sechs, das umgekehrte Pentagramm oder ein verkehrtes Kreuz." Celina kennt die Erkennungsmerkmale noch gut. "Aber man darf das nicht mißverstehen: Viele tragen das einfach als Schmuck, ohne daß sie Gläubige sind", sagt Celina. In dieselbe Kerbe stößt der Sektenexperte Girzikowsky: "Viele tragen die Symbole nur, um ihre Proteststimmung auszudrücken." Das sei an sich harmlos. Gefährlich werde es nur, so Girzikowsky, wenn die Jugendlichen beginnen, den Kult ernsthaft zu betreiben. "Wenn der Jugendliche wirklich an das Böse glaubt, wird es gefährlich." Die Folgen: Psychischer Druck, Selbstverstümmelungen von eingeritzten Symbolen bis zu handfesten Verletzungen, Ablösung von der Familie und Freunden, eine abgebrochene Ausbildung, sexuelle Störungen. Girzikowsky warnt auch vor einem regelrechten Wahn: "Die Rituale müssen sich immer steigern, das ist wie Drogensucht." Genügen anfangs noch schwarze Messen mit ein paar Tropfen Blut, müssen es später schon Tieropfer sein. "Hamster, Katzen oder Hühner werden bei Ritualen geopfert", weiß auch Celina. "Als besondere Mutprobe gilt es, Blut zu trinken." Auch Menschenopfer soll es geben. Woanders. "Bei uns hab' ich von so etwas aber nichts gehört", versichert Celina. Rituelle Tötungen In den USA oder Nordeuropa haben schon des öfteren rituelle Tötungen für Aufsehen gesorgt. Girzikowsky berichtet von einem Fall aus Finnland: "Dort haben vier Jugendliche einen fünften aus ihrer Kultgruppe getötet und Teile seines Körpers gegessen." Die vier wanderten in die Psychiatrie. Auch Grabschändungen gehen zum Teil auf das Konto der Satanisten. "Manchmal werden Knochen ausgegraben, um sie ins Regal zu stellen", sagt Celina. Man zeige damit, keinen Respekt vor dem Tod zu haben. Doch auch hier ist nicht jedes Delikt automatisch ein Zeichen für Satanismus: "Mindestens drei Viertel davon sind Kinderstreiche und Mutproben." Und warum boomt der Satanskult? "Die Ideologie paßt halt sehr gut zu unserem gesellschaftlichen Leitbild", meint Girzikovsky. Die eigenen Ziele durchzubringen, ohne Rücksicht auf andere, sei eben modern. Schlechte wirtschaftliche Perspektiven tragen das Ihre bei. Aber auch höchst irdische Faktoren kommen hinzu: "Das hängt aber auch mit dem Trend zu mystischen Fernsehsendungen wie Akte X zusammen", meint der Experte. An ihre erste schwarze Messe erinnert sich Celina noch gut: Schwarze und rote Kerzen, ein verkehrtes Kreuz, "tote" (verwelkte) Rosen, ein verhüllter Priester. Lateinische Formeln, Rotwein, Satan wird herbeigerufen. Tieropfer war keines dabei. Dennoch: Ein einschneidendes Erlebnis für das junge Mädchen. "Ich habe noch Wochen danach schlechte Träume gehabt." |
Aktuelles Lexikon. sddz000020010828dx8s000bh 200 Words 28 August 2001 Süddeutsche Zeitung 2 German (c) 2001 Süddeutsche Zeitung |
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Der gemeinsame Selbstmord von drei Jugendlichen, die von einer Eisenbahnbrücke im sächsischen Vogtland gesprungen sind, hatte nach Ansicht der Ermittler Satanismus als Hintergrund. Solche Selbstmorde, aber auch Morde und Friedhofsschändungen durch so genannte Satanisten, sind relativ selten und werden in polizeilichen Statistiken nicht gesondert erfasst. Die evangelische Kirche nimmt an, dass es bundesweit zwischen 3000 und 7000 Satanisten gibt. Sie unterscheidet eine Minderheit hierarchisch organisierter "Orden" von losen Gruppen Jugendlicher und Einzelgängern. Die Satanisten hängen heute einer Vielzahl unterschiedlicher Kulte an - einige der Hardrock-Variante Death Metal oder der eher harmlosen Modebewegung Gothic, die den schwarzen Kleidungsstil der Teufelsanbeter imitiert. Zurück geht der moderne Satanismus, wie ihn etwa Roman Polanski im Film "Rosemary-s Baby" darstellte, auf den Briten Aleister Crowley (1875-1947), dem 1904 in einem Hotelzimmer in Kairo der Geist Aiwaz erschienen sein soll, der ihm das "Buch des Gesetzes" diktierte. Crowley vermischte anti-moralische Thesen mit fernöstlicher Mystik. Auf seine Ideen beriefen sich später Nazis, die in der okkulten Thule-Gesellschaft ihr Germanentum beschworen, und auch heute sieht der Verfassungsschutz häufig Berührungspunkte zwischen neofaschistischen und satanistischen Umtrieben. phw. |
"Neue Esoterik" derzeit Haupttrend der "Sekten-Szene" utl - "Kathpress"-Gespräch mit dem Leiter ... aupag00020010828dx8s002h5 760 Words 28 August 2001 06:42 GMT Austria Presse Agentur-OTS German OTS - "ORIGINAL TEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS" |
"Neue Esoterik" derzeit Haupttrend der "Sekten-Szene" utl - "Kathpress"-Gespräch mit dem Leiter der seit drei Jahren bestehenden Bundesstelle für Sektenfragen, German Müller - Gemeinsames "Netzwerk" mit kirchlichen Beratungsstellen sinnvoll. |
Wien, 28.8.01 (KAP) Eine der gegenwärtigen Hauptströmungen in der "Sekten-Szene" sind die zahlreichen Spielarten einer "neuen Esoterik", die Menschen z.B. dazu veranlassen, Edelsteine mit angeblich positiver Strahlung oder "energetisch aufgeladenes, heilendes" Wasser bei sich zu tragen. German Müller, Psychologe und Leiter der Bundesstelle für Sektenfragen, sieht dahinter ein legitimes Bedürfnis nach entlastenden Ritualen, das erst dann zum Problem werde, wenn es Abhängigkeiten schafft und die Eigenverantwortung einschränkt. "Steine lösen keine Partnerschaftskonflikte", so Müller im "Kathpress"-Interview. Sie hätten vielleicht zunächst einen "Placebo-Effekt", böten letztlich aber nur eine vordergründige Entlastung. "Gefährlich" könne diese "Gebrauchs-Esoterik" dann werden, wenn man etwa gesundheitlichen Problemen mit untauglichen Mitteln beikommen wolle. Einen weiteren Trend der letzten Jahre sieht Müller darin, dass manche Wirtschaftsunternehmen "sektenhafte Züge" annehmen: Von Mitarbeitern werde dann erwartet, Glück und Lebensqualität dem alleinigen Ziel der Gewinnmaximierung unterzuordnen und sich an der Unternehmensphilosophie wie an einer Ordensregel zu orientieren. Die Mitglieder dieser auf den ersten Blick verschworenen Gemeinschaften gerieten dann aber oft in soziale Isolation, weiß Müller. Ebenfalls im Wirtschaftsbereich anzusiedeln seien Auswüchse eines "Psychomarktes", wo es neben seriösen Motivations-und Coaching-Angeboten auch viel Dubioses zu exorbitanten Preisen gebe. "Die Sekte ist meist nur ein Symptom" Die "Bundesstelle für Sektenfragen" in der Wiener Wollzeile wurde auf Betreiben des damaligen Familienministers Martin Bartenstein vor drei Jahren - am 1. September 1998 - als selbstständige Anstalt öffentlichen Rechts eingerichtet. Unter der Leitung German Müllers teilen sich sechs Mitarbeiter - ausgebildet in Psychologie, Psychotherapeutie, Theologie und Publizistik - vier ganze Anstellungen. Neben öffentlichen Stellen, die etwa Orientierungswissen für die Einschätzung von Organisationen suchen, wenden sich vor allem "sekundär Betroffene" an die Bundesstelle, die einen Angehörigen mit unmittelbarem Sektenkontakt haben. Die Fachleute in der Wollzeile machen sich nicht automatisch zu "Verbündeten" der Rat Suchenden, sondern versuchen den aktuellen Konflikt in seiner Vielschichtigkeit zu sehen, wie Müller erläutert: "In der Regel versuchen wir die primär betroffene Person in das Gespräch miteinzubeziehen". Es habe wenig Sinn, einem Angehörigen lediglich argumentative "Munition" zu liefern, das verstärke die Kluft nur. "Konfliktreduzierend" zu wirken bedeutet für den Psychologen, in Beratungen darauf hinzuwirken, dass der Kontakt zwischen den Beteiligten erhalten bleibt, eine neue Gesprächsbasis eröffnet wird, dass wenn möglich die hinter jeder Sektenannäherung liegende Bedürfnislage in den Blick kommt und gemeinsam nach Lösungen gesucht wird. "Die Sekte ist meist nur ein Symptom", so Müller. Er erzählt vom Fall einer Schülerin, deren Eltern und Lehrer sich Sorgen machten, dass sie unter "satanistischem" Einfluss stehe, die sich in selbst angebrachten Schnitten am Arm und blasphemischen Aufschriften am Handrücken äußerten. Es habe sich herausgestellt, dass die Schülerin ein wichtiges Bindeglied zu einer Außenseiterin in ihrer Klasse war und diese in einer fast "sozialarbeiterischen" Weise stützte. Ihre äußere Erscheinung und der antichristliche Gestus sei ein Protestgehabe gewesen, das gerade viele junge "Satansjünger" zur Abgrenzung von Autoritäten verwenden. Bei den zahlreichen Anfragen bei der Bundesstelle zum Bereich Satanismus stelle sich bei den betroffenen Jugendlichen oft ein dahinter liegender Wunsch nach mehr Macht oder nach Beachtung heraus. Keine "inquisitorische" Einrichtung Müller will Sekten weder verharmlosen noch dämonisieren: Sie deckten wie andere gesellschaftliche Institutionen bestimmte Bedürfnisse ab, die viele Menschen teilen. Die Bundesstelle versteht sich laut ihrem Leiter nicht als "inquisitorische" Einrichtung, auch weltanschaulichen Minderheiten komme selbstverständlich das Recht auf Religionsfreiheit zu. Die Mitarbeiter versuchten, "sachlich und pragmatisch" an Problemstellungen heranzugehen. Etwa indem sie aufzeigen, dass es dafür adäquatere - weil die Autonomie besser garantierende, preiswertere, "sozial verträglichere" - Lösungen gibt, als die von einer Sekte angebotene. Die Wirkung einer Sekte verglich Müller mit einem Gipsbein, das zunächst eine Erleichterung und Stütze bei einer Bruchstelle sein könne, aber auf lange Sicht das Gehen auf eigenen Beinen verhindere. Das Wissen über die verschiedenen Gruppierungen holen sich die Bundesstellen-Fachleute über deren Selbstdarstellung in Schriften und auf Web-sites, durch den Besuch von Veranstaltungen, Sekundärliteratur und die Erfahrungen von Betroffenen. Es gebe - um halbwegs "auf Stand" zu bleiben - auch kontinuierlichen Kontakt mit den kirchlichen Beratungsstellen bzw. mit Betroffeneninitiativen, so Müller. Da der Sekten-Markt "unüberschaubar" und wandelbar sei, sei es sinnvoll, ein "Netzwerk" gemeinsam mit ähnlich Einrichtungen zu bilden. Die "Bundesstelle für Sektenfragen" in der Wollzeile 12/2/19, 1010 Wien, ist unter Tel. 01/513.04.60 erreichbar. (Ende) Rückfragehinweis: Katholische Presseagentur KATHPRESS Telefon 01/512 52 83 E-Mail: redaktion@kathpress.at K200105126 *** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS *** OTS011 2001-08-28/08:39. |
Satanismus - die Selbstvergottung des Menschen. frarun0020010827dx8s000ta 402 Words 28 August 2001 Frankfurter Rundschau German (c) Copyright Frankfurter Rundschau 2001 www.fr-aktuell.de |
R Zur Sache Der Satanismus ist keine fest gefügte Weltanschauung oder Ritual-Praxis, sondern setzt sich aus vielen Strömungen zusammen. Er geht zurück auf unterschiedliche Traditionen von alt-ägyptischen Mythologien über Kelten, Wicca-Kulte, westafrikanische und haitianische Voodoo-Praktiken bis hin zum dualistischen Weltbild der antiken und mittelalterlichen Gnostik. Für heutige Jugendliche sei er "Anschauung und Protestmittel zugleich", sagt der Berliner Sektenexperte Matthias Pöhlmann, der vor Dramatisierung warnt. |
Den neuzeitlichen Satanismus kennzeichnet ein Grundsatz: "Es gibt keinen Gott, außer dem Menschen." Im Vordergrund steht daher paradoxerweise nicht die Figur Satans, sondern die Selbstvergottung des Menschen, der als Maß aller Dinge gesehen wird. Allen Formen des Satanismus gemeinsam ist die bewusste Entwertung allgemein geltender ethischer Prinzipien bis hin zur quasireligiösen Verklärung des Bösen und der Selbstidentifizierung mit ihm. Die Erkenntnis der eigenen Göttlichkeit soll mit Hilfe von Ritualsystemen vorangetrieben werden, die das orgiastisch-libidinöse Ausleben des menschlichen Urtriebs der Sexualität zum Inhalt haben. Von entscheidender Bedeutung für den rituellen Satanismus der Moderne ist der Amerikaner Aleister Crowley (1875 bis 1947). Dieser hielt sich für die Reinkarnation des Bösen schlechthin und scharte viele Anhänger um sich. Seine sexualmagischen Versuche und Opferrituale waren in ihrer Perversion kaum zu überbieten und verstießen gegen jegliche gesellschaftliche und christlich-religiöse Konventionen. Er stellte Gesetze auf, die bis heute von den meisten Gruppen als heimlich-ideologische Leitlinien akzeptiert werden, darunter "Der Mensch hat das Recht, nach seinem eigenen Gesetz zu leben" und "Der Mensch hat das Recht, all diejenigen zu töten, die ihm diese Rechte zu nehmen suchen". Eine weitere Strömung ist der so genannte Acid-Satanismus. Sein Ziel ist, mit Hilfe von Drogen orgiastische und sadistische Satansriten zu feiern, bei denen oft junge Frauen rituell missbraucht werden oder Gewalt gegen Tiere und Sachen angewendet wird. Charles Manson, der 1969 mit seinen Anhängern Sharon Tate, die Frau des Regisseurs Roman Polanski, und weitere Personen in einem Ritualmord tötete, wird dazugerechnet. Der Jugendsatanismus ist allgemein weniger organisiert als die Satanskirchen Erwachsener. Als Form des Protestes wird er sowohl gegenüber christlichen als auch atheistischen Eltern genutzt, von denen sich die Jugendlichen abgrenzen wollen. Die Gruppen treffen sich meist nur sporadisch. Es gibt zwar Anführer, aber keine hierarchische Struktur. Die Rituale sind meist nicht systematisiert oder fixiert. Häufig werden Tieropfer vollzogen, oder es kommt zu Entweihungs-Ritualen in und an Kirchen oder Friedhöfen. Es gibt aber auch Gewalt gegen Abtrünnige, Vergewaltigungen oder andere sexuelle Übergriffe. (ap/dpa). |
Psychologin sieht keinen Satanismus-Hintergrund bei Dreifach-Selbstmord. adn0000020010827dx8r00ayh 219 Words 27 August 2001 12:44 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
(ddp-Interview) Einen satanistischen Hintergrund des Selbstmordes von drei Jugendlichen bei Reichenbach im Vogtland hält Psychologin Ines Enge von der AWO-Beratungsstelle für Kinder, Jugend und Familie in Chemnitz für «eher unwahrscheinlich». Ein kollektiver Selbstmord sei für satanistische Sekten «untypisch», sagte Enge am Montag in Chemnitz der Nachrichtenagentur ddp. Die drei 14, 17 und 18 Jahre alten Jugendlichen hatten sich in der Nacht zu Sonntag von der 78 Meter hohen Göltzschtalbrücke in den Tot gestürzt. |
Nicht auszuschließen sei hingegen eine gewisse Gruppendynamik. Es sei «gut vorstellbar», dass der Selbstmordplan von den beiden älteren Jugendlichen gefasst wurde und der Jüngere sich anschloss, sagte Enge. Auch sei es möglich, dass sich der 14-Jährige aus Angst, ihn könne der Mut zum Sprung verlassen, an den Älteren gefesselt habe. Für das wahrscheinlichste Motiv hält Enge eine «absolute Ausweglosigkeit» der Jugendlichen. Die Ursachen für den Freitod von Jugendlichen liegen laut Enge zumeist im sozialen Umfeld. «Einseitige, von Verboten geprägte Erziehung kann ebenso Auslöser sein, wie fehlende Lebenskonzepte, eine ungefestigte Persönlichkeit und allgemeine Perspektivlosigkeit», sagt die Psychologin. Eltern, die erkennen, dass sich ihre Kinder immer mehr von ihnen zurückziehen oder nicht mehr zu Gesprächen in der Familie bereit sind, sollten eine fachmännische Beratung aufsuchen. «Dann sind die Chancen recht gut, derartige Tragödien zu vermeiden», sagt Enge. |
Psychologin sieht keinen Satanismus-Hintergrund bei Göltzschtal-Selbstmord. adn0000020010827dx8r00and 221 Words 27 August 2001 12:33 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
(ddp-Interview) Einen satanistischen Hintergrund des Selbstmordes von drei Jugendlichen am Wochenende bei Reichenbach im Vogtland hält Psychologin Ines Enge von der AWO-Beratungsstelle für Kinder Jugend und Familie in Chemnitz für «eher unwahrscheinlich». Ein kollektiver Selbstmord sei für satanistische Sekten «untypisch», sagte Enge am Montag in Chemnitz der Nachrichtenagentur ddp. Die drei 14, 17 und 18 Jahre alten Jugendlichen hatten sich in der Nacht zu Sonntag von der 78 Meter hohen Göltzschtalbrücke in den Tot gestürzt. |
Nicht auszuschließen sei hingegen eine gewisse Gruppendynamik. Es sei «gut vorstellbar», dass der Selbstmordplan von den beiden älteren Jugendlichen gefasst wurde und der Jüngere sich anschloss, sagte Enge. Auch sei es möglich, dass sich der 14-Jährige aus Angst, ihn könne der Mut zum Sprung verlassen, an den Älteren gefesselt habe. Für das wahrscheinlichste Motiv hält Enge eine «absolute Ausweglosigkeit» der Jugendlichen. Die Ursachen für den Freitod von Jugendlichen liegen laut Enge zumeist im sozialen Umfeld. «Einseitige, von Verboten geprägte Erziehung kann ebenso Auslöser sein, wie fehlende Lebenskonzepte, eine ungefestigte Persönlichkeit und allgemeine Perspektivlosigkeit», sagt die Psychologin. Eltern, die erkennen, dass sich ihre Kinder immer mehr von ihnen zurückziehen oder nicht mehr zu Gesprächen in der Familie bereit sind, sollten eine fachmännische Beratung aufsuchen. «Dann sind die Chancen recht gut, derartige Tragödien zu vermeiden», sagt Enge. |
Drei Jugendliche sprangen in den Tod. fdg0000020010826dx8q006y3 96 Words 26 August 2001 16:41 GMT Reuters - Nachrichten auf Deutsch German (c) 2001 Reuters Limited |
Berlin, 26. Aug (Reuters) - Drei Jugendliche sind in der Nacht zum Sonntag von einer fast 80 Meter hohen Eisenbahnbrücke im Vogtland in Sachsen in den Tod gesprungen. Nach Angaben eines Polizeisprechers in Plauen gibt es Hinweise, dass sich die 14, 17 und 18 Jahre alten Jugendlichen aus Reichenbach mit Satanismus beschäftigt hätten. Ermittelt werde nun, ob der Selbstmord damit in Zusammenhang stehe. Die drei Jungendlichen hätten einen Abschiedsbrief hinterlassen, sagte der Sprecher. Dort hätten sie geschrieben, dass sie mit dem Leben unzufrieden seien und sich etwas besseres vorgestellt hätten. bus. |
Das Wunder von Rom. sddz000020010811dx8b000xh 453 Words 11 August 2001 Süddeutsche Zeitung 7 German (c) 2001 Süddeutsche Zeitung |
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München - Jegliche Veröffentlichung exklusiv über http://www.diz-muenchen.de/ Der verlorene Sohn ist noch nicht endgültig heimgekehrt, aber wenigstens vorbeigeschaut hat er diese Woche beim Heiligen Vater in Castelgandolfo. Und siehe da: Der Papst hat den Abtrünnigen freundlich aufgenommen, eineinhalb Stunden mit ihm geplaudert und dann die frohe Botschaft verkünden lassen, dies sei der Beginn eines Dialogs mit "Seiner Exzellenz, Monsignor Emmanuel Milingo". Sie reden wieder miteinander, die katholische Kirche und ihr frisch vermählter Erzbischof. Und der Vatikan hat die Drohung zurückgezogen, den 71-jährigen Sambier zu exkommunizieren, wenn er bis 20.August nicht auf den rechten Weg zurückgekehrt ist. |
Aus der Sicht Roms wandelt der charismatische Milingo schon lange auf Abwegen. Als Erzbischof von Lusaka verzückte er die Massen mit Wunderheilungen und Teufelsaustreibungen, bis er von der Kirche an den Vatikan "befördert" wurde. "Die hatten Angst, dass ich zu populär würde, ein neuer Messias", meinte er bescheiden. Doch weil er in Italien noch mehr Satanismus ausmachte als in der Heimat, setzte er sein wundersames Wirken fort. Vergangenes Jahr wurde er von seinem letzten Posten im Vatikan entbunden. Milingo entdeckte ein neues Reizthema: das Zölibat. Im Mai heiratete der Erzbischof bei einer Massentrauung der Mun-Bewegung eine südkoreanische Akupunktur-Spezialistin mittleren Alters, die ihm Sektengründer San Myung Mun persönlich zugeführt hatte. In seinem Alter werde er die Ehe ohnehin nicht mehr vollziehen, beschwichtigte der Bischof. Andererseits verkündete er, so schnell wie möglich Kinder zu wollen. Für Wunder war er ja schon immer gut. Doch der Vatikan wollte eine solche Entwicklung nicht abwarten und stellte ein Ultimatum. Bis zum 20.August sollte der Sambier Frau und Mun verlassen und zu Zölibat und Gehorsam zurückkehren. Sonst werde er ausgestoßen aus der Gemeinschaft der Gläubigen. Doch so einfach ist die Sache nicht für Rom. Denn es geht hier nicht nur um einen aufmüpfigen Bischof. Im Vatikan wird befürchtet, der in der Heimat sehr populäre Milingo könnte nach Afrika zurückkehren und dort eine unabhängige Kirche gründen. Mit seinem Kampf für Geistheilungen und gegen das Zölibat dürfte er rasch viele Anhänger gewinnen. Und die katholische Kirche steht in Afrika ohnehin unter Missionsdruck durch charismatische Gruppen. So lässt sich erklären, warum Papst Johannes Paul II. dem renitenten Erzbischof so viel Zeit eingeräumt hat: Der Vatikan selbst will Zeit gewinnen. Seine Juristen brüten derzeit im heißen Rom über einer Lösung des delikaten Falls. Könnte Milingo aus dem Klerikerstand entlassen und seine Ehe dann von der Kirche anerkannt werden? Oder könnte er einer mit Rom unierten Ost-Kirche unterstellt werden, die verheiratete Priester zulässt? Für Milingo selbst ist die Sache ganz einfach: Der Papst soll ihn einfach als verheirateten katholischen Bischof anerkennen. Der Mann glaubt tatsächlich an Wunder. Stefan Ulrich. |
Gegen Teufel, Papst und Zölibat. taz0000020010808dx880006o Von DOMINIC JOHNSON. 499 Words 08 August 2001 taz - die tageszeitung German (c) 2001 taz, die tageszeitung |
Gegen Teufel, Papst und Zölibat Der katholische Erzbischof Milingo aus Sambia, Exorzist und Jungvermählter, kämpft gegen seine Exkommunikation |
BERLIN taz Am 20. August ist es aus für Erzbischof Emmanuel Milingo. Wenn er nicht bis dahin drei Bedingungen erfüllt, schließt der Vatikan den 71-jährigen Sambier aus der katholischen Kirche aus. Die Bedingungen: Milingo soll sich von seiner Frau trennen, die er im Mai bei einer Massenhochzeit der koreanischen Mun-Sekte geheiratet hatte; er soll sich von Sektenführer Mun und seiner Kirche "Family Federation for World Peace and Unification" distanzieren; und er soll die katholische Zölibatsdoktrin akzeptieren. "Arrogant" nennt das der Erzbischof Milingo, eine der schillerndsten Figuren des afrikanischen Katholizismus. Geboren 1930, wurde er 1969 einer der jüngsten Bischöfe des Kontinents und leitete bis 1983 die Erzdiozöse von Sambias Hauptstadt Lusaka. 1983 versetzte der Vatikan ihn nach Italien an ein Migrationskomitee. Der Grund: Er hatte als Exorzist Aufsehen erregt. Die im katholischen Glauben sanktionierte Teufelsaustreibung, die in Europa weithin in Vergessenheit geraten ist, praktizierte er in Sambia mit großem Erfolg. "Am 23. April 1973 entdeckte ich fast zufällig, dass ich mit der Gabe der Heilung gesegnet war", sagte er selber dazu. Mit seinen unkonventionellen Methoden zog er das Missfallen des Vatikan auf sich. "Rom schien unfähig zu sein, zu begreifen, dass diese spirituellen Gaben in seiner jungen afrikanischen Kirche von Gott stammen könnten", so Milingo. "Sie nannten mich einen Hexendoktor und verunglimpften die Antwort des Volkes als Voodoo." In Italien sei der Satanismus viel stärker als in Sambia, konstatierte er nach seiner Versetzung und machte unbekümmert weiter. Das hätte den Vatikan vermutlich wenig gekümmert, hätte Milingo nicht auch noch angefangen, das priesterliche Zölibat zu kritisieren - und am 27. Mai dieses Jahres "unter dem Kommando Jesu und der Unterstützung des Rev. und Mrs. Sun Myuung Moon" die koreanische Akupunkteuristin Maria Sung zu heiraten. "Da Gott männlich und weiblich ist, können wir nur als Paar seine Natur vollständig widerspiegeln", argumentierte er. Das Zölibat in der Kirche sei wie der Blinddarm im Menschen: entweder ruhig und überflüssig - oder gefährlich und zu entfernen. Theologisch geschickter argumentierte er, der Schwur der Keuschheit sei nicht gebrochen, da er als 71-Jähriger nach der Hochzeit keinen Geschlechtsverkehr hatte. Seine Tat würde als "Weckruf für die Kirche beim Eintritt in ein neues Jahrtausend" dienen, hoffte Milingo. Die Kirche wachte auf - aber anders. Die sambischen Katholiken erklärten seinen Ausschluss aus ihren Reihen. Der Vatikan erklärte, Milingo sei wohl Opfer einer Gehirnwäsche geworden, und stellte ihm ein Ultimatum. Der Sambier schlug empört zurück: "Die katholische Kirche steckt voller Unmoral", erklärte er. "Geheime Affären und Hochzeiten, illegitime Kinder, wuchernde Homosexualität, Pädophilie und illegaler Sex durchziehen die Priesterschaft ... In meinem heimatlichen Sambia ist die Sterberate viermal höher als die Geburtenrate, wegen Aids. Von wo soll Heilung kommen? Wir müssen ehrlich sein." Am Montagabend tauchte der Sambier unerwartet beim Papst auf und verbrachte eine halbe Stunde hinter den Toren von dessen Sommerresidenz Castelgandolfo. Sprach er mit Johannes Paul II. oder wurde er abgewimmelt? DOMINIC JOHNSON. |
Märtyrer im rechten Glanz. sddz000020010803dx830005w 1710 Words 03 August 2001 Süddeutsche Zeitung 3 German (c) 2001 Süddeutsche Zeitung |
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München - Jegliche Veröffentlichung exklusiv über http://www.diz-muenchen.de/ Neonazis in den USA: "Uns verbindet die gemeinsame Bestimmung" Kameraden ohne Grenzen-wie es amerikanischen Rechtsradikalen gelingt, ihre deutschen Mitstreiter als Opfer politischer Verfolgung zu glorifizieren |
Von Andrian Kreye New York, 2. August - In dünnen Rinnsalen fließt Blut auf Billy Ropers blauweiß gestreiften Hemdkragen. Der rundliche junge Mann mit dem akkuraten Kurzhaarschnitt und der silberfarbenen Brille denkt gar nicht daran, es abzuwischen. Im Gegenteil - stolz trägt der Abgesandte der National Alliance die Platzwunde auf seiner Stirn. Wie eine Auszeichnung. Ganz schnell ist es gegangen. Ein Trupp vermummter Autonomer war Roper und den Demonstranten gefolgt. Einer hatte "Nazischwein" geschrien, sich aus den Reihen gelöst, auf Roper gestürzt und ihn zu Boden gerissen. Jetzt flattern ihm Fetzen seines Jacketts wie Schleier von den Schultern, die Anzughose ist ruiniert, eine Narbe wird ihm wohl bleiben. Dafür haben die Polizisten begriffen, dass es die Linken sind, die Aktivisten von der Anti Racist Action, ARA, und die Autonomen vom Black Block der Anarchisten, die heute Ärger machen-und sich schützend vor die Rechten gestellt. Ropers Mannen, die Neonazis, Rechtsradikalen und Skinheads, haben sich dagegen ordentlich und diszipliniert vor der Deutschen Botschaft aufgebaut, im feinen Nordwesten Washingtons. Die meisten sind in Anzug und Krawatte. Gewiss, sie tragen Flaggen mit den Runen der National Alliance, mit dem altenglischen Kreuz der American Friends of the British National Party, Plakate der NPD und selbst gemalte Tafeln auf Englisch und Deutsch. Doch für die wenigen Passanten, die am vergangenen Sonntagnachmittag hier vorbeikamen, sahen sie aus wie respektable Bürger. Mann ohne Namen Überhaupt schlagen die Rechtsradikalen ganz neue Töne an. Statt dem "Run, Nigger, Run" der frühen 90er Jahre skandieren sie nun Parolen, die man eher von linken Demonstranten erwartet. "Free Speech!" rufen sie, und "Freedom". Deutschland verstoße gegen die Menschenrechte, sagen sie. Dort würden politische Dissidenten verfolgt und für ihre unbequeme Meinung ins Gefängnis geworfen. In Deutschland, das wissen sie, gebe es so etwas wie den geheiligten ersten Zusatz der amerikanischen Verfassung nicht, der jedem Bürger uneingeschränkte Meinungsfreiheit garantiert. Wenn man in Deutschland den Nationalsozialismus propagiere, den Holocaust bezweifle, Hakenkreuze zeige oder den Hitlergruß verwende, käme man ins Gefängnis. Das aber, so sagt der wuchtige Mann im grauen Anzug, der angibt, als Installateur in Florida zu arbeiten, seinen Namen aber nicht nennen will, das widerspreche den Grundsätzen der Demokratie. Und der Beweis dafür, dass Deutschland kein demokratisches Land ist, sei der Versuch, eine legitime politische Partei wie die NPD zu verbieten. Im April haben sie schon einmal hier protestiert. Damals waren sogar Kameraden aus Deutschland angereist - Jürgen Distler von der NPD, sowie Jens Pühse und Sascha Roßmüller aus dem Bundesvorstand der Jungen Nationaldemokraten. Diesmal gibt es einen aktuellen Anlass für die Demo. Der deutsche Rechtsradikale Hendrik Möbius sitzt in der Abschiebehaft der amerikanischen Einwanderungsbehörde INS. Deutschland hat schon einen Auslieferungsantrag gestellt, weil er in seiner Heimat wegen Verletzung von Bewährungsauflagen, wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole und der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener gesucht wird. "Free Hendrik Möbus", rufen sie zu den Büros des Botschaftsgebäudes hinauf. Denn Hendrik Möbus personifiziert für die Rechtsradikalen den Märtyrer ihrer White Power Revolution. Ein politisch Verfolgter, der selbst in der Gefangenschaft noch radikale Texte verfasst, die Kameraden für ihn im Internet veröffentlichen. Der 25-Jährige wirkt schmal und zerbrechlich beim Besuch in der Detention Facility der INS, nicht weit von der Stadt Buffalo im Norden des Staates New York. Er trägt einen orangefarbenen Häftlingsoverall. Sein Kopf ist kahl geschoren. Er spricht leise und bedächtig mit starkem Thüringer Akzent. Seit Monaten sitzt er nun schon in der Gefängnisanlage, einem Komplex aus dreistöckigen Baracken, verglasten Wachtürmen und Stacheldrahtzäunen. Freiwillig in Einzelhaft, denn gleich nach seiner Einweisung hätten ihn ein paar Mitgefangene unter der Dusche wegen einer Tätowierung als Neonazi identifiziert und ihm Prügel angedroht. Weil in der Auslieferungshaft der INS aber fast ausschließlich illegale Einwanderer aus der Karibik, Afrika und Asien sitzen, hat sich Möbus als Vertreter der weißen Minderheit nicht mehr sicher gefühlt. Jetzt ist das Leben trist, denn obwohl er freiwillig in der Isolationszelle sitzt, sind die Bedingungen die gleichen-kein Fernsehen, kein Radio, kein Ausgang. Er hatte Antrag auf politisches Asyl gestellt und sein Anwalt räumte ihm gute Chancen ein. Hendrik Möbus wird in Deutschland für Taten gesucht, die in den USA nicht nur erlaubt sind, sondern durch den ersten Verfassungszusatz sogar als Grundrecht gelten. Seine Biografie liest sich wie die Blaupause für einen Archetyp der ostdeutschen Rechtsradikalen. Aufgewachsen als Kind protestantischer Eltern im thüringischen Sondershausen. Nach dem Mauerfall schließt er sich links-anarchistischen Punks an, gründet dann aber mit seinem Bruder und einem Schulfreund die Black-Metal-Gruppe "Absurd". Die Texte kreisen um Satanismus und heidnische Mythen. Nachts treffen sich die Musiker auf dem Friedhof. 1993 gerät die obskure Band bundesweit in die Schlagzeilen. Sebastian Schauseil und Hendrik Möbus erdrosseln den zwei Jahre jüngeren Sandro Beyer. Laut Möbus das radikale Ende einer Dreiecksaffäre und Erpressungsgeschichte. Für die Zeitungen und Fernsehsender bleiben Schauseil und Möbus allerdings die "Satansmörder". Möbus schüttelt den Kopf. "Das war alles ziemlich pubertär und unfundiert. Wir haben ja nicht einmal Bücher über den Satanismus gelesen. Auf dem Friedhof haben wir dann so ein Theater veranstaltet, um die Mädchen zu beeindrucken. Aber das hatten wir alles aus Filmen und dem Fernsehen." Erst im Gefängnis fängt Hendrik Möbus an, sich ernsthaft mit den Mythen des Satanismus auseinander zu setzen. Er stößt auf die altheidnischen, germanischen und nordischen Sagen, auf Odin, Thor und Thule, entdeckt die Ideologie des Nationalsozialismus. 1998 wird Möbus wegen guter Führung auf Bewährung aus der Jugendhaft entlassen. Er spielt weiter mit "Absurd", produziert Musik. Als er sich allerdings in einem Interview über sein Mordopfer Sandro Beyer als Volksschädling lustig macht und bei einem Konzert rechtsradikaler Gruppen auf der Bühne die Rechte zum Hitlergruß ausstreckt, als die Staatsanwaltschaft deswegen anklagt, verfällt seine Bewährung. Anstatt auf seine Verhandlungen zu warten, fliegt Möbus nach Seattle. Er lebt bei Nathan Pett, Mitglied des rechtsheidnischen White Order of Thule, den er über das Internet kennt. Pett möchte mit Möbus eine Black-Metal-Produktionsfirma aufbauen. Doch es kommt zum Streit. Möbus geht nach Virginia. Über Erich Gliebe, den Redakteur des rechtsradikalen Musikmagazins Resistance, nimmt er Kontakt zu William Pierce auf, dem Chef der National Alliance. Pierce gilt als der inzwischen einflussreichste Neonazi der amerikanischen Rechtsradikalen. Der ehemalige Physiker gründete in einem Vorort von Washington D.C. die National Alliance, NA. Das Hauptquartier der Organisation befindet sich heute tief in den Appalachian Mountains von West Virginia. Gut eine Stunde fährt man vom nächstgelegenen Highway durch verarmte Dörfer nach Hillsboro. Von dort sind es noch ein paar Meilen bis zu dem Waldweg, der zu Pierces Anwesen führt. Ein rotes Viehgatter markiert den Eingang. Dahinter ein paar Wohnhäuser, eine Lagerhalle und das zweistöckige Hauptquartier, auf dessen Aluminiumverkleidung das monumentale Symbol der National Alliance prangt - die germanische Lebensrune. Vor sechs Jahren gelangte Pierce zu zweifelhaftem Ruhm. Sein rassistischer Roman "The Turner Diaries", den er Mitte der 70er Jahre unter dem Pseudonym Andrew McDonald geschrieben hatte, war das Lieblingsbuch des Oklahomabombers Timothy McVeigh. Und das Attentat erinnerte vom Ablauf her stark an ein Kapitel des Buches. Pierce, ein hagerer Mann, der freundlich hinter dicken Brillengläsern hervorblinzelt und mit seinem Rundrücken und dem strähnigen, grauen Haar die freundliche Großvaterfigur abgibt, macht keinen Hehl aus seiner Überzeugung. "Ich bin Nationalsozialist", sagt er in seinem voll gestopften Büro. Zwei Ausgaben von Hitlers "Mein Kampf" stehen hinter ihm im Regal. Auf dem Schreibtisch liegen Souvenirnadeln vom "Tag des Nationalen Widerstandes" in Passau und des rechten "6. Europatages der Jugend" in Landau, Veranstaltungen, zu denen ihn die NPD als Redner eingeflogen hatte. Mit der NPD kann er sich am besten identifizieren. "Uns verbindet die gemeinsame Bestimmung", sagt er. Sendezeit im ganzen Land Von der politischen Arbeit hält er sich ansonsten fern. Er produziert eine wöchentliche Radiosendung mit dem Titel American Dissident Voices, für die er Sendezeiten im ganzen Land kauft. Und er betreibt den wohl größten internationalen Versand für rechte Literatur und Musik. Pierce sieht den Kampf an der Medienfront als wichtigsten ersten Schritt der "arischen Revolution". "Wer die Nachrichten und das Entertainment kontrolliert, kontrolliert auch die Köpfe der Menschen", sagt er. "Und wer hat heute die Medienmacht? Die Juden." Niemand weiß, wie viele Mitglieder die National Alliance heute hat. Die Zahl spielt auch nur eine untergeordnete Rolle. Mit den Radiosendungen, seinem Versandhandel und der Musik erreicht Pierce mehr Sympathisanten, als mit einer politischen Organisation. Das Southern Poverty Law Center des Bürgerrechtsanwaltes Morris Dees, das Organisationen wie den Ku Klux Klan oder die White Aryan Resistance erfolgreich mit Zivilprozessen ruiniert hat, gibt zu, dass Pierce zu reich, geschickt und einflussreich ist, als dass sie seine National Alliance schließen könnten. Und er sei der Einzige, der seine weit reichenden internationalen Verbindungen zu einem wirklichen Netz ausbauen könne. Hendrik Möbus sollte ihm helfen, auf dem europäischen Markt zu expandieren. Ein Deutscher in der Zentrale, der nicht nur die rechtsradikale europäische Musikszene kennt, sondern auch Erfahrung damit hat, die Goths der Black-Metal-Bewegung für die rechtsradikale Sache zu rekrutieren, erschien ihm als perfekter Partner. Aber die Fahnder waren Möbus schon auf der Spur. Wochenlang beobachteten sie das Gelände der National Alliance. Als er mit einem Bekannten in einer nahe gelegenen Kleinstadt zum Essen gehen wollte, wurde er von Beamten des US Marshal Service verhaftet. Pierce erkannte das Potenzial von Möbus als Märtyrerfigur sofort. Er bezahlt ihm einen Anwalt, richtet die Solidaritätswebseite ein, schickt ihm Geld für Telefongespräche und Briefmarken, veranstaltet die Demonstrationen. Der Aufmarsch vor der deutschen Botschaft geht dann doch friedlich zu Ende. Die Polizei geleitet die Rechten zu ihrem Bus. Die National Alliance versammelt sich noch zum Kameradschaftsabend auf dem Land. Noch wissen sie es nicht, aber während sie marschiert sind, hat die Einwanderungsbehörde Hendrik Möbus in ein Flugzeug nach Deutschland gesetzt. Keine Auslieferung. Das wäre juristisch zu kompliziert gewesen. Eine schlichte Abschiebung. Jetzt sitzt Hendrik Möbus in der Haftanstalt Suhl. Wenn man die ausstehenden Strafen zusammenrechnet, wird er frühestens im Jahr 2006 wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Doch bis dahin wird er von der White-Power-Bewegung gefeiert werden. Als politischer Gefangener. Als Märtyrer. Und so wird er der Bewegung hinter Gittern nützlicher sein als draußen. "Ich bin Nationalsozialist"-Amerikanische Neonazis demonstrieren vor der Deutschen Botschaft in Washington für ihre rechten Gesinnungsfreunde. Foto: Kreye. |
Diesseits surfen, jenseits schweben. sonnz00020010731dx7t000i5 623 Words 29 July 2001 Sonntagszeitung German (c) 2001 Sonntags Zeitung |
Während Okkultisten vom Netz profitieren, schadet es Sekten - Uriella verbietet den Gebrauch von Computern gleich ganz Sekten, Okkultisten und Religionen verkünden ihre Botschaft auch online. Gelohnt hat sich der Gang ins World Wide Web jedoch nicht für alle. «Okkultisten profitieren massiv vom Internet, während das Netz den Sekten eher schadet», sagt Sekten-und Okkultismusexperte Georg Otto Schmid. |
Zu den Profiteuren der Onlineverkündung gehören zwei okkulte Gruppen in der Schweiz: der in St. Gallen wohnhafte Buchautor und Magier «Akron» mit seinem Clan und der «Schwartze Orden von Luzifer», den der Black-Metal-Musiker und «Prior» Satorius 1999 zusammen mit neun Mitgliedern gegründet hat. «Ernsthaften und seriösen Satanisten und Schwarzmagiern über 18 Jahre steht es frei, sich schriftlich um Mitgliedschaft im «Schwartzen Orden von Luzifer» zu bewerben», wirbt Satorius mit roten Lettern auf der schwarzen Webseite. Neue Bewerber müssen angeblich wegen der vielen Anfragen bis zu zwei Wochen auf eine Antwort warten. Der «Schwartze Orden von Luzifer» zählt schon 50 Mitglieder. «Dies ist eine riesige Zahl für eine Satanistengemeinschaft», sagt Schmid. «Satorius hat mit seiner Webseite einen gewaltigen Erfolg.» Okkultisten suchen den Kontakt zu Gleichgesinnten generell im Internet. «Der Okkultismus zerfällt in Einzeltäter», so Schmid. «Wenn einzelne Personen ihr Interesse für Okkultismus entdecken, kontaktieren sie heute okkulte Gruppen übers Internet.» Für Satanisten und Hexen sind insbesondere die Foren wichtig. Im «Forum Satanismus der gehobenen Klasse» philosophieren «Insider mit gewissem Intellekt» über Satanismus. «Philosophie und Satanismus? Das gehört für mich eindeutig zusammen», schreibt «nit nit» - und hinterlässt dabei einen von 1813 Einträgen. Weniger intellektuell, dafür reger (21 763 Mitteilungen) wird im «Forum Satanismus» diskutiert. «Satanismus-und Hexenforen gehören zu den meistbesuchten», sagt Schmid. Das «Hexenboard» verzeichnet 33 045 Beiträge und das «Liebeszauber-Forum» für Anfängerhexen mit der Rubrik «Hexer sucht Hexe» 2874 Meldungen. «Schweizerinnen sind in Hexenforen stark vertreten», sagt Schmid. «Da es in der Schweiz kaum organisierte Hexengruppen gibt, suchen die heimatlosen Schweizer Hexen Anschluss im Internet.» Die Hexe Cleo bietet beispielsweise auf ihrer Homepage einen Hexenkurs für 20 Mark an. Zweimal in der Woche unterweist sie via Chat im Hexen-Schulungsraum die Lehrlinge in den Techniken des Fliegens und Zauberns. Anleitungen zu Ritualen für Hexen und Satanisten gibts im Internet zuhauf. Oft interessieren sich Junge zwischen 13 und 25 Jahren für okkulte Rituale. «Danach hört das Interesse meistens auf», sagt Schmid. «Ich würde es begrüssen, wenn es einige Webseiten nicht mehr gäbe. Aber die Religionsfreiheit ist ein hohes Gut, und die Sekten und Okkultisten achten darauf, dass sie keine geltenden Gesetze verletzen. Daher ist es wichtig, dass man vor kritischen Seiten warnt. Damit jeder weiss, worauf er sich da einlässt.» Uriella und Co. sind gegen das irdische Surfen im Netz Für Sekten hat sich das Internet hingegen als zweischneidiges Schwert erwiesen. Sie preisen zwar ihr Credo und ihre Produkte an - wie etwa Scientology ihren Persönlichkeitstest und die Bücher von Ron Hubbard. Missionarische Erfolge können sie allerdings nicht verbuchen. Scientology soll im Jahr ein Mitglied über das Web gewinnen, die Zeugen Jehovas keines. «Typische Sektenmitglieder suchen keine Weltanschauung wie die Okkultisten, sie sehnen sich nach einer realen Gemeinschaft», sagt Schmid. Diese ist übers Web schwer zu vermitteln. Vor allem die zahlreichen Aussteiger-und Gegnerseiten im Netz schaden den Sekten. «Das Internet gab den Aussteigern die Chance der Vernetzung. Zwischen Sekten und Aussteigern bestehen jetzt gleich lange Spiesse», so Schmid. Viele Sekten wie die Internationale Gemeinde Christi sind dazu übergegangen, ihren Mitgliedern das Internet zu verbieten. Scientologen dürfen nur mit einem Filter surfen. Die Zeugen Jehovas und die Hare-Krishna-Bewegung raten ihren Anhängern, aufs Internet zu verzichten. Uriella hindert ihre weisse Schar am Surfen, indem sie Computer gleich ganz verbietet. Georg Otto Schmid Foto: Marc Wetli/RDB Jetzt auch online: Anleitungen und Foren für okkulte Riten Foto: E. t. Studhalter/ExPress. |
Vandalen - inspiriert von dunklen Mächten. tanz000020010728dx7r0006c Von HUGO STAMM. 1422 Words 27 July 2001 Tages Anzeiger German (c) 2001 Tages Anzeiger Homepage Address: http://www.tages-anzeiger.ch |
Friedhof Friedental, Luzern: Fünf junge Erwachsene haben am Samstag 86 Gräber geschändet, weil sie "die Öffentlichkeit schockieren" wollten. Die Grabschändungen von Luzern werfen ein Schlag-licht auf die Szene der Okkultisten. Das Dunkle fasziniert viele junge Leute, der harte Satanismus ist aber nicht weit verbreitet. |
Die Schlagzeilen über geschändete Gräber, schwarze Messen, Tieropfer und okkulte Rituale von jungen Teufelsanbetern folgen sich in kurzen Abständen. Die sechs Vandalen, die letzten Samstag nach einem Death-Metal-Konzert den Friedhof in Luzern verwüsteten und Urnenasche ausstreuten, rückten die Szene der Grufties, Okkultisten, Schwarzmagier und Satanisten erneut ins Rampenlicht. Wer sind diese Teufelsanbeter, Tierquäler, Fans der überharten Rockmusik und Verehrer des Bösen? Greift die Faszination von schwarzmagischen Kräften gar epidemisch um sich? Oder gehen viele Vandalenakte auf das Konto von leichtsinnigen Mitläufern, wie vermutlich bei den Grabschändungen von Luzern? Kleine Satanistenszene Die Szene der eigentlichen Satanisten, die den Dämon zu ihrem Gott erklären und aus der Ideologie des Bösen eine Heilslehre machen, ist in der Schweiz klein. Da viele Luziferanhänger im Versteckten arbeiten und meist ein Verschwiegenheitsgelübde ablegen, hat allerdings niemand einen genauen Überblick über die Bewegung. Sektenexperten schätzen, dass in der Schweiz höchstens ein paar Dutzend Satansorden mit wenigen Jüngern - mehrheitlich junge Männer - aktiv sind. Insgesamt dürfte der harte Kern kaum mehr als 200 Ordensbrüder umfassen. Das Sympathisantenumfeld wird auf rund 1000 Mitläufer geschätzt. Das Bundesamt für Polizei (BAP) spricht im Sektenbericht vom Dezember 2000 von zahlenmässig kleinen, lokal beschränkten Gruppierungen aus meist "bunt zusammengewürfelten Jugendlichen", von denen allerdings einige Kontakt zur amerikanischen Satanskirche Church of Satan und zum Temple of Seth hätten. Der grösste und bekannteste Zirkel in der Schweiz ist der Schwartze Orden von Luzifer, der vom Innerschweizer Black-Metal-Musiker und Satanspriester Satorius gegründet wurde. Er hat die satanistische Ideologie des Musikers Anton Szandor LaVey aus Kalifornien, dem Gründer der Church of Satan, übernommen und weiterentwickelt. Seine Homepage - das Internet ist das zentrale Kommunikationsmittel der heterogenen Szene - trägt den Titel "Verpiss dich, Jesus!". Unter den rund 50 Satansjüngern des Ordens finden sich rund zwei Dutzend Deutsche. Der Sitz des Luziferordens ist in Rothenburg LU. "Heil Baphomet, unserem Herrn Satan, welcher Got ist", lautet die Losung. (Zur Gotteslästerung wird Gott bewusst falsch geschrieben.) Bekannt ist weiter die Abtei Thelema, die sich auf die okkulten Ideen des Alt-Meisters Aleister Crowley abstützt und das Zentrum in Stein AR hat. Ihre mehrheitlich älteren Anhänger pflegen unter anderem magische Sexualpraktiken. Zu den vielleicht 80 Mitgliedern gehören auch Italiener, Deutsche und Österreicher. Dies ist ein Hinweis, dass die Szene international vernetzt ist und die Schweiz eine zentrale Rolle in Europa spielt. Einen okkulten Zirkel führt auch der in St. Gallen lebende Magier Karl-Friedrich Frey alias Akron, der das Kultbuch "Baphomet" geschrieben hat. Diese drei bekannten Satanszirkel distanzieren sich von Grabschändungen und Tieropfern. Sie müssen sich allerdings den Vorwurf gefallen lassen, eine Vorreiterrolle zu spielen und mit ihren Schriften die Fantasie interessierter Jugendlicher anzuheizen. Satanszirkel haben oft völkische, rassistische, rechtsradikale, manchmal auch faschistoide Züge. Der Luziferorden von Satorius verehrt etwa die Wewelsburg im deutschen Landkreis Paderborn, die Hitler als Refugium diente. Die Satanszirkel sind streng hierarchisch aufgebaut, die Mitglieder zeichnen sich durch Autoritätsgläubigkeit aus, obwohl sie sich mit aller Macht gegen das Establishment auflehnen. Die Gesetze der Satanisten Das gemeinsame Merkmal der Satanisten ist die Umkehr aller christlichen Werte: Gut wird zu Böse, Hell zu Dunkel, Gott zu Satan. Satansjünger haben ihre eigenen Gesetze. Erlaubt ist, was ihnen gut oder eben "bös" zu sein scheint. Satorius achtet darauf, dass sein Luziferorden im Rahmen der weltlichen Gesetze operiert. Da sich Satanisten dem Bösen verpflichtet fühlen, neigen sie aber zu hemmungslos egozentrischem Verhalten. Die jüngsten Schlagzeilen gehen nicht auf die bekannten drei Satanszirkel zurück, sondern auf Aktionen kleiner Gruppen aus dem riesigen Feld von Grufties, Black-Metal-Fans, Anhängern okkulter Ideen, Schwarzmagiern und Mitläufern. Tatsächlich haben viele junge Leute eine beachtliche Faszination für morbide Phänomene. Der Zugang zu diesen Ideen ist heute leicht, die Hemmschwelle sinkt. Und oft treten Nachahmer auf, die aus reinem Blödsinn und unter Einfluss von Drogen oder Alkohol das Gruseln eines nächtlichen Spuks auf einem Friedhof spüren wollen. So war es offenbar auch bei den Vandalen in Luzern, die, wie sie der Polizei sagten, sich von Alkohol berauschen und von Black-Metal-Musik aufpeitschen liessen. Ein Überblick über die Vielfalt der "schwarzen Szenen" zeigt, dass die eigentlichen Satanisten eine Minderheit sind. Black-Metal-und Death-Metal-Musiker beschwören oft das Böse. Ihr Hardrock ist Ausdruck radikaler Rebellion gegen die verkrusteten Werte einer heuchlerischen Zivilgesellschaft. In den Texten der Musiker "mit den schwarzen Seelen" wird oft der Satan verehrt. Rechtsradikale Zirkel und Neonazis finden über die Verklärung des Nationalsozialismus, der okkulte Rituale wiederbelebte, Gefallen an schwarzmagischen Praktiken. Extreme Formen der Esoterik und des New Age, bei denen es um die Bindung übersinnlicher Kräfte und das Vordringen in Grenzbereiche geht, wecken bei manchen Leuten das Interesse an schwarzmagischen Ideen. Die an sich recht harmlose Goticszene, die mit schwarzen Kräften und dem Tod kokettiert, kann bei labilen Anhängern die Faszination von schwarzmagischen Ritualen wecken. Sie feiern Feste, bei denen sie als Tod verkleidet sind. Särge und Skelette sind Requisiten ihrer Partys. Neuheidnische Kreise und Hexenzirkel beschwören ebenfalls okkulte Kräfte und können bei psychisch unstabilen Mitgliedern die Sehnsucht nach schwarzmagischen Phänomenen wecken. Erste Berührungen mit solchen Phänomenen hatten viele Anhänger der "schwarzen Szene" als Jugendliche. Okkulte Rituale wie Gläserrücken und das Anrufen verstorbener Ahnen gehören heute für viele Jugendliche zum Groof und sind eine Mutprobe. Viele ältere Schüler und Lehrlinge üben als Grusel die übersinnlichen Praktiken. Die Jugendzeitschrift "Bravo" veröffentlichte vor ein paar Jahren eine Artikelserie, in der die Rituale detailliert beschrieben waren. Sie lösten an vielen Schulen eine Welle solcher Praktiken aus. Für zwei Mädchen aus Dietikon ZH wurde das Gläserrücken zum tödlichen Ereignis (siehe Kasten). Viele Jugendliche lassen sich von Horrorvideos und Büchern über Satansrituale inspirieren. Sie lesen vor allem das Buch "Lukas - vier Jahre Hölle und zurück", das im Bastei-Verlag veröffentlicht wurde. Der Autor schildert seine Erfahrungen, die er als Jugendlicher in einer satanistischen Gruppe gemacht haben will. Er beschreibt schwarze Messen, Tieropfer, Initiationsrituale, okkulte Mutproben, das Trinken von Blut und so weiter. Ältere Satanisten halten sich eher an Akrons Buch "Baphomet". Vielfältige Motive Was sind die Ursachen der zunehmenden Faszination für dunkle Kräfte und das "Böse"? Für viele Satansjünger und Okkultisten ist die Zugehörigkeit zu einem Zirkel mit geheimnisumwitterten Ritualen und dem Verschwiegenheitsgelübde Identität stiftend. Sie finden eine Heimat in der verschworenen Gemeinschaft. Gleichzeitig können sie sich von der Gesellschaft abgrenzen und den Nimbus eines Ordens geniessen. Das Selbstwertgefühl wird dadurch gestärkt. Manche sehen in schwarzmagischen Ritualen die einzige Möglichkeit, sich von zu toleranten Eltern oder Lehrern abzugrenzen und diese aufzuschrecken. Viele Rituale haben ausserdem die Qualität einer Mutprobe - man begibt sich in eine verborgene, abgründige Welt. Für den Sektenkenner Georg Schmid ist das Umwerten der Werte durch Okkultisten oft nur ein Hilfeschrei von Jugendlichen. Für viele sei es ein plakativer Protest, etwa gegen persönliche Benachteiligung oder generell gegen die Ungerechtigkeit der Welt, meint er. Die meisten Jugendlichen wachsen nach einer gewissen Zeit aus der Szene heraus. Anders verhält es sich bei den eingefleischten Satanisten, die den Beelzebub zu ihrem Gott machen. Sie konstruieren eine alternative geistige Welt, die ihnen zur Heimat wird. Ihr Denken wird oft von Realitätsverlust bestimmt. Sie werden zu Grenzgängern zwischen zwei Welten, was oft nur durch Abspaltungen und Wahrnehmungsverschiebungen gelingt: Der Satanismus ist einerseits zur Lebensform geworden, andererseits müssen sie sich mit den Umgangsformen der verhassten Gesellschaft arrangieren. Es ist nicht auszuschliessen, dass dies eine mögliche pathologische Entwicklung begünstigt. Ritualmorde, wie sie in jüngster Zeit in Deutschland, England, Spanien, in den USA, in Russland, Lettland und der Türkei durch Satanisten verübt wurden, sind nachweislich die Folge von psychischen Störungen. Gegen christliche Werte gerichtet Der deutsche Sektenexperte Thomas Gandow sieht in der Sympathisantenszene eine kulturelle Gegenströmung zur jüdisch-christlichen Tradition. Ausserdem betrachtet er den modernen Satanismus als eine Zuspitzung der Power-und Erfolgsreligiosität, wie sie auch in der New-Age-Strömung zum Ausdruck kommt. In Zeiten des Machbarkeitswahns versuchen viele, Herrscher über die göttlichen - oder eben satanischen - Kräfte zu werden. Die meisten Satansjünger sind lediglich Mitläufer. Sie gerieten vielleicht über Kollegen oder Freunde ins Umfeld eines Zirkels und wagten es nicht, sich zu distanzieren. Sobald sie das erste Mal an Ritualen teilgenommen haben, sind sie erpressbar. Die gruppendynamischen Prozesse führen zu einer Einbindung, weil der Betroffene nicht als Feigling gelten will. Der Zeitgeist begünstigt den Hang zum Morbiden und Okkulten. Die meisten Vandalenakte auf Friedhöfen und in Kirchen sind denn auch nicht auf hart gesottene Satanisten zurückzuführen, sondern werden von Mitläufern verübt. |
Soko Weiher - Kein Ritualmord. stugtr0020010727dx7r000cm 132 Words 27 July 2001 Stuttgarter Zeitung 24 German (c) 2001, Stuttgarter Zeitung Ansprechpartner: 0049-711-7205-782 |
BÖBLINGEN (gig). Die Sonderkommission Wei her habe im Mordfall Tobias nach den bisherigen Ermittlungen keine Anhaltspunkte dafür, dass es sich um einen Ritualmord handeln könnte. Dies erklärte der Sprecher der Polizeidirektion Böblingen, Axel Böhm, auf Anfrage. "Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart, Christof Kleiner. Der elfjährige Junge aus Weil im Schönbuch (Kreis Böbingen) war am 30.Oktober mit zahlreichen Messerstichen getötet worden. Das Gerücht, dass bei dem Mord in Weil im Schö nbuch Satanismus eine Rolle gespielt haben könnte, war in den vergangenen Tagen wieder aufgekommen, weil Mitte Juli ein mutmaßliches Satanistenpaar aus Witten in Nordrhein-Westfalen einen brutalen Ritualmord gestanden hatte. Bei ihren Fahndungen geht die Sonderkommision immer noch davon aus, dass es sich "um einen Täter mit örtlichem Bezug handelt". |
Satanismus-Mord - Keine Hinweise auf rechtsradikalen Hintergrund - DNA-Analyse bestätigt ... adn0000020010716dx7g00cch 207 Words 16 July 2001 14:42 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
Satanismus-Mord - Keine Hinweise auf rechtsradikalen Hintergrund - DNA-Analyse bestätigt Identität des Opfers. (Übersicht) |
Der Verdacht auf einen rechtsextremistischen Hintergrund bei dem grausamen Mord im Satanismus-Milieu in Witten hat sich zumindest vorläufig nicht bestätigt. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Ehepaars Ruda, das den Mord gestanden hat, seien weder Broschüren, Hefte, Aufzeichnungen noch CDs mit rechtsradikalem Inhalt gefunden worden, teilte die Bochumer Polizei am Montag mit. Die Mordkommission kündigte an, bei ihren weiteren Ermittlungen die Vergangenheit von Daniel Ruda sowie seine Kontakte zur rechten Szene zu überprüfen. Der 25 Jahre alte Mann war nach Polizeiangaben 1998 wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er die CD einer Neonazi-Band abgespielt hatte. Ruda und seine drei Jahre jüngere Frau Manuela hatten zugegeben, einen 33-Jährigen aus dem nordrhein-westfälischen Datteln «auf Befehl Satans» mit zahlreichen Messerstichen und Hammerschlägen umgebracht zu haben. Das am Montag veröffentlichte Ergebnis einer DNA-Analyse ergab zweifelsfrei, dass es sich bei dem Opfer um einen Bekannten des tatverdächtigen Ehepaars handelt. Die Untersuchung habe die Geständnisse bestätigt, hieß es. Gegen das Paar erging Haftbefehl wegen Mordes. Mit einem psychiatrischen Gutachten soll zudem die Schuldfähigkeit des Duos geprüft werden. |
Satanismus-Mord in Witten - DNA-Analyse bestätigt Identität des Opfers. adn0000020010716dx7g0080x 128 Words 16 July 2001 11:01 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
Nach dem Mord im Wittener Satanismusmilieu hat nun auch die DNA-Analyse ergeben, dass es sich bei dem Opfer zweifelsfrei um einen 33-jährigen Bekannten des tatverdächtigen Ehepaars handelt. Wie die Bochumer Polizei am Montag mitteilte, bestätigte die Untersuchung die Geständnisse der am Donnerstag festgenommenen Manuela und Daniel Ruda. Das Ehepaar hatte zugegeben, den 33-Jährigen aus Datteln «auf Befehl Satans» mit zahlreichen Messerstichen und Hammerschlägen umgebracht zu haben. Gegen den 25-Jährigen und seine drei Jahre jüngere Ehefrau erging Haftbefehl wegen Mordes. Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten am Montag weiter zu den Hintergründen der Tat. Auch mögliche Verbindungen zur rechtsradikalen Szene würden geprüft, hieß es. Mit einem psychiatrischen Gutachten soll zudem die Schuldfähigkeit der beiden Tatverdächtigen geprüft werden. |
Experte - Satanismus ist im Aufschwung. adn0000020010714dx7e001e2 220 Words 14 July 2001 02:27 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
(ddp-Interview) Satanische Kulte befinden sich nach Ansicht von Glaubensexperten in Deutschland im Aufschwung. Die Gruppen agierten jedoch im Verborgenen. «Wir erfahren von ihnen nur dann, wenn Mitglieder sich an uns wenden, die aussteigen wollen», sagte der Beauftragte für Weltanschauungsfragen der evangelischen Landeskirche Hannover, Ingolf Christiansen, der Nachrichtenagentur ddp in Göttingen. Deutschlandweit werde die Zahl der Satanisten auf bis zu 10.000 geschätzt. |
Die satanischen Gruppen pflegten «Kulte, die noch aus dem Mittelalter stammen und betreiben damit eine Selbstvergötterung». Sie wollten ihre Umwelt mit magischen Kräften beeinflussen und dominieren. Gefährlich würden die Gemeinschaften dann, «wenn sie versuchen, mit dem Opfern von Lebewesen zusätzliche Energien für sich zu gewinnen». Die Ideologie der Satanisten sei der der rechtsextremen Szene sehr ähnlich. So werde unter anderem auch «die Herrschaft der Starken über die Schwachen propagiert und das Ideal von Blut und Boden gepflegt». Neumitglieder stellten ihren ersten Kontakt zu den geheimen Satansgemeinschaften zunehmend über das Internet her, sagte Christiansen. Vor allem ich-schwache Menschen und solche mit ausgeprägten Minderwertigkeitskomplexen seien anfällig für den Satanskult. Deswegen falle ihnen später auch der Ausstieg aus der Gruppe schwer. Sie glaubten «dann an den Bannfluch des Anführers, der sie treffen kann und eine ewige Verknüpfung mit Satan», sagte Christiansen. Für ihn gewinne deshalb die seelsorgerische Arbeit mit ehemaligen Satanisten ständig an Bedeutung. |
Satanismus-Mord - Täterpaar will «Auftrag vom Teufel» bekommen haben - Manuela Ruda überfiel ... adn0000020010713dx7d00dfh 430 Words 13 July 2001 14:10 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
Satanismus-Mord - Täterpaar will «Auftrag vom Teufel» bekommen haben - Manuela Ruda überfiel Apotheke in Apolda - Von Michael Bosse. (Zusammenfassung) |
Die mutmaßlichen Wittener Ritualmörder Manuela und Daniel Ruda haben bei der Tötung ihres 33-jährigen Freundes nach eigenen Angaben «auf Befehl Satans» gehandelt. Die Eheleute hätten in ersten Vernehmungen ein umfassendes Geständnis abgelegt und «Satan» beziehungsweise «den Teufel» als Auftraggeber für ihre Bluttat genannt, berichtete der leitende Staatsanwalt Dieter Justinsky am Freitag in Bochum. Die beiden waren am Donnerstag nach mehrtägiger Flucht in Jena-Maua festgenommen worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gab das Ehepaar zu, am Freitag vergangener Woche im nordrhein-westfälischen Witten seinen 33-jährigen Bekannten Frank H. mit einer Serie Messerstiche und zahlreichen Hammerschlägen getötet zu haben. Bei ihren Vernehmungen hätten die beiden keine Reue gezeigt, hieß es. Ein psychiatrischer Gutachter soll nun klären, inwieweit der 25-Jährige und seine drei Jahre jüngere Ehefrau schuldfähig sind. Bislang gebe es keine Hinweise darauf, was das Paar in Thüringen vor hatte. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft konnten mögliche Verbindungen zu einem früheren Ritualmord in der Region derzeit nicht bestätigt werden. Nach Angaben der Ermittler überfiel die 22-Jährige während der Flucht eine Apotheke in Apolda und raubte eine Packung Schlaftabletten. Das 33-jährige Opfer aus Datteln ist nach Ansicht der Ermittler rein zufällig für die Tat ausgewählt worden. Der Mann sei am Freitag «völlig arglos» der Einladung des Ehepaars Ruda gefolgt und in der Wohnung umgebracht worden, erklärte der Chef der Abteilung für Tötungsdelikte bei der Kripo Bochum, Walter Pindur. Ob das Opfer mit den in Satanismuskreisen symbolischen 66 Messerstichen ermordet wurde, stehe noch nicht fest. Es sei sehr schwer, die einzelnen Verletzungen nachzuweisen. Sicher sei jedoch, dass beide Tatverdächtige auf das Opfer eingestochen hätten. Die DNA-Analyse, die Sicherheit über die Identität des völlig entstellten Opfers gibt, soll spätestens bis Anfang kommender Woche vorliegen. In ihrer Neigung zu Satanismus und Okkultem habe sich das Ehepaar offensichtlich «gefunden und ergänzt», betonte Justinsky. Inwieweit andere Menschen durch das Ehepaar gefährdet waren, werde noch geprüft. Nach der Flucht der beiden war am Tatort eine so genannte «Todesliste» gefunden worden, die 15 Namen von Bekannten enthielt. Die Polizei hatte diesen Betroffenen vorsorglich Polizeischutz angeboten. Das Ehepaar war am Donnerstagvormittag in Jena-Maua nach dem Tipp eines Autofahrers ohne Widerstand festgenommen worden. Bei der Festnahme des Duos fand die Polizei in der Wagentür eine Gaspistole und eine Stichwaffe. Das Fahrzeug hatte ein falsches Kyffhäuser Kennzeichen, die okkultistischen Aufkleber auf dem hellen Opel des Paares fehlten. (Quellen: Pressekonferenz und - informationen der Polizei und Staatsanwaltschaft Bochum) |
Satanismus-Mord - Täterpaar will «Auftrag vom Teufel» bekommen haben - Von Michael Bosse. adn0000020010713dx7d00cnn 595 Words 13 July 2001 13:42 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
(Zusammenfassung) Die mutmaßlichen Wittener Ritualmörder Manuela und Daniel Ruda haben bei der Tötung ihres 33-jährigen Freundes nach eigenen Angaben «auf Befehl Satans» gehandelt. Die Eheleute hätten in ersten Vernehmungen ein umfassendes Geständnis abgelegt und «Satan» beziehungsweise «den Teufel» als Auftraggeber für ihre Bluttat genannt, berichtete der leitende Staatsanwalt Dieter Justinsky am Freitag in Bochum. |
Demnach gab das Ehepaar zu, am Freitag vergangener Woche in Witten seinen 33-jährigen Bekannten Frank H. mit einer Serie Messerstiche und zahlreichen Hammerschlägen getötet zu haben. Bei ihren Vernehmungen hätten die beiden, die nach der bestialischen Tat geflohen waren und am Donnerstag im thüringischen Jena festgenommen wurden, keine Reue gezeigt, hieß es. Ein psychiatrischer Gutachter soll nun klären, inwieweit der 25-jährige und seine drei Jahre jüngere Ehefrau schuldfähig sind. Das 33-jährige Opfer aus Datteln ist nach Ansicht der Ermittler rein zufällig für die Tat ausgewählt worden. Der Mann sei am Freitag «völlig arglos» der Einladung des Ehepaars Ruda gefolgt und in der Wohnung umgebracht worden, erklärte der Chef der Abteilung für Tötungsdelikte bei der Kripo Bochum, Walter Pindur. Ob das Opfer mit den in Satanismuskreisen symbolischen 66 Messerstichen ermordet wurde, stehe noch nicht fest. Es sei sehr schwer, die einzelnen Verletzungen nachzuweisen. Sicher sei jedoch, dass beide Tatverdächtige auf das Opfer eingestochen hätten. Die DNA-Analyse, die hundertprozentige medizinische Sicherheit über die Identität des völlig entstellten Opfers gibt, soll spätestens bis Anfang kommender Woche vorliegen. In seiner polizeilichen Vernehmung habe Daniel Ruda zudem betont, er habe bei der Gewalttat nicht unter Drogen gestanden, sagte Justinsky weiter. Die Unterstützung durch einen Anwalt lehnten beide Tatverdächtige ab. Über die weiteren Umstände des Mordes wollten die Ermittler zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Angaben machen. Es sei noch unklar, wann und wie die Bluttat vorbereitet wurde. Bislang gebe es auch keine Hinweise darauf, was das Paar in Thüringen vorhatte, wo es am Donnerstag festgenommen wurde. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft konnten mögliche Verbindungen zu einem anderen Ritualmord in dieser Region derzeit nicht bestätigt werden. In ihrer Neigung zu Satanismus und Okkultem habe sich das Ehepaar offensichtlich «gefunden und ergänzt», betonte Justinsky. Inwieweit andere Menschen durch das Ehepaar gefährdet waren, werde noch geprüft. Nach der Flucht der beiden war am Tatort eine so genannte «Todesliste» gefunden worden, die 15 Namen von Bekannten enthielt. Die Polizei hatte diesen Betroffenen vorsorglich Polizeischutz angeboten. Nach Aussage von Staatsanwalt Justinsky ist das Ehepaar bislang polizeilich nicht besonders aufgefallen. Daniel Ruda sei wegen Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen und Verstoßes gegen das Waffengesetz verurteilt worden, gegen Ehefrau Manuela liege nichts vor. Nach Angaben der Ermittler überfiel die 22-Jährige jedoch während der Flucht eine Apotheke in Apolda und raubte eine Packung Schlaftabletten. Das Ehepaar war am Donnerstagvormittag in Jena-Maua nach dem Tipp eines Autofahrers an der Autobahn 4 ohne Widerstand festgenommen worden. Bei der Festnahme des Duos fand die Polizei in der Wagentür eine Gaspistole und eine Stichwaffe. Das Fahrzeug hatte ein falsches Kyffhäuser Kennzeichen, die okkultistischen Aufkleber auf dem hellen Opel des Paares fehlten. Die Leiche des 33-Jährigen war am Montag in der Wohnung des Ehepaars entdeckt worden, nachdem die Mutter von Manuela Ruda einen angeblichen Abschiedsbrief ihrer Tochter erhalten und die Polizei informiert hatte. Satanistische und okkultistische Symbole beherrschten die in einem Mehrfamilienhaus gelegene Wohnung des Ehepaars: Im schwarz gestrichenen Wohnzimmer stand als einziges Möbelstück ein Eichensarg. An den Wänden hingen umgedrehte Kreuze und Nazi-Symbole, auf den Tischen lagen künstliche Totenköpfe. An einer Fensterscheibe stand in roter Schrift «When Satan Lives» («wenn Satan lebt») geschrieben. (Quellen: Pressekonferenz und - informationen der Polizei und Staatsanwaltschaft Bochum) |
ddp am Mittag / zwei - 12.30 Uhr - Freitag, 13. Juli 2001. adn0000020010713dx7d0086k 380 Words 13 July 2001 10:34 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
Müller: Mehrheit der Deutschen für CDU-Zuwanderungskonzept Berlin - Saarlands Ministerpräsident Müller zeigt sich davon |
überzeugt, dass es in Deutschland eine «klare Mehrheit» für das CDU-Zuwanderungskonzept gibt. Im DeutschlandRadio Berlin machte Müller heute deutlich, seine Partei werde einem Zuwanderungsgesetz nur dann zustimmen, wenn es die Positionen der CDU umsetze. Sollte es in dieser Legislaturperiode keinen Konsens in der Zuwanderungsfrage geben, müsse über das Thema im Bundestagswahlkampf 2002 geredet werden, betonte der CDU-Politiker. Annan fordert verstärkten Kampf gegen Intoleranz Berlin - UN-Generalsekretär Annan hat Deutschland zu einem verstärkten Kampf gegen Intoleranz aufgefordert. Trotz der jahrzehntelangen Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft litten viele Gesellschaften nach wie vor unter ethnischen Konflikten, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, sagte Annan heute bei der Entgegennahme der Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin. Deutschland komme beim Aufbau einer gerechten Gesellschaft eine wichtige Rolle zu. Bundestagspräsident Thierse würdigte in seiner Laudatio den 63-jährigen Ghanaer als einen Mann, der «Menschen und den Völkern, den Regierungen und Staatschefs ins Gewissen redet». Ehepaar gesteht Satanismus-Mord in Witten Bochum - Das im thüringischen Jena festgenommene Ehepaar Ruda hat den Mord an seinem 33-jährigen Opfer gestanden. Wie die Staatsanwaltschaft heute mitteilte, gaben die 22-jährige und ihr drei Jahre älterer Mann in den Vernehmungen die Bluttat im Satanismusmilieu zu. Das Ehepaar Ruda war gestern Abend nach seiner Festnahme per Hubschrauber nach Bochum gebracht und dem Haftrichter vorgeführt worden. Bei dem 33-Jährigen handelt es sich um einen Bekannten des Paares. Er wurde in deren Wittener Wohnung umgebracht. Hochzeit zwischen Graf und Agassi unklar Las Vegas/Hamburg - Nach der Bestätigung der Schwangerschaft von Ex-Tennis-Königin Steffi Graf beginnt nun ein Rätselraten um eine mögliche Hochzeit des Stars. Während die «Bild»-Zeitung heute berichtete, in Grafs Wohnort Boca Raton in Florida würden Vorbereitungen für ein großes Fest am Samstag getroffen, gibt es bislang keine offiziellen Hinweise auf die Hochzeitspläne. Dagegen scheint die Schwangerschaft von Steffi Graf sicher. Die Firma von Grafs Freund Andre Agassi, Agassi Enterprise, kündigte in der Nacht in Las Vegas an, Steffi bekomme voraussichtlich Mitte Dezember ein Kind. Einzelheiten wollte Grafs Büro in Mannheim auf ddp-Anfrage nicht nennen. Ihre Ansprechpartnerin in der ddp-Zentralredaktion: Annette Schmid-Heizer, Telefon: 089-321-96-674, E-Mail: annette.schmid-heizer@ddp.de |
Ehepaar gestand Wittener Satanismus-Mord. adn0000020010713dx7d006my 113 Words 13 July 2001 09:33 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
Das in Jena-Maua festgenommene Ehepaar Manuel und Daniel Ruda hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bochum den Mord an einen 33-jährigen Mann gestanden. Wie die Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte, gaben die 22-Jährige und ihr drei Jahre älterer Mann in den Vernehmungen die Bluttat im Satanismusmilieu zu. Weitere Einzelheiten wollten die Ermittler am Mittag (13.00 Uhr) auf einer Pressekonferenz im Polizeipräsidium Bochum bekannt geben. Das Ehepaar war am Donnerstagabend nach seiner Festnahme am Morgen in Jena per Hubschrauber nach Bochum gebracht und dem Haftrichter vorgeführt worden. Bei dem 33-Jährigen Mordopfer handelt es sich um einen Bekannten des Paares. Er wurde in deren Wittener Wohnung umgebracht. |
Satanismus-Mord in Witten - Ehepaar gestand die grausame Tat. adn0000020010713dx7d006bt 113 Words 13 July 2001 09:24 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
Das im thüringischen Jena festgenommene Ehepaar Manuel und Daniel Ruda hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bochum den Mord an einen 33-jährigen Mann gestanden. Wie die Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte, gaben die 22-jährige und ihr drei Jahre älterer Mann in den Vernehmungen die Bluttat im Satanismusmilieu zu. Weitere Einzelheiten wollten die Ermittler am Mittag (13.00 Uhr) auf einer Pressekonferenz im Polizeipräsidium Bochum bekannt geben. Das Ehepaar Ruda war am Donnerstagabend nach seiner Festnahme per Hubschrauber nach Bochum gebracht und dem Haftrichter vorgeführt worden. Bei dem 33-Jährigen handelt es sich um einen Bekannten des Paares. Er wurde in deren Wittener Wohnung umgebracht. |
Ende einer Flucht - Mutmaßliches Mörderpaar in Thüringen gestellt - Von Jens Hapke. adn0000020010712dx7c00eoc 584 Words 12 July 2001 14:40 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
(Zweite Zusammenfassung - neu: Verdächtige in Bochum gelandet) (mit Bildern) |
Sechs Tage nach dem Mord im Satanismus-Milieu im nordrhein-westfälischen Witten ist das tatverdächtige Ehepaar Manuela und Daniel Ruda am Donnerstag in Thüringen gestellt worden. Beide wurden in Bochum in Haft genommen. Nach Angaben der Polizei konnten die 22-jährige Frau und ihr drei Jahre älterer Mann in Jena-Maua nach dem Tipp eines Autofahrers an der Autobahn 4 ohne Widerstand festgenommen werden. Am Nachmittag trafen die mutmaßlichen Mörder, die den Ermittlungen zufolge am vergangenen Freitag einen 33-jährigen Bekannten mit 66 Messerstichen und zahlreichen Hammerschlägen bestialisch umgebracht haben, per Hubschrauber in Bochum ein. Dort sollten sie am Abend einem Haftrichter vorgeführt werden. Bei der Festnahme des Duos fand die Polizei in der Wagentür zwei Pistolen und eine Stichwaffe. An dem Fahrzeug sei ein falsches Kyffhäuser Kennzeichen angebracht gewesen, hieß es. Die okkultistischen Aufkleber auf dem hellen Opel des Paares fehlten. Möglicherweise hat Manuela Ruda in Apolda außerdem eine Apotheke überfallen und mit vorgehaltener Pistole Antidepressiva verlangt. Daraufhin hatte sie von der Apothekerin Schlaftabletten bekommen. Die Identität des völlig entstellten Wittener Opfers war auch am Donnerstag noch immer nicht endgültig geklärt, wie ein Polizeisprecher sagte. Letzte Sicherheit sollte erst das Ergebnis einer DNA-Analyse bringen. Die Ermittler gehen aber mit großer Sicherheit davon aus, dass es sich bei dem Toten um einen 33-Jährigen, aus Datteln stammenden Bekannten des Ehepaars handelt, der seit Freitag vermisst wird. Die Rudas hatten ihn «zu einem Umtrunk» eingeladen. Gefunden wurde die Leiche am Montagmorgen, nachdem die Mutter von Manuela Ruda einen angeblichen Abschiedsbrief ihrer Tochter erhalten und die Polizei informiert hatte. Der ermittelnde Staatsanwalt Dieter Justinsky hatte unmittelbar nach Entdeckung der Tat keinen Zweifel daran gelassen, dass das Paar «einfach Lust am Töten» hatte. Dies sei ein Grund dafür gewesen, dass die 22-Jährige und ihr drei Jahre älterer Gefährte auch auf den bereits Toten mit Messern eingestochen und mit einem Zimmermannshammer eingeschlagen hätten. Satanistische und okkultistische Symbole beherrschten die in einem Mehrfamilienhaus gelegene Wohnung des Ehepaars: Im schwarz gestrichenen Wohnzimmer stand als einziges Möbelstück ein Eichensarg. An den Wänden hingen umgedrehte Kreuze und Nazi-Symbole, auf den Tischen lagen künstliche Totenköpfe. An einer Fensterscheibe stand in roter Schrift «When Satan Lives» («wenn Satan lebt») geschrieben. Auch wenn die düstere Szenerie den Verdacht zuließ, hatte die Polizei zunächst ausgeschlossen, dass der 33-Jährige das Opfer einer schwarzen Messe geworden ist. Den Fluchtweg konnten die Fahnder weitgehend rekonstruieren: Unmittelbar nach der Tat fuhr das frisch verheiratete Ehepaar mit seinem Opel Vectra eine Tankstelle in Witten an, kaufte Zigaretten, tankte voll und flüchtete Richtung Ostdeutschland. Am Samstag ließen Daniel und Manuela Ruda in Hannover ihr Auto reparieren und kauften vier neue Reifen. Am Montagnachmittag wurden die beiden zum ersten Mal in Thüringen gesehen. Den Zeugen war vor allem der damals noch mit satanistischen Schriftzeichen lackierte Wagen aufgefallen: Ein rotes Pentagramm (fünfeckiger Stern) schmückte die Heckscheibe ebenso wie die Schrift «Soko-Friedhof». An den Türen stand «Kadaververwertungsanstalt - Bunkertor 7». Währenddessen hatten sich 20 Ermittler einer Sonderkommission an die Fersen des Ehepaars geheftet. Die Beamten hielten beide für «äußerst gefährlich» und fürchteten, das Paar könne noch weitere Verbrechen begehen. Ihre Sorge wurde von einer Liste mit bis zu 15 Namen genährt, die sich in der Wohnung neben der Leiche befand. Mit allen genannten Personen lebten die Rudas im Streit, wie es hieß. Die Polizei glaubte, dass es sich um eine Art «Todesliste» handeln könnte. Vorsorglich war allen Betroffenen Polizeischutz angeboten worden. |
Bei Jena war die Flucht zu Ende - Im Vorort Maua fasste die Polizei mutmaßliches Mörderpaar aus ... adn0000020010712dx7c00dqi 517 Words 12 July 2001 15:44 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
Bei Jena war die Flucht zu Ende - Im Vorort Maua fasste die Polizei mutmaßliches Mörderpaar aus der Satanismus-Szene - Von den ddp-Korrespondenten Angelika Schimmel und Uwe Frost. (mit Bildern) |
In Maua passiert normalerweise nichts. Der zu Jena gehörende Ort ist durch die Autobahn von der thüringischen Saalestadt abgeschnitten. Und in die kleine Straße am Waldrand verirren sich manchmal Angler, die gern dort parken, wenn sie auf Fischzug in der Saale gehen. Am Donnerstagmorgen aber war alles anders. Kurz vor 09.00 Uhr fiel einem einheimischen Kraftfahrer ein Auto auf, das da nicht hingehörte. Er glaubte, das wegen eines brutalen Mordes bundesweit gesuchte Ehepaar Manuela und Daniel Ruda zu erkennen und informierte die Polizei. Von diesem Zeitpunkt an ging alles unwahrscheinlich schnell und, wie der Jenaer Polizeidirektor Rüdiger Schrehardt sagte, «ausgesprochen professionell». Die sofort eingeleiteten Ermittlungen hätten den Anfangsverdacht bestätigt, Fahrzeug und Insassen seien «mit besonderen erkennungsdienstlichen Mitteln» identifiziert worden. Beamte riegelten Zufahrtswege ab und gingen in Deckung. Das Sondereinsatzkommando der Thüringer Polizei war jedoch noch unterwegs, als sich das verdächtige Fahrzeug in Bewegung setzte. «Da mussten wir zugreifen», sagte Polizeihauptkommissar Carsten Reinhold, der die Aktion leitete. Die Beamten stoppten das Fahrzeug und nahmen das Paar fest. «Sie leisteten keinen Widerstand, ihre Regungslosigkeit deutete darauf hin, dass wir sie völlig überrumpelt haben», ergänzte er. Drei Stunden später waren die mutmaßlichen Mörder per Polizeihubschrauber schon auf dem Weg nach Bochum. Die dortige Polizei leitet die Ermittlungen. Die Tat, die sie dem satanischen Paar vorwerfen, ist barbarisch. Mit 66 Messerstichen setzte das Pärchen in der vergangenen Woche in ihrer Wohnung in Witten dem Leben eines 33-jährigen Bekannten ein Ende. Überdies malträtierten die beiden ihr Opfer so massiv mit einem Zimmermannshammer, dass den Kriminalpolizisten später der Atem stockte. «Ich habe noch nie solch ein Bild des Grauens gesehen», sagte ein Ermittler. Den Schock vertieft haben mag die entsetzliche Szenerie am Tatort. Einziges Möbelstück im Wohnzimmer war ein Eichensarg. An den schwarz gestrichenen Wänden hingen umgedrehte Holzkreuze. Trotz der satanischen Insignien will die Polizei aber nicht von einem Ritualmord sprechen. Reine Lust am Töten habe das Paar derart wüten lassen. Zudem fand die Polizei eine Liste mit Namen von 15 Personen, mit denen die Rudas im Streit gelebt hätten. Die Sorge der Polizei war deshalb nicht unbegründet, dass das Paar weitere derartige grausame Taten verüben könnte. Unter Schutz stellte die Polizei auch die Eltern von Sandro Beyer aus Sondershausen. Der damals 16-Jährige war von drei Mitschülern, die dem Satanskult frönten, getötet worden. Zur den Schutzvorkehrungen äußerte sich die Polizei aber nur ganz allgemein. Es habe eine «Gefährdungssituation» gegeben. Ob ein Zusammenhang mit der Flucht des Wittener Paares besteht, die auf ihrer Flucht auch in Sondershausen Station gemacht hatten, blieb offen. Am Nachmittag war in Jena-Maua wieder die übliche Ruhe eingekehrt, Vogelgezwitscher und Hundebellen sind die bestimmenden Geräusche. Manche der Bewohner werden erst, als sie von der Arbeit zurück waren, von den Nachbarn über die dramatischen Zwischenfälle in ihrem Heimatort informiert worden sein. Oder sie haben ihren Vorgarten in den abendlichen Nachrichtensendungen entdeckt. |
ddp am Abend/ zwei - 17.30 Uhr - Donnerstag, 12. Juli 2001. adn0000020010712dx7c00d9u 407 Words 12 July 2001 15:34 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
Arbeitgeber fordern neues Lehrerleitbild Berlin - Die Arbeitgeberverbände fordern ein neues Leitbild für |
Lehrer. Die Pädagogen müssten aktive Teilhaber am «Unternehmen» Schule sein und über ausgesprochene Führungsqualitäten verfügen, betonte Arbeitgeberpräsident Hundt heute in Berlin. Es müsse auch Schluss sein mit dem Beamtenstatus der Lehrer. Die Schulen bräuchten dringend mehr Selbstständigkeit, sagte Hundt. Dazu seien «individuelle Arbeitsverträge» für Lehrer und eine gezielte Personalauswahl durch die Schulleitungen notwendig. «Mit dem bisherigen Modell des Staatsbediensteten geht das alles nicht», betonte der Arbeitgeberchef. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und der Deutsche Philologenverband wiesen die Vorstellungen zurück. Reemtsma hält Laudatio auf Friedenspreisträger Habermas Frankfurt/Main - Bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an den Philosophen und Soziologen Jürgen Habermas wird Jan Philipp Reemtsma die Laudatio halten. Der Begründer, Stifter und Leiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung entspreche damit einem persönlichen Wunsch von Habermas, teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels heute mit. Den mit 25.000 Mark dotierten Friedenspreis erhält Habermas am 14. Oktober in der Frankfurter Paulskirche. Der seit 1950 verliehene Friedenspreis gilt als eine der höchsten Auszeichnungen in Deutschland. Mutmaßliches Mörderpaar in Thüringen gefasst Bochum/Witten - Sechs Tage nach dem Mord im Satanismus-Milieu im nordrhein-westfälischen Witten ist das tatverdächtige Ehepaar Manuela und Daniel Ruda heute in Thüringen gestellt worden. Beide wurden in Bochum in Haft genommen. Nach Angaben der Polizei konnten die 22-jährige Frau und ihr drei Jahre älterer Mann in Jena-Maua nach dem Tipp eines Autofahrers an der Autobahn 4 ohne Widerstand festgenommen werden. Am Nachmittag trafen die mutmaßlichen Mörder, die den Ermittlungen zufolge am vergangenen Freitag einen 33-jährigen Bekannten mit 66 Messerstichen und zahlreichen Hammerschlägen bestialisch umgebracht haben, per Hubschrauber in Bochum ein. Dort sollen sie am Abend einem Haftrichter vorgeführt werden. Neue Spuren im Mordfall Julia - Handschellen und verbranntes Plastik Gießen - Im Mordfall Julia ist die Polizei auf weitere Spuren gestoßen. Wie die Staatsanwaltschaft in Gießen am Donnerstag auf ddp-Anfrage mitteilte, wurden im Raum Lahnau-Atzbach verbrannte Plastikteile gefunden. Die Ermittler prüfen nun, ob es sich dabei um die beiden Wasserspielpistolen handelt, die das Mädchen am Tag seiner Entführung bei sich hatte. Ferner entdeckte die Polizei in dem Holzstapel, in dem Julia verbrannt wurde, Metall-Handschellen. Schlussfolgerungen auf den Tathergang können nach Aussagen von Oberstaatsanwalt Hübner daraus noch nicht gezogen werden. Ihr Ansprechpartner in der ddp-Zentralredaktion: Sascha Rudat, Tel. 089 / 32196-669; E-mail: sascha.rudat@ddp.de ddp. |
Mutmaßliches Mörderpaar aus der Satanisten-Szene in Jena gefasst - Autofahrer gab ... adn0000020010712dx7c00ci3 478 Words 12 July 2001 15:10 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
Mutmaßliches Mörderpaar aus der Satanisten-Szene in Jena gefasst - Autofahrer gab entscheidenden Tipp - Von Uwe Frost. (Zeite Zusammenfassung - Neu: Details) |
(mit Bildern) Nach dem Wittener Mord im Satanismus-Milieu ist das tatverdächtige Ehepaar in Thüringen gefasst worden. Nach Darstellung der Jenaer Polizei leisteten die 22-jährige Manuela Ruda und ihr drei Jahre älterer Mann Daniel bei der Festnahme keinen Widerstand. Die mutmaßlichen Mörder, die den Ermittlungen zufolge am vergangenen Freitag einen 33-jährigen Bekannten mit 66 Messerstichen und zahlreichen Hammerschlägen bestialisch umgebracht haben, wurden noch am Donnerstag per Hubschrauber nach Bochum gebracht. Der entscheidende Tipp war am Morgen von einem Autofahrer gekommen. Er hatte das Fluchtfahrzeug auf der Straße zwischen den Ortschaften Rutha und Maua gesehen. Danach gelang der Polizei der Zugriff in dem direkt an der A 4 gelegenen Maua südlich von Jena. In den Seitenfächern der Pkw-Türen fanden die Beamten zwei Pistolen und eine Stichwaffe. An dem Fahrzeug selbst war ein falsches Kennzeichen angebracht. Die Identität des völlig entstellten Opfers war bis Donnerstag noch immer nicht endgültig geklärt, wie ein Polizeisprecher in Bochum sagte. Letzte Sicherheit sollte erst das Ergebnis einer DNA-Analyse bringen. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass es sich bei dem Toten um einen 33-Jährigen, aus Datteln stammenden Bekannten des Ehepaars handelt, der seit Freitag vermisst wird. Der ermittelnde Staatsanwalt Dieter Justinsky hatte unmittelbar nach Entdeckung der Tat keinen Zweifel daran gelassen, dass das Paar «einfach Lust am Töten» hatte. Dies sei ein Grund dafür gewesen, dass die 22-Jährige und ihr drei Jahre älterer Gefährte auch auf den bereits Toten mit Messern eingestochen und mit einem Zimmermannshammer eingeschlagen hätten. Den Fluchtweg konnten die Fahnder weitgehend rekonstruieren. Unmittelbar nach der Tat fuhr das frisch verheiratete Ehepaar mit seinem beigefarbenen Opel Vectra eine Tankstelle in Witten an, kaufte dort Zigaretten, tankte voll und flüchtete Richtung Osten. Am Samstag ließen Daniel und Manuela Ruda in Hannover ihr Auto reparieren und kauften vier neue Reifen. Am Montagnachmittag wurden die beiden zum ersten Mal in Thüringen gesehen. Die Beamten hielten beide für «äußerst gefährlich» und fürchteten, das Paar könne noch weitere Verbrechen begehen. Ihre Sorge wurde von einer Liste mit bis zu 15 Namen genährt, die sich in der Wohnung neben der Leiche befand. Vorsorglich war allen Betroffenen Polizeischutz angeboten worden. Nach Angaben der Polizei in Jena standen auch die Eltern des 1993 in Sondershausen ermordeten Sandro Beyer unter Polizeischutz. Es habe eine «Gefährdungssituation» gegeben. Einzelheiten nannte die Polizei aber nicht. Der damals 16-Jährige war von drei Schulkameraden, die dam Satanismus anhingen, getötet worden. Die Jenaer Polizei prüft derzeit noch, ob Manuela Ruda für eine räuberische Erpressung verantwortlich ist. Am Mittwoch hatte eine Frau in einer Apotheke in Apolda mit vorgehaltener Pistole Antidepressiva verlangt. Ihr waren daraufhin Schlaftabletten ausgehändigt worden. (Quellen: Vertreter von Polizei und Staatsanwaltschaft vor Journalisten in Jena und Bochum) |
In Jena war die Flucht zu Ende - Im stillen Vorort Maua fasste die Polizei mutmaßliches ... adn0000020010712dx7c00ci2 514 Words 12 July 2001 15:08 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
In Jena war die Flucht zu Ende - Im stillen Vorort Maua fasste die Polizei mutmaßliches Mörderpaar aus der Satanismus-Szene - Von den ddp-Korrespondenten Angelika Schimmel und Uwe Frost. In Maua passiert normalerweise nichts. Der zu Jena gehörende Ort ist durch die Autobahn von der Saalestadt abgeschnitten. Und in die kleine Straße am Waldrand verirren sich manchmal Angler, die gern dort parken, wenn sie auf Fischzug in der Saale gehen. Am Donnerstagmorgen aber war alles anders. Kurz vor 09.00 Uhr fiel einem einheimischen Kraftfahrer ein Pkw auf, der da nicht hingehörte. Er glaubte, das wegen eines brutalen Mordes bundesweit gesuchte Ehepaar Manuela und Daniel Ruda zu erkennen und informierte die Polizei. |
Von diesem Zeitpunkt an ging alles unwahrscheinlich schnell und, wie der Jenaer Polizeidirektor Rüdiger Schrehardt sagte, «ausgesprochen professionell». Die sofort eingeleiteten Ermittlungen hätten den Anfangsverdacht bestätigt, Fahrzeug und Insassen seien «mit besonderen erkennungsdienstlichen Mitteln» identifiziert worden. Beamte riegelten Zufahrtswege ab und gingen in Deckung. Das Sondereinsatzkommando der Thüringer Polizei war jedoch noch unterwegs, als sich das verdächtige Fahrzeug in Bewegung setzte. «Da mussten wir zugreifen», sagte Polizeihauptkommissar Carsten Reinhold, der die Aktion leitete. Die Beamten stoppten das Fahrzeug und nahmen das Paar fest. «Sie leisteten keinen Widerstand, ihre Regungslosigkeit deutete darauf hin, dass wir sie völlig überrumpelt haben», ergänzte er. Drei Stunden später waren die mutmaßlichen Mörder per Polizeihubschrauber schon auf dem Weg nach Bochum. Die dortige Polizei leitet die Ermittlungen. Die Tat, die sie dem satanischen Paar vorwerfen, ist barbarisch. Mit 66 Messerstichen setzte das Pärchen in der vergangenen Woche in ihrer Wohnung in Witten dem Leben eines 33-jährigen Bekannten ein Ende. Überdies malträtierten die beiden ihr Opfer so massiv mit einem Zimmermannshammer, dass den Kriminalpolizisten später der Atem stockte. «Ich habe noch nie solch ein Bild des Grauens gesehen», sagte ein Ermittler. Den Schock vertieft haben mag die entsetzliche Szenerie am Tatort. Einziges Möbelstück im Wohnzimmer war ein Eichensarg. An den schwarz gestrichenen Wänden hingen umgedrehte Holzkreuze. Trotz der satanischen Insignien will die Polizei aber nicht von einem Ritualmord sprechen. Reine Lust am Töten habe das Paar derart wüten lassen. Zudem fand die Polizei eine Liste mit Namen von 15 Personen, mit denen die Rudas im Streit gelebt hätten. Die Sorge der Polizei war deshalb nicht unbegründet, dass das Paar weitere derartige grausame Taten verüben könnte. Unter Schutz stellte die Polizei auch die Eltern von Sandro Beyer aus Sondershausen. Der damals 16-Jährige war von drei Mitschülern, die dem Satanskult frönten, getötet worden. Zur den Schutzvorkehrungen äußerte sich die Polizei aber nur ganz allgemein. Es habe eine «Gefährdungssituation» gegeben. Ob ein Zusammenhang mit der Flucht des Wittener Paares besteht, die auf ihrer Flucht auch in Sondershausen Station gemacht hatten, blieb offen. Am Nachmittag war in Jena-Maua wieder die übliche Ruhe eingekehrt, Vogelgezwitscher und Hundebellen sind die bestimmenden Geräusche. Manche der Bewohner werden erst, als sie von der Arbeit zurück waren, von den Nachbarn über die dramatischen Zwischenfälle in ihrem Heimatort informiert worden sein. Oder sie haben ihren Vorgarten in den abendlichen Nachrichtensendungen entdeckt. |
Ende einer Flucht - Mutmaßliches Mörderpaar in Thüringen gestellt - Von Jens Hapke. adn0000020010712dx7c009q1 500 Words 12 July 2001 13:43 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
(Zusammenfassung) (mit Bildern) |
Nach dem Wittener Mord im Satanismus-Milieu haben die Ermittlungsbehörden das tatverdächtige Ehepaar Manuela und Daniel Ruda in Thüringen gestellt. Wie die Bochumer Polizei am Donnerstag bestätigte, wurden die 22-jährige Frau und ihr drei Jahre älterer Mann in Jena-Maua ohne Widerstand festgenommen. Die mutmaßlichen Mörder, die den Ermittlungen zufolge am vergangenen Freitag einen 33-jährigen Bekannten mit 66 Messerstichen und zahlreichen Hammerschlägen bestialisch umgebracht haben, sollten noch am Donnerstag per Hubschrauber nach Bochum gebracht und einem Haftrichter vorgeführt werden. Die Identität des völlig entstellten Opfers war bis Donnerstag noch immer nicht endgültig geklärt, wie ein Polizeisprecher sagte. Letzte Sicherheit sollte erst das Ergebnis einer DNA-Analyse bringen. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass es sich bei dem Toten um einen 33-Jährigen, aus Datteln stammenden Bekannten des Ehepaars handelt, der seit Freitag vermisst wird. Die Rudas hatten ihn «zu einem Umtrunk» eingeladen. Gefunden wurde die Leiche am Montagmorgen, nachdem die Mutter von Manuela Ruda einen angeblichen Abschiedsbrief ihrer Tochter erhalten und die Polizei informiert hatte. Der ermittelnde Staatsanwalt Dieter Justinsky hatte unmittelbar nach Entdeckung der Tat keinen Zweifel daran gelassen, dass das Paar «einfach Lust am Töten» hatte. Dies sei ein Grund dafür gewesen, dass die 22-Jährige und ihr drei Jahre älterer Gefährte auch auf den bereits Toten mit Messern eingestochen und mit einem Zimmermannshammer eingeschlagen hätten. In der in einem Mehrfamilienhaus gelegenen Wohnung des Ehepaares gab es satanistische und okkultistische Symbole in Hülle und Fülle: Im schwarz gestrichenen Wohnzimmer stand als einziges Möbelstück ein Eichensarg. An den Wänden hingen umgedrehte Kreuze und Nazi-Symbole, auf den Tischen lagen künstliche Totenköpfe. An einer Fensterscheibe stand in roter Schrift «When Satan Lives» («als Satan lebt») geschrieben. Auch wenn die düstere Szenerie den Verdacht zuließ, hatte die Polizei zunächst ausgeschlossen, dass der 33-Jährige das Opfer einer schwarzen Messe geworden ist. Den Fluchtweg konnten die Fahnder weitgehend rekonstruieren. Unmittelbar nach der Tat fuhr das frisch verheiratete Ehepaar mit seinem beigefarbenen Opel Vectra eine Tankstelle in Witten an, kaufte dort Zigaretten, füllte den Tank des Wagens voll und flüchtete Richtung Ostdeutschland. Am Samstag ließen Daniel und Manuela Ruda in Hannover ihr Auto reparieren und kauften vier neue Reifen. Am Montagnachmittag wurden die beiden zum ersten Mal in Thüringen gesehen. Den Zeugen in Sondershausen war vor allem der mit satanistischen Schriftzeichen lackierte Wagen aufgefallen: Ein rotes Pentagramm (fünfeckiger Stern) schmückte die Heckscheibe ebenso wie die Schrift «Soko-Friedhof». An den Türen stand «Kadaververwertungsanstalt - Bunkertor 7». Währenddessen hatten sich 20 Ermittler einer Sonderkommission an die Fersen des Ehepaars geheftet. Die Beamten hielten beide für «äußerst gefährlich» und fürchteten, das Paar könne noch weitere Verbrechen begehen. Ihre Sorge wurde von einer Liste mit bis zu 15 Namen genährt, die sich in der Wohnung neben der Leiche befand. Mit allen genannten Personen lebten die Rudas im Streit, wie es hieß. Die Polizei glaubte, dass es sich um eine Art «Todesliste» handeln könnte. Vorsorglich war allen Betroffenen Polizeischutz angeboten worden. |
Mutmaßliches Mörderpaar aus Witten in Thüringen gefasst - Polizei stellte Ehepaar aus der ... adn0000020010712dx7c009kh 510 Words 12 July 2001 13:41 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
Mutmaßliches Mörderpaar aus Witten in Thüringen gefasst - Polizei stellte Ehepaar aus der Satanisten-Szene in Jena-Maua - Von Jens Hapke. (Zusammenfassung) |
(mit Bildern) Nach dem Wittener Mord im Satanismus-Milieu ist das tatverdächtige Ehepaar Manuela und Daniel Ruda in Thüringen gefasst worden. Die Bochumer Polizei bestätigte am Donnerstag, die 22-jährige Frau und ihr drei Jahre älterer Mann seien in Jena-Maua ohne Widerstand festgenommen worden. Die mutmaßlichen Mörder, die den Ermittlungen zufolge am vergangenen Freitag einen 33-jährigen Bekannten mit 66 Messerstichen und zahlreichen Hammerschlägen bestialisch umgebracht haben, sollten noch am Donnerstag per Hubschrauber nach Bochum gebracht und einem Haftrichter vorgeführt werden. Die Identität des völlig entstellten Opfers war bis Donnerstag noch immer nicht endgültig geklärt, wie ein Polizeisprecher sagte. Letzte Sicherheit sollte erst das Ergebnis einer DNA-Analyse bringen. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass es sich bei dem Toten um einen 33-Jährigen, aus Datteln stammenden Bekannten des Ehepaars handelt, der seit Freitag vermisst wird. Die Rudas hatten ihn «zu einem Umtrunk» eingeladen. Gefunden wurde die Leiche am Montagmorgen, nachdem die Mutter von Manuela Ruda einen angeblichen Abschiedsbrief ihrer Tochter erhalten und die Polizei informiert hatte. Der ermittelnde Staatsanwalt Dieter Justinsky hatte unmittelbar nach Entdeckung der Tat keinen Zweifel daran gelassen, dass das Paar «einfach Lust am Töten» hatte. Dies sei ein Grund dafür gewesen, dass die 22-Jährige und ihr drei Jahre älterer Gefährte auch auf den bereits Toten mit Messern eingestochen und mit einem Zimmermannshammer eingeschlagen hätten. Satanistische und okkultistische Symbole beherrschten die in einem Mehrfamilienhaus gelegene Wohnung des Ehepaars: Im schwarz gestrichenen Wohnzimmer stand als einziges Möbelstück ein Eichensarg. An den Wänden hingen umgedrehte Kreuze und Nazi-Symbole, auf den Tischen lagen künstliche Totenköpfe. An einer Fensterscheibe stand in roter Schrift «When Satan Lives» («wenn Satan lebt») geschrieben. Auch wenn die düstere Szenerie den Verdacht zuließ, hatte die Polizei zunächst ausgeschlossen, dass der 33-Jährige das Opfer einer schwarzen Messe geworden ist. Den Fluchtweg konnten die Fahnder weitgehend rekonstruieren. Unmittelbar nach der Tat fuhr das frisch verheiratete Ehepaar mit seinem beigefarbenen Opel Vectra eine Tankstelle in Witten an, kaufte dort Zigaretten, tankte voll und flüchtete Richtung Ostdeutschland. Am Samstag ließen Daniel und Manuela Ruda in Hannover ihr Auto reparieren und kauften vier neue Reifen. Am Montagnachmittag wurden die beiden zum ersten Mal in Thüringen gesehen. Den Zeugen in Sondershausen war vor allem der mit satanistischen Schriftzeichen lackierte Wagen aufgefallen: Ein rotes Pentagramm (fünfeckiger Stern) schmückte die Heckscheibe ebenso wie die Schrift «Soko-Friedhof». An den Türen stand «Kadaververwertungsanstalt - Bunkertor 7». Währenddessen hatten sich 20 Ermittler einer Sonderkommission an die Fersen des Ehepaars geheftet. Die Beamten hielten beide für «äußerst gefährlich» und fürchteten, das Paar könne noch weitere Verbrechen begehen. Ihre Sorge wurde von einer Liste mit bis zu 15 Namen genährt, die sich in der Wohnung neben der Leiche befand. Mit allen genannten Personen lebten die Rudas im Streit, wie es hieß. Die Polizei glaubte, dass es sich um eine Art «Todesliste» handeln könnte. Vorsorglich war allen Betroffenen Polizeischutz angeboten worden. |
Was ist der Satanskult? adn0000020010712dx7c007qt 188 Words 12 July 2001 10:26 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
(ddp-Infokasten) Satan ist die klassische Teufelsbezeichnung. Sie kommt aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie Widersacher, Ankläger oder Versucher. Es gibt es auch zahlreiche andere Namen wie Luzifer, Behemot Beelzebub oder Antichrist. |
Menschen, die sich dem Satanismus verschrieben haben, gehen von der übermäßigen Kraft und Gewalt eines Satans aus. Oft praktizieren sie «schwarze Magie» oder feiern «schwarze Messen». Diese können als pervertierte Form der römisch-katholischen Messfeier angesehen werden. Die Religionswissenschaftler unterscheiden zwei satanistische Hauptrichtungen: den traditionellen und den modernen Satanismus. Beim traditionellen verehren die Anhänger das theologische Satansbild der Kirchen. Der Satan ist hiernach der Widersacher Gottes - die dunkle Macht, sagt Joachim Keden, Beauftragter für Weltanschauungs-und Sektenfragen der Evangelischen Kirche im Rheinland. Der moderne Satanismus, auch Crowley-Neo-Satanismus, habe keinen Platz mehr für einen christlichen Gott. Der Satan wird zum Inbegriff der Lebensenergie, zur «magischen Power». Sein Anhänger strebt selbst an, zum Gott zu werden. Als Begründer des modernen Satanismus gilt der Magier Aleister Crowley (1875-1947). Er erfand und erprobte eine Vielzahl Rituale, die er mit okkulten und sexuellen Praktiken verknüpfte. (Evangelische Informationsseite im Internet: http://www.relinfo.ch/) |
Was ist der Satanskult? adn0000020010712dx7c007qq 188 Words 12 July 2001 10:01 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
(ddp-Infokasten) Satan ist die klassische Teufelsbezeichnung. Sie kommt aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie Widersacher, Ankläger oder Versucher. Es gibt es auch zahlreiche andere Namen wie Luzifer, Behemot Beelzebub oder Antichrist. |
Menschen, die sich dem Satanismus verschrieben haben, gehen von der übermäßigen Kraft und Gewalt eines Satans aus. Oft praktizieren sie «schwarze Magie» oder feiern «schwarze Messen». Diese können als pervertierte Form der römisch-katholischen Messfeier angesehen werden. Die Religionswissenschaftler unterscheiden zwei satanistische Hauptrichtungen: den traditionellen und den modernen Satanismus. Beim traditionellen verehren die Anhänger das theologische Satansbild der Kirchen. Der Satan ist hiernach der Widersacher Gottes - die dunkle Macht, sagt Joachim Keden, Beauftragter für Weltanschauungs-und Sektenfragen der Evangelischen Kirche im Rheinland. Der moderne Satanismus, auch Crowley-Neo-Satanismus, habe keinen Platz mehr für einen christlichen Gott. Der Satan wird zum Inbegriff der Lebensenergie, zur «magischen Power». Sein Anhänger strebt selbst an, zum Gott zu werden. Als Begründer des modernen Satanismus gilt der Magier Aleister Crowley (1875-1947). Er erfand und erprobte eine Vielzahl Rituale, die er mit okkulten und sexuellen Praktiken verknüpfte. (Evangelische Informationsseite im Internet: http://www.relinfo.ch/) |
Verdächtige nach Wittener Satanismus-Mord vermutlich gefasst. adn0000020010712dx7c007qd 72 Words 12 July 2001 09:18 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
Nach dem Wittener Mord im Satanismus-Milieu ist das tatverdächtige Pärchen vermutlich in Thüringen gefasst worden. Wie die Polizeidirektion Jena am Donnerstag mitteilte, wurde ein Paar in Jena-Maua festgenommen. Ob es sich um die gesuchten Manuela und Daniel Ruda handele, stehe noch nicht zweifelsfrei fest. Die beiden sollen im nordrhein-westfälischen Witten einen Mann mit 66 Messerstichen und zahlreichen Schlägen getötet haben. (folgt ausführlich) |
ddp am Mittag/zwei -12.30 Uhr-Donnerstag, 12. Juli 2001. adn0000020010712dx7c004xu 480 Words 12 July 2001 10:33 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
EKD: Klimaschutzziele von Kyoto einhalten Heidelberg - Im Vorfeld der Bonner Klimakonferenz fordert der Rat |
der Evangelischen Kirche in Deutschland ein Festhalten an den Klimaschutzzielen von Kyoto. Der EKD-Beauftragte für Umweltfragen, Diefenbacher, appellierte heute in Heidelberg an die deutsche Delegation, jede weitere Aufweichung der im Kyoto-Protokoll festgeschriebenen Ziele zu verhindern. «Wir müssen uns vor Augen führen, dass das Kyoto-Protokoll nichts weiter ist als ein erster Schritt», sagte er. Die Erdatmosphäre sei ein «globales Gemeingut». Deshalb müsse, wer «den Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung ernst nimmt», sich für deren Erhaltung einsetzen. Unterdessen forderte Bundeskanzler Schröder die USA und Japan heute in Berlin auf, den wichtigen Klimaschutz-Prozess «wenigstens» nicht zu blockieren, wenn sie dem Kyoto-Protokoll schon nicht zustimmten. Süssmuth-Kommission will Schulfach Islam Hamburg - Die Süssmuth-Kommission zur Zuwanderung empfiehlt islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen als Vorbeugung gegen fundamentalistische Tendenzen. Kommissionsmitglied Fücks sagte der Illustrierten «Max», ein reguläres Schulfach Islam könne verhindern, dass «dem Fundamentalismus eine Hintertür geöffnet» werde. Islamischer Religionsunterricht in deutscher Sprache sei zudem ein «wichtiges Signal auf dem Weg zur multikulturellen Gesellschaft», betonte der Chef der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung. In dem Bericht der Zuwanderungskommission heißt es, in einigen der privaten Koranschulen würden «Werte vermittelt, die nicht mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung im Einklang stehen». Daher solle ein «dem Grundgesetz entsprechender bekenntnisorientierter Unterricht» an deutschen Schulen angeboten werden. Microsoft ändert überraschend seine Lizenzbedingungen Redmond - Der Software-Konzern Microsoft hat überraschend die Lizenzpolitik für sein neues Betriebssystem Windows XP geändert. Wie die Silicon-Valley-Tageszeitung Mercury News berichtet, können Großabnehmer der Software erstmals Änderungen an der Benutzeroberfläche von Windows vornehmen. Insbesondere sei es anders als bisher möglich, den Link zum Browser Internet Explorer vom Windows-Schreibtisch zu entfernen und durch den Verweis auf einen anderen Browser zu ersetzen. Diese Verknüpfung hatte Microsoft eine Klage wegen wettbewerbswidrigen Verhaltens eingebracht. In erster Instanz hatte das zuständige US-Gericht eine Teilung des Konzerns angeordnet, in der Berufung wurde dieses Urteil aufgehoben. Nun muss der Fall neu aufgerollt werden. Verdächtige nach Satanismus-Mord festgenommen Witten/Jena - Nach dem Mord im Satanismus-Milieu im nordrhein-westfälischen Witten ist das dringend tatverdächtige Paar den Ermittlern in der Nähe von Jena ins Netz gegangen. Am Vormittag hätten Beamte das Ehepaar in Jena-Maua festgenommen, teilte die Polizei mit. Weitere Einzelheiten nannte die Polizei zunächst nicht. Die 22-jährige Manuela Ruda und ihr 25 Jahre alter Ehemann Daniel sind dringend verdächtig, am Freitag einen 33-Jährigen bestialisch mit bis zu 66 Messerstichen getötet zu haben. Abschließende Sicherheit über die Identität des Opfers soll heute eine DNA-Analyse bringen. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich bei dem Toten um einen 33 Jahre alten Bekannten des Ehepaars handelt, der seit Freitag vermisst wird. Ihre Ansprechpartnerin in der ddp-Zentralredaktion: Marina Antonioni, Tel. 089 / 32196-669; E-mail: marina.antonioni@ddp.de |
ddp am Mittag -12.30 Uhr-Donnerstag, 12. Juli 2001. adn0000020010712dx7c004xt 488 Words 12 July 2001 10:32 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
Die Themen: -- Schröder sieht Bundesregierung auf gutem Kurs |
-- Grünen-Chef Kuhn fordert aktivere Arbeitsmarktpolitik -- Wirtschaftsweiser fordert Niedriglöhne zur Konjunkturankurbelung -- SPD-Fraktionsvize Müller: Zustimmung zu Dosenpfand noch möglich -- EKD: Klimaschutzziele von Kyoto einhalten -- Süssmuth-Kommission will Schulfach Islam -- Microsoft ändert überraschend seine Lizenzbedingungen -- Verdächtige nach Satanismus-Mord festgenommen Schröder sieht Bundesregierung auf gutem Kurs Berlin - Mehr als ein Jahr vor der Bundestagswahl sieht Bundeskanzler Schröder die Bundesregierung auf einem guten Kurs. In den vergangenen drei Jahren sei es vor allem darum gegangen, den «Reformstopp» aufzuheben, sagte Schröder heute in Berlin. Als Leistung der rot-grünen Bundesregierung hob Schröder die Steuerreform hervor, die in gleicher Weise Verbesserungen für die Angebots-und Nachfrageseite gebracht habe. Die Steuerentlastungen für die Bürger würden sich vor allem im zweiten Halbjahr bemerkbar machen. Darüber hinaus wolle die Regierung an ihrem strikten Konsolidierungskurs festhalten, sagte der Kanzler in seiner Zwischenbilanz. Mit Blick auf die Zuwanderungs-Debatte sieht Schröder gute Chancen für einen parteiübergreifenden Konsens. Die Arbeit der Süssmuth-Kommission bilde dafür eine gute Grundlage, betonte er. Grünen-Chef Kuhn fordert aktivere Arbeitsmarktpolitik Köln - Der Grünen-Vorsitzende Kuhn fordert von der Bundesregierung eine aktivere Arbeitsmarktpolitik. Rot-Grün müsse «noch mehr zulegen», um Dauerarbeitslose über Strukturveränderungen «in Qualifikation und Arbeit» zu bringen, sagte Kuhn heute im Deutschlandfunk. Die «Politik der ruhigen Hand» sei zwar richtig, «aber die ruhige Hand muss auch zupacken». Abwarten könne nicht die richtige Entscheidung sein. Notwendig seien zum Beispiel Lohnsubventionen, um Arbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen sowie weitere Anstrengungen zur Senkung der Lohnnebenkosten. In der Koalition sollte jetzt in Ruhe darüber geredet werden, was zusätzlich für eine aktivere Arbeitsmarktpolitik getan werden könne. Die Grünen wollten nicht abwarten, bis sich die Konjunktur wieder bessere. Wirtschaftsweiser fordert Niedriglöhne zur Konjunkturankurbelung Hamburg - Zur Belebung des Wirtschaftswachstums in Deutschland fordert der Wirtschaftsweise Wiegard Einschnitte in das Tarifsystem. Wiegard regte gegenüber der «Bild»-Zeitung die Schaffung neuer Niedriglohngruppen an. «Eine stärkere Lohnspreizung würde helfen», betonte er. Wenn man die Arbeitslosigkeit wirksam bekämpfen wolle, müsse man bereit sein, «etwas mehr Einkommensungleichheit in Kauf zu nehmen.» Für die kommenden Tarifverhandlungen rief Wiegard die Gewerkschaften zur Mäßigung auf. «Wichtig ist, dass es nicht zu überzogenen Tarifabschlüssen kommt», sagte er dem Blatt. SPD-Fraktionsvize Müller: Zustimmung zu Dosenpfand noch möglich Berlin/Düsseldorf - SPD-Fraktionsvize Müller rechnet morgen im Bundesrat mit einer Ländermehrheit zum Dosenpfand. Er verwies heute in Berlin auf die neue Position Baden-Württembergs. Ministerpräsident Teufel hatte angekündigt, sein Land werde dem Konzept der Bundesregierung zustimmen, wenn der Gegenvorschlag aus Bayern keine Mehrheit finde. Nach dem bayerischen Konzept soll die Wirtschaft gesetzlich verpflichtet werden, mindestens zwei Drittel der Getränke in Mehrwegverpackungen abzufüllen. Erst wenn diese Mindestmenge zwei Jahre hintereinander unterschritten wird, soll die Dosenpfandpflicht eintreten. Dagegen sieht das Konzept von Bundesumweltminister Trittin vor, bei Unterschreiten der Mehrwegquote von 72 Prozent ein Pfand zu erheben. Die Verordnung soll am 1. Januar 2002 in Kraft treten. f o l g t zwei |
Satanismus-Mord - Verdächtiges Ehepaar in Jena festgenommen. adn0000020010712dx7c003k0 166 Words 12 July 2001 09:42 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
(Ausführlich ddp 0222 vm) Nach dem Mord im Satanismus-Milieu im nordrhein-westfälischen Witten ist das dringend tatverdächtige Paar den Ermittlern in Jena ins Netz gegangen. Am Vormittag gegen 09.30 Uhr hätten Beamte das Ehepaar in Jena-Maua festgenommen, teilte die Polizei mit. Weitere Einzelheiten nannte die Polizei zunächst nicht. Für den Nachmittag sind bei der Polizei in Bochum (14.30 Uhr) und in Jena (15.00 Uhr) Pressekonferenzen angekündigt. |
Die 22-jährige Manuela Ruda und ihr 25 Jahre alter Ehemann Daniel sind dringend verdächtig, am Freitag vergangener Woche einen 33-jährigen Bekannten bestialisch mit bis zu 66 Messerstichen getötet zu haben. Abschließende Sicherheit über die Identität des Opfers sollte am Donnerstag eine DNA-Analyse bringen. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich bei dem Toten um einen 33 Jahre alten Bekannten des Ehepaars handelt, der seit Freitag vermisst wird. Die Rudas hatten ihn «zu einem Umtrunk» eingeladen. Als Motiv für die Tat nennen die Ermittler «Mordlust». |
Satanismus-Mord - Verdächtiges Ehepaar in Thüringen festgenommen. adn0000020010712dx7c003ef 155 Words 12 July 2001 09:29 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
(Ausführlich ddp 0224 vm) Nach dem Mord im Satanismus-Milieu im nordrhein-westfälischen Witten ist das dringend tatverdächtige Paar den Ermittlern in der Nähe von Jena ins Netz gegangen. Am Vormittag hätten Beamte das Ehepaar in Jena-Maua festgenommen, teilte die Polizei mit. Weitere Einzelheiten nannte die Polizei zunächst nicht. Für den Nachmittag (15.00 Uhr) ist eine Pressekonferenz angekündigt. |
Die 22-jährige Manuela Ruda und ihr 25 Jahre alter Ehemann Daniel sind dringend verdächtig, am Freitag vergangener Woche einen 33-jährigen Bekannten bestialisch mit bis zu 66 Messerstichen getötet zu haben. Abschließende Sicherheit über die Identität des Opfers sollte am Donnerstag eine DNA-Analyse bringen. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich bei dem Toten um einen 33 Jahre alten Bekannten des Ehepaars handelt, der seit Freitag vermisst wird. Die Rudas hatten ihn «zu einem Umtrunk» eingeladen. Als Motiv für die Tat nennen die Ermittler «Mordlust». |
Verdächtige nach Wittener Satanismus-Mord gefasst. adn0000020010712dx7c003ed 79 Words 12 July 2001 09:24 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
Nach dem Wittener Mord im Satanismus-Milieu ist das tatverdächtige Pärchen in Thüringen gefasst worden. Die Polizei bestätigte am Donnerstag, dass es sich bei dem in Jena-Maua gestellten Paar um die gesuchten Manuela und Daniel Ruda handelt. Die beiden sollen im nordrhein-westfälischen Witten einen Mann mit mit 66 Messerstichen und zahlreichen Schlägen getötet haben. Weitere Einzelheiten nannte die Polizei zunächst nicht. Für den Nachmittag (15.00 Uhr) ist eine Pressekonferenz angekündigt. |
Verdächtige nach Wittener Satanismus-Mord vermutlich gefasst. adn0000020010712dx7c0038s 73 Words 12 July 2001 09:16 GMT ADN - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst German (c) 2001 ADN |
Nach dem Wittener Mord im Satanismus-Milieu ist das tatverdächtige Pärchen vermutlich in Thüringen gefasst worden. Wie die Polizeidirektion Jena am Donnerstag mitteilte, wurde ein Paar in Jena-Maua festgenommen. Ob es sich um die gesuchten Manuela und Daniel Ruda handele, stehe noch nicht zweifelsfrei fest. Die beiden sollen im nordrhein-westfälischen Witten einen Mann mit mit 66 Messerstichen und zahlreichen Schlägen getötet haben. (folgt ausführlich) |
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